Fleisch-Regal in einem Discounter (Quelle: imago images/Geisser)
Video: Brandenburg aktuell | 03.02.2020 | Florian Eckardt | Bild: imago stock&people/Geisser

Dumpingpreise für Lebensmittel - "Die Politik wird da nicht viel regeln können"

Kann der Konflikt zwischen Handel und Landwirtschaft um faire Preise für Lebensmittel politisch gelöst werden? Ingo Balderjahn, Potsdamer Professor für Konsumforschung, ist da skeptisch. Auch die Macht der Verbraucher sei begrenzt, erläutert er im rbb.

Nach Einschätzung des Potsdamer Konsumforschers Ingo Balderjahn haben Verbraucher nur sehr begrenzte Möglichkeiten, auf Dumpingpreise bei Lebensmitteln einzuwirken. "Die Konsumenten können nicht mitbestimmen, welche Produkte im Handel angeboten werden - und schon gar nicht, zu welchen Preisen", sagte der BWL-Professor am Montag im rbb. Die "Macht der Verbraucher" werde häufig von Politikern verwendet, wenn sie ihre eigene Verantwortung abwälzen wollten.

Vertreter der Lebensmittelindustrie und des Handels trafen sich am Montag mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Dabei lehnte Merkel staatliche Mindestpreise für Lebensmittel ab [tagesschau.de].

"Die schenken sich ja nichts"

Die Erzeuger müssten ihre Verhandlungsmacht stärken und sich großflächig organisieren, betonte Balderjahn im Radioeins-Interview. "Die Politik wird da nicht viel regeln können." Die Bundesregierung könne nur helfen, dass die Erzeuger sich besser organisieren und vergleichbar wie Gewerkschaften deutlich stärker in die Verhandlungen gehen könnten.

Die geringen Preise resultierten auch aus einem extremen Preiswettbewerb der vier großen Filialketten. "Die schenken sich ja nichts." Teilweise gehe es um Umsatzrenditen von ein bis zwei Prozent. "Das heißt, an einem Euro Umsatz verdienen sie ein bis zwei Cent."  

Mehr Geld für den SUV als für Lebensmittel

Faire Preise für Lebensmittel bedeuteten, dass alle Menschen, die ein Produkt erarbeiten, einen auskömmlichen Lohn erhalten, erläuterte Balderjahn. Das Problem sei, dass die Einstandspreise beim Handel so gering seien, dass die landwirtschaftlichen Erzeuger nicht davon leben können.

"Die Erzeuger verhandeln ja mit den Händlern, zu welchen Preisen sie ihre Produkte abgeben", so Balderjahn. "Und da ist der Händler - wir haben ja vier große in diesem Land - einfach so mächtig, dass er dem Erzeuger die Preise diktieren kann."

Allerdings gebe es auch einen sozialen Aspekt beim Thema Lebensmittelpreise: Viele Menschen seien froh, dass sie überhaupt Lebensmittel in ausreichenden Mengen kaufen könnten. "In diesem Land wird man nicht viele Menschen finden, die für höhere Preise protestieren werden." In Deutschland erführen Lebensmittel beim Verbraucher eine relativ geringe Wertschätzung. In Frankreich und Spanien beispielsweise sei das anders. Es sei ein kulturelles Phänomen, dass in Deutschland mehr Geld für SUVs ausgegeben werde als für Lebensmittel. "Das wird man auch so schnell nicht wegkriegen."

Sendung: Radioeins, 03.02.2020, 09.10 Uhr

Kommentar

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23 Kommentare

  1. 23.

    Ach ich kann das nicht mehr hören dass sich Hartz4ler nur billig Fleisch leisten können, totaler Quatsch.
    Habe selbst jahrelang nur sehr wenig Geld gehabt und konnte trotzdem mich gesund ernähren, sagt ja selbst hier ein Hartz IVler im thread.
    Ist alles nur eine Frage des Wollens, kostet vielleicht bisschen mehr Zeit aber die sollte man haben.

  2. 22.

    So lange die Massentierhaltung in den Bundesländern durch die zuständigen Fachministerien nicht eingedämmt wird, Anträge immer weiter genehmigt werden, wird sich an dieser Problematik nichts ändern. Auch deshalb haben sich hier viele niederländische "Tierzüchter" angesiedelt. Und Umweltschäden gibt es doch im Land Brandenburg überhaupt nicht - im Gegenteil. Das Land kann noch viel mehr ertragen!!! Ich habe auch noch nicht gelesen, ob ein Mitarbeiter aus den Verantwortungsbereichen schon einmal gezählt hat, dass wirklich nur 39999 Hühner in einer bestätigten Anlage gehalten werden.

