Ein Mitarbeiter von Volkswagen Sachsen in Zwickau setzt das VW-Logo in die Front des VW ID.3 ein. (Quelle: dpa/Hendrik Schmidt)vw berlin
Video: Brandenburg Aktuell | 28.02.2020 | Carsten Krippahl | Bild: dpa/Hendrik Schmidt

Musterklage des Bundesverbands der Verbraucherschützer - VW entschädigt betrogene Dieselkäufer mit Einmalzahlung

Im Streit um Schadenersatz für Dieselfahrer haben sich Volkswagen und der Bundesverband der Verbraucherschützer auf einen Vergleich geeinigt. Damit ist die Musterfeststellungsklage des Verbands gegen VW beendet.

Fünf Jahre nach Bekanntwerden des Dieselskandals haben sich Volkswagen und die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) am Freitag auf ein Vergleichsangebot des Autobauers in Höhe von insgesamt 830 Millionen Euro geeinigt. Rund eine Viertelmillion Dieselfahrer erhalten dadurch eine Einmalzahlung, je nach Fahrzeug und Fahrzeugalter, zwischen 1.350 und 6.257 Euro an, wie der vzbv in Berlin mitteilte.

Mit einer Musterklage hatten mehr als 260.000 Dieselfahrer ihre Chancen auf Schadensersatz von Volkswagen erhöht. Der Verbraucherschutz trat stellvertretend für sie als Kläger auf.

Schadenersatz in Höhe von 15 Prozent des ursprünglichen Kaufpreises

Bei den Summen handle es sich um durchschnittlich 15 Prozent des ursprünglichen Kaufpreises, erläuterte der Bundesverband. Zusätzlich übernehme VW individuelle Anwaltskosten von bis zu 190 Euro netto, wenn der Verbraucher den Vergleich annimmt, teilten die Verbraucherschützer mit.

Vom vzbv beauftragte, unabhängige Wirtschaftsprüfer werden demnach per Stichprobe kontrollieren, dass Verbraucher die vereinbarte Summe auch wirklich erhalten. Bei Streitigkeiten können Kunden und Volkswagen zudem eine unabhängige Ombudsstelle einschalten, wie der Autobauer in Wolfsburg mitteilte.

Vergleichsangebot gilt bis zum 20. April

VW und vzbv erzielten die Einigung nach einer Mediation durch das Oberlandesgericht (OLG) Braunschweig. Dort hatte der vzbv stellvertretend für VW-Kunden auf Entschädigung geklagt. Der Verband wollte mit einer sogenannten Musterfeststellungsklage klären lassen, dass der Autokonzern Dieselkäufer "vorsätzlich und sittenwidrig" geschädigt hat und deshalb Schadenersatz zahlen muss. Diese Klage beendet der vzbv nun, wie er am Freitag mitteilte.

Wer das Vergleichsangebot von VW annehmen will, muss das bis zum 20. April entscheiden, wie der vzbv erklärte. Volkswagen sei eine Entscheidung vor der ersten Verhandlung des Bundesgerichtshofs im Dieselskandal wichtig. Das Gericht will sich ab dem 5. Mai damit befassen. Wer das Angebot von VW nicht annehmen will, der könne bis mindestens Oktober Einzelklage erheben, teilten die Verbraucherschützer mit. 

Im September 2015 hatte der Hersteller nach Prüfungen von Behörden und Forschern in den USA Manipulationen an den Abgaswerten von Dieselautos zugegeben. Die Software bestimmter Motoren war so eingestellt, dass im tatsächlichen Betrieb auf der Straße deutlich mehr giftige Stickoxide (NOx) ausgestoßen wurden als in Tests.

Sendung: Inforadio, 28.02.2020, 15:00 Uhr

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Antwort auf [besserwissser] vom 28.02.2020 um 17:16
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6 Kommentare

  1. 6.

    Gestern bekam ich einen Brief vom KBA bzgl. freiwilligen Softwareupdate. Schön das der Brief jetzt erst kam. Bisher bin ich davon ausgegangen, dass unser Golf Sportsvan Bj. 2015 mit Euro 6 nicht betroffen ist. Nunmehr ist ja die Frist der Musterfeststellungsklage verstrichen :-( Was kann man jetzt noch tun?

  2. 5.

    Warum betrifft dieses Vergleichsangebot nur Fahrzeuge ab Baujahr 2008? Warum nicht Fahrzeuge von Baujahr 2006 oder 2007?

  3. 4.

    Ihre Kinder müssen nur eine Bogen um Fiat machen. Bei VW gab es ein erfolgreiches Update, was sogar von der DUH bestätigt wurden ist. Der von denen nachgemesssene VW Sharan hielt auch auf der Strasse den Laborgrenzwert ein.

  4. 2.

    Und was erhalten wir und unsere Kinder, die wir diesen Dreck täglich einatmen müssen?

  5. 1.

    vergiftetes angebot.

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