Bauten der Deutsche Wohnen in Siemensstadt (Bild: imago images/Schöning)
Video: Abendschau | 05.06.2020 | Bild: imago images/Schöning

Folgen des Mietendeckels - Deutsche Wohnen muss in Berlin fast jede dritte Miete senken

Am Tag nach dem verkündeten Dax-Aufstieg widmet sich die Deutsche Wohnen den nackten Zahlen - und die zeigen in Berlin nach unten. Der Mietendeckel bedeutet Millionenverluste für den Konzern.

Die Deutsche Wohnen muss wegen des Berliner Mietendeckels im November Tausende Mieten in der Hauptstadt senken. Nach dem Gesetz sind zu diesem Zeitpunkt Bestandsmieten zu reduzieren, die mehr als 20 Prozent über der zulässigen Obergrenze liegen. "Hiervon sind circa 30 Prozent unserer Berliner Mietverhältnisse betroffen", sagte Vorstandsmitglied Lars Urbansky am Freitag auf der Hauptversammlung.

Das Livestream-Aktionärstreffen am Freitag stand im Zeichen des Aufstiegs des Vonovia-Konkurrenten in den Deutschen Aktien-Index (Dax).
Die Deutsche Börse in Frankfurt hatte am Donnerstagabend entschieden, Berlins größten Vermieter in den Leitindex aufzunehmen - anstelle der in die Krise geratenen Lufthansa.

Lüftet Karlsruhe den Mietendeckel, müssen Mieter nachzahlen

116.000 der bundesweit 160.000 Wohnungen liegen in Berlin. Hier war in Februar ein Mietendeckel in Kraft getreten. Mieterhöhungen ab Mitte Juni 2019 musste der Konzern zurücknehmen und sich bei Neuvermietungen an Obergrenzen halten. Die Senkung überzogener Bestandsmieten ist aber erst zum 23. November vorgesehen. Das Unternehmen rechnet in diesem Jahr mit Mietausfällen von neun Millionen Euro durch das Gesetz, im nächsten Jahr sind es 30 Millionen Euro. Zum Vergleich: Bundesweit hatte der Konzern im vergangenen Jahr Mieteinnahmen in Höhe von 862 Millionen Euro.

Das Unternehmen ist zuversichtlich, dass der Mietendeckel keinen Bestand haben wird. Union und FDP in Berlin haben eine Normenkontrollklage beim Bundesverfassungsgericht eingereicht, die Berliner CDU- und FDP-Fraktionen reichten eine solche Klage auch beim Landesverfassungsgericht ein. In den Verträgen neuer Mieter steht deshalb eine sogenannte Schattenmiete: Vereinbart ist die nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch erzielbare Miete, verlangt wird aber nur die Summe, die der Mietendeckel erlaubt, wie Urbansky erklärte. Das bedeutet: Hebt Karlsruhe den Mietendeckel auf, müssen Mieter nachzahlen.

Deutsche Wohnen verweist auf Corona-Hilfsfonds für Mieter

Eine Abkehr von ihrem wichtigsten Markt plant die Deutsche Wohnen nicht. "Wir werden hier auch in Zukunft weiterhin ein starkes Standbein haben", betonte Vorstandschef Michael Zahn bei der Hauptversammlung. Der Berliner Immobilienkonzern hat bereits angekündigt, schon bald 21 weitere Häuser in Berlin zu kaufen. Sie liegen in den Bezirken Charlottenburg-Wilmersdorf, Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg, Neukölln, Treptow-Köpenick und Tempelhof-Schöneberg, sagte der Pressesprecher der Deutsche Wohnen, Marko Rosteck, am Freitag rbb|24.

Im vergangenen Winter hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass man wegen des Mietendeckels Investitionen in Berlin in Höhe von einer Milliarde Euro auf den Prüfstand stelle und 5.000 Wohnungen verkaufen wolle. Statt in der Hauptstadt wolle man insbesondere bei Neubauten verstärkt in Regionen außerhalb, beispielsweise in Potsdam und Leipzig, investieren, hieß es damals.

