Podiumsdiskussion im Refugio (Quelle: rbb/Höppner)
Audio: Inforadio | 05.02.2020 | Philipp Höppner | Bild: rbb/Höppner

Podiumsdiskussion zum Hermannplatz in Neukölln - Beifall gegen den Karstadt-Neubau

Die Pläne des Investors Signa für das Karstadt-Gebäude am Hermannplatz in Berlin-Neukölln sind umstritten. Zu einer Podiumsdiskussion der Grünen am Dienstagabend kamen rund 200 Leute - auch ein Signa-Vertreter. Die Stimmung war sehr kritisch. Von Philipp Höppner

Der Multimilliardär René Benko plant mit seiner Immobilienfirma Signa den Abriss von Karstadt am Hermannplatz in Berlin-Neukölln. Das Gebäude soll dann neu errichtet werden – äußerlich im Stil der 20er Jahre. Der Grünen-Bezirksbaustadtrat Florian Schmidt hat den Bau aber nicht genehmigt.

Für Dienstagabend haben die Grünen zu einer Podiumsdiskussion mit dem Titel “Zukunft des Hermannplatz” geladen – mit großer Resonanz: Der Veranstaltungsraum des Gemeindezentrums Refugio ist mit 200 Menschen rappelvoll. Von dort braucht man nur zwei Minuten zu Fuß zum Objekt der Begierde und dem alleinigen Gesprächsthema des Abends: Karstadt. Die Meinung im Saal ist deutlich gegen einen Abriss. Bei jedem Beitrag gegen den Investor gibt es Beifall.

Thibault Chavant, Projektleiter von Signa, zur Diskussion im Refugio (Quelle: rbb/Höppner)
Thibault Chavanat, Projektleiter von Signa | Bild: rbb/Höppner

Signa-Projektleiter äußert sich

Der letzte Redebeitrag des Abends ist dran. Den Kopf leicht gesenkt und in französischem Akzent stellt sich der Mann vor: Thibault Chavanat, Projektleiter von Signa. Köpfe recken sich, es wird gemurmelt und geraunt. Chavanat sagt, Karstadt sei Signas oberste Priorität. "Ich habe heute gehört, dass es definitiv noch Dialogbedarf gibt", fügt Chavanat hinzu – und versichert: "Uns geht es wirklich um die Zukunft von Karstadt."

Florian Schmidt von den Grünen stellt das Interesse von Signa anders da: "Wir brauchen ein unglaublich großes Immobilienprojekt, um dann darin einen kleinen Teil, nämlich den Karstadt-Teil überlebensfähig zu halten. Diese These ist eine nicht unterlegte These."

"Kieze von Verdrängung betroffen"

Neben der vollständigen Erneuerung von Karstadt sollen auch Büros, Hotels und Wohnungen in die neuen Gebäude kommen. Damit sind auch viele Anwohner nicht einverstanden.

Niloufar Tajeri von der Initiative Hermannplatz ist eine von Ihnen. "Diese Haltung gegen den Abriss hat vielmehr damit zu tun, dass wir uns in Kiezen befinden, die enorm von Verdrängung, von Arbeitslosigkeit und Armut betroffen sind", sagt sie.

Senat könnte Entscheidung übernehmen

Dohan Asman, der seit 1973 in Neukölln wohnt und bei Karstadt gearbeitet hat, sieht das Investment hingegen als letzte Rettung für den Hermannplatz.

Wenn man sich anschaue, dass es in dieser Karstadt-Filiale einmal 1.000 Arbeitsplätze gab, und man jetzt bei 220 gelandet sei, stelle sich die Frage: "Wie viele soll man da noch verlieren?" Seine persönliche Meinung sei: "Als Migrantenjunge sage ich: Die Ecke kann nur gewinnen - weil es ist Zeit, dass da etwas passiert."

Zwar gibt es auf Bezirksebene Einigkeit bei den Grünen - ganz klar gegen den Investor. Doch Wirtschaftssenatorin Ramona Pop und Berlins Regierender Bürgermeister sind pro Neubau. Noch verbietet Stadtrat Florian Schmidt, dass gebaut wird. Doch wenn das so bleibt, könnte diese Entscheidungskompetenz bald vom Senat übernommen werden.

Sendung: Inforadio, 05.02.2020, 6 Uhr

Beitrag von Philipp Höppner

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11 Kommentare

  1. 11.

    Das kann ich schon verstehen. Auch, dass einige Gegenden - sei es nun innerhalb von Stadtteilen oder auf dem Land - froh sind, dass der "Kelch" von Megastrukturen an ihnen vorbeigegangen ist.

