Rinder im Tiertransporter (Quelle: dpa/Ulrich Perrey)
Audio: Radioeins | 25.07.2020 | Britta Streiter | Bild: dpa/Ulrich Perrey

Nach rbb-Recherchen über Missstände - Brandenburg setzt umstrittene Tiertransporte vorerst aus

Mitte Juli hatte der rbb berichtet, dass drei Brandenburger Landkreise Drehscheibe für umstrittene Tiertransporte sind. Nun reagiert die Landesregierung: Die Transporte in "Tierschutz-Hochrisikoländer" werden vorerst gestoppt.

Drei Brandenburger Landkreise setzen umstrittene Transporte von Rindern in Drittstaaten vorerst aus. Das teilte das Ministerium für Verbraucherschutz am Freitag mit.

Vorausgegangen waren gemeinsame Recherchen von ARD-Mittagsmagazin, rbb24 Recherche und dem rbb-Verbrauchermagazin Super.Markt: Demnach gehören die Landkreise Teltow-Fläming, Prignitz und Oberspreewald-Lausitz zu den Hauptumschlagplätzen für Rindertransporte in sogenannte "Tierschutz-Hochrisikostaaten". Es handelt sich um Länder wie Ägypten, Libyen, Kasachstan, Turkmenistan, Irak, Iran und die Türkei. Die Bundesländer Bayern, Hessen und Schleswig-Holstein lehnen aufgrund des mangelnden Tierschutzes bei Transporten in diese Länder die Exporte grundsätzlich ab.

Nonnemacher: "Das Tierleid muss aufhören"

Wie Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher am Freitag mitteilte, sollen nun zuerst die Vorwürfe im Zusammenhang mit Missständen bei den Transporten geklärt werden. "Wir werden diese Missstände nicht hinnehmen", sagte Nonnemacher. "Das Tierleid müssen wir endlich beenden. Transporteure müssen das Tierwohl bei Transporten nachweislich sicherstellen. Ansonsten sind keine Tiertransporte möglich." Tiertransporte könnten nur durchgeführt werden, wenn sie unbedingt erforderlich seien und nach Vorgaben des Tiertransportrechts erfolgten, so die Grünen-Politikerin.

Bund soll Gesetze verschärfen

Die Ministerin kündigte zudem an, dass die Anforderung an die Abfertigung von langen, grenzüberschreitenden Tiertransporten verschärft würden. "Wir werden die Anforderungen an die Plausibilitätsprüfung bei der Abfertigung von Tiertransporten unter den uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten weiter erhöhen", so Nonnemacher. Allerdings fehle Brandenburg dafür die gesetzgeberische Kompetenz. Man habe daher mit anderen Bundesländern die Bundesregierung aufgefordert, die Tiertransportverordnung zu überarbeiten und eine unabhängige Zertifizierung der Transporte auch in den Drittstaaten durchzusetzen. Zudem müsse die Versorgung der Tiere in Drittstaaten, auch außerhalb der EU, verbessert werden.

Sendung: Brandenburg aktuell, 24.07.2020, 19:30 Uhr

29 Kommentare

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  1. 29.

    Die Leute wollen aber auch Produkte aus der Region.... Was spricht gegen Gewerbebetriebe vor Ort? Ihre persönlichen Essensgewohnheiten spielen keine Rolle, aber achten Sie bitte auf den Vitamin B Haushalt, speziell B 12.

  2. 28.

    Zur Rinderzucht zB, oder weil dort andere Vorschriften bezüglich des Schlachtens bestehen. Und? Nun?

  3. 27.

    Zitat: 'Viele wissen aber vermutlich nicht, wie es dort weiter geht ....' Da möchte ich Sie auf https://www.ardmediathek.de/daserste/video/reportage-und-dokumentation/tiertransporte-gnadenlos-ab-12-jahren-viehhandel-ohne-grenzen/das-erste/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL3JlcG9ydGFnZSBfIGRva3VtZW50YXRpb24gaW0gZXJzdGVuLzI3ZmY2MGZjLTdlNjItNGViMy1iZDQzLTU1MjlhMWY2OGQyNQ/ hinweisen. Da war die ARD recht offen, leider nicht ganz.

  4. 26.

    Darüber macht man/frau sich schon Gedanken, auch wenn man es hier nicht gleich schreibt. Viele wissen aber vermutlich nicht, wie es dort weiter geht .... da ist dieser furchtbare Transport " nur ein Spaziergang ". Dieser Export gehört gestoppt, keine Frage!!!

  5. 25.

    Ihr Vergleich hinkt gewaltig. Eine derartige Massentieranlage beschäftigt geradezu wieviele Personen 3-5? Sicherlich unter 10. Hinzukommt, dass die 500 Einwohner, sehr zurecht übrigens, ein Anrecht auf Mitbestimmung haben, ob sie solch eine Anlage in ihrer Nähe wünschen. Zudem finde ich es ebenso fragwürdig, weshalb nun unbedingt in Brandenburg noch so eine Qualzuchtanlage entstehen sollte. Denn nichts weiter sind solche Anlagen. Im übrigen esse ich schon grundsätzlich kein Geflügel mehr, wenn ich nicht weiß, woher es stammt. Geht mir mit Schwein und Rind ebenso. Ich denke mal, da gehöre ich zu den Personen, die in der neu erhobenen Stastik in unserer Republik immer mehr auf Fleischkonsum verzichten.

