Eine Flugbegleiterin demonstriert, Archivbild (Quelle: DPA/Peter Steffen)
Video: Abendschau | 02.07.2020 | Christian Titze | Bild: DPA/Peter Steffen

Verdi, Cockpit und Ufo - Hunderte Piloten und Flugbegleiter protestieren in Berlin

Hunderte Piloten und Flugbegleiter haben in Berlin mit Protestaktionen für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze protestiert. "Angst, Unruhe und Empörung machen sich breit, weil Unternehmen, denen staatliche Hilfen in Milliardenhöhe gewährt werden, im selben Atemzug Beschäftigungsabbau und Gehaltskürzungen ankündigen", teilte die stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft, Christine Behle, am Donnerstag mit. Zuvor hatten Dutzende Personalvertreter zahlreicher Fluggesellschaften ihre Forderungen vor dem Reichstagsgebäude an Bundestagsabgeordnete übergeben.

Am Nachmittag zogen dann nach einem Aufruf der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) sowie der Unabhängigen Flugbegleiter Organisation (UFO) Hunderte Beschäftigte vor das Bundeskanzleramt. Unter dem Motto "Ihr fliegt in den Urlaub - Wir fliegen raus" kritisierten sie die umfangreichen Finanzhilfen der Bundesregierung unter anderem für die Lufthansa. "Lufthansa und TUI haben Milliarden an Staatshilfen erhalten. Trotzdem müssen die Beschäftigten von LGW, Sunexpress, Germanwings und TUIfly um ihre Zukunft bangen", hieß es in einer Mitteilung zum Demo-Aufruf.

Easyjet will Flugzeugflotte in Tegel und Schönefeld halbieren

Auch Beschäftigte der Fluggesellschaft Easyjet, dem größten Anbieter an den Berliner Flughäfen, beteiligten sich an den Aktionen. Am Mittwoch war bekannt geworden, dass das britische Unternehmen seine Präsenz in Berlin, dem größten Standort außerhalb Großbritanniens, deutlich reduzieren will.

Das Unternehmen habe Gespräche mit der zuständigen Personalvertretung "zur Verringerung der Zahl der in Berlin stationierten Flugzeuge und Mitarbeiter" aufgenommen, teilte ein Sprecher am Mittwoch auf Anfrage mit. Berlin soll aber weiterhin die größte Basis außerhalb des Heimatlandes bleiben. Erst am Mittwoch hatte das Unternehmen nach mehrmonatiger Zwangspause den Flugbetrieb in der Hauptstadt in begrenztem Umfang wieder aufgenommen.Die Gewerkschaft Verdi bestätigte die Gespräche. Intern habe Easyjet angekündigt, 16 der 34 in Berlin stationierten Flugzeuge abziehen zu wollen.

Easyjet hatte Ende Mai mitgeteilt, wegen der Coronavirus-Pandemie bis zu 4.500 der insgesamt 15.000 Arbeitsplätze weltweit zu streichen. Auch die Standorte London Stansted, London Southend und Newcastle sollen wegfallen. Anfliegen will Easyjet die drei Flughäfen aber weiterhin.

Von Schließungsplänen betroffen sind die Beschäftigten der Lufthansa-Beteiligungen Germanwings und Sunexpress Deutschland, der LGW und der Tuifly.

Unverständnis bei Verdi wegen Kürzungsplänen

Verdi sprach am Mittwoch von einem "schwarzen Tag" für den Berliner Luftverkehr. "Diese Entscheidung ist für uns nicht nachvollziehbar und auch nicht mit den Pandemie-Folgen zu erklären", teilte Verdi-Luftfahrsekretär Holger Rößler mit. "Easyjet hat damit geworben, ein sozial verantwortlicher Arbeitgeber zu sein. Jetzt werden wir das Unternehmen an den eigenen Ansprüchen messen und erwarten, dass die Kürzungspläne überdacht werden. Wir werden um die Arbeitsplätze in Berlin kämpfen", so Rößler weiter.

Die Gewerkschaft fordert, dass sich die Länder Berlin und Brandenburg an Hilfszahlungen für Easyjet beteiligen, ähnlich wie bei der Lufthansa-Rettung. Zumindest das brandenburgische Wirtschaftsministerium lehnte dies ab. "Wir haben hier ein Problem", sagte Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) am Mittwoch dem rbb. "Easyjet ist eine englische Fluggesellschaft, wo auch alle finanziellen Abwicklungen über England gehen. Das heißt, Programme, wie man sie für Lufthansa und andere gemacht hat, kommen von deutscher Seite nicht infrage."

Sendung: Fritz, 02.07.2020, 5.30 Uhr

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13 Kommentare

  1. 13.

