Eine Familie geht in Berlin-Friedenau spazieren, alle tragen Mundschutzmasken. (Quelle: dpa/Wolfram Steinberg)
Video: Abendschau | 31.03.2020 | Marek Walde | Bild: dpa/Wolfram Steinberg

Zu wenige Masken - Berliner Senat hält Mundschutzpflicht derzeit für schwierig

Soll in der Öffentlichkeit Mundschutzpflicht gelten? Solange Masken knapp sind, stellt sich die Frage für den Berliner Senat gar nicht erst. Berufsschulen und Theaterwerkstätten haben angekündigt, bei der Herstellung von Schutzausrüstung zu helfen. 

Eine allgemeine Schutzmaskenpflicht wegen der Corona-Krise ist für den Berliner Senat derzeit kein Thema.  Bei seiner Sitzung am Dienstag sei darüber nicht gesprochen worden, sagte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne): "Ich würde frank und frei sagen, solange es nicht ausreichend Schutzmasken überhaupt für das Pflegepersonal gibt, für diejenigen, die mit potenziellen Corona-Infizierten zu tun haben, solange das nicht gesichert ist, halte ich eine Schutzmaskenpflicht für eine schwierige Angelegenheit."

Die AfD-Fraktion hatte in einem Antrag für das Abgeordnetenhaus eine solche Vorschrift zum "Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in den öffentlichen Räumen" gefordert, um die Bevölkerung besser zu schützen. Auch der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Thomas Isenberg, hält das für sinnvoll. "Ich verstehe sehr gut, dass Österreich oder aber Kommunen wie Jena mit einer Maskenpflicht vorpreschen. Das kann auch ein Vorbild für Berlin sein", sagte er am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

Die Linke positionierte sich gegen eine Maskenpflicht. Die FDP hält diese im Moment für schlecht umsetzbar, weil Masken Mangelware sind.

Modeschule will 1.000 Masken schneidern

Die Senatsverwaltung für Wirtschaft hatte Berliner Unternehmen vergangenen Freitag bereits dazu aufgerufen, Schutzausrüstung für Krankenhäuser, Arztpraxen, Polizei und Feuerwehr zu spenden. Dringend benötigt werden Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel und Atemschutzmasken.

Angesichts der prekären Situation haben in Berlin nun auch Berufsschulen Hilfe angeboten und angekündigt, Schutzmasken für Mund und Nase in Eigenregie herzustellen. Wie die Senatsverwaltung für Bildung am Dienstag mitteilte, will die Modeschule Berlin - das Oberstufenzentrum für Bekleidung und Mode - zunächst 1.000 Textilmasken produzieren. Lehrkräfte hätten dafür bereits Prototypen entwickelt. Die Modeschule werde die selbstangefertigten Masken zunächst dem Krankenhauspersonal anbieten, hieß es.

Auch ein selbstgebastelter Mundschutz kann helfen

Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) lobte am Dienstag die Eigeninitiative der Schulen. "Das ist ein hervorragendes Signal in diesen schwierigen Zeiten. Jeder und jede hilft, wo er oder sie am besten kann."

Das Robert Koch-Institut hält selbstgebastelten Mund- und Nasenschutz für hilfreich. "Es hängt vom Material ab", betonte RKI-Präsident Lothar Wieler. Doch auch ein selbstgebauter Schutz halte Tröpfchen zurück, wenn man huste und niese. "Deswegen ist er für den Schutz von anderen von Relevanz." Deutlich zu unterscheiden sei aber ein einfacher Mund-Nasen-Schutz von den virenabhaltenden Profi-Masken, die im medizinischem Bereich eingesetzt würden. Sie können auch die Träger selbst vor Infektionen schützen.

Wie ein Bildungssenatssprecher Martin Klesmann rbb|24 sagte, hat die Berliner Bildungsverwaltung eine Abfrage bei allen beruflichen Schulen in der Hauptstadt gestartet, um mögliche weitere Kapazitäten zur Produktion von Schutzmasken zu ermitteln. Eine Auswertung stand zunächst noch aus.

Theaterwerkstätten steigen in die Maskenproduktion ein

Der Ankündigung, Masken in Eigeninitiative herzustellen, folgten auch Berliner Theaterwerkstätten. Erste Aufträge hat zum Beispiel der Berliner Bühnenservice, der normalerweise für Opernhäuser und das Staatsballett arbeitet. Rund 300 Masken seien für ein Alten- und Pflegeheim genäht worden, sagte Geschäftsführer Rolf D. Suhl der Deutschen Presse-Agentur. Rund 300 weitere sollen für ein zweites Heim entstehen. Am Berliner Maxim-Gorki-Theater nähen 15 Mitarbeiter Masken für Mund und Nase, auch am Deutschen Theater in der Hauptstadt gibt es solche Pläne. Am Theater an der Parkaue sind sechs Mitarbeiter damit beschäftigt.

