Eine Frau mit einer, in Plaste verpackten, Schachtel Himbeeren (Quelle: rbb)
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Audio: Inforadio | 06.02.20120 | Annika Krempel | Bild: rbb

Interview | Klimaschädliches Obst - "Um diese Jahreszeit Himbeeren zu kaufen, ist eine Klimasünde"

Im Winter gibt es kaum noch heimisches Obst. Stattdessen greifen wir zu Ananas oder Mango. Nils Rettenmaier vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg über die Folgen für Klima und Umwelt und die Frage: Welches Obst sollte man wann kaufen?

rbb|24: Herr Rettenmaier, welche Früchte kann man denn bedenkenlos essen, wenn man auf seinen CO2-Fußabdruck achtet?

Nils Rettenmaier: Generell ist Obst, das in Europa produziert und in der Saison verzehrt wird, im Wesentlichen unbedenklich. Also beispielsweise Äpfel, Birnen oder auch Erdbeeren während ihrer Saison.

Die Erntezeit von Äpfeln liegt grob zwischen Juli und Oktober. Was ist denn danach? Darf man dann gar nicht danach greifen?

Bei den Äpfeln kommt es darauf an. Die heimischen Äpfel müssen über den Winter kühl gelagert werden. Das erhöht natürlich den Kohlendioxid-Fußabdruck. Bis zum Frühjahr ist er etwa doppelt so hoch. Diese Lageräpfel aus heimischer Produktion sind aber trotzdem noch klimafreundlicher als Äpfel aus Neuseeland. Denn die sind ungefähr dreimal klimaschädlicher.

Wovon sollten Verbrauchern außerhalb der Saison auf jeden Fall die Finger lassen?

Besonders klimaschädlich sind Früchte, die beispielsweise in beheizten Gewächshäusern in Europa angebaut werden: Erdbeeren, die es um Weihnachten gibt oder Himbeeren, die im Winter aus Südamerika eingeflogen werden. Die sind nicht lagerfähig, ein Transport mit dem Schiff ist deshalb nicht möglich. Jetzt um diese Jahreszeit Himbeeren zu kaufen, ist daher echt eine Klimasünde.

Nun kann nicht jede Frucht in Europa angebaut werden. Müssen wir uns aus Klimasicht Südfrüchte verkneifen?

Obst, das nicht in Europa produziert werden kann oder zumindest nur teilweise, wie etwa Ananas, Bananen, Mangos oder auch die Avocado, hat schon einen höheren CO2-Fußabdruck.

Aber sofern es mit dem Schiff nach Europa kommt, ist es noch in Ordnung. Die Früchte werden in den produzierenden Ländern fast reif geerntet und dann bei uns nachgereift, bevor sie in den Handel kommen. Dieser Transportweg führt natürlich zu etwas höheren Emissionen. Aber das bewegt sich immer noch im Rahmen.

Manchmal bewerben Supermärkte Obst als "reif und frisch"…

Das ist leider eine Unsitte, die sich in den letzten Jahren ausgebreitet hat. Die sogenannte Flugananas oder die Flugmango etwa, wird frisch in den produzierenden Ländern geerntet und dann auf schnellstem Wege per Flugzeug in unsere Supermärkte transportiert. Eine Flugananas ist pro Kilogramm genauso klimaschädlich wie ein Kilogramm Rindfleisch. Da sprechen wir dann über 15 bis 16 Kilogramm Kohlendioxid-Äquivalente pro Kilogramm Flugananas.

Wie können Verbraucher vermeiden, zu einer Flugananas zu greifen?

Idealerweise steht das auf dem Etikett. Sie können es aber auch am Preis erkennen, weil die Flugananas oder die Flugmango teurer sind als die, die auf dem Schiffsweg zu uns kommen.

Der Kohlendioxid-Fußabdruck ist nur eine Komponente, die den Umwelteinfluss des Obstanbaus beschreibt. Was gibt es noch zu beachten?

Beim ökologischen Fußabdruck betrachten wir noch eine Reihe von anderen Umweltwirkungen, etwa den Flächen-Fußabdruck oder auch den Wasserfußabdruck. Bei letzterem kommt es sehr genau darauf an, aus welchen Ländern die Früchte stammen - ob in diesen Ländern Wasserknappheit herrscht oder nicht.

