Eine Mobilfunk-Kamera wird montiert. (Quelle: imago-images/Andrey Popov)
Video: rbb24 | 03.02.2020 | Clara Ehrmann | Bild: imago-images/Andrey Popov

Wichtige Rohstoffe retten - So lassen sich alte Handys sinnvoll entsorgen

Laut Digitalverband Bitkom lagern 120 Millionen alte Handys und Smartphones in deutschen Haushalten - und mit ihnen wertvolle Rohstoffe wie Kobalt, Kupfer, Gold und Silber. Diese zu retten, ist gar nicht so schwer - und kann sich sogar richtig lohnen. Von Clara Ehrmann

Recycling und Refurbishment spielen bei der Verwertung ausgedienter Handys eine wichtige Rolle - jedenfalls, wenn die enthaltenen Rohstoffe sinnvoll weiterverwendet werden sollen. Wie das genau aussehen kann, hat sich das rbb-Verbrauchermagazin Super.Markt angesehen.

Da wäre zum einen das Refurbishment: Unternehmen, die alte Dinge wieder aufarbeiten und weiterverkaufen. Beim Versuch, auf diesem Weg ein altes Nokia von 2007 zu verkaufen, landen die Reporter bei Asgoodasnew. Das Unternehmen aus Frankfurt (Oder) ist eine An- und Verkaufs-Plattform für Technik.

Bis zu 300 Euro für ein altes Modell

Theoretisch kann man dort alle Handys hinschicken, so Javier Vargas, Operativ-Chef bei Asgoodasnew. Aber: "Nicht für alle Handys wird man auch Geld bekommen." Er schätzt, dass ein durchschnittlicher Kunde bei dem Unternehmen "zwischen zwei und 300 Euro" für sein Handy bekommen kann.

300 Euro - viel Geld für alte Modelle. Aber als das alte Nokia untersucht wird, stellt sich schnell heraus: Dieses Modell wird nicht mehr angekauft, es ist einfach zu alt. Andere Handys, die den Test bestehen, repariert und verkauft Asgoodasnew wieder. Diese sind günstiger als Neugeräte: Käufer sparen so oft 30 bis 40 Prozent gegenüber dem Neupreis. Und für die Umwelt ist es auch gut.

Für die Umwelt wichtig ist aber vor allem das korrekte Recycling der Geräte. Die Deutsche Umwelthilfe hat daher etwa 1.000 sogenannte Mobile Boxen aufgestellt, also stationäre Sammelstellen. Wahlweise kann man die Handys und Smartphones auch per Post einsenden. Ähnliche Boxen gibt es auch im Elektromarkt um die Ecke. Oder der Verbraucher gibt die Handys direkt beim nächsten Wertstoffhof ab.

Es geht vor allem um die Leiterplatten

Von dort aus gehen die Geräte zum Beispiel nach Potsdam, zu einer speziellen Werkstatt des Deutschen Roten Kreuzes. Dort werden sie zerlegt; Subunternehmen kaufen die Einzelteile später auf. Für manche Teile bekommt Ralf Kübler, Niederlassungsleiter der DRK Behindertenwerkstätten, mehr Geld als für andere: "Es ist wirklich wichtig, bei der Demontage an die Leiterplatten zu kommen. Dass wir deren Kunststoff- und Eisenanteile separieren können." Der größte Teil sei aber Kunststoff, der dann in der Entsorgung große Probleme bereite - denn oft lande dieser in der Müllverbrennung.

Nicht aber die wertvollen Platinen. Bei ihnen lohnt es sich wirtschaftlich, sie zu recyceln. Diese Handyteile gehen weiter auf Reisen - von Potsdam aus Richtung Westen, zum Beispiel zum Recyclingunternehmen Aurubis in Lünen, Nordrhein-Westfalen. Hier werden die Platinen angeliefert und es wird eine Probe genommen, wieviel Wertvolles in dem Schrott steckt. Dann werden die Platinen zerkleinert.

Der stellvertretender Werksleiter Detlev Laser macht sich keine Sorgen, dass ihm der Schrott eines Tages ausgeht. Es gebe deutlich mehr Handyschrott als früher und deutlich "komplexeren Schrott". Heißt: Es ist schwieriger geworden, die wertvollen Bauteile herauszubauen.

Um an die Rohstoffe zu kommen, werden die Metalle aus den Platinen eingeschmolzen und zu Platten gepresst. Aus ihnen wird dann durch Elektrolyse reines Kupfer gewonnen. Außer Kupfer bleiben dabei noch andere wichtige Elemente übrig, Gold zum Beispiel. Was aussieht wie ein unscheinbarer 500-Kilogramm-Kasten Schlamm, beinhaltet etwa 1,2 Kilogramm Gold.

Jedes Handy ist wichtig

Für Laser gibt es kein Material, dessen Verlust man einfach hinnehmen sollte. "Wir haben nur begrenzte Ressourcen auf dieser Welt", sagt der Platinen-Verschrotter. "Und insbesondere hier in unserem Land haben wir eigentlich kaum Bodenschätze. Schon gar keine Metalle, die wir gewinnen können. Das heißt jedes Metall, das ich verschenke, ist verloren. Für immer."

Heißt: Jedes Handy - egal wie alt - ist wichtig, damit Rohstoffe wie Gold nicht verloren gehen. Je mehr daheim gehortet wird, desto mehr muss an anderer Stelle herangeschafft werden.

Sendung: Super.Markt, 03.02.2020, 20.15 Uhr  

Beitrag von Clara Ehrmann

Kommentar

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6 Kommentare

  1. 5.

    Vielleicht bestehen auch bedenken, das - trotz löschen und zurücksetzen auf Werkzustand - noch private Daten ausgelesen werden könnten.

  2. 3.

    "Die beste Möglichkeit das Smartphone sinnvoll zu entsorgen besteht darin, es nicht zu entsorgen und einfach noch ein paar Jahre weiter zu benutzen."

    das stimmt natürlich. Geht aber nicht immer. Ohne Sicherheitsupdates ist die Nutzung fast schon als grob fahrlässig zu bezeichnen und spätestens, wenn die genutzten Apps die nicht mehr gepflegte Version unterstützen und die Arbeit verweigern, ist softwareseitig Schluss mit der Nutzung.
    Das ist in meinen Augen ein Fall für die Politik, hier für Abhilfe zu schaffen. Genau so übrigens wie für die leichte Austauschbarkeit der Akkus zu sorgen.

  3. 1.

    Die beste Möglichkeit das Smartphone sinnvoll zu entsorgen besteht darin, es nicht zu entsorgen und einfach noch ein paar Jahre weiter zu benutzen. Der Brauch alle zwei Jahre ein neues Gerät zu bekommen, schadet der Umwelt und nützt dem Gewinnstreben der Unternehmen. Weniger ist mehr.

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