Philipp Kahle in einem Ono (Bild: rbb/Franziska Ritter)
Bild: rbb/ Franziska Ritter

Start im Sommer - E-Lastenräder sollen Lieferverkehr in Berlin verändern

Liefertransporter stecken oft im Stadtverkehr fest. Gleich zwei Unternehmen wollen sie in Berlin durch Lastenräder mit Elektroantrieb ersetzen. Ab Sommer soll die nahezu emissionsfreie Alternative zum Lieferwagen zum Einsatz kommen. Von Franziska Ritter

Vier Räder, ein Lenkrad, Bremslicht und Außenspiegel: Der Loadster erinnert stark an ein Auto. Im Sinne der Straßenverkehrsordnung ist das Gefährt aber ein Pedelec - ein Fahrrad mit Elektroantrieb. Es ist knapp einen Meter breit und darf mit bis zu 25 Kilometern pro Stunde über den Radweg oder die Straße düsen. Um das Cargobike zu fahren, braucht man weder einen Führerschein noch eine Zulassung oder eine Versicherung.

Jonas Kremer, Mitte 20, hat das überdachte Mobil erfunden. "Ich habe früher in einem Supermarkt gearbeitet und mich immer gefragt, wie ich mit meinem Einkauf trocken nach Hause komme, wenn es regnet", erinnert er sich. Als er eines Tages einen Knirps in einem Kettcar sah, einem Tretauto für Kinder, machte es klick. "Ich dachte mir: Mach' da ein Dach drüber, eine Kiste hinten drauf, das ist es."

2020 startet die Serienproduktion

In der Fahrerkabine des Loadster ist man vor Wind und Wetter geschützt. Die Transportfläche bietet genügend Platz für eine Europalette, wie sie Logistikunternehmen nutzen. Standardmäßig kommt das Cargobike mit einer abschließbaren Transportbox daher, in der man bis zu 200 Kilo befördern kann. Nachdem Kunden wie Modehändler Zalando das Gefährt getestet haben, soll es im Spätsommer 2020 in Serienproduktion gehen.

"Wir wollen in diesem Jahr die ersten 300 Fahrzeuge produzieren", erklärt Quirin Adelmann von Risikokapitalgeber Rumford Partners, der nach eigenen Angaben einen siebenstelligen Betrag in das Start-up aus Berlin investiert hat. Als Zielgruppe für den Loadster hat er vor allem Handwerker, Gewerbetreibende und mobile Pflegedienste im Blick, die kurze Wege mit wenig Gepäck zurücklegen.

300 Kilo ohne Muskelkraft bewegen

Auch die Firma Onomotion will den städtischen Lieferverkehr verändern. Sie hat ein Cargobike "Ono" mit drei Rädern entwickelt, das bis zu 300 Kilo befördern kann. Der Elektromotor lässt sich stufenweise zuschalten, ein eingebauter Rückwärtsgang erleichtert das Rangieren. Sind die Akkus leer, können sie einfach getauscht werden. So braucht das Gefährt nicht lange stehen.

"Ein Akku reicht je nach transportierter Last ungefähr 30 bis 40 Kilometer", sagt Benjamin Birkner von Onomotion. "Mit zwei im Fahrzeug verbauten Akkus kommen Sie locker auf eine Reichweite von 70 bis 80 Kilometer, was für den konzipierten Einsatz auf der letzten Meile mehr als ausreichend ist."

Montage Loadster (Bild: rbb/Franziska Ritter)
Bild: rbb/ Franziska Ritter

Vor der Haustür parken

Onomotion hat das Lastenrad ursprünglich für Paketzusteller konzipiert. Der Container auf dem Rücken des Mobils lässt sich flexibel tauschen und hat ein Volumen von gut zwei Kubikmetern. Fährt man vier Ladungen damit aus, spart man sich eine Tour mit einem Dieseltransporter, rechnet das Start-up vor. In den vergangenen Monaten haben die Erfinder ihr Gefährt unter anderem mit Logistikunternehmen wie GLS und Hermes getestet.

"Ono ist mehr oder weniger für jeden Gewerbetreibenden im urbanen Raum interessant", sagt Philipp Kahle, der Onomotion mitgegründet hat. Für Schornsteinfeger, Schlüsseldienste oder Essenslieferanten sieht der Fahrzeugingenieur viele Vorteile: "Man kommt damit viel schneller durch die Stadt und näher an den Einsatzort." Statt lange nach einem Parkplatz für den Lieferwagen zu suchen, können Unternehmer mit einem Lastenrad bis vor die Haustür rollen und laufen nicht Gefahr, ein Knöllchen zu bekommen.