Die Avocado wird zum Beispiel oft kritisiert, weil sie in Spanien oder auch in Südamerika angebaut wird. Also in Gegenden, wo das Wasser knapp ist. Das ist schon kritisch für die Umweltbilanz. Schwierig können auch Pfirsiche oder Mandeln sein, die im Bereich des Mittelmeers oder auch in Nordafrika oder Kalifornien angebaut werden. Dort gibt es einen sehr, sehr hohen Wasserfußabdruck. Es geht dabei nicht nur um die reinen verbrauchten Liter für die Bewässerung. Jeder Liter wird noch mal mit seiner Knappheit zusätzlich bewertet.

Als Fazit: Worauf müssen wir achten, wenn wir unsere Umweltbilanz beim Obst verbessern möchten?

Die Hauptempfehlung im Bereich Obst ist regional und saisonal zu kaufen. Natürlich ist es jetzt um diese Jahreszeit schon eine gewisse Herausforderung, nur noch zum heimischen Apfel zu greifen und nicht zum Apfel aus Neuseeland. Ab und an kann man auch Tropenobst kaufen. Aber dann bitte darauf achten, dass es kein Flugobst ist.

Vielen Dank für das Gespräch.

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47 Kommentare

  1. 47.

    Heute gab es Blaubeeren aus Chile für 1,11 Euro/Plastikbox im Angebot, lecker... wer sich das entgehen, lässt ist selbst schuld.

  2. 44.

    Aha. Dann ist es es ja gut, dass Sie so besonnen und moralisch von Oben herab über die Meinung anderer richten. Wenigstens einer, der alles perfekt macht und den anderen erklärt, was sie für Nulpen sind. Ganz ehrlich? Ich möchte nicht mal ansatzweise so intolerant denken wie Sie.

  3. 43.

    Haben Sie sich nicht so; in der Apotheke ihres Vertrauens bekommen Sie mit Sicherheit etwas gegen Blähungen. Flughimbeerverzicht gibt es nicht zum Nulltarif. :=)

  4. 42.

    Gestern bei ALDI gesehen: Gefrostete Himbeeren-Großpackung. Die sind allenfalls aus Portugal o.ä. Gefrostet wird ja mit Strom; haben wir so reichlich, dass es sogar für alle noch zu produzierende e-Autos reicht. Frische sind natürlich besser. Im "Jahr der großen Initiative" 2020 könnte sich ja jeder Bürger einen eigenen Strauch pflanzen. Ich selbst esse die am liebsten direkt vom Strauch. Madenfrei aber ungespritzt.

  5. 41.

    Heute werden erst mal Himbeeren gekauft, soviel steht fest!!

  6. 40.

    Oh nein, bitte nicht! Gerade habe ich begonnen, meinen Fleischkonsum zu reduzieren und dafür mehr Obst und Gemüse zu essen. Und nun jeden Tag Kohl? Das wird nicht gut ausgehen!

  7. 39.

    Die Egomanie, mit der hier teilweise durch den Porzellanladen gepoltert wird, ist ja kaum auszuhalten. Nach mir die Sintflut. Infantile Verantwortungslosigkeit gepaart mit Trotz. Entweder die entsprechenden Damen und Herren bewegen sich in Kreisen Ihresgleichen oder haben wohl keine Menschen um sich herum. Ich zumindest würde Menschen mit dem Horizont bis zum Tellerrand nicht um mich haben wollen. Widerlich.

  8. 38.

    Hallo Ingo aus Tegel, hast Du schon mal daran gedacht einen eigenen Kirschbaum zu pflanzen ? Ich denke nicht. Egal woher die roten Dinger nun auch kommen; zur rechten Zeit einwecken ? Hahaha; kennst Du nicht ? Dachte ich mir; sind ja spottbillig im Glas bei ALDI u. Co. Demnächst ist Tegel lärmfrei; kennts es ja- wird verlagert nach hier und wird noch viel schlimmer. Da lohnt es sich doch in ener Ruhezone zurück zur Natur zu finden u. sei es nur in einer WE-Laube.

  9. 37.

