ARCHIV - 12.03.2020, Brandenburg, Dürrenhofe: Ein Mitarbeiter der Agrargenossenschaft Unterspreewald ist mit einem Traktor zwischen Spargelreihen unterwegs (Quelle: dpa / Patrick Pleul).
Bild: ZB

Erntehelfer in Brandenburg fehlen - Spargelbetriebe nehmen auch ungelernte Arbeiter

Ungelernte sind derzeit in der Brandenburger Landwirtschaft äußerst willkommen und gefragt. Das liegt allerdings nur daran, dass die Saisonkräfte aus Osteuropa gerade wegen der Coronavirus-Epidemie nicht mehr nach Deutschland einreisen können. Sie fehlen als Erntehelfer, ohne Polen und Rumänen ist das Geschäft mit dem Spargel wirtschaftlich kaum denkbar. Deutsche, die den Knochenjob auf den Feldern für den Mindestlohn plus Mengenzulage machen, finden sich schon seit vielen Jahren nicht genug. Plötzlich sind die Betriebe auf Ersatz angewiesen - jeden Freiwilligen zu nehmen, ist angesichts der Schwere der Arbeit aber nicht möglich.

Der Einsatz müsse  bei den Betrieben und den interessierten Arbeitern nüchtern betrachtet werden, sagte Andreas Jende, Geschäftsführer des Gartenbauverbandes Berlin-Brandenburg, auf Anfrage der dpa. Allzu große Euphorie sei fehl am Platz.

Wer nicht viel Eigenmotivation mitbringt, hat auf dem Feld nichts verloren

Spargelernte als ABM-Maßnahme? Wer nicht viel Eigenmotivation mitbringt und aus freien Stücken den Weg aufs Spargelfeld wählt, bringt den Betrieben nichts. Dafür ist der Job zu anstrengend und eintönig. Es gehe um Leistung und Ertrag, fasste Jende zusammen. Am Anfang müssten die Neu-Erntehelfer mindestens 14 Tage in die künftige Arbeit eingewiesen und die handwerklichen Fertigkeiten geübt werden. "Es kann körperlich hart werden", sagte er.

Es sei fast eine Kunst, beispielsweise fachgerecht eine Spargelstange aus dem Boden freizulegen und zu stechen. "Eine Mindestlänge von 25 Zentimeter sollten die Stangen haben", betonte er. Parallel dazu wachsender Spargel, der noch eine Weile brauche, dürfe dabei nicht zerstört werden. "Das alles braucht viel Übung", sagte er. Hinzu komme die für viele Helfer ungewohnte Körperhaltung, Hitze und Sonne oder auch Regen. Maschinen könnten bislang diesen Job nicht übernehmen, der viel Fingerspitzengefühl erfordere. 

Nach Angaben des Beelitzer Spargelvereins gibt etwa die Hälfte der interessierten Helfer in den ersten zwei Wochen wieder auf. Die Arbeit werde oft unterschätzt, hieß es. Geübte Spargelstecher kommen auf 15 Kilogramm Ernte in der Stunde. Zu dem Mindestlohn von 9,35 Euro pro Stunde kommen noch Mengenzulagen.

Brandenburger Regierung bietet Polen Geld, wenn sie bleiben

Nach einem Beschluss der polnischen Regierung, müssen polnische Staatsbürger, die zum Arbeiten nach Deutschland pendeln, seit vergangenem Freitag bei ihrer Rückkehr zwei Wochen in Quarantäne. Die Landesregierung in Brandenburg hatte den Pendlern aus Polen daraufhin finanzielle Hilfen versprochen, wenn sie dafür im Land bleiben. Ab Freitag würden sie pro Tag 65 Euro aus der Landeskasse erhalten sowie jedes Familienmitglied, das sich in Brandenburg aufhält, täglich 20 Euro, sagte Finanzministerin Katrin Lange (SPD) am Donnerstag dem rbb. Ob diese Maßnahme wirklich hilft, um die vielen polnischen Arbeitskräfte in Brandenburg vom Gehen abzuhalten, ist noch äußerst fraglich. Die Spargelsaison endet traditionell am 24. Juni.