Zahn betonte bei der Hauptversammlung die soziale Verantwortung des Unternehmens - richtete sich aber auch an die Aktionäre, die sich eine Dividende von 90 Cent je Aktie genehmigten, drei Cent mehr als im Vorjahr. Statt die Beteiligung der Aktionäre um fünf Prozent zu erhöhen, sei ein Hilfsfonds für Mieter in der Corona-Krise im Umfang von 30 Millionen Euro eingerichtet worden, betonte der Konzern. Nach Urbanskys Angaben haben sich rund 1.200 Wohnungsmieter und etwa 300 Gewerbemieter mit Zahlungsschwierigkeiten gemeldet. Räumungen von Wohnungen gebe es zur Zeit nicht.

Linke-Chef Riexinger attackiert Deutsche Wohnen

Angesichts steigender Mieten steht die Deutsche Wohnen vor allem in Berlin in der Kritik. Mietervertreter fürchten, dass mit dem Aufstieg in die erste Börsenliga der Druck auf Mieter zunimmt. Vor allem aus der Linkspartei kam am Freitag Kritik. "Dieses Unternehmen braucht kein Mensch", schrieb Parteichef Bernd Riexinger auf Twitter. Größter Einzelaktionär ist Blackrock, der größte Vermögensverwalter der Welt. Er ist an allen Dax-Konzernen beteiligt.

Aktionärsvertreter Michael Kunert von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger erinnerte dagegen daran, dass die Deutsche Wohnen Zehntausende Wohnungen hält, die das Land Berlin 2004 verkauft hatte. An den Renditeerwartungen der Investoren ändere sich jetzt nicht mehr viel. Der Dax-Aufstieg sei ein Gewinn für das Land Berlin.

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11 Kommentare

  1. 11.

    das Problem Mieten ist ein in ganz Deutschland vorherrschendes Problem. Es liegt aber nicht daran das der Vermieter höhere Gewinne erzielen will. Sie sind L`felder die Markische Heimat als kommunales staatliches Unternehmen deren Vorstandsvorsitzender der Bürgermeister ist sein Vorgänger Scholz hat mit der Abgeordneten Stadtparlament 2006 3000€ Bestechungsgelder an den V.M.N.E. gezahlt für seine absichtliche Falschberatung ( BGH VIII ZR 102/06). (Sozialgesetzbuch).Ich sehe die Fehler bei den Deutsche die Nicht ihre eigenen Rechte kennen als das Problem an und dem Mietwucher. ich habe der Mieterhöhungsversuch 2007 erfolgreich abgelehnt. den Ich habe noch lange nicht die Pflicht der Mieterhöhung zuzustimmen. Abgesehen ist nicht nur der Wohnverwalter der Gewinner der Mieterhöhungen ist es nicht eigenartig das die Besoldung der Beamten, Politiker und Angestellten des Ö- Dienstes ( Rathaus)danach anstieg. Wer ,was ist ein Erfüllungsgehilfe?

  2. 10.

    glaube kaum das die cdu oder fdp wohnungen dort besitzen , aber einige mitglieder vielleicht aktien und somit sind sie an der profitgier beteiligt. und denen ist eh ganz wurst ob du deine wohnung bezahlen kannst oder nicht.
    das ganze problem liegt ganz woanders nämlich das wohnungsunternehmen überhaupt an der börse notiert sind das ist gespenstig. bezahlbarer wohnraum gehört meiner meinung nach zur menschenwürde und sollte humanitär gesehen werden und niemals spekulationsgeschäft bzw. profitgeschäft sein. es ist sache der politik das zu ändern ,es hat auch nichts mit kommunismus oder sozialismus zu tun aber mit menschenliebe und menschenwürde schon , irgendwo muss die geldgeilheit ein ende haben. hoffe nur das die leute mal aufwachen und diesen partein den rücken kehren. auch wenn ich nach der agenda 2010 kein spd fan mehr bin so bin ich zufrieden das sie sich noch etwas herz für die kleinen bewahrt haben und den mietendeckel überhaupt ins rollen gebracht haben.

  3. 9.

