Symbolbild: Wohnhäuser und Gewerbe in Berlin aus der Vogelperspektive. (Quelle: dpa/Heinemann)
Bild: dpa/Heinemann

Auch mit Mietendeckel - Deutsche Wohnen will weitere Häuser in Berlin kaufen

Noch vor Kurzem hieß es von der privaten Wohnungsgesellschaft Deutsche Wohnen, Investitionen in Berlin ständen auf dem Prüfstand, man werde anderwo tätig. Jetzt will das Unternehmen 21 Häuser in sechs Bezirken kaufen. Teils sogar in Milieuschutzgebieten.

Der Berliner Immobilienkonzern Deutsche Wohnen (DW), der am 22. Juni in den DAX aufsteigen wird, ist nach eigenen Angaben dabei, 21 Häuser in Berlin zu kaufen.

Die betroffenen Häuser liegen in den Bezirken Charlottenburg-Wilmersdorf, Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg, Neukölln, Treptow-Köpenick und Tempelhof-Schöneberg, teilte der Pressesprecher der Deutsche Wohnen, Marko Rosteck, rbb|24 mit.

Luxussanierungen nicht geplant

Ein Teil der Häuser befinde sich in Milieuschutzgebieten, so Rosteck am Freitag weiter. Hier wolle sich die Deutsche Wohnen mit den Bezirken darüber verständigen, ob diese Abwendungsvereinbarungen vorlegen, die das Unternehmen unterzeichnen soll. Mithilfe solcher Vereinbarungen können Käufer das Vorkaufsrecht der Bezirke aushebeln, indem sie zusichern, die Anforderungen des Milieuschutzes - und damit bezahlbare Mieten - weiter einzuhalten.

Abwendungsvereinbarungen seien für das Unternehmen keine große Sache, sagte Pressesprecher Rosteck dem rbb. Mit diesen habe man gerechnet. Da keine Luxussanierungen geplant seien, sondern die betroffenen Häuser langfristig im Bestand bleiben sollten, sei das kein Problem.

Laut "Tagespiegel" liegen allein in Friedrichshain-Kreuzberg elf von zwölf Häusern, die die Deutsche Wohnen kaufen wolle, in Milieuschutzgebieten. Es gibt in Berlin (Stand: Nov. 2019) 58 Milieuschutzgebiete in neun Bezirken. Der Senat ermutigt die Bezirke seit geraumer Zeit, mehr solcher Gebiete auszuweisen und stärker auf die Ausübung von Vorkaufsrechten zu setzen.

Zurückhaltung bei Neubauprojekten

Im vergangenen Winter hatte das Unternehmen dem rbb mitgeteilt, dass man wegen des Mietendeckels Investitionen in Berlin in Höhe von einer Milliarde Euro auf den Prüfstand stelle und 5.000 Wohnungen verkaufen wolle. Statt in der Hauptstadt wolle man insbesondere bei Neubauten verstärkt in Regionen außerhalb, beispielsweise in Potsdam und Leipzig, investieren.

Das sei auch noch immer der Fall, sagte Pressesprecher Rosteck am Freitag. Neubauprojekte, die in Berlin zudem immer länger bräuchten als in anderen Städten, sehe man weiterhin kritisch. Da beobachte man, wie sich die Lage entwickele. "Das Investitionsklima ist in Berlin durch den Mietendeckel nicht gerade freundlich", sagt Rosteck nun. Das gelte aber nicht für den Ankauf von Bestandsobjekten. 

Der DW gehören mehr als 100.000 Berliner Wohnungen

Die börsennotierte Deutsche Wohnen ist mit rund 110.000 Wohnungen in und um Berlin größer privater Vermieter in der Hauptstadtregion. Der Anteil der Deutschen Wohnen am Berliner Mietmarkt liegt nach Angaben von DW-Sprecher Rosteck momentan bei fünf bis sechs Prozent.

Den größten Bestand gibt es mit 14.875 Wohnungen in Marzahn-Hellersdorf. Es folgt Spandau mit 13.761 Wohnungen. Auf Platz drei ist Neukölln mit 12.516 Wohnungen. Seit 2010 hat die Deutsche Wohnen in Berlin stetig Wohnungen zugekauft. 

