Das neue Firmenlogo in der Schaufensterdekoration der Galeria Karstadt Kaufhof-Filiale (Quelle: dpa/Malte Ossowski)
Bild: dpa/Malte Ossowski

Medienberichte - Galeria Karstadt Kaufhof will offenbar 62 Filialen schließen

Die angeschlagene Warenhauskette Galeria Karstadt-Kaufhof wollte sich eigentlich wieder aufrappeln, doch dann kam Corona. Nun sollen fast ein Drittel aller Häuser vor dem Aus stehen.

Der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof will offenbar 62 seiner 172 Filialen schließen. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Verhandlungskreisen. Eine entsprechende Vereinbarung mit Betriebsrat und Gewerkschaften solle noch an diesem Donnerstagabend unterschrieben werden. Zuvor berichteten RTL/ntv und der "Kölner Stadt-Anzeiger" über die Pläne. Insidern zufolge sollen außerdem rund 20 Filialen von Karstadt Sports schließen, berichtet Reuters.

In Berlin und Brandenburg betreibt der im Dezember 2018 neu entstandene Konzern rund zwei Dutzend Filialen der Marken Galeria Kaufhof, Karstadt und Karstadt Sport. Welche Filialen von einer Schließung betroffen sind, ist noch nicht bekannt.

Eine Milliarde Umsatzverlust in diesem Jahr

Die Zahl der Filialschließungen fällt damit etwas geringer aus als zunächst befürchtet. Ursprünglich hatte die Geschäftsführung signalisiert, dass im Zuge der Sanierung des ums Überleben kämpfenden Unternehmens bis zu 80 der 172 Filialen geschlossen werden könnten.

Der ohnehin rote Zahlen schreibende letzte große deutsche Warenhauskonzern war durch die pandemiebedingte Schließung aller Filialen in eine schwere Krise geraten und hatte Anfang April Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen müssen. "Wir gehen von einer Milliarde Umsatzverlust in diesem Jahr aus und rechnen auch nicht damit, dass die Kunden im kommenden Jahr wieder so einkaufen werden wie vor Corona. Das heißt, bis Ende 2022 könnten die Umsatzeinbußen sogar auf insgesamt rund 1,4 Milliarden Euro steigen", beschrieb der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz im Mai die Probleme.

Verdi: Zehntausende Arbeitsplätze gefährdet

Die angekündigten Filialschließungen dürften in den betroffenen Kommunen erhebliche Unruhe auslösen. Norbert Portz vom Deutschen Städte- und Gemeindebund warnte schon bei Bekanntwerden der ersten Schließungspläne im Mai vor der Gefahr einer Verödung vieler Innenstädte. "Galeria Kaufhof Karstadt ist nicht irgendwer. Die Warenhäuser sind für viele Innenstädte systemrelevant", sagte er. Gerade für viele strukturschwächere Innenstädte sei ein Verlust der Warenhäuser nach seiner Einschätzung kaum auszugleichen.

Die Gewerkschaft Verdi warnte damals, eine Schließungswelle bei Galeria Karstadt Kaufhof werde Auswirkungen weit über das Unternehmen hinaus haben. Mittelfristig seien dadurch auch Zehntausende von Arbeitsplätzen bei anderen Einzelhändlern und die Attraktivität ganzer Innenstädte bedroht.

Sendung: Inforadio, 18.06.2020, 19:20 Uhr

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Antwort auf [Frida] vom 19.06.2020 um 08:25
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18 Kommentare

  1. 17.

    Wieso? Das Virus verleugnet doch keiner, aber die Regierungsmaßnahmen tragen wesentlich zum Sterben einiger Läden bei! Auch das kann keiner leugnen!

  2. 16.

    Und genau dort liegt doch auch die Chance: bei Karstadt wurden in der ersten Krise alle Immobilien an eine Fonds verhöckert - das ging bei Middelhoff überhaupt nicht mit rechten Dingen zu -. Jetzt müssen alle Filialen horrende Mieten zahlen. Das killt sie. In der Krise müssen auch die Vermieter runter von diesen hohen Mieten. Das hilft nicht nur Karstadt, sondern auch den übrigen Gewerbetreibenden. Letztendlich sind doch beide im selben Boot. Nur leider haben wir als Vermieter als zu oft international agierende Investmentfondsgesellschaften. Die glauben immer noch an die großen Renditen und sind überhaupt nicht an den lokalen Gegebenheiten interessiert.

  3. 13.

    Karstadt taumelt bereits seit dem Middelhoff-Desaster Anfang/Mitte der 2000er. Davon hat sich der Konzern nie wieder erholt. Umstrukturierungsmaßnahmen waren Makkulatur, da sich die Haltung des Personals nicht geändert hat. Die steckten noch immer in den 70ern fest, als der Kunde noch Bittsteller war. Ich habe die permanente Unfreundlichkeit und das wortwörtliche Versteckspiel der Verkäufer miterlebt.

