Archivbild: Bahnwaggons stehen in einer Werkhalle des Schienenfahrzeugherstellers Bombardier. (Quelle: dpa/S. Kahnert)
Bild: dpa/S. Kahnert

Hennigsdorf (Oberhavel) betroffen - Gewerkschaft: "Massive Einschnitte" bei Bombardier geplant

Tarifkürzungen und Stellenabbau: Beim Zughersteller Bombardier Transportation dringt das Management auf eine weitere Sparrunde für die deutschen Standorte. Nach Gewerkschaftsangaben sollen Mitarbeiter auf Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie Entgelterhöhungen verzichten. Sie sollen zudem länger arbeiten ohne finanziellen Ausgleich, wie es in einem Mitarbeiter-Rundschreiben der IG Metall heißt, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Bombardier wollte sich auf Anfrage von rbb|24 nicht zu den konkreten Plänen äußern, um den "laufenden Verhandlungen nicht vorzugreifen". Das Unternehmen räumte aber ein, dass "die Beteiligung der Beschäftigten an Kostensenkungen" zum Konzept von Bombardier zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit gehöre. Einige der geplanten Maßnahmen seien "einschneidend", wird  Michael Fohrer, Deutschlandchef bei Bombardier Transportation, in der Antwort an rbb|24 zitiert.

Nach Informationen des "Handelsblatts" aus Unternehmenskreisen sind 1.000 Arbeitsplätze in Gefahr. 

Gewerkschaft: "Einschnitte werden nicht akzeptiert"

Der Zughersteller versucht seit Jahren, effizienter und kostengünstiger zu werden.

Die IG Metall werde sich Verhandlungen nicht verweigern, kündigte der Aufsichtsratsvertreter der Gewerkschaft, Olivier Höbel, an. "Aber angesichts des angekündigten weiteren massiven Personalabbaus und der Unsicherheit über die Zukunft der Standorte werden Einschnitte in die tariflichen Einkommen von den Belegschaften nicht akzeptiert."

Bombardier Transportation mit Sitz in Berlin ist die Zugsparte des kanadischen Bombardier-Konzerns, der auch Flugzeuge baut. Weltweit arbeiten in der Sparte rund 36.000 Beschäftigte, in Deutschland nach Gewerkschaftsangaben 6.100 Stammbeschäftigte und 1.000 Leiharbeiter. Die größten deutschen Standorte liegen in Görlitz und Bautzen in Sachsen sowie Hennigsdorf bei Berlin.

Kunden kritisieren die Qualität der Produkte

Bombardier hatte erst vor drei Jahren den Abbau von 2.200 Stellen seiner damals 8.500 Stellen in Deutschland angekündigt. Im Februar hatte der französische Konkurrent und TGV-Hersteller Alstom angekündigt, BT zu übernehmen. Das rund sechs Milliarden Euro schwere Geschäft soll im ersten Halbjahr 2021 unter Dach und Fach sein.

Auf seinem wichtigen Markt Deutschland steht Bombardier unter Druck. In einem ungewöhnlichen Schritt forderten im Februar zahlreiche Kunden, der Zugbauer müsse die Qualität seiner Produkte deutlich steigern und Vertragsbedingungen konsequent und fristgerecht einhalten. Seit Jahren finde Bombardier keine Lösung, Liefer- und Qualitätsprobleme nachhaltig zu beseitigen, hieß es in einem Schreiben mehrerer Verkehrsverbände.

Fohrer versprach im Dezember keine Kürzungen

Seit einigen Jahren versucht das Unternehmen, seine Standorte stärker zu spezialisieren: Hennigsdorf als Entwicklungszentrum für Züge und den Bau von Prototypen und Testfahrzeuge, Kassel als weltweites Produktionszentrum für Loks, die in Mannheim entwickelt werden. Braunschweig behält die Signal- und Steuerungstechnik, Siegen die Drehgestelle. Görlitz ist auf Wagenkästen spezialisiert, Bautzen auf den Innenausbau.

