Demonstration von Taxifahrern vor dem Roten Rathaus in Berlin (Bild: rbb)
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Video: rbb|24 | 19.02.2020 | Bild: rbb

Flughäfen Tegel und Schönefeld betroffen - Mehr als 1.000 Taxifahrer streiken in Berlin

Hunderte Berliner Taxifahrer haben am Mittwoch gestreikt, um sich gegen Konkurrenten wie Uber zu wehren. Protesten am Roten Rathaus und am Flughafen Schönefeld folgten Straßenblockaden am Flughafen Tegel, wo zeitweise nur der Fußweg blieb.

Mehr als 1.000 Taxifahrer haben sich am Mittwochmittag in Berlin-Mitte und am Flughafen Schönefeld zu einer Protestaktion versammelt. Hunderte Taxi-Fahrzeuge blockierten dabei die Straßen rund um das Rote Rathaus, sagte der Vorsitzende der Berliner Taxiinnung, Leszek Nadolski rbb|24. Am Flughafen Schönefeld beteiligten sich etwa 250 Taxifahrer von rund 100 Taxiunternehmen an der mehrstündigen Protestaktion.

Auch zu Fuß hätten sich einige Taxifahrer den Protesten angeschlossen. Gegen 13 Uhr war die Demonstration am Roten Rathaus beendet worden. Die Spandauer Straße war während dieser Zeit zwischen Karl-Liebknecht-Straße und Rathausstraße in beiden Richtungen für die Zeit von 11 Uhr bis 14:30 Uhr gesperrt, twitterte die Verkehrsinformationszentrale Berlin.

Taxiprotest am 19.2.20 in Berlin-Mitte (Bild: Leszek Nadolski)
Wütende Taxifahrer vor dem Roten Rathaus | Bild: Leszek Nadolski

Taxifahrer blockieren Zufahrt zu Flughafen Tegel

Einige Fahrer machten sich anschließend auf den Weg zum Flughafen Tegel, blockierten dort die Zufahrtstraßen und sorgten dort für Stau. In der Umgebung des Flughafens entstand ein Verkehrschaos. Buslinien wurden unterbrochen, Passagiere mussten weit vor dem Terminal aussteigen und den Rest der Strecke laufen. Der Flugbetrieb sei wegen der Aktion aber nicht beeinträchtigt gewesen, wie ein Flughafensprecher sagte. Von diesen Blockaden distanziere sich die Innung ausdrücklich, sagte Nadolski.

Protest richtet sich gegen Uber

Der Protest richtete sich gegen die Pläne von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), der die Rückkehrpflicht für Fahrdienste wie Uber abschaffen will. Danach müssen Uber-Fahrer nach jeder Fahrt an den Hauptstandort zurückkehren und dürfen anders als Taxis nicht auf der Straße auf Kunden warten. Scheuer will das entsprechende Personenbeförderungsgesetz reformieren und diese Rückkehrpflicht für Mietwagenfirmen mit Fahrern abschaffen.

Die Taxifahrer kritisieren etwa, das die Mietwagen-Konkurrenten die Rückkehrpflicht umgingen und sich nicht in die Warteschlange der Wagen am Taxistand einreihten - wo man mitunter stundenlang auf den nächsten Kunden warte. "Die schwirren wie die Bienen um das Terminal", sagte Taxifahrer Sercan Akkus in Schönefeld.

Nadolski sieht Taxifahrer-Schwund

Innungs-Vorsitzender Nadolski wirft der Berliner Senatsverwaltung für Verkehr und anderen Behörden außerdem vor, Kontrollen von Taxi-Konkurrenten wie Uber zu vernachlässigen. "In anderen Städten wie in Hamburg und München werden diese Anbieter intensiv kontrolliert, ob sie sich zum Beispiel an das Arbeitsrecht halten. Hier in Berlin wird dieser Aufgabe nicht nachgegangen", so Nadolski. Viele Taxifahrer in Berlin hätten schon aufgegeben: "Inzwischen haben wir weniger als 8.000 Konzessionen für Taxifahrer. Vor drei Monaten waren das noch 300 mehr", so Nadolski.

Taxigewerbe klagt über Existenznöte

"Mietwagen fahren rund 300 bis 400 Touren am Tag, jeder Taxifahrer verliert dadurch einen großen Anteil an Umsatz", betonte der Vorsitzende des Verbands "SFX Taxiverband BER" Özcan Ekinci in der "Märkischen Allgemeinen Zeitung". "Ohne Rückkehrpflicht ist das Taxi-Gewerbe tot", warnte schon im vergangenen Jahr nach Bekanntwerden dieser Pläne der Vorsitzende des Bundesverbands Taxi und Mietwagen, Michael Müller.

