Ein Mitarbeiter des kanadischen Schienenfahrzeugherstellers Bombardier steht in einer Werkhalle (Bild: dpa)
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Zukauf der Bombardier-Zugsparte - EU-Wettbewerbshüter billigen von Alstom geplante Bahnfusion

Der französische Konzern Alstom darf die Bahnsparte des kanadischen Unternehmens Bombardier übernehmen - unter der Auflage, dass Fertigungsanlagen der Bombardier-Produktion in Hennigsdorf verkauft werden. Wirtschaftsminister Steinbach begrüßt den Deal.

Der französische Bahntechnik-Konzern Alstom hat von den EU-Wettbewerbshütern die Erlaubnis zur Übernahme der Zugsparte des kanadischen Unternehmens Bombardier erhalten. Eine Auflage ist aber, dass Alstom eingegangene Verpflichtungen uneingeschränkt erfüllt, wie die Europäische Kommission am Freitag mitteilte.

Betroffen sind auch Tausende Beschäftigte in Deutschland. Um Bedenken der EU-Kommission gegen die Übernahme auszuräumen, hatten Alstom und Bombardier vor drei Wochen angekündigt, Bombardier-Produktionsanlagen am Standort Hennigsdorf (Oberhavel) bei Berlin zu verkaufen. Dabei geht es nach Unternehmensangaben um Fertigungsanlagen für den Zug Talent 3.
Zudem will Bombardier Transportation unter anderem seinen Projektanteil an der Kooperation für den Hochgeschwindigkeitszug V300Zefiro abgeben.

Befürchtung, dass Arbeitsplätze gefährdet sind

Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) sieht bei einem Verkauf der Bombardier-Zugsparte eine gute Perspektive für das Werk in Hennigsdorf. Damit könne der Standort langfristig gesichert werden, sagte Steinbach am Freitag. Die Landesregierung habe klare Zusagen von Alstom, dass zusätzliche Produktionskapazität benötigt werde. Damit werde auch ein Großteil der Arbeitsplätze erhalten.

Gewerkschaften hatten zuletzt befürchtet, dass Bombardier- und Alstom-Standorte wegen der Übernahme in Gefahr sein können.

Alstom und Bombardier gehören zu den Weltmarktführern im Schienenverkehr. Alstom ist vor allem durch den Bau der TGV-Hochgeschwindigkeitszüge bekannt, stellt aber auch Schienenfahrzeuge für den Nah- und Regionalverkehr sowie Signaltechnik und andere Bahntechnik her. Das größte Werk ist in Deutschland.

Bombardier Transportation mit Sitz in Berlin ist die Zugsparte des kanadischen Bombardier-Konzerns, der auch Flugzeuge baut. Weltweit arbeiten in der Sparte rund 36.000 Beschäftigte, in Deutschland nach Gewerkschaftsangaben 6.100 Stammbeschäftigte und 1.000 Leiharbeiter. Die größten deutschen Standorte liegen in Görlitz und Bautzen in Sachsen sowie Hennigsdorf bei Berlin.

Brisanter Deal

Brisant ist der Deal, weil Alstom im vergangenen Jahr wegen Bedenken der EU-Wettbewerbshüter mit dem Versuch gescheitert war, mit der Zugsparte von Siemens zu fusionieren. Damals hatten sich sowohl die Bundesregierung als auch die französische Regierung enttäuscht über die Entscheidung der EU-Kommission gezeigt.

Jetzt hieß es aus Berlin nur: "Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie nimmt die heutige Entscheidung der Europäischen Kommission zur Kenntnis. Die Zuständigkeit für die wettbewerbsrechtliche Prüfung des Zusammenschlusses lag allein bei der Europäischen Kommission."

Frankreich setzte sich für die Fusion ein

Zuletzt hatte Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire politischen Druck aufgebaut und davor gewarnt, auch das Geschäft mit Bombardier zu verhindern. Er argumentierte, dass der Aufbau europäischer Spitzenreiter ermöglicht werden müsse, um international wettbewerbsfähig zu bleiben.

Der Alstom-Konzern hatte das geplante Geschäft mit Bombardier im Februar angekündigt. Nach damaligen Angaben wird es die Franzosen etwa 5,8 bis 6,2 Milliarden Euro kosten. Wenn alles glatt läuft, soll das Geschäft im ersten Halbjahr 2021 abgeschlossen werden.

In einer früheren Version hieß es, dass die Produktionsanlage in Hennigsdorf verkauft würde. Tatsächlich betrifft der Verkauf nach Unternehmensangaben die Fertigungsanlagen für den Zug Talent 3. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 31.07.2020, 15:00 Uhr

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Wie hoch ist der Preisaufschlag für die Bahnen, die den Talent 3 bestellt haben und wie viel davon reichen die davon an die Aufgabenteäger weiter? Haben Sie dafür eine Quelle?

    Sie denken zudem in zu kleinen Dimensionen. Der chinesische Staat hatte nach dem Technologoeteasfer der westlichen Bahnundustrie den weltgrößten Bahnhersteller geschaffen und ist nicht nur außerhalb der EU eine ernstzunehmende Konkurrenz geworden. Eine tschechische hat bei denen bereits bestellt und in D. haben die einen Lokomotivhersteller übernommen.

  2. 2.

    So hintertreibt der EU-Wettbewerbshüter also europaweite Ausschreibungen. - Und die Industrie reibt sich vor Schadenfreude die Hände. - Wir haben den Zuschlag zu billig nehmen müssen, lass uns fusionieren. Dann geben wir Werke an die Konkurenz. Die bauen dann, die Züge mit saftigem Preisaufschlag. - Ist ja wirtschaftlich notwendig. Schließlich will der Auftraggeber seine Fahrgäste nicht verärgern. - Wer bezahlt ? Der Auftraggeber, Bund, Land, Stadt, Verkehrsunternehmen, Fahrgast, Steuerzahler. Keine Angst, so schlimm wird es nicht kommen. - Es zahlt IMMER nur der Steuerzahler. Vorher, dabei, dafür, währenddessen, nachher und später :- ))

  3. 1.

    Soll jetzt doch der komplette Standort Hennigsdorf abgegeben werden? Vor drei hieß es noch, dass das nur die Produktion des Talent 3 betreffen solle.
    Vergl. https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag/2020/07/bombardier-hennigsdorf-verkauf-produktion-talent-3.html
    Gebaut wird dort aber auch z.B. die BR 490 für die Hamburger S-Bahn.

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