    @#1 Sie sprechen den Kunden mit einer recht arroganten Grundhaltung die Mündigkeit ab, nur weil sie bestimmte Entscheidungen treffen, die Ihnen nicht gefallen. Nur weil ich bei amaozon oder zalando bestelle, kann man den Kunden keine unmündigkeit unterstellen. Im Gegenteil, als mündiger, denkender Mensch habe ich aufgrund bestimmter Einflussfaktoren eine Entscheidung getroffen. Noch besser kann man seine Mündigkeit nicht darlegen. Das Ihnen diese Entscheidung nicht gefällt, ist dabei unerheblich. Sie sollten dringend ihr Welt- und Menschenbild überprüfen.

  4. 11.

    Frida. Schnäppchen? Finde ich nicht. Wenn wir mal am Alex sind und dann die Preisschilder an den Sachen sehen... Total überteuert und vom Design nichts besonderes.
    Durch Covid sind so viele Einkommen weggebrochen, da macht shoppen einfach keinen Spass mehr. T-Shirt für 40.00 Euro oder ein Wochenendeinkauf? Was ist wohl wichtiger?

  5. 10.

    Besonders zu Karstadt geht man doch nur noch wenn es Rabatte gibt. Viele Sachen würde man nicht mal geschenkt anziehen. Es tut mir leid um die Leute die dort stehen und den Mist ihrer Chefs ausbaden müssen.
    Irgendwie weiß man nicht in welche Richtung es gehen soll.
    Wenn sie zumachen müssten, würde es mich nicht wundern. Nur Schnäppchenjäger wären enttäuscht. Die dafür Verantwortlichen fallen bestimmt weich und werden das nächste Unternehmen in die Pleite führen.

  6. 9.

    Ein Glück das es den mündigen Bürger gibt. Wer geht denn heute noch in den Innenstädten einkaufen? Kunden sind dort nicht willkommen. Entweder gibt es keine Parkplätze, Straßen werden willkürlich zu Fußgängerzonen degradiert, ÖPNV dreckig, unpünktlich und teuer. Klar, die Innenstädte sterben aus, das ist aber nur zu einem ganz kleinen Teil dem Konsumenten geschuldet. Zumindest hier in Berlin. Der Niedergang der Karl-Marx-Straße oder der Wilmersdorfer und des Kurfürstendams war schon besiegelt, da war an Onlinekäufe noch gar nicht zu denken. Schauen sie sich andere Städte an, da klappt das bestens.

  7. 8.

    Leider wird sich das weiter durchziehen, denn viele Läden werden seid der Maskenpflicht nicht mehr aufgesucht.
    Ich bin für Masken, keine Frage, aber eine Shoppingtour mache ich so nicht mehr.
    Erst recht im Sommer.
    Ich danke die Innenstädte und Einkaufsmeilen werden sterben....dann sind wohl die Vermieter dran, die Ihre Läden nicht mehr vermietet bekommen
    Berlin ist und wird auch nicht mehr wie es mal war.....was sollen Touris hier noch ohne Nachtleben.

    Auch ich bin der Meinung das viele nicht wegen Corona, sondern wegen der Maßnahmen pleite sind.
    Soforthilfe haben die Läden ab 10 Mitarbeiter noch immer nicht erhalten

  8. 7.

    Sind doch selber Schuld bei diesen Preisen. @Selbstundstaendig: Ja, da kann ich wenigstens in Ruhe wählen und die Angebote sind vielfältiger. NonFoud, dafür brauche ich keinen Laden und schon gar nicht für überteuerte Waren GALERIA...

  9. 5.

    Das ist doch das, was diese Regierung will. Ein durchdigitalisiertes leben.
    Ist doch gut, wenn ich meine Mittagspause im Homeoffice dazu nutzen kann, den Wocheneinkauf via Internet zu bestellen!
    Wozu braucht's da noch so viele Läden?

  10. 3.

    Dank Corona kann der Besitzer jetzt das durchsetzen, was er vorher schon vorhatte.

  11. 2.

    Die angeschlagene Warenhauskette Galeria Karstadt-Kaufhof wollte sich eigentlich wieder aufrappeln, doch dann kam Corona". Das ist so nicht ganz richtig. Korrekt muss es heißen "...doch dann kamen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung und die Maskenpflicht."

  12. 1.

    Nicht nur die Innenstädte sterben. Die Wirklichkeit, die wir kennen und schätzen gelernt haben, stirbt. Interessanterweise ist der sonst so gerne mündige Bürger, durch sein unreflektiertes Verhalten und Hang zur Bequemlichkeit der Totengräber. Mit jedem bei Zalando bestellten Fummel (kanni ch ja zurückgeben), mit jedem bei Amazon anstatt im Buchladen bestellten Buch, bei jedem Griff zur "kostenlos herunter geladenen" App um Pizza oder Nudeln im Restaurant um die Ecke zu bestellen versetzt der Verbraucher dieser Wirklichkeit, die es bald nicht mehr geben wird und deren Verlust er bitter beklagen wird, einen Todesstoß.
    Die Gesellschaft als Zusammenspiel von vielen mündigen Akteuren geht für immer verloren. Traurig.

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