Die Demonstration kam für Autofahrer und Flugpassagiere überraschend. Die Kundgebung am Roten Rathaus war nach Polizeiangaben aber zuvor vom Taxigewerbe angemeldet worden. Motto: "Schützt das Taxi".

Sendung: Abendschau, 19.02.2020, 19:30 Uhr

Kommentar

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35 Kommentare

  1. 35.

    In Berlin alle Taxi fahren nicht friedlich ich fahre seit 4-Monate Uber sie gut und billig sofort kommt Taxi immer dauert 20-Minuten warten

  2. 34.

    Bvg mitarbeiter haben auch mehrmals gestreikt.oder lufthansa piloten.sollen wir nicht mehr mit lufthansa fliegen?nicht mehr mit bvg fahren?was für ein logik!!!es geht um die existens von mehr als 14000 taxi fahrern allein in Berlin.dafür wollen Sie streiken.

  3. 33.

    Die Taxifahrer hätten sich ja auch in den letzten Jahren mal etwas freundlicher, sauberer und rücksichtsvoller im Verkehr zeigen können. Ich habe in letzter Zeit nur noch schlechte Erfahrungen im Taxi gemacht. Leider haben es die Fahrer nie kapiert, dass jeder Einzelne auch ein Botschafter für seine ganze Branche ist. Dass die Taxifahrer jetzt zum wiederholten Male den Verkehr lahmgelegt haben, macht den Leuten nur noch mehr Lust auf UBER & Co.

  4. 32.

    Ich hoffe einfach dass so schnell wie möglich der autonome Straßenverkehr kommt, dann bleibt uns dieser ganze Quatsch erspart.

  5. 31.

    Also schon aus Sicht des Klimawandels sollte jede unnötige Leerfahrt vermieden werden. Von daher unterstütze ich Scheuer. Und die Streikfahrt der Taxifahrer finde ich klimaschädlich. Ich dachte wir wollen alle unseren Teil zum Klimaschutz beitragen. Und man muss nicht sein Arbeitsgerät zum Streik mitnehmen.

  6. 30.

    Es geht aber um eine faire Konkurrenz und die ist derzeit nicht gegeben. Ein Taxi muss jederzeit jede gewünschte Strecke zu einem von der Stadt festgelegten Preis bedienen. Andere müssen das nicht und geben in ihrer Werbung dreist vor, billiger zu sein. Das stimmt oft nicht einmal. Wenn Uber den selben Regelungen wie Taxis unterworfen wäre, würde deren Geschäftsmodell schlicht zusammenbrechen. Modern ist da lediglich die App, wobei die App Berlin Taxi mindestens genau so gut ist, wenn nicht sogar besser. Und wer behauptet, Berliner Taxifahrer wären unfreundlich, sollte mal sein eigenes Verhalten überprüfen. Ich nutze regelmäßig Taxis, fast immer ist alles bestens. Die Autos sind modern, sauber und sicher, die Fahrer fast immer sehr freundlich und für eine nette Unterhaltung zu haben und es wird der von mir gewünschte Weg auch gefahren. Kartenzahlung ist nie ein Problem, ich frage beim Einstieg aber auch immer noch mal nach. Negative Ausnahmen gibt's überall.

  7. 29.

    Wenn es denn wenigstens eine faire Konkurrenz für die Taxifahrer wäre, dann wären Ihre Argumente vielleicht noch nachvollziehbar. Wenn aber Taxis als Teil des ÖPNV verschiedenen Auflagen unterliegen, wie zum Beispiel der Beförderungspflicht, der Pflicht zum Personenbeförderungsschein inklusive Prüfung, der jährlichen Hauptuntersuchung, während Uber sich die lukrativen Fahrten rauspicken kann und bestimmte Auflagen nicht erfüllen muss, dann herrscht eine Marktverzerrung. Ich werde Uber mit seinem Geschäftsmodell der risikofreien Abzocke und Selbstausbeutung seiner Fahrer niemals unterstützen und meide dieses Angebot aus fester Überzeugung!

  8. 28.

    Wenn jetzt alle mit ihren Arbeitsgeräten demonstrieren, bin ich schon gespannt auf den nächsten Pilotenstreik...

  9. 27.

    Nur die Koks-Taxis rollen weiter. Aber ernsthaft: Wenn es um (soziale, physische) Sicherheit von Fahrern und Passagieren geht, ist ein wenig staatliche Regulierung (Personenbeförderungsschein, ein paar Ortskenntnisse, verkehrssicheres Fahrzeug, Mindestlohn) angebracht. Ob es jedoch Taxilizenzen sein müssen? Soll der Markt (Nachfrage) regeln, wieviele Fahrer die Stadt vertragen kann. Uber ist letztlich auch nur eine Art Taxiruf mit selbständigen Fahrern. Die etablierten sollen sich nicht zusehr auf Privilegien ausruhen, das schadet dem Wettbewerb und damit dem Fahrgast.