Der Sprecher der Bildungsverwaltung, Klesmann, sagte rbb|24, es sei mit der Senatsverwaltung für Finanzen abgestimmt worden, Masken von gemeinnützigen Anbietern oder staatlichen Werkstätten für zwei Euro das Stück aufzukaufen. Kliniken, Senioreneinrichtungen und Arztpraxen berichten seit Wochen von Problemen bei der Beschaffung von Schutzausrüstung.

Sendung: Inforadio, 31.03.2020, 14 Uhr

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69 Kommentare

  1. 69.

    Bei Maskenpflicht, wer besorgt bzw. stellt diese?

  2. 68.

    "'Nähe dir doch deinen Munschutz selber' hat keinerlei nachgewiesene Schutzwirkung", sagt der Virologe.
    Robert-Koch-Institut: Maske schützt nicht vor Ansteckung"
    @Leo. Mein Kommentar Nr. 41 war als Kommentar auf Ihren Kommentar Nr 34. gedacht. Ich bilde mir auch ein da stand irgendwo auf den RKI Seiten, dass Mundschutze nicht vor Ansteckung schützen... egal jetzt steht da aber:
    "Hingegen gibt es keine hinreichenden Belege dafür, dass ein MNS oder eine Mund-Nasen-Bedeckung einen selbst vor einer Ansteckung durch andere schützt (Eigenschutz). "
    Das kann im Prinzip auch heißen, dass da nie irgendeine Schutzwirkung von zb Baumwollmundschutzen (oder anderen Prototypen) von irgendwelchen offiziellen Stellen getestet wurde.
    Immerhin haben chirurgische MNS (also nicht die selbstgemachten) wohl die DIN Norm DIN EN 14683:2019-6:
    https://www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Medizinprodukte/DE/schutzmasken.html

  3. 67.

    Natürlich ist er sinnlos, es sei denn Sie vernähen original Produktionsmaterial.
    Ordinärer Stoff wird feucht und schützt nicht.

  4. 65.

    Nach welcher Norm muß denn ein (MundNasen-)Schutz schützen um als Abmahnanwaltsschutz zu gelten? Weiss das jemand?
    Allein bei den Schwebteilchennormen ist das ja schon ganz unübersichtlich geworden. Da sind ja auch zb Din Normen die in ISO Normen übergehen usw.

  5. 64.

    Wäre gut, wenn Sie nicht auf eine österreichische Quelle zugreifen würden. Hier gilt anderes Recht. Und der Begriff „Schutz“ darf eben nicht verwendet werden, da es sich nur um selbstgebastelte Masken handelt, die einen nicht schützen.

  6. 63.

    Da fängt es schon an, es ist eben kein Mundschutz. Denn der eigene Mund wird nicht geschützt. Es ist eher ein Schutz für das Gegenüber. Insofern ist der Streit vorprogrammiert, wenn jemand naiv davon ausgeht, es wird ihm eine Maske gegeben , die ihn schützt, kein Wunder wenn Anwälte das Abmahnen. Der Begriff Schutz suggeriert, ich könne mich damit wirksam schützen.

  7. 62.

    Dazu gibt es auf mimikama.at einen tollen Beitrag von einem Anwalt, der seine Kollegen zur Mäßigung aufruft.
    Man sollte nicht den Begriff "Atemschutz" verwenden, Mundschutz wäre aber ok.
    Ich bin total sauer auf die Geier, die jetzt auch noch mit der Hilfsbereitschaft anderer Kasse machen wollen. Kein Wunder, dass Anwälte einen schlechten Ruf haben, diese paar Äpfel verderben die ganze Kiste...

  8. 61.

    Selbstgenähter Mundschutz ist eben nicht total sinnlos.
    Es ist richtig, dass der Träger nicht vor einer Infektion geschützt wird, aber wenn der Träger selbst infiziert ist, schützt das die Mitmenschen. Einfach mal bei den Richtigen genau nachlesen.
    Es macht keinen Sinn die Maske auch draußen ständig zu tragen, es sei denn, man kommt seinen Mitmenschen zu nahe, was ja nicht sein soll. Im Supermarkt sollte man sie schon tragen. Niemand kann wissen, ob er nicht doch infiziert ist und schon einige Tage vor den ersten Symptomen das Virus verbreiten kann. Der Mundschutz dient also in erster Linie zum Schutz der anderen. Und das sollte doch kein Problem sein.

