Ein Auto der Berlkönig-Flotte fährt durch Berlin (Quelle: dpa/Wolfram Steinberg)
Audio: Inforadio | 05.02.2020 | Martin Adam | Bild: dpa/Wolfram Steinberg

Berliner Pilotprojekt vor dem Aus - Die BVG könnte beim Berlkönig zu hoch gepokert haben

Dem Sammeldienst Berlkönig droht ein vorzeitiges Ende. Und das, obwohl die BVG ihn als Vorzeigeprojekt ansieht. Nach rbb-Informationen zweifelt der Senat jedoch an dem Konzept - ein Problem für die BVG, die mit Millionengeldern gerechnet hat. Von Martin Adam

Der BVG-Fahrdienst Berlkönig könnte schon Ende April seinen Dienst einstellen. Das berichtete zuerst der "Tagesspiegel" und zitiert aus einem Schreiben der BVG an Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) und an Mitglieder des Abgeordnetenhauses. "Für uns geht es jetzt ums Ganze", heißt es in dem Appell. Sollte sich die Koalitionsrunde am kommenden Donnerstag nicht für den Berlkönig aussprechen, werde die BVG "das Vorzeigeprojekt trotz des sehr positiven Zuspruchs leider einstellen müssen", heißt es in dem Bericht.

Vertrag mit ViaVan läuft nur eineinhalb Jahre

Nach Informationen des rbb hat die BVG beim Projekt Berlkönig offenbar zu hoch gepokert. Demnach hat die BVG mit dem Berliner Senat zwar eine Testphase von vier Jahren vereinbart, mit dem Partnerunternehmen ViaVan aber nur einen Vertrag über eineinhalb Jahre abgeschlossen - ohne dies offenzulegen.

Bisher stellt ViaVan, ein privates Unternehmen aus den USA, Autos und Personal. Von der öffentlichen Hand kommt nichts. Das will die BVG ändern: Der Senat soll mit 43 bis 46 Millionen Euro einsteigen - um laut Tagesspiegel das Defizit auszugleichen und um das Einsatzgebiet des Berlkönigs vergrößern zu können. Um die Ausweitung des Berlkönig-Gebiets bemüht sich die BVG schon länger.

Gespräche zwischen Senat, Abgeordnetenhaus und BVG

Jan Thomsen, Sprecher der Verkehrsverwaltung, teilte dem rbb-Inforadio am Mittwoch schriftlich mit: Die Senatsverwaltung habe seinerzeit den Berlkönig-Pilotversuch auf Antrag der BVG bis zum Herbst 2022 genehmigt. "Für die Senatsverwaltung sei bei dieser Erprobung zentral, dass das Angebot einen verkehrlichen Nutzen durch die deutliche Reduktion des privaten Autoverkehrs nachweisen kann und damit auch einen signifikanten Beitrag zum Klimaschutz leistet." Das sei laut Thomsen bislang allerdings nicht nachgewiesen worden.

Momentan laufen Gespräche zwischen Senat, Abgeordnetenhaus und BVG. Deren Sprecher, Jannes Schwentu, teilte dem rbb-Inforadio am Mittwoch schriftlich mit: Solange die Gespräche laufen, werde sich die BVG nicht zum Thema äußern.

Thomsen: Neuer Verkehrsvertrag essenziell

Laut dem Sprecher der Verkehrsverwaltung, Thomsen, könne der Berlkönig nur dann mit Steuergeld gerettet werden, wenn das vorher im neuen Verkehrsvertrag des Landes ausgehandelt wird. Das werde aber mit Sicherheit nicht bis April passieren. Dann läuft allerdings der aktuelle Berlkönig-Vertrag zwischen BVG und ViaVan aus. Eine Verlängerung gibt es bisher nicht, somit muss der Sammeldienst um seine Existenz fürchten.

Nach Angaben der BVG nutzten 1,4 Millionen Fahrgäste den Fahrdienst seit dem Start im September 2018. Die Fahrt lässt sich per App buchen, ein Computer berechnet die Route so, dass mit wenigen Umwegen möglichst viele Fahrgäste zusteigen können. Die Berlkönig-App ist nach BVG-Angaben bisher mehr als 280.000 Mal heruntergeladen worden. Beim Großteil der Fahrten (84 Prozent) transportieren die Sammeltaxis mehrere Fahrgäste. Das liegt zum Teil daran, dass mehrere Leute das Sammeltaxi buchen, aber in der Mehrzahl  der Fälle (59 Prozent) schafft es der Algorithmus inzwischen, verschiedene Buchungen mit ähnlicher Fahrtrichtung zusammenzulegen.

Sendung: Inforadio, 05.02.2020, 18 Uhr

Beitrag von Martin Adam

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38 Kommentare

  1. 38.

