Vor dem Einkaufszentrum A10 in Wildau bei Berlin werben Fahnen und eine Schrift für die Handelskette "real". (Quelle: dpa/Karlheinz Schindler)
Video: Brandenburg Aktuell | 04.03.2020 | Ulrike Nagel | Bild: dpa/Karlheinz Schindler

Beschluss vor Verkauf an russischen Investor - Real-Markt in Wildau schließt in gut einem Jahr

Der Verkauf der Real-Kette an einen russischen Investor ist noch nicht vollständig besiegelt - aber schon jetzt droht manchem Märkten das Aus. Vorerst sieben Filialen sollen ab Jahresende dicht machen.

Noch bevor der Verkauf an den russischen Investor SCP vollzogen ist, stellt die Supermarktkette Real die Weichen für die Schließung von sieben Filialen. Auch einer der Märkte in der Region ist betroffen: Ende März nächsten Jahres soll der Markt in Wildau (Dahme-Spreewald) südöstlich von Berlin seine Tore schließen. In der Filiale arbeiten derzeit mehr als 200 Mitarbeiter.

Schon zum Jahresende sollen demnach die Geschäfte in Bamberg und Deggendorf (beide Bayern), im rheinland-pfälzischen Bad Sobernheim und im niedersächsischen Papenburg ihr Tore schließen. Zeitgleich mit dem Wildauer Markt soll auch in der Filiale im bayerischen Augsburg Schluss sein, Ende Juni 2021 auch die Filiale im nordrhein-westfälischen Rheine.

Insgesamt sind davon 650 Mitarbeiter betroffen. Zuvor hatten Zeitungen der Funke-Gruppe darüber berichtet.

Künftiger Eigentümer eingeweiht

Die Schließungen seien mit den künftigen Real-Eigentümern besprochen. Der künftige Real-Besitzer SCP hatte bereits kurz nach der Unterzeichnung des Kaufvertrages mit der Metro angekündigt, rund 30 Filialen mangels Zukunftsperspektiven schließen zu wollen.

Der Rest der Kette soll zerschlagen werden. Ein Großteil der 276 Real-Märkte soll an Wettbewerber wie Kaufland, Globus oder Edeka verkauft werden. Nur ein Kern von 50 Filialen soll noch 24 Monate unter dem Namen Real weitergeführt werden.

Auswirkungen für Mitarbeiter unklar

Was das nun bekannt gewordene Aus konkret für die betroffenen Mitarbeiter in den sieben Märkten bedeutet, ist derzeit noch unklar. Danny Albrecht, DGB-Kreisvorsitzender Dahme-Spreewald und Angestellter im Real-Markt Wildau zeigte sich am Mittwoch überrascht von der Schließung, von der er aus den Medien erfahren habe. "Meiner Einschätzung nach sind auch die 50 Real-Märkte die bleiben sollen zwei Jahre später Geschichte", sagte Albrecht rbb|24.

"Ich habe hier mit meinen Kolleginnen und Kollegen gekämpft, aber es hat nicht gereicht. Nun geht es vor allem darum, zwischen Geschäftsleistung und Betriebsrat einen Sozialplan auszuhandeln. Es muss eine Absicherung geben."

Nach Aussagen von Metro-Chef Koch Mitte Februar hat der Konzern mit dem Betriebsrat für alle Real-Mitarbeiter, die durch betriebsbedingte Kündigung ihren Arbeitsplatz verlieren, eine soziale Absicherung vereinbart.as das nun bekannt gewordene Aus konkret für die betroffenen Mitarbeiter in den sieben Märkten bedeutet, ist derzeit noch unklar.

Im Idealfall besserer Tarifvertrag

"Falls es zu einem sogenannten Betriebsübergang kommt, muss der neue Eigentümer zunächst in die Rechte und Pflichten des alten eintreten. Das heißt, dass sich zumindest für ein Jahr nichts für die Mitarbeiter ändert", sagte Markus Hoffmann-Achenbach, stellvertretender Geschäftsführer des Bezirks Potsdam-Nordwestbrandenburg der Gewerkschaft Verdi, noch Ende Januar. Je nach Käufer der Filiale könnte sich der Abschied vom Metro-Konzern sogar lohnen: "Rewe, Edeka und Kaufland sind im Gegensatz zu Real im Flächentarifvertrag. Für die Real-Beschäftigten könnte eine Übernahme also vorteilhaft sein."