    Sie sind also der Meinung, die Aktionäre der Deutschen Wohnen brauchen kein Geld zu verdienen. Arbeiten sie nicht und leben von Luft und Sonne oder arbeiten sie für keine Bezahlung?

  4. 8.

    Ich bin seit fast 25 Jahren Mieter bei der Deutschen Wohnen, d.h. vor 25 Jahren gehörten diese Wohnungen der städtischen Gesellschaft GSW. Bis zum Verkauf der GSW an einen Investor wurde so gut wie nichts gemacht. Danach wurde es auch nicht besser, im Gegenteil. Durch den Einbau neuer Fenster bekam ich großflächig Schwarzschimmel. Die Außenwände waren so nass, dass man sein Kaffeewasser an der Wand abschöpfen konnte. Nach meiner Beschwerde wurde mir gesagt, ich lüfte nicht richtig, was einfach nicht der Wahrheit entsprach. Nach Mietminderung und Miteinbehalt von jeweils 30% und einer Klage zur Instandsetzung( die Klage wurde gewonnen) wurden erst unnütze Kleinreparaturen durchgeführt, die keine Wirkung zeigten. Nach dem Verkauf an die Deutsche Wohnen wurde der Schaden aufwändig beseitigt. Es gab keine Isolierung der Kellerwände, so das das Wasser in den Außenwänden nach oben steigen konnte und dadurch die Wände durchnäßt waren. Ich kann mich also nicht über die Deutsche Wohnen beschwer

  5. 7.

    Ich habe kein Mitleid mit der Deutschen Wohnen!!! War 20 Jahre Mieter und habe vergebens gekämpft um notwendige Reparaturmassnahmen. Alte verrottete Doppelfenster z Bsp., trotz aller eigener Mühe hielt da kein Tropfen Farbe mehr und es zog wie verrückt durch die Ritzen plus beschlagene nasse Scheiben. Bin durch mit denen und bin ausgezogen. Im Internet wurde diese Wohnung dann für 250 Euro mehr als meine bis dahin geltende Miete angeboten. Ohne Worte...und die Fenster sind noch immer der alte Schrott!!!

  6. 6.

    Klar! Recherchieren Sie mal zu Dirk Stettner und der Firma Stettner & Stettner. Da wird Ihnen übel. Die beiden Lobbyparteien klagen hier gegen die Mieterinnen und Mieter der Stadt zugunsten von...? Den rechtschaffenen Vermietern, die vor dem Mietendeckel ohne Wucher auskamen? Nené!

  7. 5.

    Unverhältnismäßige Preissteigerungen im Bereich des Grundbedarfs - und ein Dach über dem Kopf gehört dazu - belastet den ärmeren Teil der Bevölkerung unverhältnismäßig stark, da sie einen größeren prozentualen Anteil des verfügbaren Einkommens in den Grundbedarf investieren müssen.
    Die Zwischenergebnisse sind:
    1.) die Schere zwischen Arm und Reich klafft auf, der Mittelstand geht bei drauf
    2.) andere Wirtschaftsbereiche erleiden Wachstumsverluste infolge geringeren Konsums
    3.) Altersarmut, da Ersparnisse fehlen
    Der Staat hat hier hart durchzugreifen und den Kopf niemals zu senken vor einer parasitären Immobilienlobby.

  8. 4.

    Deutsche Wohnen ist und bleibt eine Ekelhafte Heuschrecke und Mieterunwürdige Profitmaschine, die nur dazu da ist ihren Aktionären den größtmöglichen Gewinn zu garantieren, und gleichzeitig die Mieter/innen auf 's übelste auszupressen

  9. 3.

    "Räumungen von Wohnungen gebe es zur Zeit nicht." Das hört sich so an, als tue es Deutsche Wohnen aus reiner Menschenliebe. Es ist aktuell her vom Gesetz verboten, Mietern wegen Mietrückständen zu kündigen. Deswegen gibt es auch keine Wohnungsräumungen. Oder habe ich das falsch verstanden?

  10. 2.

    Deutsche Wohnen ist ein ekelhafter Verein.

  11. 1.

    Besitzen denn CDU und FDP auch Wohnungen in Berlin?

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