Loadster wird in Berlin produziert

Im September 2020 will Onomotion die ersten Serienmodelle ausliefern. Die Berliner planen, eine vierstellige Zahl im Jahr zu produzieren und wollen die Fahrzeuge vermieten. Das Paket, das sie anbieten, umfasst unter anderem die Bereitstellung der Akkus und einen Kaskoschutz. "Wir möchten Kunden mit Service und Wartung die Sicherheit geben, dass sie das Fahrzeug bestmöglich nutzen können", erläutert Benjamin Birkner. Sollte das Dreirad einmal ausfallen, werde es repariert oder ausgetauscht, verspricht das Ono-Team.

Der serienmäßige Loadster soll je nach Ausstattung zwischen 7.000 und 12.000 Euro kosten, wobei sich Kunden eine finanzielle Förderung sichern können. Least man das Mobil, kostet es maximal zehn Euro pro Tag, heißt es vom Unternehmen. Jonas Kremer und sein Team wollen ihren Loadster in Berlin herstellen und bauen dafür in Marzahn eine eigene Produktionsstätte auf.

Sendung: Inforadio, 26.02.2020, 08:45 Uhr

Beitrag von Franziska Ritter

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48 Kommentare

  1. 48.

    Mit Spielzeug retten wir die Welt. Unglaublich.

  2. 47.

    Die Berlinerin nennt eine wichtige Voraussetzung für die Verwendung dieser Lastenräder : FAHRRADINFRASTRUKTUR. Da ist ja vieles angedacht und eventuell gar in Planung.Ein 2 m breiter Radweg wäre schon was.

  3. 46.

    Man kann auf dem Bürostuhl ja einen Kollegen mitnehmen. Der liefert ihn aus, baut auf - in der Zwischenzeit dreht der andere Blockrunden, weil er in Mitte keinen Parkplatz gefunden hat auf dem Gehweg. Nicht falsch verstehen, ich finde es grundsätzlich gut, so viel wie möglich mit Rädern zu erledigen. aber sie sollten keine rollenden Schrankwände sein, die den Rest der Radler, Fußgänger und nicht zuletzt Autofahrer unendlich nerven - nur durch ihre Anwesenheit (rumstehen). Wir haben hier einfach keine gescheite Fahrradinfrastruktur. Da ist noch "etwas" Luft nach oben...

  4. 45.

    Reinigungsdienste ? Gebäudereiniger ? Die Mitarbeiter verdienen nun nicht übermäßig aber der Firmeninhaber wohl sehr gut. Man sieht es an seinem Eigenheim und an seinen immer teureren Privatwagen. Die Mitarbeiter hatten früher Berlingos-heute MB Vito. Alles drin für den ganzen Tag. Umstellung auf Lastenrad ? Darf bezweifelt werden. Ich werde nachfragen; kenne den Chef gut.

  5. 44.

    Der Fall ist ja hinreichend erläutert worden; der Fahrer hatte plötzlich gesundheitliche Probleme. Wäre mit 5er oder 7er BMW ebenso abgelaufen.

  6. 43.

    Lieber Doktor Kawasaki, es ist nun mal so wie beschrieben. Sie wissen doch selbst wie beliebt die SUV sind. Es ist auch nichts erfunden; nur das Personal der Pflegedienste fährt stets einen Kleinwagen. Kenne hier ja auch einige Ärzte im Ort; wir haben ja auch hier ein sehr modernes Krankenhaus und eine toll gelegene REHA-man sagt ursprünglich als Luxushotel geplant. Kenne so 3 Ärzte, die auf SUV schwören. Ist ja nicht verboten einen SUV zu fahren aber man sollte den Sinn meiner Worte nicht verdrehen. Bereitet es ihnen Vergnügen ?

  7. 42.

    Und wo parken Sie das Fahrzeug, wenn Sie beim Kunden sind? Auch hier erinnere ich gerne an eine TV-Bericht des RBB. Nebenbei ergibt es die Benutzungspflicht eines Radweges nicht allein aus dessen Existenz, sie muss explizit ausgeschildert sein. Sollte der Radweg benutzungspflichtig sein, entscheidet allein dessen Beschaffenheit, ob Sie den auch mit dem breiteren Lastenrad befahren müssen.

  8. 41.

    Wir haben schon beide Fahrzeuge (und andere Lastenräder) getestet und waren skeptisch, wie auch einige der Kommentare hier. Für unseren Zweck, die Auslieferung von hochwertigen Bürostühlen in der City, Aufbau und Wartung, passen die Dinger.
    Und sie sind gute Werbeträger. Am besten selbst testen .
    Und: Straßenverkehrsordnung STVO ist eindeutig: Das citkar ist schmaler als 1m, muss also auf den Radweg, wenn einer da ist. Die Ono ist breiter, muss also auf die Straße.

  9. 40.

    Nach allem, was ist hier so an Bedenken in den Kommentaren lese, bis ich mir absolut sicher, dass das ganze nichts wird.

  10. 39.

