22.06.2020, Berlin: Autos, Busse, Lastwagen, Radfahrer und Fußgänger teilen sich die Friedrichstraße am Checkpoint Charlie zur Mittagszeit. (Quelle: dpa/Riedl)
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Audio: Inforadio | 30.06.2020 | Jan Menzel | Bild: dpa/Riedl

Wirtschaftsverbände wollen Verschiebung - Autofreie Friedrichstraße möglicherweise erst im Herbst

Mehrere Wirtschaftsverbände und Initiativen wollen die ab August geplante monatelange Sperrung der Friedrichstraße für Autos in den Herbst verschieben. So werde Zeit gewonnen, um ein umfassendes Konzept für mehr Aufenthaltsqualität in der Einkaufsmeile zu erarbeiten, erklärten Industrie- und Handelskammer (IHK), Handelsverband und der Verein Die Mitte am Dienstag.

Knappe Mehrheit befürwortet Versuch

Eine Umfrage mit 137 Gewerbetreibenden vor Ort habe zwar ergeben, dass eine knappe Mehrheit den Versuch grundsätzlich positiv bewerte. Sie sähen aber Politik und Verwaltung in der Pflicht, zuvor gemeinsam mit Anrainern ein Maßnahmenpaket zu entwickeln. Ein Verkehrsversuch ohne klares Konzept werde keine positiven Effekte haben, hieß es.

Die Friedrichstraße sei per se keine Flaniermeile, sagte Nils Busch-Petersen vom Handelsverband im rbb. Sie sei eng, die Aufenthaltsqualität gering und Bäume fehlten. Busch-Petersen fürchtet auch, dass die von der Corona-Pandemie gebeutelten Einzelhändler durch die Verkehrsberuhigung noch mehr leiden werden.

Geplant ist die Sperrung von August bis Jahresende

Laut Verkehrsverwaltung soll die Friedrichstraße, in der es die Läden schon seit längerer Zeit wirtschaftlich schwer haben, von August bis Dezember zwischen Leipziger und Französischer Straße autofrei werden. Das Experiment soll die Aufenthaltsqualität für Fußgänger und Radfahrer erhöhen.

Die Fahrbahn der betroffenen Teile der Friedrichstraße soll in der autofreien Zeit für Cafés und Aufenthaltsbereiche genutzt werden. Wegen der anhaltenden, wirtschaftlichen Probleme vieler Geschäfte aufgrund der Corona-Pandemie wollte der Bezirk zudem prüfen, ob Ausstellflächen im öffentlichen Raum den Läden kostenlos zur Verfügung gestellt werden können. Ähnlich wie auf dem Kurfürstendamm sollen Läden Platz bekommen, sich zu präsentieren, sagte von Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel vor drei Wochen. In den Seitenstraßen und Parkhäusern sollen nach wie vor zahlreiche Parkplätze bereitgestellt werden.

Senatsverwaltung Andere Metropolen machen ähnliches

"Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz und der Bezirk Mitte sind bereits in sehr guten Gesprächen mit Anrainern über die Gestaltung des Projekts Autofreie Friedrichstraße", sagte ein Sprecher der Verkehrsverwaltung zur Kritik der Verbände. "Viele Beteiligte bringen sich ein, wir unterstützen sie." Andere Metropolen Europas wie Paris, London und Brüssel würden derzeit ähnliche Initiativen für lebenswerte und attraktive Innenstädte unternehmen.

Sendung: Abendschau, 30.06.2020, 19:30 Uhr

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12 Kommentare

  1. 12.

    Stimme ich ihn zu, bin selbst Autofahrer aber wenn ich ehrlich bin.
    Von mir aus können Sie Die Friedrichstraße ruhig Autofrei machen, wer will da schon großartig mit sein Auto durchfahren.
    Ich brauche die Friedrichstraße nicht, kann ruhig den Fußgängern und Fahrradfahrern gehören.

  2. 11.

    Nur die Gehwege sind für die Anzahl der Fußgänger*innen zu eng und vielerorts noch zusätzlich zugestellt. Aber "für mehr Aufenthaltsqualität" sind Herbst und Winter sicher besser als der Sommer ;) Wollen die Händler dort lieber einen Weihnachtsmarkt fürs Weihnachtsgeschäft veranstalten?! Das Konzept ist bestimmt 2022 oder 2025 fertig, dann folgt vielleicht die Umsetzung.

  3. 10.