    Jedes Flugzeug das nicht fliegt, schont die Umwelt. Das Personal / auch mit nichtdeutschen Arbeitspapieren, muss schnellstmöglich Arbeitslosengeld erhalten und umgeschult werden. - Die stillgelegten Flugzeuge gehören demontiert und soweit sinnvoll Ersatzteile eingelagert. Kein Flugzeug, kein Personal, kein Schaden für die Umwelt.

  2. 11.

    " kooperativer mit den Unternehmen..." ? Wir leben im Kapitalismus, da ist bei aller Beschönigung und Verschleierung noch immer Ausbeutung angesagt! Und man sollte also Ihrer Meinung nach mit den Ausbeutern kooperieren? Nö! Wozu ? Mit dem fadenscheinigen Argument, dass die uns ja die Arbeitsplätze geben? Pfui !

  3. 10.

    Das ist ja an Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten.
    Hier geht es um Menschen, die sich unverschuldet Sorgen um Ihre Existenz machen müssen, die teilweise jahrzehntelang gearbeitet (und Steuern gezahlt) haben und deren Branche überdurchschnittlich stark durch Corona betroffen ist. Sie wollen hier doch keinen ärgern, sondern demonstrieren für den Erhalt Ihrer Jobs!
    Die Beeinträchtigungen durch den Stau waren da vermutlich im Vergleich ganz gut zu verschmerzen...

  4. 9.

    Erst demonstrieren sie wegen Milliarden-Subvention weil ihnen gesagt wurde somit wären ihr Arbeitsplätze sicher. Und jetzt wird ihnen hoffentlich klar, daß sie damals doch nur für die Aktionäre auf die Straße gingen. Dafür werden sie nun doppelt zahlen, einmal mit den Verlust von tausende Arbeitsplätze und später für die leeren Kassen des Staates.

  5. 8.

    Danke für den Stau.

  6. 7.

    Und was ist nach Einführung des Mindestlohns und anderer Wohltaten passiert?
    Unzählige Arbeitsplätze in der Produktion sowie im entsprechenden Umfeld sind in Deutschland verloren gegangen und die Werke wurden ins Ausland verlagert.
    Sie erinnern sich an Firmen wie Nokia in Bochum oder nahezu die komplette Textilindustrie. Von den vielen Jobs in der Automobil-Zulieferindustrie ganz zu schweigen - Fahrzeugteile kommen heute fast nur noch aus China.
    Mit der nächsten Anhebung des Mindestlohns werden weitere Firmen die Produktion ins Ausland verlagern. Ich arbeite in einem Unternehmen in dem die fertigen Planungen bereits in der Schublade liegen!

  7. 6.

    immer sind die Gewerkschaften schuld. Ohne Sie würden Sie noch nicht einmal Mindestlohn bekommen geschweige Tariflohn oder 39 Stundenwoche. Nicht vergessen das die Arbeitnehmer meistens davon profitieren was jeweils ausgehandelt wird. Gewerkschaften können auch angepasst verhandeln wie gerade bei uns. Im neuen Tarifvertrag wurde mehr auf die Sicherheit der Arbeitsplätze geachtet als auf Lohnsteigerungen. Da haben wir für dieses Jahr 0,0% was auch vernünftig ist. Hier bei den Demos geht es nicht um Lohnsteigerungen sondern um Erhalt der Arbeitsplätze. Der Staat hat genug Rahmenbedingungen geschaffen um Arbeitsplätze in der Krise zu erhalten. Bei diesen Demos wird also nur Druck ausgeübt auf die Arbeitgeber diese auch anzuwenden mehr nicht. Also bitte nicht immer so polemisch kommentieren. Danke !

  8. 5.

    Ich verstehe nicht warum die streiken, wenn kein Geld da ist, dann kann auch leiber bezahlt werden. Das ist Mist keine Frage, auch ich bange um meinen Job.

    Schuld daran sind aus meiner Sicht auch die Gewerkschaften...sie wollten immer mehr und mehr und mehr....irgendwann geht es eben nicht mehr

  9. 4.

    Statt Rettungsgeld für eine untergehende Spezies rauszuballern: Steckt das Geld in die Bahn und beschäftigt die Leute dort!!

  10. 3.

    Erst treiben die Gewerkschaften mit unsäglichen Streiks die Kosten nach oben und wundern sich nun das die Unternehmen keine andere Wahl mehr haben als Mitarbeiter zu kündigen.
    Vielleicht sollten es Verdi, UFO und Co. zukünftig mal ohne Streiks versuchen und kooperativer mit den Unternehmen zusammenarbeiten.

  11. 2.

    Danke für Ihren Hinweis! Es gibt heute mehrere Protestaktionen unter ähnlichen Mottos. Inzwischen hat der Artikel ein Update - da steht alles jetzt genauer.

  12. 1.

    Sie haben einen Fehler im Artikel. Zu dieser Demo haben VC und UFO aufgerufen und nicht die ver.di!
    Bitte auch auf der VC Homepage checken!

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