05.11.2019, Brandenburg, Potsdam: Eine gelb-rote Flagge mit rotem Adler hängt an dem Balkon eines Mehrfamilienhauses. (Quelle: dpa/Stache)
Video: Brandenburg Aktuell | 14.07.2020 | Anja Meyer | Bild: dpa/Stache

Wohnungsunternehmen in Brandenburg - Wohnungs-Leerstand fernab von Berlin nimmt weiter zu

Es ist ein Trend, der schon seit Jahren anhält und sich zunehmend verschärft: Während in Berlin und im Umland Wohnraum knapp und Mieten hoch sind, gilt für die Brandenburger Peripherie das Gegenteil. Das zeigen aktuelle Zahlen von Wohnungsunternehmen.

Der Leerstand in einigen Regionen fernab von Berlin bereitet Wohnungsunternehmen Sorge. Während im Berliner Umland der Leerstand 2019 bei 2,3 Prozent lag, betrug er im weiteren Metropolenraum 10,4 Prozent und war damit fast fünfmal so hoch, wie aus dem Jahresbericht des Verbands Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) hervorgeht, der am Dienstag in Potsdam vorgestellt wurde.

"Die Brandenburger Wohnungspolitik muss Antworten auf diese sehr unterschiedlichen Entwicklungen und Herausforderungen geben, damit keine Region zurückbleibt", so BBU-Vorstand Maren Kern. In vielen Städten in Regionen fern von Berlin stehe mehr als jede fünfte, in einigen sogar mehr als jede dritte Wohnung dauerhaft leer. Hier müsse gemeinsam mit dem Land und anderen Akteuren dringend gegengesteuert werden, so Kern.

In Wittenberge steht mehr als jede fünfte Wohnung leer

2019 stieg der Leerstand im nordwestlich gelegenen Landkreis Prignitz im Vergleich zu 2018 um 0,8 Prozentpunkte und damit auf 18,8 Prozent an. In Wittenberge, rund 160 Kilometer nordwestlich von Berlin, herrscht demnach eine Leerstandsquote von 21,9 Prozent. Auch in den Kreisen Elbe-Elster (12,6 Prozent), Oberspreewald-Lausitz (13,4 Prozent) und Ostprignitz-Ruppin (7,7 Prozent) gab es mehr leere Wohnungen als im Vorjahr - trotz eines kontinuierlichen Abrisses, hieß es. Zum Vergleich: In Berlin betrug der Leerstand nach BBU-Angaben 1,6 Prozent.

Die durchschnittliche Monatsmiete lag laut dem Bericht inklusive der Betriebskosten bei 7,63 Euro, damit stieg sie im Vergleich zum Vorjahr um 0,13 Euro. 2015 mussten Mieter noch durchschnittlich 7,22 Euro zahlen, 0,41 Euro weniger als 2019. Der Verband bezeichnete die Kosten als stabil.

Ein genauer Blick auf die Mietpreise zeigt aber auch: Die Schere zwischen Berlin-nah und Berlin-fern geht weit auseinander. Besonders günstig wohnt es sich laut BBU in abgelegenen Regionen des Landes: Im Verhältnis zum Mittelwert des Berliner Mietspiegels von 6,72 Euro pro Quadratmeter zahlten Mieter hier rund 27 Prozent weniger.

So viele neue Wohnungen wie nie seit 1990

Laut dem Bericht investierten die BBU-Mitgliedsunternehmen 2019 mit 594 Millionen Euro mehr als jeweils in den rund zehn Jahren zuvor. Für dieses Jahr hat der Verband 805 Millionen Euro vorgesehen (plus 35,4 Prozent) - allerdings sind die Planungen vor der Corona-Zeit gemacht worden, "so dass unklar ist, inwieweit sie angesichts der pandemiebedingten Einschränkungen in vollem Umfang umgesetzt werden können", wie es hieß.

2019 konnten den Angaben nach 1.106 Wohnungen fertiggestellt werden, der höchste Stand seit 1999. Für 2020 seien 1.648 und von 2021 bis 2024 insgesamt 4.517 Neubauten geplant. Die Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg begrüßte die steigenden Investitionen. "In diesen Zeiten ist das ein wichtiges Signal für die konjunkturelle Entwicklung in Brandenburg", so Hauptgeschäftsführerin Manja Schreiner. Wichtig sei nun, dass die Politik verstärkt in die Infrastruktur auch im metropolfernen Raum investiere, so beim flächendeckenden Breitbandausbau und dem öffentlichen Nahverkehr auf den Schienen.