    Die freie Wahl steht faktisch nur auf dem Papier, sofern durch die zur Gewohnheit gewordene "Wahl" eines einziges Verkehrsmittels alle anderen an die Wand gedrückt werden. Das ist in der Friedrichstraße durchaus buchstäblich zu verstehen. Ein Supermarkt offeriert 100 kg Äpfel, 100 kg Birnen und 100 kg Pflaumen, womit zumindest für ein paar Tage gute Auswahl besteht. Dann kommt einer mit Schubwagen und kauft sämtliche 100 kg Pflaumen weg. Selber Schuld für die anderen oder Maßlosigkeit eines Einzelnen?

    Die Okkupation muss ein Ende haben, auch wenn die Friedrichstraße nicht gerade zu meinen bevorzugtesten Einkaufsgegenden zählt.

  4. 9.

    Ich frage mich echt warum man über den Straßenverkehr sich so aufgeregt als ob wir keine anderen Probleme oder Sorgen haben jetzt mal ganz ehrlich!
    Ich meine statt man sich auf Die Technik & Fortschritt verlässt die von Jahr zu Jahr immer besser wird, Das Autos noch umweltfreundlicher werden noch sicher Werden für alle Verkehrsteilnehmer auf der Straße das noch weniger gefährliche Situation entstehen oder mal bisschen mehr aufpassen und nicht immer die Schuld auf andere schieben, aber sowas wird nicht in Betracht gezogen sondern einfach nur Auto raus aus der Innenstadt, das ist dieses Engstirnige Verhalten unserer Gesellschaft!
    Jeder soll mit Das Verkehrsmittel unterwegs sein was zur Verfügung steht und jeder sollte auch die freie Wahl dazu haben.

  5. 8.

    Das ist aber so gar nicht sachkundig, verehrter Bürger, was Sie da von sich geben.
    Autoverkehr gehört nun mal zu einer Metropole dazu. ÖPNV und Radverkehr allein werden nie ausreichen, um allen Verkehrsbedürfnissen gerecht zu werden. Also weg mit diesen radikalen Forderungen und bitte realistisch bleiben. Im übrigen sind Autofahrer auch Menschen.

  6. 7.

    Wer eine gelungene autofreie Friedrichstraße sehen will, kann Richtung Süden nach Kreuzberg laufen. Dort mündet sie als Fußgängerzone mit erlaubtem Radfahren in den Franz-Mehring-Platz; mit neuem Fahrstuhl zum U-Bahnhof Hallesches Tor :)
    Davor kommt mensch noch an winzigen Parks und sogar mit Spielplätzen für Kinder vorbei :)

  7. 6.

    Die Stadt gehört den Menschen und nicht dem Autoverkehr. Es wird Zeit das die Innenstädte für den privaten Autoverkehr gesperrt werden.

  8. 5.

    So eng sieht die Straße auf dem Bild gar nicht aus. Problem sind halt PKWs / Transporter. Das selbe gilt für Aufenthaltsqualität und Bäume. Kann man alles lösen - wenn die Straße zur Fußgängerzone erklärt wird.

  9. 4.

    Weniger Parkhäuser,sorgen für mehr Wohnungen.Die Bedenken lösen sich in Luft auf,in den Geschäften steigt der Umsatz,die Menschen nutzen die neuen Freiräume.Also reißt die Parkhäuser dort ab.Und stellt dafür mehr Wohnraum zur verfügung.Nebebei git es dann auch weniger Verkehrstoten in Innenstädte.Da Auto-und LKW-Fahrer Menschen beim abiegen nicht sehen.Führt endlich die Tempolimits auf Autobahnen (120 Kilometer pro Stunde),Landstraßen(Tempo 80)und in den Städten(Tempo 30)ein.Anstatt Menschen zu animieren,mehr Autos zu kaufen,mit Abbiege-und Notbremsassistenten ect. und sonstigen schnick-schnack.Nur wenn die Infrastruktur in den Ballungsräumen und in den ländlichen Regionen ausgebaut,saniert und modernisiert werde,gelinge der Umstieg auf diese Verkehrsmittel.Und stoppt den Ausbau von Straßen.

  10. 3.

    Das klingt wie bei von Dassel üblich: Bürgerbeteiligung ja, aber bitte nur mit den richtigen Bürgern Wo kämen wir hin, wenn es wie bei den Straßenumbenennungen Widerspruch geben würde. So viele Kostenbescheide würden die personelle Kapazität des Bezirkes sprengen.

  11. 2.

    Verkehrsberuhigung ja, aber ohne radfahrende!!!!!!!

  12. 1.

    Die Neubauten in der Friedrichstraße haben keinen Charme. Diese enge Straße wird nie zur Flaniermeile werden. Weder mit noch ohne Autos. Kein Grün und viel zu eng.
    Da hat Herr Busch-Petersen recht.

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