"Welcome to ITB Berlin" steht auf einem Schild über dem Eingang zur Messe Berlin.
Video: Abendschau | 29.02.2020 | Tobias Schmutzler | Gespräch mit Burkhard Kieker | Bild: Paul Zinken/dpa

Reisemesse ITB wegen Coronavirus abgesagt - "Gesundheit geht vor Geschäft"

So etwas gab es noch nie in der langen Geschichte der ITB: Die weltgrößte Tourismusmesse, die jährlich in Berlin stattfindet, fällt 2020 aus. Der Grund: Das Coronavirus. Für die sonst erfolgsverwöhnte Branche ist das ein herber Schlag.

Die weltgrößte Reisemesse, die ITB in Berlin, fällt in diesem Jahr aus. Wegen der weltweiten Ausbreitung des Coronavirus sagten die Veranstalter die Internationale Tourismus-Börse (ITB) nur fünf Tage vor deren geplantem Beginn ab. Begründet wurde dies mit verschärften behördlichen Auflagen, die so nicht umsetzbar seien. "Wir nehmen unsere Verantwortung für die Gesundheit und die Sicherheit unserer Gäste, Aussteller und Mitarbeiter sehr ernst", teilte Messechef Christian Göke mit. "So blicken wir schweren Herzens auf die jetzt notwendig gewordene Absage der ITB Berlin 2020."

Die Internationale Tourismus-Börse (ITB) wird oft das "größte Reisebüro der Welt" genannt. Eigentlich sollte sie am Mittwoch beginnen. An den fünf Messetagen mit rund 10.000 Ausstellern kamen zuletzt bis zu 160.000 Besucher. Wegen des Virus hatten die Veranstalter aber schon die Erwartungen heruntergeschraubt, hielten mit einem Gesundheitskonzept die ITB aber weiter für möglich. Unterdesssen sagten mehrere Aussteller ab.

Sorge um Auswirkung auf Messedienstleister

"Berlin und seine Gastgeber bedauern die Absage, haben jedoch Verständnis, obwohl es bisher in Berlin noch keinen nachgewiesenen Corona-Fall gibt", sagte der Geschäftsführer des Berliner Tourismusmarketing (visitBerlin), Burkhard Kieker, laut Mitteilung. "Die erstmalige Absage der ITB zeigt, vor welcher Herausforderung die Reisebranche durch den Corona-Virus steht."

Der Messegesellschaft, den Berliner Hoteliers, Gaststätten, Taxibetrieben und Einzelhändlern entgehen durch die Absage Millionen-Umsätze. Berlins Industrie- und Handelskammer zollte den Veranstaltern Respekt. "Gesundheit geht vor Geschäft", betonte Hauptgeschäftsführer Jan Eder.

Es sei jedoch ein herber Schlag für die Hauptstadtwirtschaft, fügte er hinzu. "Es ist zu befürchten, dass Aussteller und Messebauer auf ihren Kosten sitzen bleiben." Der Senat solle Wege suchen, vor allem die direkt betroffenen Berliner Aussteller und Messeunternehmen zu
unterstützen.

Politik begrüßt Absage

Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Thomas Isenberg, hat sich am Samstag im Inforadio erleichtert über die Absage der ITB gezeigt.
 
Er sprach von einer zähen aber richtigen Entscheidung. Alles andere wäre unverantwortlich gewesen, so Isenberg.   

Um den Nachschub an Verbrauchsmaterialien wie Hygienemasken und Schutzanzügen in Krankenhäusern zu sichern, forderte Isenberg Produktionsstätten in Europa. Die Bundesregierung müsse mit den Ländern die Beschaffung massiv ankurbeln und auch Produktionsstätten in Deutschland aufbauen. Es reiche nicht aus, auf Bundesebene nur zwei Wochen Lieferverpflichtung zu haben, so Isenberg.

In Genf war zuvor am Freitag der Autosalon abgesagt worden - zu groß das Risiko einer Corona-Verbreitung, wenn Hunderttausende aus aller Welt anreisen. Weltweit fallen zahlreiche größere und kleinere Ausstellungen und Messen der Sorge vor dem Virus zum Opfer.

Gesundheitsamt hatte Auflagen verschärft

In der ITB-Absage am Freitagabend verwies die Messe darauf, dass sich die Bundesministerien für Gesundheit und Wirtschaft für den Schritt ausgesprochen hätten. Ferner hieß es, das zuständige Gesundheitsamt Charlottenburg-Wilmersdorf habe die Auflagen stark erhöht. So sei verlangt worden, dass jeder Teilnehmer belege, nicht aus einem Risikogebiet zu stammen oder Kontakt zu Menschen von dort gehabt zu haben. "Die Auflagen insgesamt sind von der Messe Berlin nicht umsetzbar."

Von der Reisebranche erhielt die Messegesellschaft Rückendeckung. Für den Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft ist der Schritt "eine schmerzliche aber auch die einzig richtige Entscheidung und ein Gebot der Verantwortung". Die Absage der Messe stelle auch wirtschaftlich einen harten Einschnitt für die Branche dar. Nach einer Umfrage der Veranstalter schloss die Branche auf der ITB 2019 Geschäfte mit einem Umsatzvolumen von rund sieben Milliarden Euro ab.