Im BBU sind rund 350 Wohnungsbaugesellschaften in Berlin und Brandenburg vereint. Nach eigenen Angaben bewirtschaften sie fast 50 Prozent aller Mietwohnungen in Brandenburg und etwa 43 Prozent der Mietwohnungen in Berlin.

Sendung: Brandenburg aktuell, 14.07.2020, 19:30 Uhr

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39 Kommentare

  1. 39.

    Job wechseln? Nein, eher nicht. Habe einen sehr gut bezahlten Job in einer großen internationalen Firma mit vielen Extras - da zu wechseln wäre nicht sehr klug. Mit bequem hat das also nichts zu tun. Gut, nun beklage ich mich allerdings auch nicht über die Miete - meine ist noch in Ordnung mitten in der Stadt, zentral angebunden (da ich kein Auto habe) und für mich bezahlbar.
    Würdest du 160 km oneway 2-mal am Tag fahren? Das kann ich mir nicht vorstellen. Ist einfach nicht wirtschaftlich - weder finanziell noch würde ich soviel meiner Zeit verschwenden wollen.

  2. 38.

    1. Job wechseln? 2. Wenn man zu bequem ist, sollte man sich nicht über zu wenig Wohnungen und zu hohe Mieten aufregen !
    In Berlin geht es den meisten einfach viel zu gut.

  3. 37.

    Ja, das war auch mein erster Gedanke. Nach Brandenburg ziehen - 160 km von Berlin entfernt - hm, schwierig, wenn man in Berlin arbeitet. An sich finde ich den Gedanken, im Umland zu wohnen, auch schön. Jedoch 160 km von der Arbeitsstelle kommt für mich nicht in Frage. Wenn der Fernverkehr besser ausgebaut wäre mit Hochgeschwindigkeitszug oder zumindest Regionalbahnen, die zügig nach Berlin führen, wäre das sicher eine Alternative. Aber so? Ich mag doch nicht einen Fahrtweg von 160 km jeden Tag hin und zurück in Kauf nehmen. Und das ist doch sicherlich das Problem für Orte, die einfach zu weit weg von Berlin sind. Und in den Orten selbst (oder in der Umgebung) wird es nicht genügend Arbeitsplätze geben, oder?

  4. 36.

    Und was ist daran jetzt nun überraschend? Und welche Erkenntnis zieht man daraus, will man nicht schlicht subjektivistisch so tun, als seien die Menschen sozusagen frei in der Entscheidung aufs Land zu ziehen..."weil da doch wohnen billiger ist"?
    Also: Klar - gibt schöne Ecken zum Leben und zum wohnen. Vielorts muss man freilich erst allerlei Rechtsradikales auf seinen Platz verweisen. Wer möchte schon solche Nachbarschaft.
    Aber wo ist der Arbeitsplatz. Die digitale Infrastruktur. Der ÖPNV?
    Oder ist das sone Idee von Leuten die sich vorstellen, man habe irgendwo geerbt, müsse gar nicht arbeiten, brauche keine Arbeitsstelle? Alles irgendwie sone weltanschaulich-moralisch-abgekoppelte "Privat"entscheidung?

  5. 35.

    Wir sind schon vor Jahren in den Speckgürtel von Berlin gezogen. Berlin ist nicht mehr schön....nur noch dreckig.
    Allerdings muss ich auchcssgen, das im Speckgürtel nicht mehr alles schön ist.
    Es wird immer voller und die Menschen immer aggressiver.
    Der Öpv ist urchtbar, deswegen haben die meisten Familien 2 Autos. Kitas und Schulplätze sind rar.
    Restaurants sind hier sehr teuer oder fehlen komplett.
    Von Ärzten spreche ich lieber erst gar nicht

    Ich würde jetzt nich weiter rausziehen, wenn die Infrastruktur passen würde

  6. 32.

    Also ich finde z.B. den Oderbruch nicht schlecht auch Frankfurt Oder ist eine schöne Ecke ! Lieber im idyllischen Brandenburg als in Berlin !

  7. 31.

    Nun, ich nehme an, erstmal von der räumlichen Ferne und weiterhin durch zu viel Konsum und vlt. auch der Gier nach auschließlich schlechten Nachrichten, max W.

  8. 29.

    Das Titelfoto mit der abgeranzten Platte passt nicht recht zum Inhalt des Artikels. Dieses alte Bild ist in Potsdam entstanden. Draußen im Ländle findet man solche Plattenbauten nicht. Dieses Bild suggeriert ein trübes, hoffnungsloses und verlassenes Umfeld. Das ist es draußen im Land überhaupt nicht.