    Natürlich lässt sich nicht alles damit transportieren aber man kann die Aufträge mit so einem Gefährt zu 50 % mindestens erledigen und als Beispiel Duschtasse und Waschbecken klobecken natürlich ja und Heizungsrohre werden in der Regel vor dem Transport sowieso in der Mitte durch gesägt und nachher beim Einbauen mit Muffen verbunden

  11. 38.

    Ach herrje, der Wald abgeholzt und jetzt der gebetsmühlenfafte Hass auf SUV's hier?
    Habe Sie nicht konstruktives zum hiesigen Thema zu schreiben, als die dümmliche Belehrungen anderer User?

  12. 37.

    Diese Pedelecs wären ideal für Reinigungsunternehmen. Statt ein ganzes Fahrzeug zu bewegen, würde dieses Gefährt ausreichen. Aus wirtschaftlicher Sicht ist es allerdings uninteressant - 300€ Leasinggebühren im Monat... Da kriegt man für die Hälfte bereits einen VW. Das Leasingmodell sollte in jedem Fall überarbeitet werden. In ein bis zwei Jahren wird sich zeigen, ob es sich lohnt.

  13. 36.
    Antwort auf [Rüdersdorfer] vom 01.03.2020 um 21:26

    Ich erinnere mich an SUV vs. Wartende, es gab mehrere Tote.

  14. 35.
    Antwort auf [Rüdersdorfer] vom 01.03.2020 um 21:26

    Im Prinzip gleichen die Dinger (ono = Oh No! passt als Name genial) den Bierbikes der schwäbischen Touristen in der Innenstadt. Keiner käme auf die Idee, mit sowas über den Rad- oder Gehweg zu schüsseln. Oder sie vorm Haus auf dem Gehweg abzustellen. Aber sobald Amazon und Zalando drin sitzen, darf das alles?

    Ansonsten kann man die Teile natürlich NICHT mit einer Euro-Palette beladen. Und die einzigen Handwerker, die sowas zum Transportieren verwenden können, sind Goldschmiede und Zahntechniker :-) der Rest hat schon keinen Platz mehr im Fußraum, wenn er sein KLEINES Werkzeugköfferchen mitnimmt. Vielleicht noch eine neue WC-Schüssel nebst Duschtasse? Oder Fensterglas? Einen Sarg? 4 m Heizungsrohre? Nen Sack Zement? 2 Paletten Dachziegel? 5 Rigipsplatten? 1 Eiche, 2 Obstbäume und den Aufsitzmäher? 200 Teigrohlinge, zimmerwarm?

  15. 33.

    Sie haben die EAutos vergessen. Aber hier gehts jetzt mal nicht um die Autos der Privaten, sondern um den Lieferverkehr. Und die Lastenräder können nicht unbegrenzt immer größer werden, ohne dass es für diese Regeln gibt.

  16. 32.

    Sie würden sogar Einstein durcheinander bringen. Tauschen Sie Fußgänger gegen Radfahrer aus oder wie Sie es mögen. Sorry.

  17. 31.

    Etwas erschrocken bin ich schon. Die offensichtlich auch Ihnen bekannte Formel besagt doch, dass z.B. ein derartiges Lastenrad- voll beladen und dann noch mit möglicher Höchstgeschwindigkeit z.B. bei einem Zusammenstoß oder Aufprall ganz andere Schäden verursachen kann als wäre nur ein Fußgänger gegen einen Laternenmast oder Baum gefahren. E ist hier lediglich die kinetische Energie, die plötzlich umgewandelt wird. Mitunter mehr als Schmerzen als Folge. Verstanden ?

  18. 30.

    Was für ein Geschrei....

    Man wird sehen, wo der Einsatz derartiger Fahrzeuge Sinn macht und wo es nicht geht.

    Es sollte nicht vergessen werden, dass, ob es der Autofahrer mag oder nicht, die Städte massiv Autoverkehr verlieren werden. Das wird kommen. Allein aus gesundheitspolitisch-versicherungspolitischen Gründen.

    Wir können nicht die paar Leute, die wir haben, auch noch mit Abgasen platt machen.

    Es wird deutlich weniger Verbrenner geben und damit deutlich mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer und dieses hier gezeigten Batteriefahrzeuge.

    Macht sich eigentlich einer die Mühe und schaut sich die Stadtplanungsentwürfe an?

  19. 29.

    Solche Dinger fahren schon von UPS im MV herum.
    Zuerst eins möchte ich klarstellen: Die Dinger können keine Europlatten mit Getränke oder Baustoffe herum fahren. Das schafft nur ein 20 Tonner LKW mit Diesel. Das sollen die nicht ersetzen. Aber ein paar Pakete in der Umgebung, zur Briefzustellung oder Essenslieferung sind die Dinger nicht verkehrt. Deutlich weniger Lärm, weniger Luftbelastung und weniger Platzverbrauch. Toll!

    Aber da müsste man die Radwege ausbauen.

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