  3. 21.

    Warum wird immernoch Schlachtvieh durch halb Europa zum schlachten gefahren?
    Warum werden Nordseekrabben zum pulen nach irgendwo in den Süden gefahren dann zurück?
    Rügener Badejunge (Käse) zB wird nicht wie man denken könnte auf Rügen hergestellt sondern in Thüringen.
    Ist das nachhaltig und regional?

  4. 20.

    Naja das Problem ist doch die internationale Konkurrenz. Wenn hier der Bauer seinen Schweinen mehr Platz lassen will und ein paar Euro für eine Betäubung vor der Kastration ausgibt aber dann mit dem Bauer aus Übersee konkurrieren soll ist das nicht fair. Deutschland müsste sich in der EU für Mindeststandards einsetzen und dafür sorgen dass Lebensmittel nur importiert werden dürfen wenn sie auch diese Standards einhalten. Stattdessen steht Deutschland wie bei so vielen Fragen (z.b. Abgasnormen!) in der EU auf der Bremse.

  5. 19.

    Angeboten und Nachfrage........
    Genau da liegt das Problem. Es gibt zu viel Bauern die mit Fleisch ihr Geld verdienen , führt zu ekelhafter Massentierhaltung inclusive. das 80% billigst ins Ausland verscherbelt wird.

  6. 18.

    Dass es schwere Mängel beim Tierschutz gibt, ist seit vielen Jahren und Jahrzehnten bekannt. Warum werden die Vorschriften nicht angepasst und strenger kontrolliert? Leider regiert das Motto "Geiz ist geil" und die Leute schaufeln alles in sich rein. Der Gesetzgeber ist hier gefordert um die extreme Massentierhaltung in den Griff zu bekommen. Ich kenne keinen Supermarkt mit integrierter Stallhaltung. Deutschland ist Exportweltmeister für Schweinefleisch nach China. Weniger für den Export dafür mehr Tierschutz und Qualität für das Inland. Ich denke, wenn die Industrie, die " Mittel zum Leben "(sei es Tier, Gemüse, Honig, Obst usw)sportlicher sehen würden, und der Kunde nicht nur "verbraucht", sollten auch in Deutschland gute Produkte für jedermann produziert werden .... aber was soll der Kommentar im Hauptbericht über SUVs, da könnte man auch sagen , jedem ist der alljährliche Sommerurlaub im Süden wichtiger. Das hat nichts mit dem Tierwohl zutun...

  7. 17.

    Sozialismus ? Nein danke. Ich wollte nur aufzeigen was ein Städter-die Kinder der Städter überhaupt nicht tiefgründig mitbekommt woher die Chips. der Schokoriegel etc überhaupt seine Entstehung hat. Landkinder werden damit groß; spielen unmittelbar in der Natur. Gesünder kann ein Kind nicht leben. Egal ob an der Küste oder in den Bergen. Die Menschen dort sind anders.

  8. 16.

    Wollen wir Sozialismus wieder haben?
    Preise staatlich verordnen geht gar nicht.
    Preise bilden sich durch Angebot und
    Nachfrage. Wenn aber schon die Erzeu-
    ger betrogen werden, ist das schlimm.
    Diejenigen, die am wenigsten mit der Pro-
    Diktion haben bekommen das meiste Geld.

  9. 15.

    Also grundsätzlich würde ich lieber hochwertige Ware kaufen. In den Märkten liegt meistens dieser Billigramsch, entweder ist es erst gar nicht gekennzeichnet und wenn ja, meistens Fleisch aus der Kennzeichnung 1,was heißt, billigstes Fleisch. Da verzichte ich lieber ganz! Wenn es doch mal höher wertiges sein soll, muss man doch überlegen, weil doch sehr teuer. Was mich an der Sache doch sehr stört, wenn man dann hört, unsere Lebensmittel sind doch viel zu billig und verweist auf andere Länder. Nun ist es aber so, das in den " anderen Ländern " auch ein viel höheres Lohn und Rentenniveau herrscht. Zumal Deutschland auch das Land ist, in welchem die höchsten Steuern gezahlt werden! Vielleicht sollte man darüber nachdenken, anstatt die Menschen mit immer höheren Abgaben zu belasten!!

  10. 14.