  6. 24.

    Komisch keiner und niemand macht sich hier die Gedanken 'warum' die Rinder, Schafe und Ziegen unbedingt lebend in jene Länder - egal wie - ankommen müssen? Welches Leid diese Tiere dort dann dazu auch zusätzlich ertragen müssen. Nichts ...!

  7. 23.

    Ja, und nun? Anwohner sind oftmals „Dagegen“. Siehe Tesla, Google usw. Selbst gegen Windräder. Menschen haben Angst vor Veränderungen.

  8. 22.

    Nur mal so angemerkt: Im 500 Seelendorf“ Reitwein“ hat der Landkreis die Genehmigung erteilt für einen großen Mastbetrieb für 15.000 Puten. Die Anwohner sind empört und wollen das verhindern. Bin sehr gespannt, ob meine Mitteilung hier auch so weitergegeben wird.

  9. 21.

    Mitleid alleine reicht nicht aus. Und doch können gerade wir als Verbraucher sehr viel mehr tun um der Fleischindustrie den Spiegel vorzuhalten. Besonders was die Billigfleisch Produktion betrifft. Das besonders perfide daran ist ja, nur 30% davon bleiben in Deutschland. Der Rest wird exportiert.

  10. 20.

    Meine Güte. Wird man ja wohl alles regeln können. Deswegen min alles aussetzen ist wieder typischer Aktionismus.

  11. 19.

    @Markus2, es geht mir genau so. Habe vor einiger Zeit im Fernsehen gesehen, wie Jungbullen gehalten werden ... zum Weinen ist das.
    Seid dem gibt's kein Jungbullensteak mehr auf unserem Teller, und generell viel weniger Fleisch als früher. Dieses Tierleid muss endlich ein Ende haben. Wir KUNDEN haben es in der Hand wenigstens ein bisschen zu helfen.

  12. 18.

    Sehe das auch wie viele hier und denke es wird sich langfristig - ähm - nix ändern. Abwarten und hoffen, daß die Menschen schnell wieder woanders hin gucken. Nur als Angler weiß ich, dass ich Tiere nicht aus spaß fangen darf, ihnen unnützes Leid zufügen darf. Da stellt sich mir dann schon die Frage, wir Menschen Fliegen 1000de Kilometer, was schnell geht. Die Tiere müssen die selbe Strecke in nem lauten und dreckigen Anhänger verbringen meist ohne Verpflegung oder Wasser. Wie krank der Mensch doch ist. Einzige Lösung wäre hier aufziehen und auch hier schlachten. Und erst dann verschicken! Nur so leiden die Tiere weniger.

  13. 17.

    Das wissen Sie doch gar nicht. Hier haben Journalisten einen sehr heftigen Stich in die Fleischindustrie gestoßen und das zurecht. Jetzt wird darüber endlich mal in der Politik( leider viel zu spät ) auch laut darüber debattiert, das es auf keinen Fall so weitergehen darf und soll. Ich hoffe es ist erst der Anfang, dem qualvollem Leiden der Nutztiere in der Massentierhaltung Einhalt zu gebieten. Und das per Gesetz.

  14. 16.

    Die Zustände wurden nicht erst jetzt durch die Journalisten/Medien bekannt!
    Schon seit "ewigen"Zeiten haben Tierschützer Hinweise und Informationen wie Bilder und Videos u.a. in den soz.Netzwerken veröffentlicht. Nur wurde nie was wirklich gemacht. Warum jetzt so eine Aufregung? Saure Gurkenzeit etwa! Beim nächsten Grillabend ist wieder alles vergessen und eine neue Schlagzeile macht die Runde.

  15. 15.

    Also sind Sie dafür, dass die Tiere auf die lange Reise geschickt werden.

  16. 14.

    Genau dieses Problem sehe ich auch. Sobald das Thema aus den Medien verschwunden ist, werden wieder einige AmtsTierärzte diese perversen Transporte genehmigen. Es geht einfach nur um sehr viel Geld, nicht ums Tierwohl.

  17. 13.

    Schon mal daran gedacht, dass die Landwirte wirtschaftlich überleben müssen. Also eine gewisse Anzahl an Tieren muss schon sein, und verkauft werden müssen die auch. Das spricht sie natürlich nicht frei von aetgerechter Haltung und Transport.

  18. 12.

    In dem Artikel steht nur, dass die Tiertransporte ausgesetzt werden. Nicht generell verboten. Wahrscheinlich nur so lange bis Gras über die Sache gewachsen ist. Der Profit ist einfach zu groß, so das auch weiterhin ein Auge zugedrückt wird.

  19. 11.

    Gut gemacht, RBB @ ARD, das ist, wofür Journalismus da ist - Missstände der Öffentlichkeit aufzeigen und dadurch Änderungen bewirken!
    Traurig, dass es für viele Themen erst solchen Journalismus braucht, damit absolut falsche Dinge gestoppt werden.

  20. 10.

    Das die Tiere nicht tausende Kilometer umher gekarrt werden, sollte strengstens verboten werden.

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