  9. 60.

    Die Abmahnanwälte drehen schon immer am Rad, auch vor Corona.
    Ob Mundschutz ein geschützter Begriff ist, da bin ich mir nicht ganz so sicher.
    Auf der Seite Ehrenamt entsteht derzeit eine groß angelegte Betrugsmasche. Da sind zahlreiche voll kommerzielle Anbieter unterwegs, die nun ehrenamtliche Kräfte gegen Vermittlugsgebühr missbrauchen wollen. Bei ebay wimmelt es von solchen Anzeigen. Da sollte Polizei und Staatsanwaltschaft ganz dringend ein Auge draufwerfen.

  10. 59.

    Lieber RBB. Ihr solltet bei diesem Thema ein Problem aufgreifen, was derzeit hochkommt. Es werden schon Abmahnanwälte aktiv, die gegen die Näherinnen vorgehen. Ja auch gegen ehrenamtliche. Es geht um die Verwendung der Begriffe. Wer für andere solche Dinge näht, kann da schnell in eine rechtliche Falle tappen.
    https://www.n-tv.de/ratgeber/Masken-Schneidern-drohen-Abmahnungen-article21682706.html

  11. 58.

    "Warum werden die zu wucherpreisen angebotenen Masken im Internet nicht einfach beschlagnahmt" In Apotheken wurde bereits beschlagnahmt. Aber ich vermute, dass der deutsche Staat nur deutsche Firmen/Firmen auf dem deutschen Staatsgebiet beschlagnahmen darf bzw. dessen Bestände.

  12. 57.

    Da fragt man sich, was der Staat mit den ganzen Steuereinnahmen macht, wenn der dann im Notfall nicht mal in der Lage ist die grundlegendsten Sachen zu organisieren. Aber Hauptsache immer schön an die Solidarität der Bürger appellieren. Ohne die ganzen vernünftigen und engagierten Menschen wäre Deutschland schon längst kaputt, weil die wenig kompetenten Organe, die uns regieren nichts bis wenig auf die Reihe bekommen. Fragt sich, wie lange sich die Menschen das noch bieten lassen. Allen, die in dieser Zeit den "Laden" Deutschland am Laufen halten, sei Dank gesagt.

  13. 56.

    Am besten Sie werden Berater des Senats.... Dann haben wir bald einen Bürgerkrieg. Gehts auch weniger radikal? Wie wäre es, Sie würden mal an die Nähmaschine gehen und Masken für alle herstellen? Kleine Nachtschicht und schon haben wir Masken.

  14. 55.

    Dieser Mundschutz wird im Supermarkt vor dem Einkauf verteilt. Austria war leider schon oft organisierter als Deutschland

  15. 53.

    "Esst mehr Weßkohl- er ist so gesund" diesen Slogan kennen ehemalige DDR Bürger noch, es gab halt eben nur Weißkohl. Heute streiten sich die Politiker ob das Tragen einer Mundschutzmaske nützt oder nicht. Weil es eben nicht genügend für alle gibt?
    Jena macht es, Nordhausen macht es, Hanau empfiehlt es. Jeder kocht sein Süppchen, jeder kleiner Landesfürst bestimmt was für sein Völkchen am besten sei. Wie im kleinen so im Großen, jedes EU Land sieht zu wie es über die Runden kommt. Ein gemeinsames Schultern der Schulden (Eurobonds) kommt für Deutschland nicht in Frage, aber zur Spargel- und Erdbeerernte sollten sie schon kommen, die EU "Tagelöhner". Die Lebensmittelversorgung ist gesichert, nur bei Gemüse und Obst werden Preiserhöhungen und Engpässe erwartet. Da ist er wieder der Weißkohlkopf.

  16. 52.

    Warum werden die zu wucherpreisen angebotenen Masken im Internet nicht einfach beschlagnahmt? Die Leute müssten das abgeben und würden nix dafür bekommen. Ausgenommen die selbst genähten Masken, die dürften weiter angeboten werden. Danke an die vielen fleißigen Menschen die jetzt Masken nähen.

  17. 51.

    Völlig richtig! Selbst hergestellter Schutz ist total sinnlos. Wer sich an die Regeln hält, fährt damit genauso sicher mit sich und seinen Mitmenschen.

  18. 50.

    Sie haben wieder mal keine Ahnung. Warum sollte man vorher Schutzmasken produzieren ohne Bedarf. Wir leben im Kapitalismus. Eine Pandemie überrascht jeden.

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