    Es sei ein kulturelles Phänomen, dass in Deutschland mehr Geld für SUVs ausgegeben werde als für Lebensmittel. "Das wird man auch so schnell nicht wegkriegen."Richtig!Politisches System halt.
    Kein Tempo 130 auf Deutschlands Autobahnen,kein Tempo 30 in Innenstädte.
    Also werden weiterhin Schnelle SUVs Produziert.Tesla Model Y:Die wichtigsten Daten je nach Ausführung: 0-100 km/h in 3,5 bis 5,9 Sekunden,Reichweite 370 bis 480 Kilometer.Spitze 192 bis 240 km/h.Oder für die Reichen:Tesla Roadster; Die Zahlen sind spektakulär. Die drei Elektromotoren liefern kombiniert 10.000 Nm, den Sprint von 0 auf 100 km/h schafft der Sportler laut Hersteller in nur 1,9 Sekunden.Der Vortrieb endet erst bei 400 km/h.Die größte Sensation stellt aber die Reichweite dar.Mit einer Akkuladung soll der Sportwagen 1000 Kilometer weit kommen.Wie weit man wohl damit kommen würde mit weniger Leistung?
    Da fängt es doch an.Preis: ab 200.000€.Finde den Fehler.So viel Zukunft braucht kein Mensch oder SUV.

  11. 13.

    "Wer Arbeit kennt achtet die auch und hat daran auch Freude."

    Das will ich Ihnen vollen Herzens zustimmen.

    Auch wenn ich nicht auf dem Land lebe und auch dort nicht aufgewachsen bin, so ist mir ein recht lebendiger Bezug zum Land immer geblieben. Zahllose Großonkel und Tanten hatten Höfe und Eigenzucht lässt sich ja bei kleinen Dingen auch so bewerkstelligen.

    Dass Wohlstand nur dadurch erfolgen kann, dass der eine kalkuliert auf Kosten eines anderen lebt, hat meine Phantasie immer überstiegen. ;-

    Ja, es gibt ehrliche Preise, es gibt zu hohe Preise und eben auch unbestreitbarerweise zu niedrige, die ein Auskommen der Erzeugenden nicht garantieren können.

  12. 12.

    "Mehr Geld für den SUV als für Lebensmittel"

    Weshalb sollte sich mehr Geld für Lebensmittel ausgeben, nur weil SUV's (die gabs ja schon immer) gerade in Mode und teurer geworden sind ? Die Lebensmittel sind überhaupt nicht "billig". Früher habe ich NICHT pro Woche 200,- DM (jetzt über Hundert Euro) bezahlt.
    Viele Märkte wickeln die "Schnäppchen" einiger Wochenangebote auch über andere Waren ab, so dass andere Waren eben geringfügig teurer sind. Aber billig ist die Argumentation unserer Bauern, die die sich mal lieber ein bisschen mehr anstrengen, und nicht nur die Hände aufhalten sollten. Staatshilfen sollten eine Ausnahme sein.

  13. 11.

    Höchst merkwürdig, dass ein positiver Umstand negativ dargestellt wird. Niedrige Preise für Lebensmittel sind eine Errungenschaft, sie bedeuten dass auch die Armen nicht hungern müssen, und dass allen anderen mehr Kaufkraft für anderes übrigbleibt.

  14. 10.

    Moin zusammen,

    Wie bei allen Problemen in dieser Gesellschaft ist es sicher kompliziert, aber 50% aller Lebensmittel landen in der Tonne, das sagt doch genug über unsere Moral. Verknüpft man es mit CO2 Ausstoß ergibt sich ein nicht unerhebliches Potential.
    Dafür sind wir ALLE verantwortlich, und die Politik muss das in sachliche Bahnen leiten. Zweifel sind dabei angebracht.
    2008 waren Banker und Fondsmanager auch der Meinung, Geld muss unheimlich super schmecken, Sie wurden eines besseren belehrt, haben es aber schon wieder vergessen. Hier geht es um ein elementares Grundbedürfnis des Lebens und nicht um pillepalle!!

