Sammeltaxi-Dienst der Bahn. (Quelle: imago images/Jürgen Heinrich)
Bild: imago images/Jürgen Heinrich

Sammeltaxi-Dienst der Bahn - Clever Shuttle gibt in Berlin auf

Sie sind froschgrün, fahren emissionsfrei und bringen Bahnkunden bis vor die Haustür. Seit Jahren versucht die Bahn, mit den Sammeltaxis ihres Fahrdienstes Clever Shuttle Kunden aus dem Auto in den Zug zu locken. Jetzt ist Schluss damit. Von Johannes Frewel

Mit Gepäck zum Bahnhof oder von dort vor die eigene Haustür: Mit Clever Shuttle versuchte die Bahn seit 2017, den Comfort von Bahn und Auto miteinander zu kombinieren. Neben Call a Bike und dem Carsharing-Angebot Flinkster waren die froschgrünen Clevershuttles Vorzeigeprojekte der Sharing Economy. Mehrere Fahrgäste mit ähnlichem Ziel teilen sich per App die Fahrt im Elektro- oder Wasserstoffauto. Die Kosten rutschten so deutlich unter den Taxipreis.

Damit ist jetzt nicht nur in Berlin, sondern auch in Dresden und München Schluss. Am Dienstag wird der Betrieb für immer eingestellt, wie der rbb aus Bahnkreisen erfuhr.

Dreistellige Millionenverluste besiegeln das Aus

Der Grund: Die CO2-freie Mobilität auf der letzten Meile rechnete sich nie und beschert der Bahn hohe Verluste. Sie ist Mehrheitseignerin des Start-ups, das seine Geschäftsstelle in Berlin am Halleschen Ufer nahe der Möckernbrücke hat. Angesichts der eigenen, coronabedingten, zweistelligen Milliardenschulden stellt der bundeseigene Staatskonzern die Sammeltaxis bei uns ein. Sie fallen dem Sparkurs zum Opfer. Kein Wunder, denn das Start-up soll in Großstädten dreistellige Millionenverluste eingefahren haben. Der Bund hilft der Bahn zwar aus ihrer Milliarden-Patsche. Diese Hilfe ist jedoch an harte Sparauflagen gekoppelt.

Wegen des starken Angebots von BVG und S-Bahn ist es den grünen Elektrotaxis nie gelungen, in Berlin nennenswerte Marktanteile zu erobern. Eine Fortsetzung für Clever Shuttle gibt es nur in wenigen Städten. In Düsseldorf, Leipzig und Kiel ist der Fahrdienst der Bahn nicht in Konkurrenz zum kommunalen ÖPNV unterwegs. Dort werden die Kosten mit den örtlichen Verkehrsbetrieben geteilt.

Bahn bietet Clever-Shuttle-Mitarbeitern Jobs an

Bundesweit sind vom Aus für Clever Shuttle 650 Mitarbeiter betroffen. Ihnen sollen - auch in Berlin - andere Jobs angeboten werden. Die Bahn hat allein in diesem Jahr trotz Corona-Krise bisher 18.000 Mitarbeiter eingestellt. In den kommenden Jahren geht etwa jeder zweite Bahnmitarbeiter in Rente. Deshalb gibt es dort jedes Jahr etwa 20.000 offene Jobs.

Beitrag von Johannes Frewel, rbb Inforadio, Wirtschaftsredaktion

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13 Kommentare

  1. 13.

    Das Geld für den Berlkönig und die vielen anderen ganz wichtigen Sponsoring-Projekte wie die großzügige Unterstützung der Mietwagen-Branche Uber holt sich der Senat gerade von den Kita-Trägern und den Menschen ohne Maske zurück. Clever ...dieser Senat.

  2. 12.

    Eine gute Entscheidung in der heutigen Zeit eine Geldverbrennungsmaschine abzuschalten. Für die Möchtegern Mobilitätsanbieter sollte in der Zukunft klar sein, dass um die Mobilität der Menschen zu gewährleisten mehr gehört als nur eine App auf dem Markt zu bringen.

  3. 11.

    Hallo Paula, die "teuren Taxis" sind ja nicht ohne Grund so "teuer". Sie müssen ihre hohen Kosten wirtschaftlich abdecken und Arbeitslohn soll ja auch noch übrig bleiben (für eine halben Lohn arbeiten Sie ja auch nicht, egal wie "fortschrittlich" dies sein mag).

    Dass man NICHT wesentlich unter den Taxitarifen anbieten kann sollten die hohen Verluste von UBER (auch die fahren nicht wirtschaftlich) und die Pleiten von CleverShuttle eigentlich belegen.
    Billig ist am Ende oft teuer. Manchmal für die Kunden, manchmal für den Dumping-Anbieter.
    Alles hat seinen vernünftigen Preis - so wie Ihre Arbeitsstunde.

  4. 10.

    H. Matzerle hat also Informationen die ich nicht habe ? Welches sind ihre Quellen ?

  5. 9.

    @Paula W. : fahren Sie gern weiter algorythmisch Uber und Beschimpfungen gegen die Menschen in der Stadt können Sie sich sparen. Wortspiel

  6. 8.

    Falsche info und falsche Rechnungen, Herr Müller.
    Es hat so gut wie kein Fahrer 2.500 Netto verdient und 80 % der Fahrer waren Teilzeitkräfte oder Minijobber. Also bitte hier keine völlig aus der Luft gegriffenen Rechnungen aufmachen. Sie sollten sich im Vorfeld informieren bevor sie solche "fake news" hier verbreiten.

  7. 7.

    Hallo Paula W. - sehen sie sich doch die Bilanzen des Berlkönig an. JahresKilometer, JahresFahrgäste, Zahl der Fahrzeuge / 12 ist Monatsleistung / 30 ist Tagesleistung / 24 ist Stundenleistung. - Das letzte mal das ich mich darüber geärgert hab war 2018. - Ich errechnete eine Leistung von unter 0,8 Fahrgäste pro Stunde in damals 150 / 156 Fahrzeugen. Also 149 Fahrzeuge fuhren leer und bei dem 150ten hing noch ein Arm mit der Schulter draußen.

  8. 6.

    Geht, 650 Mitarbeiter , 2500 € Netto, mit Sozialabgaben 5000 € Brutto, 12 Monate, 4 Jahre. /// 650 x 5000 x 12 x 4 = 156 Mio €.
    Dazu kommen Weihnachtsgeld ? Urlaubsgeld ?die Fahrzeuge, Treibstoff, Ladeinfrastruktur, Wartung, Reparatur, Sozialräume.

  9. 5.

    Ich habe noch nie von Clever Shuttle gehört, vielleicht liegt es an zu wenig Publikation, dass es nicht gut gelaufen ist.

  10. 4.

    Genau an solchen Kommentaren erkennt man den alten, rückwärtsgewandten Berliner, so dass sich solche fortschrittlichen Dinge hier wenn überhaupt erst sehr viel später durchsetzen.
    Fahrt doch weiter mit eurem teuren Taxis, ihr habt es nicht anders verdient.

  11. 3.

    Der Berlkönig rollt und rollt und rollt und der RRG (unwirtschafts)Senat zahlt und zahlt und zahlt (diesen Unsinn)

  12. 1.

    "Kein Wunder, denn das Start-up soll in Großstädten dreistellige Milliardenverluste eingefahren haben."

    Ist das denn wirklich richtig? Es wird zwar in letzter Zeit mit horenden Summen jongliert, aber das scheint dann doch "etwas" übertrieben.....

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