Mitarbeiter von Galeria Kaufhof Karstadt halten bei einer Kundgebung vor einer Filiale ein Transparent mit der Aufschrift <<Galeria Karstadt Kaufhof - Zukunft statt Kahlschlag>> sowie schwarze Luftballons in den Händen. (Quelle: dpa/B. Marks)
Video: Abendschau | 20.06.2020 | Laurence Thio | Bild: dpa/B. Marks

Proteste vor Berliner Filialen - 1.200 Mitarbeiter von Karstadt-Kaufhof-Schließungen betroffen

Etwa die Hälfte aller Mitarbeiter von Karstadt-Kaufhof in Berlin und Brandenburg muss nach Schätzungen der Gewerkschaft Verdi um ihre Arbeitsstellen bangen. Vor einigen Filialen bildeten sich am Samstag Proteste gegen die geplanten Schließungen.

Von den geplanten Schließungen bei Karstadt-Kaufhof könnten in Berlin 1.000 von etwa 2.100 Beschäftigten betroffen sein. Diese Schätzung gab am Samstag die Gewerkschaft Verdi bekannt. Davon arbeiten 650 direkt in den Warenhäusern, die übrigen in integrierten Geschäften sowie Feinkostabteilungen und Reisebüros, wie Verdi-Handelsexpertin Erika Ritter am Samstag sagte.

In Brandenburg seien nach jetzigem Stand 210 von 400 Beschäftigten betroffen. So soll die Filiale in Potsdam an der Brandenburger Straße schließen. Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) hatte bereits nach Bekanntwerden der Schließungspläne am Freitag gefordert, den Warenhaus-Standort "als Einkaufsmagnet für die Potsdamer Innenstadt" zu erhalten. Dafür müssten nun Händler und Stadt gemeinsam an einem Strang ziehen und zügig über die nächsten Schritte beraten, teilte er auf Twitter mit.

Die Filiale in Cottbus mit 80 Mitarbeitern bleibt erhalten. Die dortige Industrie- und Handelskammer reagierte erleichtert. "Man darf sich darauf nicht ausruhen," sagte aber IHK-Hauptgeschäftsführer Marcus Tolle am Samstag Antenne Brandenburg vom rbb. Tolle sprach von einem Warnzeichen. Er rief dazu auf, "das ganze Areal da vor dem Kaufhaus wieder attraktiver zu machen, um damit auch eine Bindung für den Standort zu erzeugen."

Proteste vor Berliner Filialen

Wegen der geplanten Schließung von sechs Warenhäusern des Konzerns in Berlin haben am Samstag vor einigen Filialen Menschen protestiert. Nach Angaben der Polizei demonstrierten am Vormittag etwa 30 Personen vor der Filiale am Leopoldplatz in Wedding und 80 Personen vor der Filiale an der Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg.

Der Bezirksbürgermeister in Berlin-Mitte, Stephan von Dassel (Grüne), forderte auf dem Protest im Wedding, dass die Filiale "am Leo" bleiben müsse. Auch die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Abgeordnetenhaus, Silke Gebel, forderte auf Twitter den Erhalt des Standorts Wedding. "Karstadt am Leopoldplatz ist ein wichtiger Anker im Kiez und hat mit seinen über 100 Beschäftigten eine soziale Verantwortung", schrieb Gebel, die die Solidaritätsbekundung am Leopoldplatz am Vormittag organisiert hatte.

Für den Nachmittag ist in Berlin eine weitere Demonstration gegen die Karstadt-Kaufhof-Schließung angekündigt. Nach Polizeiangaben haben sich 35 Teilnehmer angekündigt, die vor den Gropiuspassagen in Berlin-Neukölln protestieren wollen.

Insgesamt sechs Filialen der Warenhauskette Galeria-Karstadt-Kaufhof sollen in Berlin geschlossen werden. Neben Neukölln, Charlottenburg und Wedding sind noch die Standorte in Tempelhof, im Berliner Ringcenter an der Frankfurter Allee sowie in Hohenschönhausen betroffen.

Außerdem soll die geplante Filiale in Berlin-Tegel gar nicht erst öffnen. Damit ist auch die Hauptstadt von den bundesweiten Filialschließungen aufgrund der Corona-Krise betroffen. Insgesamt sollen deutschlandweit 62 von 172 Filialen schließen und 6.000 Arbeitsplätze abgebaut werden.

Städte- und Gemeindebund fordert "Runde Tische"

Der Städte- und Gemeindebund fordert derweil schnelle Unterstützungsaktionen für die betroffenen Innenstädte. Es bedürfe "der sofortigen Einrichtung Runder Tische", sagte der Hauptgeschäftsführer der Verbands, Gerd Landsberg, den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland vom Samstag. Der Konzern und sein Insolvenzverwalter müssten gemeinsam mit den Kommunen und den Eigentümern der Warenhausimmobilien "Zukunftsstrategien" erarbeiten.

"Hierbei muss es um sinnvolle Nachnutzungskonzepte der Immobilien sowie die damit verbundene Stärkung der Innenstädte gehen", führte Landsberg aus. Die angekündigte Schließung von 62 der gut 170 Kaufhäuser bedeute "für die betroffenen Städte und Regionen einen massiven Kahlschlag". Die Warenhäuser seien "Magneten in den Innenstädten und daher für die Kommunen systemrelevant".

Sendung: Inforadio, 20.06.2020, 14:45 Uhr

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39 Kommentare

  1. 39.

    Amazon sucht ständig neue Mitarbeiter!

  2. 38.