Sendung:  Inforadio, 29.02.2020, 7:00 Uhr

10 Kommentare

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  1. 10.

    "Gesundheit geht vor Geschäft"
    Wenn dem so wäre:
    -würden wir alle (zumindest die Meisten)nun bald mal 4 Wochen Corona Schutz Urlaub bekommen, einschl. Kitas, Schulen, Unis etc! Denn ohne eine Veränderung der Lebebsweise wirds wohl für einige kritisch.
    -Dann würde es keine Probleme bei den Tests und der Vorsorge geben! Im Gegenteil dann würde viel gründlicher getestet.
    -Dann würden nicht erst Wirtschaftliche Schutzmaßnahmen be- oder versprochen.
    -Kurz gesagt,dann wäre Stillstand möglich!
    Alles in allem brauchen ´wir´ natürlich keine Panik zu bekommen, sind ja nur Ältere; Vorerkrankte, Männer ab 50 betroffen.(wer braucht die schon, Ironie off)

  2. 9.

    Unternehmerisches Risiko ist wohl ein Fremdwort für Sie? Außerdem war die Auflage ähnlich aufwändig wie die von Ihnen geforderte Einreisekontrolle. Letztere wäre aber zB bei aus Italien mit dem Auto anreisende Messeteilnehmer unmöglich. Sie verkennen eindeutig die Verantwortung des Staates, alles unternehmen zu müssen, was die Ausbreitung des Virus abbremst. Oder ersetzen Sie die Folgekosten, wenn sich jemand auf „Ihrer“ Messe infiziert und den Virus nach Hause trägt? Ihre Betriebskosten senken doch eh bloß Ihre Steuerlast. Jammern auf hohem Niveau

  3. 8.

    Sehr gute Planung! Habe viel Arbeit und Zeit in die Werbung investiert und gerade erst die letzten Plakate und Aushänge angehangen. Wer ersetzt mir meine Ausgaben? Richtig! NIEMAND!

    Man hätte nur die Einreisekontrolle auf mögliche Invizierungen verstärken müssen.

  4. 7.

    Zum Glück bestand und besteht auf der Berlinale keine Infektionsgefahr.

    *Ironie aus.*

  5. 6.

    ITB abgesagt - Berlin Travel Festival in Berlin zu gleichen Daten findet weiterhin statt...man sei "eine Messe hauptsächlich für den Endverbraucher" (s. Webseite des Veranstalters). Das Alles erscheint wenig durchdacht und inkonsequent. Niemand hat sich darüber hinaus gefragt, ob nicht bereits zahlreiche Aussteller und Fachbesucher aus allen möglichen Erdteilen ohnehin bereits in der Stadt unterwegs sind.

  6. 5.

    Guter Kommentar von Ihnen. Nach der Absage der ITB werden natürlich Entschädigungen für das Hotelgewerbe und andere Unternehmen gefordert. Appropos Geld; die WHO hat das Coronavirus noch nicht offiziell als Pandemie eingestuft. Aussagen lauten nur "Dieses Virus hat das Potential einer Pandemie" und es sei eine "sehr heikle Situation". Die Furcht vor den Folgen des Coronavirus drückt die Kurse an den Börsen. Die Weltbank hat vor 3 Jahren einen Pandemie Fond eingerichtet mit 3 Jahren Laufzeit. Die Investoren kassieren hohe Renditen. Jedoch gibt es in dieser Zeit eine Pandemie verlieren die Investoren ihr Kapital. Das beweist wieder einmal wie krank manche Leute sind und mit was sie Geld "verdienen".
    Ich bitte Sie und alle anderen auch diesen Bericht zu lesen!
    https://www.tagesspiegel.de/verbraucher/coronavirus-inbegriffen-wenn-anleger-gegen-pandemien-wetten/25511818.html

  7. 4.

    Na ja, ich würde mal sagen, wir glauben die Hälfte und teilen durch 2.
    Ohne diese Auflagen,wäre garantiert keine Absage erfolgt.

  8. 3.

    Es ist doch erstaunlich, dass erst mit der Schuldfrage ein zurück rudern des Senats statt gefunden hatte! Wäre diese Frage nicht gestellt worden, hätten die Verantwortlichen des Senats, nicht auf die Messe verzichtet. Da war auch der Gedanke Geld, vor der Verantwortung Gesundheit der Bevölkerung, an erster Stelle und das bei rot, rot, grün!

  9. 2.

    Gesundheit geht vor Geschäft das wäre ja mal was ganz Neues. Normal zählt hier die Kohle mehr als der Mensch.
    Freiwillig haben die manager die Messe nicht abgesagt. Zitat " So sei verlangt worden, dass jeder Teilnehmer belege, nicht aus einem Risikogebiet zu stammen oder Kontakt zu Menschen von dort gehabt zu haben. "Die Auflagen insgesamt sind von der Messe Berlin nicht umsetzbar.". Also doch nicht so ganz freiwillig.

  10. 1.

    "Gesundheit geht vor Geschäft" wenn das so ist warum gibt es dann keine Ein- und Ausreisesperren in betroffene Gebiete wie Italien?

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