    Mfg

  15. 9.

    na dieter, dann hör doch dieses unnütze 'wegschlabbern' ganz auf, dann kannst du dir noch viel mehr leisten, solange du noch lebst........

    rrundsätzlich ist es mit lebensmitteln hier so:
    wir sind harz4er aber auch wir würden 1,50€ für nenn liter milch ausgeben, WENN DAS GELD BEIM BAUERN ANKOMMT und nicht dazwischen versickert!
    o ist es auch bei anderen lebensmitteln, für qualität und bessere preise für die bauern zahlen wir gerne, dann eben nimmer jeden tag fleisch usw, aber:
    DAS GELD MUSS AUCH DER BAUER KRIEGEN.

    allerdings, schaue man dem bauern , mindestens einigen, doch bitte auch mal auf die finger und sehe was die meinen wenn sie sagen:
    wir können kaum mehr leben.
    es gibt nämlich einige die meinen 2-3 dicke autos, mehrere häuser und leben im luxus sei 'normal', nicht ein auto und 'normaler lebensstatus' wie andere auch....
    den letzten absatz meine ich prinzipiell, nicht im genauen detail!

  16. 8.

    Zu den letzten Zeilen: Bereits in der Grundschule mußten wir Kartoffelkäfer absammeln; später 7-14 TTage auf die Felder zur Kartoffelernte. Wir wühlten sogar mit den Fingern nach nicht freiliegenden. Hier gab es auch einen Schulgarten; Kinder säten, pflegten und ernteten. Hier wurde auch kaum etwas weggeworfen. Beim Fleischer (HO-Fachgeschäft ) bekam man die Ware auf ein Stück Pergamentpapier; die "Rechnung" wurde am Rand vom Zeitungspapier geschrieben mit dem dann alles eingewickelt wurde. Es gab bereits eine BIO-Tonne für Küchenabfälle; die wurden zügig zur LPG gebracht. Ich bin froh hier außerhalb der Stadt aufgewachsen zu sein. Meine Tomatensamen sind bereits eingesät für die Dachterrasse. Wer Arbeit kennt achtet die auch und hat daran auch Freude.

  17. 7.

    Zugebenermaßen ist mein Glauben an die Wirkung der Konsumenten nahezu unbegrenzt. Nur sind eben die Folgen kaum direkt, unmittelbar und im Handumdrehen zu sehen, sondern eher indirekt, mittelbar und allenfalls mittelfristig. Angesichts einer zunehmend abgehetzten Sichtweise und Analyse fällt Derartiges durch das Raster.

    Kurzfristsige Auswirkungen gibt es dergleichen wohl, aber sie sind eher die Ausnahme. Auf den Berliner S-Bahnhöfen gab es vor etlichen Jahren automatische Pommes-frites-Zubereiter, die gegen Münzeinwurf und wohl auch Karte funktionierten. Die sind bereits nach weniger Monaten Testlauf aus dem Verkehr gezogen worden und tauchten nie wieder auf. Menschen hierzulande wollen offenbar demjenigen, der ihnen eine warme Mahlzeit bereitet, offenbar ins Gesicht sehen. Nicht unbedingt das Schlechteste.

    Gelingt es zu sehen, dass die Bauern nicht nur "die anderen" sind, sondern die Erstellenden dassen, was wir in den Mund stecken, kann sich auch Wertschätzung entwickeln.

  18. 6.

    Die Armut nimmt in Deutschland zu; können wir täglich verfolgen. So viele haben keinen auskömmlichen Arbeitsplatz; werden stets Sozialhilfe benötigen. Noch immer verlassen gut ausgebildete Menschen das Land. Dieser Aderlass schwächt das Leistungsvermögen der Wirtschaft-ein Teufelskreis. Wer so wenig Einkommen hat ist auf Sonderangebote oder die Tafel angewiesen. In der DDR gab es den VKSK.-Verband der Kleingärtner Siedler und Kleintierzüchter. Man hatte seine Laube und baute selbst Gemüse, Kartoffeln, Beeren u. Obst an. In hoher Qualität mit erzieherischem Wert; man wußte was das alles für Arbeit macht. Kleingartenanlagen sollten erhalten werden; die sind wichtiger als ein Hotelhochhaus für Touristen; Tourismus ist doch stets eine Umweltbelastung und klimaschädlich.

  19. 5.

    Wer genug Geld zur Verfügung hat kann seine Lebendmittel (Fleisch, Wurst, Käse usw ) bei z.B.
    Fleischer kaufen. Viele können nur beim Discounter einkaufen weil entweder keine Frischetheke zur Verfügung steht oder sie auf jeden Cent achten müssen. Oder warum gehen viele Tafel?

  20. 4.

    Dieter
    Ich finde Sie sollten sich schämen solch minderwertigs Fleisch zu kaufen.
    Man könnte es noch vielleicht verstehen wenn Sie arm wären, aber da Sie das Geld ja für ein Auto aegeben wollen, fehlt mir jegliches Verständnis für Ihre Aussage.

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