Eine junge Frau in einer Werkstatt (Quelle: dpa)
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Equal Pay Day - Warum Frauen in Brandenburg mehr Geld verdienen als Männer

Frauen haben im Jahr 2019 in Deutschland 20 Prozent weniger verdient als Männer. In Brandenburg sehen die Zahlen etwas anders aus. Hier verdienen Frauen in einigen Regionen teilweise deutlich mehr als Männer.

Frauen mit einem Vollzeitjob verdienen in Brandenburg weiterhin mehr Geld als Vollzeit arbeitende Männer. Das zeigt eine Auswertung von Daten der Arbeitsagentur, die rbb|24 zum Equal-Pay-Day vorgenommen hat. Betrachtet wurde das Einkommen im Median von sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten mit einem Vollzeitjob. Im Median bedeutet, die Häfte liegt über diesen Wert, die andere Hälfte darunter.

So erhielten Frauen mit einem Vollzeitjob in Brandenburg im Jahr 2018 im Median 2.666 Euro Brutto im Monat, Männer 2.559, also 107 Euro weniger.

In Berlin hingegen verhält es sich etwas anders. Hier lag der Median bei Männer bei 3.291 Euro Brutto im Monat, Frauen bekamen mit 3.191 Euro 100 Euro weniger.

Ganz anders sehen die Zahlen für Deutschland gesamt aus. Hier verdienen Männer mit einem Vollzeitjob immer noch deutlich mehr als Frauen. Die Männer bekamen 2018 im Median 3.468 Euro, die Frauen 3.014 Euro Brutto.

Deutlicher Abstand in Cottbus und Frankfurt (Oder)

Die Zahlen für das Land Brandenburg treffen aber nicht für alle Regionen zu. So verdienen in Cottbus und Frankfurt (Oder) Frauen im Median sogar über 400 Euro brutto mehr als Männer. Der Grund dafür, dass in einigen ostdeutschen Kreisen die Löhne der Frauen höher ausfallen als diejenigen der Männer, liegt in der regionalen Wirtschaftsstruktur. "In Ostdeutschland fehlen vielerorts die Branchen, die traditionell gutbezahlte Männerjobs anbieten, wie die Automobilbaufertigung, der Maschinenbau und die Chemieindustrie", erklärt Michaela Fuchs vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) die Einkommensunterschiede. "Damit in Verbindung gibt es kaum Hauptsitze großer Firmen und nur vergleichsweise wenige gutbezahlte Jobs für Ingenieure oder Maschinenbauer", so Fuchs weiter. Dies führe unter anderem dazu, dass Männer in Ostdeutschland aufgrund ihrer starken Neigung zu Produktions- und Fertigungsberufen deutlich weniger verdienen als Männer in Westdeutschland. Frauen wiederum bevorzugen Berufe im Dienstleistungs-, Sozial- und Gesundheitsbereich, so die Forscherin.

Den größten Gehaltsunterschied zu Gunsten der Männer gibt es mit 232 Euro im Monat im Landkreis Teltow-Fläming, den geringsten mit 14 Euro in Elbe-Elster. Hier verdienen beide Geschlechter jedoch deutlich weniger als z.B. in Potsdam. Sind es in der Landeshauptstadt im Median 3.073 Euro, so liegt dieser Wert in Elbe-Elster bei 2.324 Euro, als fast 750 Euro weniger.

 

Um eine Vergleichbarkeit der Daten zu haben, wurden in dieser Auswertung nur sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigte betrachtet.  Ein anderes Bild ergibt sich, wenn man die 750.000 sozialversicherungpflichtig Beschäftigte mit betrachtet, die in Berlin und Brandenburg Teilzeit arbeiten. Von diesen sind in Berlin etwa 2/3 Frauen, in Brandenburg sogar gut 3/4.

Das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg hat Zahlen zu Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer veröffentlicht, die sowohl Vollzeit als auch Teilzeit arbeiten oder geringfügig beschäftigt sind. Nach dieser Auswertung verdienten Frauen 2019 in Brandenburg pro Stunde durchschnittlich 16,69 EUR brutto und damit rund drei Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen (17,27 EUR). Außer in Brandenburg gab es nur in Sachsen-Anhalt eine solch geringe Differenz zwischen den Verdiensten der beiden Geschlechter. In Berlin verdienten Frauen mit durchschnittlich 19,17 EUR brutto pro Stunde rund 14 Prozent weniger als Männer (22,33 EUR). Damit lag Berlin gemeinsam mit Schleswig-Holstein auf Platz 5.   