    Ein Taxifahrer muss eine Prüfung zum Ortskenntnis ablegen.
    Ein BerlKönig-Fahrer braucht die Prüfung nicht..
    Ich sag nur wo bleibt die Gerechtigkeit..
    Das Personenbeförderungsgesetz wird auch nicht berücksichtigt, wozu hat man Gesetze??
    BerlKönig ruiniert nur das Taxi-Geschäft, deshalb sollte man BerlKönig abschaffen..
    Der Taxi-Unternehmer zahlt alle Ausgaben (Steuern, Sozialausg) aus eigener Tasche....

  2. 37.

    Wir würden sehr gerne den Berlkönig benutzen, wenn er auf die Halbinsel Stralau fahren würde, zumal wir dort schon lange vom und zum Ostkreuz keine Bus-Verbindung haben!

  3. 36.

    Ist ViaVan nicht ein Joint Venture aus Via und Mercedes-Benz?
    Somit wäre der Text oben: "Bisher stellt ViaVan, ein privates Unternehmen aus den USA, Autos und Personal." nicht ganz richtig.
    Via ist das private US-Unternehmen, ViaVan die gemeinschaftlich mit Mercedes gehaltene Tochter.

  4. 35.

    Ich bin seit einem Jahr bei Berlkönig angestellt und ich kann nur sagen ich hoffe das der Senat richtig entscheidet. Es geht hier auch um unsere Zukunft. Wir geben jeden tag das beste auf der Strasse und die Kunden sind immer glücklich. Will der Senat lieber Uber habe? Bei Berlkönig gibt es festen lohn, feste Arbeitszeiten, gutes Betriebsklima.

  5. 34.

    Weg mit dem Berlkönig-Blödsinn, die BVG sollte lieber die M-Linien von 3-5 Uhr verdichten, damit die Menschen aus den äußeren Bezirken zur Arbeit kommen. Was der Berlkönig macht, können auch hunderprozentige Privatfirmen bewerkstelligen. Die BVG hat einen ÖR Auftrag und keine Spielwiese für Testzwecke.

  6. 33.

    Ja geht's noch?! 43-46 Millionen Euro, damit sich fußfaule Partygänger und Hippster durch die mit Bussen und Bahnen rund um die Ubr gut versorgte Innenstadt chauffieren lassen können???

    Für das Geld soll mal lieber die Anbindung der Außenbezirke verbessert bzw. überhaupt hergestellt werden, statt zusätzliche (überflüssige) Dieselkutschen durch die Innenstadt fahren zu lassen!

  7. 32.

    nach der Karte, die der Link zeigt, zu urteilen, ist auch Nord-Neukölln und Alt-Treptow innerhalb des BerlKönig-Aktionsradius. Das deckt sich mit meinen Beobachtungen - hier sieht man häufig BerlKönig-Fahrzeuge, obwohl es hier exzellente Bus, S-Bahn und U-Bahnverbindungen gibt.

  8. 31.

    Laut Tgsp.: "Für einen stadtweit fahrenden Fahrdienst wären 43 Millionen Euro PRO JAHR [!!!] nötig." Dafür kann die BVG mindestens 1.000 (eintausend) Mitarbeiter*innen einstellen, die den gesammten ÖPNV auf Hochglanz bringen :) Das wäre eine schöne Qualitätsoffensive, die viele begeistern würde! Super saubere Fahrzeuge, Bahnsteige und Haltestellen ;) Statt: "Wir fegen die Busse abends aus und alle zwei Wochen wird da auch mal "gründlich" gewischt."
    Effektive Taubenvergämung wäre auch eine lohnende Investition. Nicht nur Teile des Bahnsteigs und der Zugänge der Hochbahn am Kottbusser Tor sind andauern vollgekotet. Auf der Straße dadrunter reinigt die BSR inzwischen periodisch mit Hochdruckreinigern in Weltraumanzügen mit Atemschutzmasken - oder sowas ähnlichem - @rbb das sind schöne Bilder für einen Videobeitrag zur saubereren Stadt ;) Auf der Hochbahn hängt der Kot sogar von den Anzeigetafeln, etc, pp. ....

  9. 30.

    Sie haben ja richtig Ahnung.
    Das Geschäftsgebiet des Berlkönig ist keineswegs der komplette S-Bahn-Ring sondern eben Friedrichshain-Kreuzberg, Teile von Prenzlauer Berg und Mite. Ende Schluss... Zum Nachschauen hier der Link: https://www.berlkoenig.de/das-gebiet

    Ich persönlich finde allerdings auch, das die Fahrer von Berlkönig und Clevershuttle eher defensiv unterwegs sind. Sie können die Verteilung der Fahrten eh nicht beeinflussen. Und sie bekommen Stundenlohn. Zumindest bei Clevershuttle.

  10. 29.

