Schweine stehen in einem Mastbetrieb in einem Stall. imago images/Martin Wagner
Video: Brandenburg Aktuell | 20.05.2020 | Phillip Manske | Bild: imago images/Martin Wagner

Veterinäramt kündigt Kontrollen an - Tierschützer erheben Vorwürfe gegen Mastbetrieb in Elbe-Elster

Zu wenig Platz, Verletzungen an Beinen und Schwänzen: Heimlich gedrehte Aufnahmen der Organisation Animal Rights Watch sollen zeigen, wie eine Schweinemast in Elbe-Elster gegen Auflagen verstößt. Jetzt schaltet sich das Amt ein. 

Die Tierschutzorganisation Animal Rights Watch (ARIWA) erhebt Vorwürfe gegen eine Schweinezucht im Elbe-Elster-Kreis. Der Betreiber soll dort Zuchtsauen illegal in zu engen Kastenständen halten. In diesen schmalen Metallkäfigen werden die Tiere während der Trächtigkeit und Säugezeit gehalten. Bei dem Betrieb in Sonnewalde handelt es sich um eine kombinierte Schweinemast und Schweinezucht mit mehr als 10.000 Schweinen. 

"Teilweise sind die Kastenstände 64 Zentimeter breit, in einem anderen Bereich 71 Zentimeter", sagt ARIWA-Sprecherin Sandra Franz. "Die Sauen können darin im Liegen nicht ihre Beine ausstrecken, wie es die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung vorschreibt." Heimlich gedrehte Videoaufnahmen von Anfang April sollen außerdem zeigen, dass einige Tiere keinen Zugang zu sogenanntem Beschäftigungsmaterial haben und Verletzungen an Beinen und Schwänzen aufweisen. 

Der Betreiber wollte sich auf Anfrage nicht zu den Vorwürfen äußern. 

Keine bundesweiten Vorgaben für die Größen von Kastenständen

Das zuständige Veterinäramt des Landkreises erklärte gegenüber dem rbb, dass den Behörden bei den Kastenständen eine konkrete Handhabe fehle. Denn für die Größe dieser Ställe gebe es bundesweit keine einheitlichen Vorgaben. Die Bundesregierung arbeite bereits seit 2016 an einer Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung, in der es konkrete und deutschlandweite Vorgaben für die Kastenstandshaltung von Sauen geben soll, wie Amtstierärztin Antje Neudeck auf Nachfrage mitteilte.

Eine entsprechende Novelle der Tierschutzverordnung sollte bereits im Februar vom Parlament verabschiedet werden, so Neudeck. Doch der Beschluss wurde vertagt. "Das bedeutet, dass sowohl die schweinehaltenden Betriebe als auch die Veterinärbehörden bis heute keine klaren Vorgaben für gesetzeskonforme Kastenstände haben, so dass die Tierhalter nicht in Umbauten investieren und die Behörden keine Anordnungen treffen können", sagt die Amtstierärztin.

Veterinäramt kündigt Kontrollen an

Was das Beschäftigungsmaterial angeht, erklärte das Veterinäramt auf Nachfrage, "dass jedes Schwein jederzeit Zugang zu gesundheitlich unbedenklichem und in ausreichender Menge vorhandenem Beschäftigungsmaterial" haben müsse. Die Videoaufnahmen der Artenschützer zeigten, dass solche Geräte in Gruppenställen vorhanden seien, nicht aber in den Kastenständen. 

Den Tierschützern zufolge sollen zudem hochträchtige Sauen in Kastenständen eine Woche vor Abferkeltermin unerlaubt fixiert worden sein. "Durch die Fixierung im Kastenstand besteht die Gefahr, dass die Sauen dort ihre Ferkel zur Welt bringen und die durch die vielen anderen Sauen erdrückt werden", sagt ARIWA-Sprecherin Sandra Franz. Dazu erklärte das Veterinäramt Elbe-Elster, der Betriebsleiter habe angegeben, dass es sich dabei um Sauen handle, die noch lange genug vor der Abferkelung stünden. Sie seien zur Beruhigung in den Kastenständen. 

Der Landkreis Elbe-Elster hat gegenüber dem rbb angekündigt, den Betrieb in Sonnewalde "zeitnah kontrollieren" zu wollen. Dann soll auch geprüft werden, wie die Schürfwunden an Beinen und Schwänzen einiger Tiere zu erklären seien.

Sendung: Brandenburg Aktuell, 20.05.2020, 19.30 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um eine Antwort zu verfassen.

Antwort auf [Adrian] vom 21.05.2020 um 09:03
Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

34 Kommentare

  1. 34.

    Danke Gerd, hast es sachlich richtig dargestellt. Die uninformierten Kunden können nur über die Verbreitung der Wahrheit informiert werden. Haltungsarten müssen in die Köpfe. Nach dem Krieg war das Fleisch ungleich besser. Sagen mir so viele ältere Bürger. Was sagt die Ernährungsministerin dazu ? Kauft die etwa Haltungsstufe 1 ? Dumme Frage; die hat Geld wie Heu. Das fehlt vielen Tieren.

  2. 33.

    Eine Untersuchung von Greenpeace bzgl. des (Frisch-) Fleischangebots bei den größten Supermarkt- und Discounter Ketten von Anfang des Jahres legt nahe, dass der Konsument eher weniger auf das Tierwohllabel als vielmehr auf das Preisschild achtet. Denn es wird überwiegend die Haltungsform 1 angebeoten - und auch gekauft.