    @RBB / Sandra
    Na Rbb wiedermal nichts verstanden. Sandra nimmt Sie in Schutz. Was aber Blödsinn ist da RBB gar nicht gemeint war.
    Sandra Fake-news verbreiten aber sie. Sie verwechseln Verluste mit Insolvenz.

  3. 37.

    Natürlich ist das Karstadt-Management schuld. Warum haben sie sich nicht rechtzeitig an die heutige Situation angepasst ?? Warum wird bei Missmanagement keiner zur Rechenschaft gezogen ?

  4. 35.

    https://www.tagesschau.de/wirtschaft/gkk-filialenschliessung-101.html

    Soviel zu "Fake News"
    Lieber mal besser recherchieren. Ist gar nicht so schwierig, als RBB als Lügner darzustellen.

  5. 34.

    Galleria-Karstadt hätte sich wie alle schon längst auf den Online konzentrieren müssen, die 1.200 Mitarbeiter hätten in den Waren-Lagern im Versand arbeiten können. Nun ist nichts mehr zu retten.

  6. 33.

    Hohe Abfindungen winken und als gut ausgebildete Fachkräfte winken lukrative neue Jobs, in Notfällen hält unsere Regierung ihre schützende Hand über jeden einzelnen Mitarbeiter.

  7. 31.

    Diese Effekte von schwindender Kaufkraft und der damit einhergehenden Verödung der Innenstadt gibts inzwischen in so gut wie jeder westdeutschen Stadt. Besonders ausgeprägt im Ruhrgebiet.

  8. 30.

    Corona hat den Rest gegeben. Zweiter Grund, die Kaufkraft fehlt zunehmend im Einzugsbereich, die klassische Kundschaft bleibt aus. Ruhrkent-Effekte.

  9. 29.

    Tja Berliner,
    Sch...e labern kann jeder, vielleicht sollten Sie sich ausnahmsweise mal an Tatsachen orientieren und kommen Sie uns hier nicht mit "Fake News":

    https://www.tagesschau.de/wirtschaft/karstadt-kaufhof-verluste-101.html

  10. 27.

    Yup, Schweden hat es besser gemacht. Italien und Spanien sind für mich failed States, USA hat 3x mehr Bevölkerung als wir und eines der misrabelsten Gesundheitssysteme der Welt deshalb auch mehr Tote , Brasilien ist ein halbes Dritte-Welt-Land und deshalb erst recht kein Maßstab. Was zählt ist was in Deutschland passiert - und da rechtfertigen die Zahlen die Maßnahmen in keinster Weise mehr. Einfach mal außerhalb der Tagesschau kucken, dann klappt es auch mit der Realität.

  11. 26.

    Sie schreiben Blödsinn. Nach dem Zusammenschluss war Karstadt/Kaufhof dabei die Kurve zu kriegen und dann kamen die Corona-Regeln und haben das Unternehmen sprichwörtlich exekutiert. Und das betrifft auch viele kleine Einzelhändler und Läden, die kurz vor dem Aus stehen. Aber wenn juckt das schon als Rentner, man selbst ist ja safe oder?

  12. 25.

    Schön gesagt und in dem Forum hier sieht man wie viele die Obrigkeitshörigkeit ganz toll finden - gerade die ältere Generation. Gelernt ist halt gelernt.

  13. 24.

    Schweden hat es besser gemacht, stimmt's? Bevor Sie das bejahen, schauen Sie bitte erst die aktuellen überregionalen Neuigkeiten durch. Italien, Spanien, USA, Brasilien .... sie alle haben natürlich nur Kolleteralschäden zu verbuchen. Merken Sie eigentlich wie inhuman Ihre Einlassung ist? Oder leben Sie auf einer Scholle?

  14. 23.

    So ein Blödsinn....Corona und die Massnahmen sind schuld. Der Konzern war schon lange vor Corona Pleite.
    Noch härter wird es die Autoindustrie treffen. Hat auch nichts mit Corona zu tun, nur mit der Unfähigkeit in Zukunft zu investieren. Bundesregierung garantiert mit 25 Mrd. für Aufträge von Werften die Ozeanriesen bauen die keiner mehr braucht, Dümmer geht's nimmer.

  15. 22.

    Sie machen es sich zu einfach, wenn Sie die Fehler nur beim Management sehen. Ältere Bundesbürger können sich noch daran erinnern, dass es früher viel mehr Kaufhauskonzerne gab. Nur hat sich das Konzept überlebt. Die Kunden haben schon lange den Service nicht mehr honoriert, so dass er dadurch überflüssig geworden ist. Es gibt neben dem Internet viel mehr Möglichkeiten, sich einzukleiden, Bettwäsche beim Discountern im Angebot, Technik im darauf spezialisierten Handel in jedem Einkaufszentrum, Kurzwaren werden immer weniger nachgefragt etc. Deshalb haben Kaufhäuser nur noch in 1a-Lagen eine Chance. Dir Wilmerdorfer gehört schon lange nicht mehr dazu wie auch Dopplungen in anderen Städten reduziert werden.

    Auch Vollsortimenter wie REAL sind aus der Zeit gefallen. Daran ändern auch Stammtuschsprüche nichts.

    Das KaDeWe hat unter den Kaufhäusern eine Sonderstellung, da es auch Touristen anzieht und dabei vor allem von seinem Image lebt.

  16. 20.

    Bitte folgen Sie den Anweisungen, halten Sie Abstand, kaufen Sie sich ein Elektroauto, bleiben Sie zuhause, hüpfen Sie für was auch immer und hängen Sie sich eine rote Nase - äh nein - Maske vors Gesicht. Hinterfragen Sie nichts. Vertrauen Sie auf unser Weisheit. Wir treffen für Sie die richtigen Entscheidungen.

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