Symbolbild - Eine Köchin mit Mundschutz reicht Salatteller durch eine Durchreiche (Bild: imago-images/Pius Koller)
Audio: Inforadio| 03.06.2020 | Interview mit Bernd Becking | Bild: imago-images/Pius Koller

Arbeitslose im Mai - Corona-Krise belastet weiter den Arbeitsmarkt

Die Corona-Krise verhindert die sonst übliche Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt: Erneut ist die Zahl der Arbeitslosen in Berlin und Brandenburg gestiegen, vor allem in der Gastronomie, in Handel und Dienstleistungen. Es gehen auch mehr Leute in Kurzarbeit.

Die Corona-Krise beeinträchtigt den Arbeitsmarkt in Berlin und Brandenburg weiter. Die Zahl der Menschen ohne Job ist laut aktuellen Zahlen der Agentur für Arbeit im Mai erneut gestiegen. Auch die Kurzarbeit nimmt demnach zu, die im Mai übliche Frühjahrsbelebung bleibt aus.

In Berlin waren im Mai demnach 200.641 Menschen ohne Arbeit, rund 18.000 mehr als im April. Betroffen sind vor allem das Gastgewerbe, die Dienstleistungsbranche und der Handel. Im Vergleich zum Mai 2019 sind es 47.210 Arbeitslose mehr. Die Arbeitslosenquote lag bei 10 Prozent und war damit erstmals seit vier Jahren wieder zweistellig (Mai 2019: 7,8 Prozent).

In Brandenburg waren im Mai bei den Arbeitsagenturen und Jobcentern 86.980 Arbeitslose registriert. Das sind 3.840 mehr als im April und 11.386 mehr als im Mai 2019. Das letzte Mal gab es einen Anstieg der Arbeitslosen zu dieser Jahreszeit im Jahr 1991. Auch in Brandenburg sind vor allem Menschen im Handel, im Dienstleistungssektor, im Gast- und Verarbeitenden Gewerbe betroffen. Die Arbeitslosenquote betrug im Mai 6,5 Prozent (Mai 2019: 5,7 Prozent).

Aus den aktuellen Arbeitsmarktzahlen werde sehr schnell klar, dass Berlin die Coronakrise deutlich stärker getroffen habe als Brandenburg, sagte Bernd Becking, Chef der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit dem rbb. Die Corona-Folgen im Umland der Hauptstadt seien dagegen deutlich moderater. Becking begründete diesen Unterschied mit der anderen Gewichtung innerhalb der Berliner Wirtschaft: "Dadurch, dass in Berlin nun so viele Dienstleistungen wie Tourismus und Gastgewerbe massiv als Standbeine getroffen sind, schlägt hier die Krise im Vergleich zur Finanzkrise 2009 viel, viel stärker ein."

Starker Anstieg der Kurzarbeit

Besonders stark war auch die Zunahme der Kurzarbeit: Laut der Arbeitsagentur haben seit März 37.154 Berliner Unternehmen Kurzarbeit für insgesamt 388.288 Mitarbeiter angezeigt. In Brandenburg meldeten 24.025 Firmen Kurzarbeit für zusammen 238.637 Mitarbeiter an. Im Juni greift die erste Erhöhung des Kurzarbeitergeldes für die, die seit März kurzarbeiten.

Becking sagte im Inforadio, dass die Zahl der Unternehmen, die Kurzarbeit anmeldeten, in Berlin und in Brandenburg immer noch steige. Doch nutzten diese Zahlen nur sehr wenig als Anzeiger für mögliche Trendänderungen, weil die Agentur bislang lediglich die Anmeldungen für die Kurzarbeiterleistungen vorliegen habe. Die tatsächliche Größenordnung der Kurzarbeit aber sei daraus nicht abzulesen. Erst mit dem erheblichen Verzug von drei Monaten werden dann durch die Unternehmen auch die tatsächlichen Kurzarbeitszeiten abgerechnet und seien auch dann erst durch die Agentur auswertbar.

Bundesweit fast drei Millionen Arbeitslose

Der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele erklärte mit Blick auf die deutschlandweite Entwicklung, dass der "Arbeitsmarkt wegen der Corona-Pandemie" weiter "stark unter Druck" sei. Auch bundesweit sei die Zahl der Arbeitslosen im Mai wegen der Folgen der Corona-Krise im Vergleich zum April noch einmal um 169.000, auf 2,813 Millionen Menschen gestiegen. Die Arbeitslosenquote kletterte um 0,3 Punkte auf 6,1 Prozent, wie die Bundesarbeitsagentur mitteilte. Im Vergleich zum Mai 2019 sei die Arbeitslosigkeit sogar um 577.000 Personen nach oben geschnellt.

Im Mai sei von den Unternehmen für weitere 1,06 Millionen Menschen Kurzarbeit angezeigt worden, teilte die Arbeitsagentur weiter mit. Diese Kurzarbeiter kämen zu den bereits zuvor getätigten Anzeigen für 10,66 Millionen Menschen hinzu. Die Zahl der tatsächlichen Kurzarbeiter liegt erfahrungsgemäß deutlich darunter, weil Unternehmen die Anzeigen zum Teil vorsorglich vornehmen.

Allerdings nahmen nach Hochrechnungen der Bundesagentur allein im März - dem Monat, in dem der Corona-bedingte Lockdown begann, 2,02 Millionen Menschen Kurzarbeit in Anspruch. Dies ist der höchste jemals gemessene Wert. Der bisherige Rekord stammt aus dem Mai 2009, als in der damaligen Finanzkrise 1,44 Millionen Menschen Kurzarbeit in Anspruch genommen hatten.

Regionalagenturchef Becking: Krise noch nicht bei den Insolvenzzahlen spürbar

Becking zufolge sei es bislang sehr interessant zu beobachten, dass es noch keinen deutlichen Anstieg bei den Insolvenzen gibt. Doch seien auch hier meist erst die Auswirkungen mit einem Verzug von drei bis vier Monaten zu spüren, so dass wohl erst im Spätsommer oder Herbst gesagt werden könne, ob die Krise auch zu einer Insolvenzwelle geführt hat.

Sendung:  Inforadio, 03.06.2020, 10 Uhr

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3 Kommentare

  1. 3.

    ...und es werden noch mehr werden. Dank der der Maßnahmen kommt noch eine Menge dazu, Firmenpleiten und und und! Dazu noch ein bisschen warten und hoffen auf ein Medikament oder Impfstoff, was die eine oder andere Partei nicht geschafft hat, schafft Corona und deren Folgen, eine neue Gesellschaftsordnung, zwinker.

  2. 2.

    LOL :)
    Ja das haben viele der Angst und Panik Menschen nicht so auf dem Schirm, werden sich viele dieser noch wundern.

  3. 1.

    Das hätte ich nicht gedacht. Was könnte denn da der Grund sein? Ich dachte in der Corona Krise gibt es weniger Arbeitslose.

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