    "Wie Greenpeace berichtet, "stammt ein Großteil des Frischfleischs immer noch aus einer umweltschädlichen Billigfleisch-Produktion". Daran hat auch die freiwillige Kennzeichnung nichts geändert. Demnach stammen 67,8 Prozent der Frischfleisch-Eigenmarken aus der Haltungsform 1 (Stall). Nur 2,9 Prozent stammt aus der von Greenpeace empfohlenen Haltungsform 4. Besonders Schweine und Rinder werden demnach im Stall gehalten. Geflügel stammt weitestgehend aus der Haltungsform 2."

    https://www.ruhr24.de/service/tierwohllabel-greenpeace-fleisch-billigfleisch-aldi-lidl-penny-rewe-edeka-kaufland-13502402.html

  3. 32.

    Bin ja ab und an in Nordhessen. Da gibt es eine Fleischerei, die sogar unsere Kanzlerin beliefert. Ahle Worscht -lange luftgetrocknet- aus bestem Fleisch von gesund aufgezogenen Tieren. Habe da selbst schon eingekauft. Bissel teurer aber Qualität.

  4. 31.

    Es gibt auf jeder Packung einen Hinweis auf die Haltung der Tiere. Ergo, jeder weiß was er kauft

  5. 30.

    Wie wäre es denn wie bei den Zigaretten solch schöne Bilder ab zubilden, dann kann man sehen ob der Verbraucher weiterhin danach greift, Ironie

  6. 29.

    Meine Frau hat mit Widerwillen doch so einiges an derzeitiger Fleischproduktion in Deutschland angesehen. Sie ekelt sich diesen Schund zu kaufen. Meine Frau ist ehrlich und so enttäuscht. In Hessen gibt es noch Kleinbauern, die so einen Schund nicht produzieren. Wo bleibt der Staat, der uns zu schützen hat ? Überall nur Keime , Gülle und Glyphosat.

  7. 28.

    Echt jetzt? Sie vergleichen Konzentrationslager und die darin stattgefunden Verbrechen mit den Missständen in der Schweinezucht? Sie haben offenbar ein sonderbares Geschichtsverständnis.

  8. 26.

    Du meine Güte! Wenn es Ihnen in einem Rechtsstaat wenigstens darum ginge, dass Unrecht nicht das Begehen weiteren Unrechts legitmiert. Aber nein, Ihnen geht es um das Eigentum (ggf. auch von Rechtsbrüchigen) und da hört natürlich jedes Verständnis auf. Da gehören Tierschützer als "Kriminelle" verbal auf eine Ebene gestellt mit Drogenmafia, Clankriminalität, Diebstahl/Raub usw. Denn wenn es ums Eigentum der Deutschen geht, ist Schluss mit lustig.

  9. 25.

    Nun mal diese Frage: Wer schöpft aus dieser saumäßigen Tierhaltung den größten Gewinn ? Schreiben Sie immer nur von Zeitungsberichten ab ? Oder woher haben Sie ihre Weisheiten ? Aber; 1 kg Fleisch hat so 10 € zu kosten und ist von hoher Qualität zu sein. Früher stimmte die Qualität.

  10. 23.

    Was dachten Sie denn bei den Billigpreisen.
    Selber schuld wer das kauft.
    Aber Geiz ist geil.
    Das muss einem doch im Hals stecken bleiben.
    Der Verbraucher kann und muss sein Verhalten ändern.

  11. 22.

    Sie können sich gern um eine Patenschaft eines dieser Tiere bemühen. Die Kriminellen bleiben die Tierschützer für mich.

  12. 21.

    Bei Kaufland wird beim Fleischangebot vielfach mit "Wertstücken" geworben. Standen die Tiere, die dieses Fleisch lieferten mal in solchen Ställen ?

  13. 20.

    Aha ,also Tiere sind ihnen egal und Christliche Werte auch.
    Die kriminellen Tierschützer und die armen Tierquäler.
    Leute schickt das Arbeitsamt.

  14. 19.

    Aber Arme kaufen weiterhin das Billigfleisch.
    Man sollte die Preise erhöhen.
    Und den Mindestlohn.
    Dann haben wir das Problem fast gelöst.

  15. 18.

    Ich frage mich, wo Sie alle sind, wenn es darum geht, Tierrechte einzufordern?
    Mit Bedauern haben Sie zwar Ihr Gewissen beruhigt aber noch nichts geändert - ebensowenig mit Zerstörung von Eigentum.
    Über Bundestag und Bundesrat sind SPD, CDU, CSU und Grüne für solche Zustände verantwortlich. Sie sind auch der Adressat
    Die Bevölkerung wird doch eh wieder nur mit Ankündigungen eingelullt.
    Ändern wird sich nichts.
    Warum werden Höfe nicht komplett geschlossen?
    Wie Kitas oder Demos, die verboten werden.

  16. 17.

    Vielen Dank liebe Tierschützer für den Einblick in diese gerne verschwiegene oder verdrängte hässliche Seite der Degradierung von Säugetieren zur immer billiger werdenden Massenspeise. Geiz ist geil hat in diesem Bereich nichts zu suchen.

  17. 16.

    Ich kann sehr wohl als Verbraucher eingreifen, indem ich diesen Dreck nämlich gar nicht erst kaufe!!! Schon oft ist im Fernsehen gezeigt worden, wie Wurst und Gehacktes hergestellt wird. Da dreht's einem schon nur vom zugucken. Im Handel gibt es leider viel zu viel mit der Herstellungsform 1zu kaufen. Dieses Zeug dürfte gar nicht mehr angeboten werden!!!! Andererseits können sich viele Menschen gar nichts anderes leisten.

  18. 15.

    Bei Ihren Kommentaren kommen mir die Tränen. Ich habe etwas gegen Menschen die sich illegal Zugang zu einem Objekt verschaffen. Oder wie empfinden sie das wenn plötzlich wildfremde Menschen in Ihrer Wohnung stehen würden.

Das könnte Sie auch interessieren