Teilnehmer einer Kundgebung von Verdi und den Beschäftigten von Galeria Karstadt Kaufhof-Warenhäusern protestieren am 26.06.2020 mit einem Plakat mit der Aufschrift "Wir sind der Herzschlag des Weddings!!!" vor der Filiale von Galeria Karstadt Kaufhof am Leopoldplatz im Wedding gegen die Schließung zahlreicher Warenhäuser. (Quelle: dpa/Bernd von Jutrczenka)
Bild: dpa/Bernd von Jutrczenka

Vor der Filiale am Leopoldplatz - Beschäftigte protestieren gegen Karstadt-Schließungen

Beschäftigte des Warenhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof und Gewerkschafter haben in Berlin-Wedding gegen die dort geplanten Filialschließungen protestiert. "Unser Kiez braucht Galeria" oder "Wir sind der Herzschlag des Wedding" stand am Freitag auf einigen Schildern der Demonstranten zu lesen. Die Deutsche Presse-Agentur sprach von geschätzten 100 bis 300 Teilnehmern.

Die Mitarbeiter versammelten sich vor der Filiale auf der Müllerstraße. Sie ist eines von sechs Hauptstadt-Warenhäusern, die das zur österreichischen Signa-Holding gehörende Unternehmen aufgrund der der finanziellen Folgen der Corona-Krise schließen will.

Verdi: Warenhäuser sind unverzichtbar

Damit steht mehr als die Hälfte der insgesamt elf Berliner Warenhäuser vor dem Aus. Auch die Filiale in Potsdam sowie ein Karstardt-Sports-Standort sollen dichtmachen. 1.000 von 2.100 Beschäftigten in Berlin wären davon betroffen. Davon arbeiten 650 direkt in den Warenhäusern, die übrigen in integrierten Geschäften sowie Feinkostabteilungen und Reisebüros. In Brandenburg sind nach jetzigem Stand 210 von 400 Beschäftigten betroffen.

"Wir kämpfen mit den Beschäftigten für den Erhalt der Kaufhausstandorte", hatte die Verdi-Fachbereichsleiterin Handel, Erika Ritter, bereits am Donnerstag mitgeteilt. Verdi geht davon aus, dass die geplanten Filialschließungen "weitere Kreise nach sich ziehen werden". Die Warenhäuser seien nicht nur für die Bevölkerung wichtige Nahversorger, sondern auch unverzichtbar für den ortsansässigen Handel, so Ritter. "Daher geben wir nicht auf und versuchen, möglichst viele Arbeitsplätze und Standorte zu retten."

Senat will mit Vermietern sprechen

In dieser Woche kündigte der Berliner Senat an, sich mit eigenen Verhandlungen gegen die Filialschließungen engagieren zu wollen: In einem gemeinsamen Brief bitten der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) Vermieter dringend um ein baldiges Gespräch "über mögliche Fortführungsperspektiven für den jeweiligen Standort und die Sicherung von Arbeitsplätzen", wie der rbb am Mittwoch aus Senatskreisen erfuhr. Sie hoffen, dass über eine Neuverhandlung der Mietverträge die Filialen wirtschaftlich entlastet und so gerettet werden können.

Sendung: Abendschau, 26.06.2020, 19:30 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

10 Kommentare

  1. 10.

    Dem kan ich mich nur anschliessen: SELBER SCHULD. Es ist länger her, da war aber auch schon längst von KRISE die Rede, da dachte ich mir, tuste 'n gutes Werk und kaufst deine neue Uhr bei KARSTADT am Leopoldplatz (anstatt sie im Internet zu bestellen). Die Verkäuferin am Uhrenstand war eifrig beschäftigt, Zahlen in ihre Liste zu schreiben und verwies mich an die Kollegin. Diese hatte aber 'Kundschaft' und es dauerte ein Weilchen. Ich so geduldig wart wart und als sie endlich frei war, sagte sie tatsächlich, nee, also für Marke XY bin ich nicht zuständig, da müssense zur Kollegin gehen. Ich so: TSCHÜSS KARSTADT!