Der Kaufvertrag mit dem russischen Investor war Mitte Februar unterschrieben worden. Er muss aber noch vom Aufsichtsgremium der russischen Sistema PJSFC genehmigt werden. Sie stellt die Finanzierung der Übernahme sicher. Sistema teilte ebenfalls am Dienstag in Moskau mit, dass man dafür bis zu 263 Millionen Euro zur Verfügung stelle. Die Transaktion bedarf auch noch der Zustimmung der EU-Kartellbehörden. Diese gilt aber als sehr wahrscheinlich, weil der Käufer SCP bisher nicht im deutschen Handel tätig ist. Die insgesamt rund 300 Millionen Euro, die Metro für Real bekommt, sind etwa 200 Millionen weniger, als sich der Vorstand noch vor einigen Monaten erhofft hatte.

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12 Kommentare

  1. 12.

    Wer die Metro medial begleitet, hat das doch sehen können. Real zu verkaufen ist nicht der Schlusspunkt. Auch Großmärkte wie diese alten Schapermärkte werden schließen müssen. Hier wurde viele Jahre gepennt. Ausbaden müssen es immer die Mitarbeiter. Ein Großteil der Kunden kauft morgen woanders. Einige Nostalgiker werden dann einfach zum Kaufland wechseln.
    Es werden tatsächlich alle Bundesländer betroffen sein, vor der Haustür fällt es einem nur besonders auf.

  2. 11.

    Nein,Berlin muss man sich nicht antun. Das sehen die Berliner wohl genauso: Freies Parken ohne Not,Einkauf als Erlebnis. Achten Sie mal auf die Kennzeichen z.B. bei Kaufland Eiche oder A10 Center Wildau...

  3. 10.

    Ich kaufe sehr gerne bei real. Geschmäcker sind eben unterschiedlich.Für unsere Familie ist das eine enorme Zeitersparnis-"Einmal hin,alles drin." Sonderangebote waren bis jetzt auch sehr gut. Schade.

  4. 9.

    Bei dem ,, Einzugsgebiet '' des A 10 Center, sollte es nicht all zu lange dauern, bis ein neuer Betreiber weiter macht.

  5. 8.

    Ganz viel Halbwissen, denn:
    Im September 2018 gab Metro bekannt, die Supermarktkette Real verkaufen zu wollen. Das Unternehmen wolle sich künftig ganz auf den Großhandel fokussieren.
    https://www.metroag.de/mediacenter/news/2018/09/13/metro-beginnt-verkaufsprozess-fuer-real-und-fokussiert-sich-auf-grosshandel

  6. 7.

    Genau die Bewohner aus dem "Speckgürtel" tun ja so als wenn sie nie nach Berlin fahren um einzukaufen.
    Ansonsten war mir Real sowieso zu verkramt.

  7. 6.

    Schade um den schönen Markt. Im Osten ist eben unbestreitbar viel platt gemacht worden, da ist es eben um alles weitere schade.

  8. 5.

    REAL hat einfach die Zeit erpennt oder war auch nie auf der Höhe der Zeit - diese miefigen Märkte mit Billigst-Non-Food-Abteilungen im Eingangsbereich braucht kein Mensch. Das nenne ich mal Gesundschrumpfen.

  9. 4.

    Die Aussage der älteren Dame im Interview „...es wird mal wieder im Osten etwas totgemacht...“ ist so nicht zutreffend!!!
    Es werden z.B. auch Märkte in Bayern (Bamberg, Deggendorf, Augsburg) zum Jahresende schließen und die liegen bekanntlich nicht im „Osten“!
    Mich als „Ossi“ nerven langsam diese Plattitüden!!!

  10. 2.

    Auch der Markt in der Müllerstr schließt zum 31.12.2020

  11. 1.

    Gut das ihr eine Eilmeldung rausgepusht habt, diese völlig krasse Nachricht wäre mit sonst fast entgangen.

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