Doch im Dezember 2019 hat das Land Berlin drei Wohnquartiere von der Deutschen Wohnen zurückgekauft. Die 2.142 Wohnungen und 33 Gewerbeeinheiten in Lichterfelde, Spandau und Schöneberg wurden von der landeseigenen Degewo übernommen.

Sendung:  Abendschau, 05.06.2020, 19:30 Uhr

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16 Kommentare

  1. 16.

    Zum Mythos 'Marktwert' (1) und zum Mythos 'Andere müssen Zahlen' (2)
    1. Entschädigung unter Marktwert ist vom BVerfG für zulässig erklärt worden. Das Gericht macht keine Vorgaben über die Entschädigungshöhe. Es entscheidet nur, ob die Interessen beider Seiten berücksichtigt wurden. Es wird also voraussichtlich weder zu einer Marktwertentschädigung, noch zu einer symbolischen Entschädigung kommen.
    2. Die Vergesellschaftung muss NICHT von Geberländern gezahlt werden. Es ist noch nicht mal klar, ob der Landeshaushalt überhaupt direkt, oder nur mit einer Bürgschaft belastet wird. Es ist denkbar, dass die Bestände durch eine AöR erworben werden, die selbst Schulden aufnimmt und diese dann nach und nach abstrampelt.
    (3. Die Schuldentilgung wird für die Mieter*innen vermutlich sogar günstiger. Denn: DW ist selbst hoch verschuldet, muss also Zinsen für Fremdkapital zahlen UND sein Eigenkaptial verzinsen. Eine AöR, die einen Kredit aufgenommen hat, zahlt NUR die Fremdkapitalzinsen.)

  2. 15.

    Bezahlen sollen diese komischen Enteignungsphantasien bei der Umsetzung die Geberländer im Bundesfinanzausgleich.
    Also die Länder, die ordentlich wirtschaften können.
    Eine Enteignung unter dem Marktpreis ist rechtlich nicht durchsetzbar!

  3. 14.

    Wir leben in einer gefährlichen Welt.
    Sie gehören bestimmt zu den Vertretern, die in den Coronamaßnahmen einen Angriff auf die Demokratie sehen.

    Dem Senat liegen deutlich mehr Unterschriften vor als im ersten Schritt eines Volksbegehrens erforderlich sind.
    Dies wird ignoriert!! Dies ist nun wirklich mal ein Angriff auf die Demokratie. Unabhängig davon, wie das Volksbegehren im weiteren Verlauf enden wird.
    Das klären nun Gott sei Dank die Gerichte.
    Für den Senat wird das in Sachen Demokratie eine böse Niederlage werden.

  4. 13.

    Ha ha ;
    was soll der Senat denn machen.???
    Waren doch die Senatsheinis welche die Wohnungen in Marzahn damals verscherbelt haben.!

  5. 12.

    Ich bin seit 8 Jahren Mieter der DW und komplett zufrieden. Instandhaltung ist ok, Miete sehr fair und seit Jahren tatsächlich nicht angehoben. Wenn was war, wurde meistens gut und professionell reagiert...

  6. 11.

    Welche Partei sollte diese gierigen Profitgeier Einhalt Gebieten? In Deutschland ist die Förderung der Profitgier politisches Handeln. Es wird alles getan dieses Land zu verscherbeln.

  7. 10.

    Wer verkauft eigentlich diese Häuser?
    Gibt es keine anderen Interessenten?
    (Außer der Schwarzgeld-Fraktion.)

  8. 9.

    Mir wurde folgendes über ein bestimmtes DW Hochhaus in Marzahn-Hellersdorf von jemanden, der das Haus sehr gut kennt erzählt:
    Es wurde die Dachisolierung rausgerissen, sodass in den darunter liegenden Wohnungen Wasserschäden auftraten, die dann leider nicht "zeitnah" repariert werden konnten, sodass die Mieter versuchten "freiwillig" auszuziehen.

  9. 8.

    Dann gibt es auch trotz dem bösen Mietendeckel noch genügend Spielraum um die Mieter auszuquetschen.
    Es braucht endlich einen Senat, der erkennt, dass nicht alle Investoren gut für das Allgeimeinwohl sind und entsprechend handelt. Macht endlich den Weg für das Enteignungsverfahren frei.

  10. 7.

    Haben den DAX Platz von Lufthansa übernommen.