  2. 9.

    Das Kaufhauskonzept ist leider tot. Es leben die Einkaufszentren („Shoppingmalls“)mit hoher Erlebnis- und Aufenthaltsqualität für Kinder, Jugendliche und Erwachsene (Gastronomie, Ausstellungen, Modeschauen, Kinos, Unterhaltungsangebote, Spielgeräte etc.)!

  3. 8.

    Tut mir leid, wenn ich sagen muss: mitschuldig, liebe Herren und Damen Verkäufer!
    Sehr viele Karstadt Beschäftigte haben uns Kunden oft genug von oben herab bedient (warum eigentlich?) - und oft sind sie erst gar nicht zum Kunden gekommen bezw haben sich über diese lautstark noch vor Ort beschwert - weil sie ihnen z.B. die probierte Bekleidung "nachräumen" mussten.

    Die wenigen, welche wirklichen Service anboten
    und auch lächeln konnten, sind je Haus an beiden Händen zu zählen.
    Und ihnen gilt von Herzen mein Dank!

    Hätten die jeweiligen Konzern-Käufer das eher geschnallt und dem entgegengewirkt - sehr viele Kunden wären geblieben - auch die Jüngeren!...und mehr noch dazugekommen. In der Dienstleistung ist der Service unabdingbar (und ständiges Flappen ziehen will der Kunde nicht sehen).
    Das heutige Desaster wäre nicht existent!


  4. 7.

    Verdi wird ohnehin obsolet. Den Linke und Sozen bei Verdi fehlt seit Jahren jedes marktwirtschaftliche Verständnis. Nach Links außen gibt es für Verdi keine Begrenzung. Irgendwie die falsche Stoßrichtung als Belegschaftsinteressenvertreter. Sogar gegen Bürgerbewegungen wie die "Bürger in Wut" hetzt Verdi und macht gemeinsame Sache mit Linksradikalen.

  5. 6.

    Ich hoffe das auch die Mitarbeiter in Tempelhof und Neukölln auf die Barrikaden klettern.

  6. 5.

    Entweder Kaufhäuser oder die in den letzten Jahren so viel gebauten Shoppingmalls. Das sich beides nicht rechnet hätte jedem klar sein müssen.
    Das überbieten bei Rabatten, wenn nur noch billig zählt wie kann man dieses Resultat nicht erwarten.

  7. 4.

    Da kann die Verdi-Gefolgschaft demonstrieren wie sie will, das wird genauso wenig eine Lösung bringen wie der Appell des RRG Senats an die Vermieter.
    Es fehlen schlicht und einfach genügend Kunden um ein Warenhaus gewinnbringend zu betreiben. Das ist die Folge von andauerndem "Geiz ist Geil" und den wachsenden Online-Verkäufen.
    Die Verdi- und Senats-Aktionen erinnern fatal an den großen Aufschrei 2008 um das Nokia-Werk in Bochum. War alles erfolglos und Atlkanzler Gerhard Schröder erlitt eine sprichwörtliche Bauchlandung.

  8. 3.

    Die Demonstration beginnt 12 Uhr auf dem Leopoldplatz (Facebook Verdi Berlin-Brandenburg Fachbereich Handel).

  9. 2.

    Ich finde es vollkommen richtig dafür auf die Straße zu gehen und das sich die Politik einmischt. Aber warum wird dabei immer real vergessen. Die Mitarbeiter dort haben in der Corona Kriese alle am Limit gearbeitet. Am 26.09. Schließt der Markt in der Müllerstr. am U-Bahnhof Seestr. und keinen scheint es zu interessieren. Das wird auch nicht der letzte Markt sein.

  10. 1.

    Wäre schön, wenn bei solchen Ankündigungen auch Uhrzeiten angegeben würden, sodass man sich auch beteiligen kann!

Das könnte Sie auch interessieren