  2. 10.

    Für den Kiez und die Nutzer*innen des Hermannplatzes erscheint mir der ewig angekündigte Umbau des Hermannplatzes zu einem Ort mit größerer Aufenthaltsqualität wichtiger. Auch der Kottbusser Damm und die Urbanstraße, die beide angrenzen, sollten umgebaut werden? Pasiert das jetzt noch zeitnah? Fährt auch die Straßenbahn noch wie angekündigt bald durch die Urbanstraße? Oder soll das zugunsten von Abriss und Neubau weiterhin auf unbestimmte Tage verschoben werden.

  3. 9.

    Ist der Firma Signa bekannt, dass das Kartstadt-Haus am Hermannplatz in einer Wanne steht, die wegen des schlechten Baugrunds und hohen Grundwasserspiegels ein Neubau nicht wirklich erleichtern würde?
    Und dass unter/in dem Haus ein Verbindungstunnel zwischen der U7 und U8 verläuft, über den die BVG U-Bahnzüge austauschen kann?Auch das würde den Bau nicht vereinfachen.

    https://www.openstreetmap.de/karte.html?zoom=18&lat=52.48726&lon=13.42508&layers=B000TT

  4. 8.

    Um ehrlich zu sein bin ich als dort Wohnender ziemlich froh, dass der Richardplatz nicht so im Fokus steht, wie es der Hermannplatz tut :) Auch wenn ich Ihnen natürlich recht gebe, dass dieser eher der Wiege Neuköllns entspricht.

  5. 7.

    Konnte man von der Veranstaltung der Grünen etwas anderes erwarten, als Beifall gegen die Signa-Pläne?
    Der Karstadt-Mitarbeiter Dohan Asman hat völlig recht. Wie soll sich "in Kiezen ..., die enorm von Verdrängung, von Arbeitslosigkeit und Armut betroffen sind" etwas ändern, wenn man alles beim Alten belässt? Und wo bleibt das Progressive, das die Grünen immer so gerne für sich vereinnahmen? Seit wann stehen die auf der Seite der Ängstlichen? Heißt es von denen nicht immer "Angst ist ein schlechter Ratgeber"?

  6. 6.

    Lieber Herr Krüger,

    da haben Sie Recht - vielen Dank für den Hinweis. Wir entschuldigen uns und haben den Artikel dementsprechend verbessert.

    liebe Grüße aus der Redaktion

  7. 5.

    Liebe rbb24-Redaktion,

    in dem Artikel wird doch aber im vorletzten Satz von "Neuköllns Stadtrat Florian Schmidt" geschrieben?

  8. 4.

    Es scheint immer wieder zu Verwirrungen zu kommen und das hat m. E. mit demjenigen zu tun, dass die Wirklichkeit anders ist als die oftmals verwendeten Bezeichnungen. Für Viele ist der Hermannplatz offenbar so etwas wie die Keimzelle von Neukölln, von der aus sich der weitere Stadtteil dann entwickelt hat. Tatsächlich liegt aber die Keimzelle von Neukölln am Richardplatz, auch wenn der sehr in den Schatten geraten ist.

    Der Hermannplatz liegt ebenso an der Nahtstelle zweier Bezirke wie der Wittenbergplatz nah dran liegt und selbst vom Alexanderplatz ist es nur einen Katzensprung bis zur Bezirksgrenze nach (Kreuzb.-)Friedrichshain und nach Pankow.

    Das hatte mal seinen Grund - zwei Bezirke verbinden. Wie steht´s heute um den Hermannplatz? Für mich ist die Angelegenheit zugegebenermaßen ambivalent.

  9. 3.

    Lieber Herr Küßner,
    vielen Dank für ihren Hinweis. Das Karstadt-Gebäude liegt direkt an der Grenze zwischen Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg. Deshalb konnte Florian Schmidt die Pläne als - wie sie richtig sagen - Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg ablehnen. Im Artikel wird allerdings nicht behauptet, Florian Schmidt sei Baustadtrat von Berlin-Neukölln.

    liebe Grüße, Ihr rbb24-Team.

  10. 2.

    Ich hoffe inständig, dass der Senat die Entscheidungshoheit baldigst an sich nimmt und den Weg für diesen Bau freimacht.

  11. 1.

    Lieber RBB,
    1. ist Florian Schmidt nicht Baustadtrat von Neukölln; sondern von Friedrichshain-Kreuzberg.
    2. eben Dieser ist grundsätzlich gegen jeden Investor, der Ihm nicht "grün" ist.

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