  9. 27.

    Ich kann auch nicht nachvollziehen, was die Leute so dringend nach Berlin zieht : Ich kenne keinen Ort, der so verdreckt ist, wie Berlin. Die ganzen tollen Möglichkeiten, die man in der Stadt hat, brechen weg, wenn man kein Geld hat. (Das haben die vielen Familien erkannt, die raus ziehen). Wie oft wurde hier in den Foren erklärt, wie wenig Geld die Leute in Berlin doch haben - hallo, ich ziehe doch nicht an einen Ort, wo ich nichts verdiene ??? Dazu wird jeden Tag eine neue Sau durch die Stadt getrieben - Demos, Aktivisten etc.
    Ich wag mal eine kühne Prognose : Der Zuzug wird dank Corona nachlassen, weil dank Home-Office immer seltener eine Präsenz gefordert ist. Und wenn die Unternehmen anfangen, Abteilungen in kleineren Städten anzusiedeln, weil die Digitalisierung voran kommt, sparen die überzogene Gewerbemieten und die Mitarbeiter Fahrwege und Stress.

  10. 26.

    Der schnöde Mammon, die unsichtbare Hand des Marktes: Orte wo niemand Arbeitsplätze anbieten möchte, wo sich keine Ärzte niederlassen wollen, wo die Läden nach und nach dichtmachen und der Wohnungsleerstand immer größer wird. Warum sollten wir die mit Steuergeldern künstlich am Leben halten?

  11. 25.

    Naja, was nord-östlich von Berlin betrifft: Wer will schon in einer militärischen Flugzone wohnen? Mehr Information hier: https://www.freitag.de/autoren/noedr401/ed-r-401-mvpa-ne (leider nicht beim rbb)

  12. 24.

    Der Trend geht doch wieder zur Provinz. Berlin hat nicht mehr viel zu bieten außer Gängelei, Kontrollen und Bußgelder.
    In vielen kleinen Orten in Polen fahren auch am Wochenende günstige Busse und Verkaufshops sind vor Ort. Das müsste auch hier steuerlich attraktiv gemacht werden.

  13. 23.

    Meine Worte! Sie bringen es auf den Punkt. Heute bin ich um 19:30 in Elsterwerda umgestiegen.

    Da hatte ich noch etwas Zeit. Das Bild war für mich persönlich erschreckend: ein ordentlicher Eisenbahnknotenpunkt und trotzdem eine menschenleere Stadt! Und das um diese Uhrzeit. Man kann aus dem Bahnhof in 1 km Weite sehen.

    Da freue ich mich, meinen Traum erfüllen zu können und in einer lebendigen Stadt mit rund um die Uhr Erreichbarkeit leben zu dürfen.

    Andere haben andere Träume. Für die gibt es ein günstiges Leben und das Licht wird um 17 Uhr ausgemacht. Nichts für mich, aber wenn es jemandem passt, "ohne Öffentlichkeit" zu leben, gerne doch.

  14. 22.

    Halbstündiger Takt eines kostengünstigen Fernzuges mit mindestens 200km/h von Berlin Hbf nach Wittenberge und ich würde sofort wegziehen aus Berlin! Berlin taugt eigentlich nur noch zum Arbeiten aber nicht mehr zum erholenden Wohnen.

  15. 21.

    Halbstündiger Takt eines kostengünstigen Fernzuges mit mindestens 200km/h von Berlin Hbf nach Wittenberge und ich würde sofort wegziehen aus Berlin! Berlin taugt eigentlich nur noch zum Arbeiten aber nicht mehr zum erholenden Wohnen.

  16. 20.

    Glauben Sie mir, mit „entwickeln“ hat das alles überhaupt nichts zu tun. Ich lebe bereits mein ganzes Leben im Speckgürtel, bin also einer der letzten jungen „Ureinwohner“. Alles, was dort passiert, ist jeden möglichen grünen Fleck zuzupflastern. Dabei wird aber die Infrastruktur nicht mit angepasst. Folge sind nach wie vor schlechter ÖPNV, zu wenige Einkaufsmöglichkeiten, keine Kita-Plätze, zu viel Verkehr auf zu engen Straßen, keine Arbeitsplätze. Von der menschlichen Seite, von der immer weniger übrig bleibt, und der Natur möchte ich dabei noch nicht mal reden. Die Folge sind Schlaf-Gemeinden mit zu vielen Menschen. Einzig die Mieten und Grundstückspreise entwickeln sich nach oben

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