Nedwighafen (Quelle: rbb/Björn Haase-Wendt)
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Audio: Antenne Brandenburg | 11.06.2020 | Björn Haase-Wendt | Bild: rbb/Björn Haase-Wendt

Ausgelastete Stellplätze in der Prignitz - Autark und kontaktlos - Wohnmobil-Tourismus boomt

Ein Zimmer, Küche, Bad - und das alles mobil, überall, auf vier Rädern: Der Wohnmobil-Urlaub boomt. In der Prignitz ist der Trend gerade jetzt nach den Corona-Reiselockerungen deutlich zu spüren. Von Björn Haase-Wendt

Dicht an dicht drängen sich die Wohnmobile auf dem Stellplatz am Wittenberger Nedwighafen. Die Sonne scheint, ein laues Lüftchen weht und die Möwen ziehen über der Elbe ihre Runden. Glück hat, wer hier auf dem Stellplatz einen Platz in der ersten Reihe ergattert und damit den direkten Blick auf die Elbe. "Das ist sehr schön hier, viel Wasser und auch das Wetter spielt mit", sagt Jürgen Keithan während er auf seinem Campingstuhl sitzt. Seit drei Wochen sind er und seine Frau auf Wohnmobil-Tour. Erst von Neukloster bei Wismar aus die Ostseeküste entlang, dann die Oder runter und jetzt entlang der Elbe. Vor allem die Ruhe in der Prignitz genießen die beiden Urlauber.

Unabhängigkeit in Corona-Zeiten

Ähnlich geht es Eva Brockmann, die mit ihrem Mann wenige Meter weiter ihr Gefährt geparkt hat und mit Bier und Buch die Sonne genießt. Gerade jetzt zu Corona-Zeiten sei das Reisen in den eigenen vier Wänden auf Rädern optimal, schwärmt sie: "Wir brauchen keine fremde Toilette, kein Bad, wir haben alles vor Ort und sind völlig unabhängig." Ein festes Ziel haben die beiden aus Nordrhein-Westfalen nicht. Das gilt für viele der Wohnmobil-Tourisen hier am Wittenberger Nedwighafen. Das Wetter bestimmt die Reise-Route. Ist Regen angesagt, werden Fahrräder, Stühle und Tische eingepackt und es geht dorthin, wo besseres Wetter wartet.

Viele Plätze voll belegt

Etwas abseits auf der Wiese steht Mike Laskewitz, Geschäftsführer des Prignitzer Tourismusverbandes. Er schaut zufrieden auf die Stellplätze am Nedwighafen: "Überall, wo ich die letzten Tage war, sind die Plätze belegt, teils sogar überbelegt." Dass die Region jetzt einen wahren Ansturm von Wohnmobil-Touristen erlebt, freut Laskewitz. Für ihn kommt die Entwicklung aber nicht von ungefähr. "Wir haben hier schon vor zehn Jahren eine Nische gesehen, um Touristen herzulocken", sagt Laskewitz. Vor allem die Kombination mit dem Fahrradtourismus sei optimal, denn viele Wohnmobil-Touristen hätten auch immer ihre eigenen Fahrräder mit im Gepäck. "Das ist ein Baustein für unser Radlerparadies."

Mike Laskewitz (Quelle: rbb/Björn Haase-Wendt)
Mike Laskewitz, Geschäftsführer des Prignitzer Tourismusverbandes | Bild: rbb/Björn Haase-Wendt

Die lokale Wirtschaft profitiert

Insgesamt 26 Reisemobilstellplätze mit den unterschiedlichsten Kapazitäten und Ausstattungen gibt es in der Reiseregion zwischen Kyritz und Lenzen. Mal passen nur zwei Mobile neben einen Pferdehof, mal sind es vollausgestatte Stellplätze mit Strom- und Wasserversorgung, Verpflegungsmöglichkeiten und Ansprechpartnern direkt vor Ort.

In Wittenberge kostet die Übernachtung pro Wohnmobil rund zehn Euro. In Kyritz darf sogar drei Tage kostenlos geparkt werden. Erst Mitte Mai hat die Stadt acht neue Wohnmobilstellplätze inklusive Stromversorgung am Untersee eröffnet. 