    Der Herr Rettenmaier hat seine Ehefrau bestimmt schon mit Flugrosen aus Kenia beglückt ? Oder ? Auch der schöne "Gratulationsstrauß", der da in Thüringen dem gerade "gewählten" "MP" vor die Füße geworfen wurde ist mit CO2-Fußabdruck bis dorthin gelangt. In der damaligen DDR bekamen die Frauen zum Frauentag - 8. März - einige kopfhängende unaufgeblühte Tulpen geschenkt. Zwar auch aus dem Gewächshaus aber keine Flugtulpen. Jetzt erwarte ich aber, dass all das Obstzeug aus den Läden verschwindet. Angebote wie in der DDR - wir Ossis können damit leben. Wir sind auch gern behilflich bei der Umstellung, die unseren Schwestern u. Brüdern im Westen bestimmt große Kraft abverlangt. :=)

  10. 36.
    Antwort auf [Viveka] vom 10.02.2020 um 06:41

    Stimmt; wenn die nun mal schon hier sind wäre der Unsinn noch größer würde man die den Kunden nicht anbieten. Eine Sünde ist immer mehr Touristen ins Land oder nach Berlin zu locken und den Luftverkehr so extrem zu vergrößern. Wir sehen ja was dabei so alles ungewollt importiert wird: Aktuelle Erkrankungen aus China,. für Mensch und Natur. Ja, auch der Buchsbaumzünsler kam aus China. Der Luftfahrtfußabdruck ist in 20 Jahren so gewaltig; da sind Himbeeren aus Marokko wirklich harmlos. Frau Kanzlerin fliegt in der Welt hin und her und die anderen Staatsbosse auch. Alle Länder haben doch Botschaften; die können das nicht nach Anleitung aus der Heimat ? Fff ist schon so peinlich; da benutzt man Kinder, die aber irgendwann begreifen und Rückschlüsse ziehen.

  11. 35.

    ja , das mache ich auch , wenn ich im Winter Appetit auf Obst habe was importiert wird , z.b. Kirschen dann kaufe ich das.

  12. 33.

    Ich kaufe schon seit längerer Zeit kein Obst oder Gemüse mehr aus Peru, Marokko, China oder dergleichen. Ich achte drauf, das es aus der Region kommt oder aus Europa, ansonsten lege ich es wieder ins Regal. Die Himbeeren und Heidelbeeren, finde ich, schmecken auch nicht und wer weiß, womit das alles gespritzt wurde. Ich versuche lieber meine Heimat zu unterstützen.

  13. 32.

    Blöde Einstellung. Meine Himbeeren kommen aus Marokko. Das ist nicht viel weiter als Südeuropa. Und in den USA werden auch Obst und Gemüse innerhalb des Landes über viel weitere Strecken transportiert. Man muss auch mal die Kirche im Dorf lassen. Sünde... Dieser Begriff hat eine andere Bedeutung.

  14. 31.

    Es geht ja nicht nur um "Flugananas". Das klassische Wechselspiel der Jahreszeiten ist durch die Art der rationellen Produktion von Nahrungsmitteln ohnehin nicht mehr gültig. Jeder Kanarien-Urlauber sieht bei gutem Flugwetter, wie in Südfrankreich und in Spanien riesige Landflächen mit Gewächshäusern abgedeckt sind, wo "Südfrüchte" fast zu jeder Jahreszeit wachsen. Diese Entwicklung könnte nur durch enormen Verzicht zurück gedreht werden. Denn wer will schon DDR Verhältnisse und ihr damaliges Angebot von Wintergemüse? Dafür gibt es keine politischen Mehrheiten.

  15. 30.

    Eine pseudomoralisch aufgeladene Debatte hilft nicht weiter. Die Konsumenten handeln oft gegenteilig zu dem, was sie öffentlich bekunden. Der Preis einer Ware wird in der Marktwirtschaft über den Mechanismus von Angebot und Nachfrage gebildet und nicht über eine Sündenskala.

  16. 29.

    "Um diese Jahreszeit Himbeeren zu kaufen, ist eine Klimasünde" - Die Klimsünde ist doch auch, um diese Jahreszeit Himbeeren in Deutschland zu VERkaufen!!

  17. 28.

    Ich zuerst und mir das meiste!
    Nach mir die Sintflut.

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