11 Kommentare

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  1. 11.

    ich bin voll bei Dir. Wer Leistung vom Staat kassiert, sollte auch etwas dafür tun, und nicht nur, weil wir gerade Corona-Zeiten haben. Es ist eine Schande, dass Lebensmittel, egal ob Spargel, Erdbeeren, Äpfel oder was auch immer vergammeln, oder nicht geerntet werden, weil Hartz IV Empfänger keine Lust haben arbeiten zu gehen. Ich ärgere mich ständig darüber, wie leicht es ist, in Deutschland für nix Geld vom Staat zu kassieren. Sicherlich ist Spargel stechen eine harte Arbeit, aber es ist nur über ein Zeitraum von ca 3 Monaten im Jahr. Ich arbeite täglich körperlich hart, und das seit über 30 Jahren. Die Menschen werden immer mehr verweichlicht, keiner will mehr körperlich arbeiten, aber Geld vom Staat kassieren, für das ich schwer arbeiten und früh aufstehen muss, dass ist kein Problem???? Und noch was zum Kommentar Schreiber wer Spargel essen will soll ihn auch ernten. Schlachtest er das Vieh was er isst selbst, oder näht er seine Klamotten selber? Meine Hochachtung den Bauern!!

  2. 10.

    Was ich persönlich überhaupt nicht verstehe, dass man Erntehelfer einfliegen muss, obwohl so viele Menschen zu Hause sitzen und von Harz IV u.ä. leben. Jetzt können diese doch was wiedergeben und die Gunst der Stunde nutzen. Man muss doch nicht noch unnütz Geld ausgeben für Flug / Unterkunft um Erntehelfer ranzukarren. Wir haben doch auch sehr viel Einwanderer die sich jetzt mal nützlich machen können. Was ist das für eine verdrehte Welt. Ich persönlich bin Kurzarbeit und hatte mich per Mail als Erntehelfer beworben, dies ist mittlerweile auch schon 2 Wochen her. Bis Dato habe ich keine Antwort erhalten, dann kann es doch nicht so schlimm sein wie es hier dargestellt wird. Dies ist meine persönliche Meinung zu diesem Thema.

  3. 9.

    Ab wie viel Jahren darf man das denn machen?

  4. 8.

    Selbstpflücke bei Spargel ? Das ist eine Idee. Nur dass die Felder dann vermutlich nur einen Bruchteil der sonst üblichen Erntemengen abwerfen werden und wahrscheinlich im Anschluss erstmal neu aufgebaut werden müssten; wenn das mit dem Stechen doch so anspruchsvoll ist. Aber Spargel ist ja nun nicht so wirklich nötig, wie z. B. Kartoffeln oder Getreide. Das werden die Spargelbauern sicher nicht gern hören, ist aber imho so. Gleiches lässt sich aber dann wohl auch für den Wein, Hopfen oder andere Grundprodukte für "Luxusgüter" sagen.

    Gruß
    Hajakon

  5. 7.

    Dann erfinden Sie doch Maschinen statt hier solchen weltfremdem Quark zu schreiben.
    Spargelernte ist schwer, ich hab mir früher damit Taschengeld verdient und bin kein Frührentner geworden.
    Einfach mal dem menschlichen Körper etwas zumuten, der kann schon was ab...aber die heutigen Generation pumpt lieber Gewichte im Fitti.

  6. 6.

    Das ist doch mal ein interessantes Betätigungsfeld für solche, die immer sagen, es gäbe Arbeitskräfte von woanders, die ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen.

  7. 5.

    " Ich hoffe, den Bauern bleiben die Erntehelfer aus "

    warum so mißgünstig ? für die Bauern sind das wichtige Einnahmequellen, ebenso bei Erdbeeren- .
    dass diese Arbeit anstrengend ist , keine Frage , wie war das mit den Kartoffelfrauen früher in Pommern ? auch anstrengend und keinesfalls rückenschonend .
    zur Not bleibt noch die Selbsternte für Spargelenthusiasten...

  8. 4.

    Ich esse zwar gerne Spargel aber wenn es keinen gibt ist es. auch nicht so schlimm.
    Darauf kann man verzichten,

  9. 3.

    Ich hoffe, den Bauern bleiben die Erntehelfer aus. Diese Arbeit ist gesundheitsschädigend hoch zehn. Keiner sollte diese Arbeit erledigen. Dafür können Maschinen erfunden werden.

    Spargel war mal ein Luxusugut. Nur weil schlecht bezahlte Ausländer ihre Gesundheit ruinieren, kann sich heute jeder Spargel leisten. Wäre an der Zeit, dass Spargel wieder sauteuer wird.

  10. 2.

    soll Spargel ernten, wer Spargel essen will. Andere sich für einen Minilohn abschuften zu lassen, damit man selbst das Luxusgemüse möglichst billig bekommt - tja, Corona bringt uns eine weitere Gelegenheit, über Gerechtigkeit nachzudenken.

  11. 1.

    Davon sollte es in Berlin doch genügend geben ungelernte. Wenn sie das denn wollen!

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