Mitarbeitende des Bombardier-Werks in Henningsdorf protestieren am 16.07.2020 vor dem Werktor (Bild: rbb/Stefanie Brockhausen)
Bild: rbb/Stefanie Brockhausen

Proteste in Hennigsdorf - Hunderte Beschäftigte fordern Gewissheit bei Bombardier und Alstom

Vor fünf Monaten beschlossen die Konzerne Alstom und Bombardier ihre Fusion. Was dieser Zusammenschluss für die Beschäftigten bedeutet, ist bislang unklar. Mit Protestaktionen unter anderem bei Bombardier in Hennigsdorf fordert die IG Metall nun Klarheit für die Zukunft.

Mit Flugblatt-Aktionen und Kundgebungen haben sich Beschäftigte der Zughersteller Alstom und Bombardier auch in Deutschland für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze bei der geplanten Fusion stark gemacht. Allein am Standort von Bombardier Transportation im brandenburgischen Hennigsdorf hätten sich am Donnerstagmorgen mehr als 300 Mitarbeiter vor dem Werktor versammelt, sagte eine Sprecherin der Gewerkschaft IG Metall. Der neue kommissarische Deutschlandchef, Marco Michel, habe sich die Fragen der Beschäftigten angehört und sich für ihre Belange ausgesprochen.
Auch an den anderen deutschen Standorten der Zughersteller gab es Proteste; die IG Metall hatte am Vortag zu einem europaweiten Aktionstag aufgerufen. "Bei den Beschäftigten von Bombardier Transportation ist fünf Monate nach der Ankündigung der Übernahme durch Alstom die Unsicherheit immer noch sehr hoch", teilte die Gewerkschaft mit. "Die Beschäftigten und Gewerkschaften fordern die Unternehmensleitungen von Bombardier und Alstom auf, alle Arbeitsplätze und alle europäischen Standorte zu sichern und sich zu echten Garantien zu verpflichten."

EU-Kommission untersucht geplanten Zusammenschluss

Der französische Hersteller des Hochgeschwindigkeitszugs TGV hatte im Februar angekündigt, die Zugsparte des kanadischen Bombardier-Konzerns übernehmen zu wollen. Nach damaligen Angaben kostet das Vorhaben 5,8 bis 6,2 Milliarden Euro. Derzeit untersuchen EU-Wettbewerbshüter die geplante Übernahme. Bis Mitte Juli soll eine Entscheidung fallen. Die Wettbewerbshüter können dann auch noch eine vertiefte Prüfung anordnen. Im vergangenen Jahr waren Alstom und die Siemens-Zugsparte Mobility bei einem ähnlichen Fusionsversuch an dem Veto der EU-Kommission gescheitert.

Um die Bedenken der Wettbewerbshüter auszuräumen, hatten beide Unternehmen vor einigen Tagen angekündigt, die Talent-3-Plattform und die zugehörigen Produktionsanlagen am Standort Hennigsdorf bei Berlin verkaufen zu wollen.

Zwar werden dort auch Berliner Straßenbahnzüge, der ICE sowie die U-Bahn-Serie C30 gefertigt. Doch für die Beschäftigten herrscht nach wie vor Ungewissheit. Noch liefen keine Gespräche zwischen Arbeitgebern und der Belegschaft, betonte die IG-Metall-Sprecherin. Am Tag zuvor hatte der bisherige Deutschland-Chef von Bombardier Transportation, Michael Fohrer, seinen sofortigen Weggang verkündet - aus persönlichen Gründen, wie es hieß. Als kommissarischer Nachfolger rückte Marco Michel auf den Posten. Er leitete bis dahin das Werk in Hennigsdorf.

Steinbach: Langfristige Perspektive nur mit Alstom

Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) sieht die Zukunft des Standorts eng verknüpft mit der Übernahme durch Alstom. "Wir als Landesregierung sehen es ganz deutlich so, dass der Standort Hennigsdorf nur langfristig gesichert werden kann, wenn dieser Verkauf an Alstom gelingt", hieß es in einer Stellungnahme am Donnerstag. Es gebe klare Zusagen von Alstom, "dass sie die zusätzliche Produktionskapazität dringend benötigen und damit auch den großen Teil der Beschäftigten in Hennigsdorf erhalten werden".

"FAZ" berichtet über staatliche Bürgschaften

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" [faz.net] berichtet unterdessen, dass die Bombardier-Zugsparte in der Corona-Krise mit staatlichen Bürgschaften rechnen kann. Nach Informationen des Blatts wollen der Bund und die Bundesländer mit Werken von Bombardier Transportation je zur Hälfte für einen Kredit in Höhe von insgesamt 750 Millionen Euro bürgen. Davon soll soll Brandenburg knapp 117 Millionen Euro übernehmen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 16. 7. 2020, 9 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

1 Kommentar

  1. 1.

    Liegt zwar auseinander aber wer Tesla nicht will, der braucht die auch nicht???

Das könnte Sie auch interessieren