  11. 6.

    Enteignen! Das sich DW bei den Wohnungen unter Weltkulturerbe positiv zeigt ist zwar wunderbar, aber pseudo als Aushängeschild zu sehen. Die dafür benötigte Kohle wird anderswo 3-fach abgezockt.

  12. 5.

    Ich weiß nur von furchtbaren Zuständen bei der Deutschen Wohnen.
    Ich hoffe nur der Senat weiß das zu verhindern.

  13. 4.

    Die höchstmögliche Erlangung von Profit ist das grundlegende Ziel aller Unternehmen , auch in der sozialen Marktwirtschaft. Daraus alleine lässt sich kein Vorwurf an die Deutsche Wohnen ableiten. Weiterhin hat selbst der RBB in Untersuchungen festgestellt, dass sich die Deutsche Wohnen im Rahmen der Gesetze bewegt.
    Und das es kein Recht für alle auf Wohnen in der City in Bestlagen, zu "kleinen" Mieten, gibt sollte langsam klar sein.
    So funktioniert unser Gesellschafts- und Wirtschaftssystem mit Angebot und Nachfrage. Da aktuell Berlin's finanzielle Mittel begrenzt sind, werden möglicherweise weniger bis keine Wohnungen "zurück" gekauft werden können. Auch der Mietendeckel wird mit dem Rat zur "Rücklage" der eingesparten Miete begleitet, falls es doch rechtlich in die Hose gehen sollte.
    Somit wird sich das Wohnraum-/Mietenproblem möglicherweise eher verschärfen als entspannen. Berlin braucht Geld und Deutsche Wohnen zahlt?

  14. 3.

    Ich will jetzt keine Lanze für die DW brechen, ich wohne seit 20 Jahren in einer Siedlung ("Weiße Stadt"), ehem. GSW, die von der DW übernommen wurde.
    Seit die DW Eigentümer ist, wurde behutsam renoviert und saniert (Fassaden, Dächer, Fenster, Grünanlagen) keinerlei Luxus. Es gab sogar eine Strangsanierung, die manierlich und zügig vorgenommen wurde.

    Die GSW und der Amerikanische Investor, an den damals der Senat verkauft hatte, hatten hingegen nichts gemacht und die Siedlung verkommen lassen.
    Heute ist die Siedlung sogar Weltkulturerbe. Die Bestandsmieten sind nachwievor niedrig und liegen im Mittelfeld des letzten Mietspiegels. Auch im Angesicht des Mietendeckels gab es keine kurzfristigen Erhöhungsverlangen. Im Großen und Ganzen klappt es auch mit dem Mieterservice.

    Ich habe bisher tatsächlich keine schlechten Erfahrungen gemacht. Hat die DW zwei Gesichter?

  15. 2.

    Ich hatte zwei Jahre arbeitsbedingt mit Mietern (auch) der "Deutsche Wohnen" zu tun. Selten habe ich einen Vermieter erlebt, der sich seinen Mietern gegenüber dermaßen übel verhält, wie dies von Seiten der DW aus der Fall war: Der seinerzeit von der DW eingerichtete "Servicepoint" war betrieben von nur mäßig interessierten Mitarbeitern, deren Aufgabe sich eher als "Servicevermeidung" beschreiben ließe. Mails an die DW wurden von dieser nicht beantwortet, Anrufe erreichten maximal die Warteschleife und verendeten dort grundsätzlich, Mieter wurden mit ausgefallenen Heizungen und defekten Fahrstühlen buchstäblich allein gelassen.

    Der Verkauf auch nur einer Berliner Besenkammer an die DW ist daher mit äußerstem Misstrauen zu begleiten, den vollmundigen Beteuerungen der DW darf grundsätzlich misstraut werden.

    Man erinnere sich: Der Verkauf kommunaler Wohnungen an profitorientierte Unternehmen wie die DW durch "Wowi" war Geburtshelfer der Berliner Wohnungskrise.

  16. 1.

    Willkommen bei den Heuschrecken der Deutsche Wohnen.Es wird der Mieter mit Sicherheit bis auf's letzte ausgequetscht um soviel Profit wie möglich heraus zu pressen.
    Ich hoffe und bete das der Regierung und der Berliner Senat nicht tatenlos wieder zusieht

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