  10. 26.

    Ich bin auf der Seite der Taxifahrer obwohl ich nie Taxi fahren würde! Die Uber Fahrer fahren nie zu Ihren hauptstandort zurück. Sie stehen irgendwo am Straßenrand (z.B. Herzbergstrasse) und warten dort auf neue Aufträge. Auch andere Anbieter sehe ich sehr oft am Starßenrand stehen (Clevershuttle, BerlKönig). Das diese Unternehmen überhaupt eine Zulassung bekommen haben ist ein Ohrfeige für jeden Taxifahrer. Ich finde, weg mit diesen Fahrdiensten!

  11. 25.

    Der Daimler-Konzern hat seit ein paar Monaten mit "Freenow" die bisherigen Taxikunden zu seinen neuen jetzt rund tausend Billigwagen direkt umgeleitet, quasi unregulierter Kundenklau, aber dafür haben sie ja Verbündete in der Politik.

  12. 24.

    Also ich musste vor einem Jahr aufgrund von Augenop's mein Auto für 3 Monate stehen lassen und bin sehr viel Taxe gefahren. Ich habe durchweg nur positive Erfahrungen gemacht. Mit der Zuverlässigkeit ( telefonische Bestellungen) und den Fahrern in Punkto Freudlichkeit,Hilfsbereitschsft, sprachlicher Verständigung und Fahrtroutenkenntnis. Auch in der Zeit gab es Szreiks wegen UBER, zum Glück nicht an den Tagen an denen ich ein Taxi brauchte. Das Zahlen.mit Karte habe ich nicht getestet, hab nur bar gezahlt. Vielleivht hatte ich mit meinen Taxifahrern Glück oder die Mehrzahl von ihnen ist eben o.k.

  13. 23.

    Die Taxifahrer demonstrieren und kommentieren hier genau so, wie Sie mit ihrer Kundschaft umgeht. Laut, aggressiv, egoistisch, belehrend und engstirnig. Dieses Hupkonzert heute war grauenhaft.

  14. 21.

    Haben Sie sich schon Mal die Unfall Statistiken der Taxi Konkurrenz angeschaut ... Katastrophal sage ich nur !!!

    BLEIBE SICHER FAHRE TAXI!

  15. 20.

    Die Taxifahrer haben lange genug Still gehalten, wir sollten Ihren Problemen m. der illegalen Konkurrenz Gehör geben bzw. Sie wollten darauf aufmerksam machen und die Demonstrierten ja auch nur für paar Std. und nicht tagelang wie diese Fridays For Future Aktivisten.

  16. 19.

    Bis sie nicht mehr da sind. Dann kuckst du aber wie ein U-Boot wenn du keinen Uber bekommst oder den dreifachen Preis zahlst.

  17. 18.

    Ja Nee, immer ist der Taxifahrer der Böse !?..
    Uber & Co sollen sich lieber mal an geltendes Recht halten !!!

    BTW: ..Und wenn div.Taxifahrer etwas zügiger unterwegs sind,
    was kümmerte Sie denn.. dafür haben wir eine V-Polizei.

  18. 17.

    Trotz der Hungerlöhne unter Mindestlohn für seine Fahrer scheibt Uber nach wie vor Milliardenverluste. Warum macht der Silicon Valley Gigant sowas? Etwa aus Gutwill? Wer's glaubt wird selig. Ist die billig Konkurrenz namens Taxi erst mal an die Wand gefahren, steht Uber konkurrenzlos glücklich da und macht Kasse. Raubtierkapitalismus in Reinstform. Wollt ihr das?
    All die Sparfüchse, die heute “Uber-Billig“ anhimmeln, werden morgen am lautesten schreien, wenn der von ihnen großgefütterte Hai sie dann frisst.

  19. 16.

    Sie fassen in Ihrem Kommentar die derzeitige Situation in Berliner Taxen sehr treffend zusammen. Hinzu kommt der "Freibrief" auf der Berliner Stadtautobahn ab SXF. Die Tempo 80 Schilder sind für gaaaanz viele Taxen nur eine "Empfehlung" und auch wenn man schon bei 100km/h ist, der eigentlichen Richtgeschwindigkeit (grinsend) ist es den Droschkenfahrern immer noch zu langsam. Dichte drauf auf der Stoßstange, drängeln, da sind se alle ganz dicke da. Im Taxi: oft abgeranzte Kisten mit z.T. üblem Gestank altehrwürdiger Duftbäumchen. Ohne NAVI sind die jetzt Streikenden völlig hilflos in der Hauptstadt und sorry: die Sprachkenntnisse sind eher mangelhaft bis sehr mangelhaft. Und damit meine ich die Deutschkentnisse. Bevor gestreikt wird, tut etwas an der Servicequalität, Danke!

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