    Ich als Tram-Fahrer kann nur sagen, das der Berlkönig absolut überflüssig ist. Ich sehe sie nur immer leer durch die Stadt fahren oder irgendwo rumstehen. Wir haben genug Fahrdienste in Berlin, selbst die braucht man nicht. Ich kann nicht verstehen das die Nutzer dieser Dienste bereit sind für so kurze Strecken Geld zu bezahlen, jedoch in Bus, U- und S Bahnen sowie Tram, schwarzfahren! Wünschenwert da die Führung der BerlKönige wäre auch gewesen, dass wir als Fahrpersonal, den BerlKönig kostenlos nutzen hätten können um zu unseren Ablöseort zu kommen. Das mal nur so nebenbei.
    MfG

  11. 28.

    Ich als ehemaliger Berlkönig Fahrer bin auch dafür das der Berlkönig endet oder die bvg direkt übernimmt mit bvg Fahrer weil ViaVan und Jobandtalend der Arbeitgeber sind echt absurd wan wird nicht richtig bezahlt Mann muss immer um sein Geld hinterher rennen bei Beschwerden werden nur Kunden geglaubt Fahrer werden nie ernst genommen ect

  12. 27.

    Also ich bin auch für die ende der BerlKönig da ich in diesem Unternehmen als Fahrer gearbeitet und es ist es schrecklich Mann wird nicht rechtzeitig bezahlt und wen man mal bezahlt wird dan immer jeden Monat 150/200 Euro zu wenig und Trinkgeld wieviel wir gemacht hatten konnte Mann auch nicht im System sehen und Mann wird immer von denn Flottenmagger

  13. 26.

    Die BVG hat nur die Fassade geliefert, das US-Unternehmen wollte hier Kasse machen. Zudem hat der "Berlkönig" nur zusätzlichen Verkehr verursacht, denn die Taxis fahren dafür leer herum.

  14. 25.

    Noch nie etwas von Berlkönig gehört,was ist das?

  15. 24.

    Wir geben Ihnen Recht, das wurde in der Ursprünglichen Version des Textes nicht ganz deutlich. Wir haben es ergänzt.

  16. 23.

    "Subventioniert wird hier ein Nischenprojekt für Menschen die ohnehin sich alles leisten können."

    Sehr schön zusammengefasst. In jedem Fall ist es ein Angebot jenseits des Konzepts eines nachhaltig und im Sinne des Gemeinwohls wirtschaftenden ÖPNVs. Ja, es konterkariert dessen Grundidee sogar.

  17. 22.

    Durch den RBB wird der Zuschussbedarf noch falsch dargestellt. Die 43 bis 46 Millionen sind nicht nur für die Ausweitung des Bediengebietes vorgesehen, es geht hier auch um das sowieso entstehende Defizit, auch in dem bisherigen Gebiet, wo nun vorgeschlagen wird, das diese Summe nun der Senat übernehmen soll.

    Klar, solche Millionenausgaben müssten zulasten anderer Bereiche gehen. Dem Resortprinzip nach müssten die Mittel dann aus dem Verkehrshaushalt aufgebracht werden und reißen dort andere Löcher auf, die man in den letzten Jahren mühsam gestopft hat (S-Bahnen und U-Bahnen fehlen, kaum Infrastrukturerneuerungen, keine Neu- und Ausbauten über Jahre...)

  18. 21.

    CW: Ihre Werbung für die DaimlerChrysler AG und den Berliner Senat/BVG in Ehren. Lesen Sie doch bitte die anderen Kommentare. Subventioniert wird hier ein Nischenprojekt für Menschen die ohnehin sich alles leisten können. Das hat jetzt nichts mit dem Fahrstil von Taxifahrern zu tun. Der Ausbau des ÖPNV wäre sinnvoll und nicht dieses Produkt für Einige wenige Menschen für Unsummen.

  19. 20.

    Jetzt verstehe ich endlich, warum die Fahrer so fahren - die wurden gar nicht von der BVG eingestellt. Mein Eindruck ist, dass ihr Fahrverhalten eher aggressiver und risikoreicher als das der Taxifahrer ist. @rbb Gibt es Unfallstatistiken zu diesem BVG Angebot?

  20. 19.

    Wann wurde die Ring-Bahn westlich ungefähr des Fernbahntunnels eingestellt? Im Artikel steht zudem, dass immer noch bei 2/5 der Fahrten der Fahrgast allein im nicht-barrierefreien (weil die mit Rampe zu klein sind) Kleinbus sitzt.

    Der Berlkönig ist ebenso wie der automatische Kleinschleichbus in Tegel nur der erneute Versuch, dass Rad, welche andere hier in der Stadt vorgeführt hatten, durch die BVG neu erfinden zu lassen.

    Die Ridesharer steigern die Bequemlichkeit bei geringeren Kosten als ein Taxi. Der Nutzen für die Verkehrswende ist aber zweifelhaft.

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