Premium-Modemesse in Berlin (Quelle: dpa/Eventpress HHH)
Video: Abendschau | 08.06.2020 | Dörte Störmann | Bild: dpa/Eventpress HHH

Umzug nach Frankfurt am Main - Berlin verliert wichtige Modemessen der Fashion Week

Schlechte Nachrichten für den Modestandort Berlin: Die Modemessen Premium und Neonyt haben ihren Umzug nach Frankfurt am Main angekündigt. Für die Fashion Week in der Hauptstadt könnte der Verlust der Messen das Aus bedeuten.

Eine zentrale Veranstaltung der Berliner Modewoche zieht nach Frankfurt, die Stadt verliert eine ihrer bekanntesten Messen - und einiges an Glamour. Vom kommenden Sommer an soll die Premium-Messe, eine der wichtigsten Veranstaltungen der Berliner Fashion Week, in Frankfurt stattfinden, wie die Premium Group am Montag bekannt gab. "Die Fashion Week und das Format Fashion Week wird neu gedacht werden müssen", sagte Geschäftsführerin Anita Tillmann. Frankfurt sei "ein neuer, unverbrauchter Standort". 

In Frankfurt soll in der Nähe des Messegeländes eine "Frankfurt Fashion Week" etabliert werden. Die Berliner Fashion Week, die in den vergangenen Jahren pro Saison rund 70.000 Besucher anlockte, steht in der jetzigen Form vor dem Aus: Die Messe "Premium" in der Station Berlin im Gleisdreieckpark war die größte Messe der Fashion Week. Zusammen mit ihr ziehen auch die Händlermesse Seek, die Plattform Neonyt für nachhaltige Mode sowie die Konferenzen FashionSustain und FashionTech an den Main. 

Pop sucht neuen Veranstalter für Fashion Week

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) erklärte, die Corona-Pandemie verschärfe die ohnehin angespannte Situation der Modewirtschaft. "Dass geschäftliche Entscheidungen stark durch finanzielle Anreize motiviert sind, ist in solch schwierigen Zeiten nachvollziehbar, der Wegzug der Premium für Berlin ist dennoch bedauerlich." 

Die Berlin Fashion Week finde weiterhin statt, man sei mit den anderen Beteiligten im Austausch über die künftige Ausrichtung. Pop sprach sich gleichzeitig für einen Runden Tisch zum Neustart des Messe- und Kongressgeschäfts nach Corona aus, um mit der Wirtschaft zukunftsfähige Perspektiven zu diskutieren.

Kritik aus der Opposition an der Senatsverwaltung

Die Berliner CDU sprach von einem empfindlichen Rückschlag für die Mode-Stadt Berlin. Mit 3.100 Betrieben, 25.000 Beschäftigten und einem Umsatz von 6,3 Milliarden Euro im Jahr zähle Berlin bundesweit zum bedeutendsten Standort der Branche. "Die Entscheidung ist gleichzeitig eine Ohrfeige für Grünen-Wirtschaftssenatorin Pop", erklärten der wirtschaftspolitische Sprecher, Christian Gräff, und der haushaltspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Christian Goiny. Der FDP-Fraktionsvorsitzende im Abgeordnetenhaus, Sebastian Czaja, sagte, der Verlust sei fatal für eine Stadt, die von ihrer Kreativszene lebe.

Kritik an der Politik der Senatsverwaltung übte auch der wirtschaftspolitische Sprecher der AfD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Christian Buchholz in einer Mitteilung. "Statt guten Ansiedlungsangeboten gibt es nur Auflagen mit der Handschrift der Klima-, Gender- oder Enteignungs-Fanatiker. Das braucht keiner. Nun wenden sich auch die Vertreter kreativer Branchen von Berlin ab", so Buchholz.