Dass die Stadt die ersten Nächte auf Gebühren verzichtet, sei wohl überlegt, sagt Bürgermeisterin Nora Görke. Die Wohnmobil-Touristen würden Wirtschaftskraft in die Stadt bringen. "Sie sind für die Innenstadthändler wichtig. Sie gehen Essen, einkaufen und freuen sich darüber, dass Kyritz so viele kleine Läden hat", sagt die Bürgermeisterin. Außerdem seien die Wohnmobiltouristen diejenigen, die den guten Ruf der Stadt nach außen tragen. "Sie sind außerordentlich aktiv im Internet und empfehlen die Plätze." Die Zahlen geben ihr Recht. Wurden 2016 rund 700 Wohnmobile auf dem Kyritzer Parkplatz Wässering gezählt, waren es im vergangenen Jahr mehr als 2.500. Der Großteil davon kommt aus Deutschland, aber auch Wohnmobile aus Norwegen, Frankreich oder Rumänien wurden erfasst.

Bürgermeisterin Nora Görke & Mike Laskewitz (Quelle: rbb/Björn Haase-Wendt)
Bürgermeisterin Nora Görke & Mike Laskewitz | Bild: rbb/Björn Haase-Wendt

Brandenburg statt Südfrankreich

Die Lust zum autarken Urlaub mit dem Wohnmobil ist landesweit zu spüren. "Camping in Brandenburg ist seit Jahren ein Wachstumstreiber", sagt Patrick Kastner, stellvertretender Sprecher der Tourismus-Marketing Brandenburg. Das zeigt auch ein Blick in die weiteren Reiseregionen Brandenburgs. So heißt es aus dem Lausitzer Seenland, dass beispielsweise ursprünglich nach Südfrankreich geplante Touren nun in die Region verlegt werden. Die Zahl der täglichen Anfragen hat sich beim dortigen Tourismusverband mehr als verzehnfacht.

Zusätzliche Kapazitäten im Spreewald

Im Spreewald ist die Nachfrage laut Patrick Kastner so groß, dass einzelne Orte Übergangslösungen eingerichtet haben. So können in Lübbenau jetzt freie Reisebusparkplätze auch für Wohnmobile genutzt werden, auch in Burg wurden zusätzliche Flächen eingerichtet. Im Havelland werden vor allem die Stellplätze an Marinas sowie Campingplätze in Wasser- und Waldnähe angesteuert. Die Wohnmobil-Touristen würden in der jetzigen Zeit für die Vermieter eine wichtige Rolle spielen, teilt der Tourismusverband Havelland mit, weil sie eine sichere Einnahmequelle sind und einen kontaktlosen Urlaub ermöglichen.

Es fehlt aber noch was

Zurück zum Nedwighafen in Wittenberge. Eva Brockmann berichtet von ihrer Fahrradtour durch die Prignitz. Es ging ins gut 15 Kilometer entfernte Storchendorf Rühstädt. Eines ist ihr dabei aufgestoßen: "Wenn man eine Fahrradtour macht, dann kehrt man gern ein und wenn es nur ein Kaffee ist. Aber heute war nichts geöffnet." Ähnliche Erfahrungen machten auch andere Wohnmobil-Touristen und fragten, warum zum Beispiel nicht das Restaurant direkt am Hafen geöffnet sei. Es gibt also noch etwas Nachholbedarf, damit die Wohnmobil-Touristen vielleicht noch etwas länger in der Prignitz bleiben.

Beitrag von Björn Haase-Wendt

1 Kommentar

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  1. 1.

    Alles schön und gut - wer kein Womo hat, sondern Zelten will, ist gekniffen. Überhaupt ist das ja die Gegend, die zu Beginn von Corona alle Berliner strikt ausgeschlossen haben... ich erinnere mich noch gut. Schade eigentlich, am längsten Tag des Jahres wollte ich in den Norden fahren, das Naturschauspiel mit Kind beobachten und am nächsten Tag zurück (Schule...), aber das geht weder in MeckPomm, noch in OPR.

    Österreich macht es vor, wie man deutsche Touristen abgreift, mit komplett geöffneten Geschäften, Restaurants, ohne Mundschutz, da dürfte klar sein, wohin unser Geld fließt - nicht nach Brandenburg oder MeckPomm.

    Am Seddiner See glaubt die Gemeinde ja auch immer noch, das Strandbad sei ein Swinger-Club, und hält es strikt geschlossen, ebenso den öffentlichen Parkplatz... hm...

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