Im Dezember wurde dort ein neues digitales Testcenter eröffnet. Bei der Zeremonie hatte Fohrer noch versichert, es gebe keine weiteren Sparpläne.

"Weitere Spezialisierung und Stellenabbau reichen diesmal nicht", zitiert die Gewerkschaft nun die Geschäftsführung. Die Beschäftigten müssten auf Geld verzichten, sonst gelinge keine schnelle Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit. Der Entgelt-Tarifvertrag in der Metallindustrie ist eigentlich im Frühjahr gekündigt worden, wurde in der Corona-Krise aber durch einen Not-Abschluss bis Jahresende verlängert.

Sendung: Antenne Brandenburg, 8.6.2020, 14:00 Uhr

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7 Kommentare

  1. 7.

    Sparmaßnahmen?? Ok, fangen wir bei den Bezügen des Vorstandes an! Am besten gestaffelt; 1 Jahr 20% 2. Jahr 30%...... bis zu einem Mindestlohn.
    Die Einsparungen dienen dem Lohnerhalt der MA und für Weiterbildungsmöglichkeiten.

    Höre ich Protest? Wird ausgeblendet an dieser Stelle!!!!

  2. 6.

    Welcher Art sind die Qualitätsprobleme ? Etwa Pfuscharbeit der Produzierenden ? Oder doch eher konstruktive Fehllösungen ? Mehr schuften für weniger Geld ist kein Anreiz für Qualitätsarbeit. Wie macht es Alstom ? Warum liegen die Fertigungsbetriebe so weit auseinander ? Macht nur weiter so-Deutschland auf dem Weg ins Elend und Massenverarmung. Ist unser Management zu blöd ? Holt Berater; wie die Ex-Verteidigungsministerin-dann geht s schneller bergab.

  3. 5.

    Lieber Adrian - eine Anmerkung: Die Bahn legt keine Strecken still, sie erhält keinen Aufträge des jeweiligen Landes oder Kommune mehr, die Strecke zu betreiben. Es sind grundsätzlich die politischen Strukturen, die eine Vorgabe zur Streckenführung machen, nicht die Bahn selbst....

  4. 4.

    BT soll sich lieber Züge termingerecht und in geforderter Qualität produzieren und ausliefern als immer wieder über Sparmaßnahmen, Gehaltskürzungen und Entlassungen zu diskutieren. 2 hat das Problem richtig beschrieben.

  5. 3.

    Die Regionalisierungsmittel sollen im Rahmen des Corona-Konjunkturprogrammes ebenfalls erhöht werden. Wenn die Länder aber als Aufgabenträger keine Züge bestellen - was angesichts des Vorlaufes innerhalb des Konjunkturpaketes eh zu lange dauert - macht es auch keinen Sinn, Gleise zu unterhalten. Bevor die stillgelegt werden, muss die DB die aber auch Dritten anbieten. Bombardiere hat eh andere, strukturelle Probleme, die schlimmstenfalls nur am Rande etwas mit Corona zu tun haben.

  6. 2.

    „Seit Jahren finde Bombardier keine Lösung, Liefer- und Qualitätsprobleme nachhaltig zu beseitigen“

    Da hilft nur eins: Entlassungen! Dann werden die Züge endlich termingerecht fertig, denn viele Köche verderben bekanntlich den Brei. Am besten wird jeder Zug nur von einem Mann gebaut. Und was passiert bei Qualitätsmängeln? Löhne runter, Arbeitszeit verlängern! Nur eine schlecht motivierte Belegschaft liefert gute Ware!

    Im Ernst: Wenn schon Entlassungen und Gehaltskürzungen, dann sollte man wohl lieber bei der Chefetage und ihren BWL-Einflüsterern anfangen.

  7. 1.

    Für die Zugbauer hätte ich lieber ein Konjunkturprogramm als für Kohlekumpel oder Autokonzerne. Aber die DB legt ja lieber Gleise still, statt das Netz auszubauen. Seit 1994 rund 6000km.

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