Freude in Frankfurt

Der Geschäftsführer der Berliner Tourismusgesellschaft, Burkhard Kieker, sagte, der Weggang sei nicht schön, er sehe aber keinen Grund für den "reflexhaften Abgesang" auf Berlin. Die Corona-Krise habe die Konkurrenz um Messen verschärft. Frankfurt habe die IAA an München verloren, "den Rest kann man sich denken". 

Premium-Chefin Tillmann betonte, ihr Unternehmen habe kein Geld für den Wechsel nach Frankfurt erhalten. Vielmehr wollten die Main-Metropole und das Land Hessen in den kommenden drei Jahren zehn Millionen Euro in die Modemesse investieren.

Derweil freut sich die hessische Metropole über die Errungenschaft: "Damit wird die Wirtschaftsmetropole Frankfurt zum neuen Hotspot der Fashion- und Lifestyleszene und zur neuen internationalen Fashionmetropole", sagte der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). "Die Realisierung einer Frankfurt Fashion Week bietet für die Stadt Frankfurt eine einmalige und internationale wirtschaftliche Chance."

Letzte Berliner Fashion Week im Januar 2021

Die Fashion Week hat zuletzt zweimal im Jahr stattgefunden. Die Senatsverwaltung für Wirtschaft beziffert die zusätzlichen Einnahmen durch Übernachtungen, Gastronomie und andere Dienstleistungen auf 240 Millionen Euro. Ein letztes Mal soll "Premium" noch in Berlin starten, im Januar 2021.

"Die Fashion Week und das Format Fashion Week wird neu gedacht werden müssen", sagte die Geschäftsführerin der Premium Group, Anita Tillmann. "Man kommt nicht sofort auf Frankfurt, aber es ist der perfekte Ort." Mit dabei sind immer zahlreiche Designer, die ihre neuen Entwürfe zeigen, und viel Prominenz. 

Messepech und Corona-Krise

Mit Messen hatte Berlin in diesem Jahr kein Glück. Erst scheiterte die Hauptstadt daran, die Internationale Automobil-Ausstellung an die Spree zu holen, die in Berlin nicht nur Befürworter hat. Die wichtige Autoschau wechselt nun von Frankfurt nach München. Dann fielen wichtige internationale Leitmessen der Corona-Krise zum Opfer: Die Internationale Tourismus-Börse (ITB) und die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) wurden abgesagt. Die Internationale Funk-Ausstellung (IFA) kann im September nur stark reduziert stattfinden.

Auch im kurzlebigen Modegeschäft konnten sich in Berlin nicht alle Messen halten. Die Bread Butter lief lange parallel zur Fashion Week und zog Tausende Besucher in den früheren Flughafen Tempelhof. Als die Messe in die Insolvenz rutschte, sicherte sich 2015 der Modehändler Zalando die Markenrechte. Seit 2018 hat es aber keine Bread Butter mehr gegeben. 

Sendung: Inforadio, 08.06.2020, 12.00 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

55 Kommentare

  1. 55.

    Wenn ich mich recht entsinne war Berlin die Hauptstadt der DDR... und nicht nur beliebte Städte wie Berlin wachsen, sondern auch z.B. Leipzig, Potsdam oder Rostock. Trotzdem ist Bevölkerungswachstum nicht alles, auch wenn Zuzug es leichter macht, z.B. Schulen und ÖPNV zu erhalten.

  2. 54.

    Wie wärs mit einer Buchmesse?

  3. 52.

    Berlin ist auch nicht Osten und Brandenburg profitiert nur von der Berlin. Der Osten war, ist und bleibt auf dem absteigenden Ast. Siehe niedrigste Bevölkerungszahl seit 1905. Bald sind wir bei 1805.

  4. 51.

    Für 4,33 Milliarden Euro hält Berlin 2019 im Länderfinanzausgleich die Hand auf, unwesentlich zum Vorjahr verbessert. Das System ist längst von der Schieflage in ein unkontrolliertes Rutschen geglitten.
    Das Geld versicket beispielsweise in einem fast zehnjährigen Bau eines Flughafens.