 

Deutliche Unterschiede beim Lebenserwerbseinkommen

Die Bertelsmann-Stiftung hat in einer neuen Studie untersucht, wie sich das Lebenserwerbseinkommen von Männern und Frauen entwickelt. Für Ostdeutschland wurden dafür die Daten von Menschen ausgewertet, die zwischen 1971 und 1982 geboren wurden. Untersucht wurden die Einkommen bei drei unterschiedlichen Qualifikationsniveaus. Dabei zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen den Geschlechtern. So verdient eine Frau (hochqualifiziert) am Ende nur soviel wie ein Mann mit einer mittleren Qualifikation. Hochqualifizierte Männer kommen auf ein bis zu 700.000 Euro höheres Einkommen im Laufe ihres Lebens als gleichqualifizierte Frauen. Die Gründe dafür sind, dass Frauen häufiger Teilzeit arbeiten und sich um ihre Kinder kümmern. "Kinder kosten Lebenserwerbseinkommen", so Manuela Barišić von der Bertelsmann-Stiftung zu diesem Ergebnis der Studie.

An der Tatsache, das Frauen im Laufe ihres Lebens insgesamt weniger verdienen als Männer, wird sich vermutlich so schnell auch nichts ändern. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes war im Jahr 2018 in Deutschland fast jede zweite erwerbstätige Frau (47 Prozent) im Alter von 20 bis 64 Jahren in Teilzeit tätig. Unter den Männern betrug dieser Anteil nur 9 Prozent. Der überwiegende Teil der teilzeitarbeitenden Frauen gab als Hauptgrund die Betreuung von Kindern oder Pflegebedürftigen (31 Prozent) beziehungsweise andere familiäre oder persönliche Verpflichtungen (17 Prozent) an.

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Beitrag von Götz Gringmuth-Dallmer

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9 Kommentare

  1. 9.

    Es ist nirgendwo ein Problem. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit steht in allen Tarifverträgen. Aber nicht für verschiedene Arbeit. Beispiel:

    - Wenn von 10 Frauen 9 Krankenschwestern (1000 EUR mtl) werden, und eine Chirurgin (10.000 EUR mtl), dann haben die Frauen ein mittleres Einkommen von 1.900 EUR.
    - Wenn von 10 Männern 9 Chirugen (10.000 EUR) und einer Krankenpfleger (1000 EUR) wird, dann haben die Männer im Schnitt ein Einkommen von 9.100 EUR.

    Findet Diskriminierung statt? Nein: Die Krankenschwester bekommt exakt gleich viel wie der Krankenpfleger, die Chirurgin exakt gleich viel wie der Chirurg. Der statistische Unterschied entsteht durch unterschiedliche Berufswahl, nicht durch Benachteiligung eines Geschlechts.

    In Brandenburg sind die Zahlenverhältnisse eben umgekehrt. Auch gut, genauso keine Diskriminierung.

  2. 8.

    Es ist eigentlich völlig unwichtig, wie hoch der Durchschnittsverdienst gemittelt nach Geschlecht, Haarfarbe oder Schuhgröße ist. Man kann daraus nichts Relevantes ableiten. Jede politische Forderung basierend auf einem statistischen Artefakt ist unlogisch.


  3. 5.

    Sehr erhellend. Mit diesen vielfach proklamierten 20 Prozent wird ein Problem suggeriert,welches es nicht gibt. Jedenfalls in diesem Landesteil.
    Die Breite Masse der Bevölkerung sollte sich nicht gegenseitig um ein paar Euro kloppen,sondern viel lieber fragen,warum ihr ein großer Teil des Kuchens verwehrt bleibt.

    Sollten Frauen bei Tarifverträgen benachteiligt werden,wäre das natürlich nicht zu akzeptieren.

    "So erhielten Frauen mit einem Vollzeitjob in Brandenburg im Jahr 2018 im Median 2.666 Euro Brutto im Monat, Männer 2.599, also 107 Euro weniger."
    Also ich komme da auf 67 Euro.

  4. 4.

    Liebes rbb24 Team, Zitat: "So erhielten Frauen mit einem Vollzeitjob in Brandenburg im Jahr 2018 im Median 2.666 Euro Brutto im Monat, Männer 2.599, also 107 Euro weniger." Entweder haben Sie sich vertippt oder Sie können nicht rechnen. 2.666 - 2.599 sind bei mir 67,00 Euro und nicht 107,00 Euro. Wahrscheinlich meinten Sie, wie in der Tabelle dargelegt, 2.559,00 Euro. Das würde wieder Sinn ergeben.

  5. 3.

    Hier kommt der Aufschrei:

    Männerschutz- und Gleichstellungsbeauftragten einschalten - wir leben im 21.Jahrhundert. Es kann nicht sein das Männer weniger verdienen aus Frauen - wie ungerecht.

  6. 1.

    Wo bleibt der Aufschrei!!? der Gesellschaft und der Aktivisten.

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