  5. 48.

    Die Wirtschaft ist in den letzten Jahren in keinem Bundesland so stark gewachsen wie in Berlin, auch Brandenburg wächst überdurchschnittlich - Ihr Ostdeutschland-Bashing ist also ziemlich fehl am Platze! Aber wer die Nach-Wende-Zeit nicht erlebt hat, kann den wirtschaftlichen Bruch auch nicht verstehen. Ich bin stolz darauf, was in den letzten Jahren erreicht wurde und mit Siemens und Tesla werden weitere Arbeitsplätze in der Region entstehen.

  6. 47.

    Das Linksgrüne Millieu in Berlin wird es schon schaffen, die Provinzialität und Piefigkeit von Berlin weiter vorwärts zu bringen. Solange die produktiven Südländer den Berliner Mief weiter finanzieren, kann RRG erstmal weiterwursteln.

  7. 46.

    Viel Spaß in Bankfurt. Nehmt doch bitte die Bundesregierung gleich mit. Die passt da auch viel besser hin. Der Druck auf den Wohnungsmarkt reduziert sich und damit würden Mieten nachhaltig sinken. Berlin applaudiert den Modejuppis.

  8. 45.

    Berlin verliert immer mehr von dem Charme, der die Stadt interesssant gemacht hat.
    Die Provinz lässt grüßen.
    Dafür sorgt rot rot grün schon.

  9. 44.

    Man sollte das als Chance sehen: es ist früher eine der Stärken Berlins gewesen "aus Schei... Bonbon-Papier zu machen". Dit jed vobai... Da wird man/frau sich etwas passendes einfallen lassen. Ich bin da sehr zuversichtlich.

  10. 43.

    Dankeschön unser Senat macht die ganze Stadt kaputt. Es ist traurig was sich unser Senat erlaubt. Nie wieder die Parteien von rot rot grün wählen

  11. 42.

    Berlin kann sich nun wirklich nicht über einen zu geringen Zuzug beschweren. Im Gegenteil, die Stadt wird eher Opfer ihres Erfolges und manchmal ist es besser ein wenig zu Verschnaufen und sich dann neu zu erfinden...

  12. 40.

    Also Kai, wenn man "Beim Länderfinanzausgleich sind wir seit Jahren Spitzenreiter. 2018 haben wir € 4,4 Mrd. und 2019 €4,3 Mrd. bekommen." Spitzenreiter ist, TROTZ Fashion Week, trotz all dem Rollkoffergedöns, dann stimmt doch ganz offensichtlich was nicht...

    Vielleicht sollte Berlin mal wieder auf Industrie setzen, nicht auf Clubs, Billigfliegertouristen und andere, die nur kurz herhuschen und nix da lassen. In HOTELS wohnen diese Typen doch eh nicht. Die Wohnungen könnten wir gut als Wohnungen brauchen, nicht als illegale Ferienbleiben!

    Berlin hätte die Chance, sich zu sanieren, nachhaltiger zu werden, besser insgesamt. Ein "weiter so" darf es nicht geben!

  13. 39.

    Ich bin waschechte Berlinerin und betrübt was aus dieser Stadt geworden ist.
    Ich finde es nur noch dreckig und bin froh, wenn ich nach Feierabend wieder nach Brandenburg fahre.

  14. 38.

    Wirtschaftliche Zukunftsperspektiven bieten Siemens-Campus und Tesla und auch die Fashion Week wurd Berlin erhalten bleiben, halt nur mit weniger Ausstellungen. Da es in Deutschland keine nennenswerte Modeindustrie gibt, wird auch das zu verschmerzen sein, zumal es in Berlin an Events, Ausstellungen und (Messe-)tourist*innen nicht mangelt.

  15. 36.

    Die Fashion Week ist in Berlin schon immer völlig fehl am Platz gewesen: Ohne Uniformen im Angebot wird das hier nix.

Das könnte Sie auch interessieren