Die Potsdamer Karstadt-Filiale in der Brandenburger Straße (Quelle: DPA/Soeren Stache)
Video: Brandenburg Aktuell | 03.07.2020 | Annette Dornieden | Bild: DPA/Soeren Stache

Einigung mit Vermieter - Karstadt-Kaufhaus in Potsdam bleibt bestehen

Der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof wird weniger Häuser schließen, als zunächst angekündigt. An einigen Standorten gab es offenbar Zugeständnisse der Vermieter. Auch bei Karstadt in Potsdam können die Beschäftigten aufatmen.

Deutschlands letzter großer Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) will nach Zugeständnissen der Vermieter sechs Filialen weniger schließen als ursprünglich geplant. Das teilte der Vorsitzende der Geschäftsführung Miguel Müllenbach am Freitag in einem Mitarbeiterbrief mit. Das Karstadt-Kaufhaus in der Potsdamer Innenstadt soll demnach bestehen bleiben.

Auch die Karstadt-Warenhäuser Dortmund, Goslar und Nürnberg Lorenzkirche würden weiter bestehen, heißt es. Darüber hinaus gebe es Zukunftsperspektiven für die Filialen von Galeria Kaufhof in Chemnitz und Leverkusen. Insgesamt können dadurch rund 750 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz behalten.

Oberbürgermeister Schubert erleichtert

In schwierigen Verhandlungen sei es gelungen, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen so anzupassen, dass die Filialen fortgeführt werden könnten, sagte der Manager, der selbst das Verhandlungsteam führte. Für die übrigen 56 Warenhäuser auf der Schließungsliste gebe es angesichts hoher Mieten und soziodemographischer Standortnachteile allerdings weiterhin "keine wirtschaftliche Fortführungsperspektive".

Im Potsdamer Rathaus sorgte die Nachricht für Freude. "Das ist eine gute Nachricht für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und den gesamten Einzelhandel in der Potsdamer Innenstadt", teilte Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) mit. Die Entscheidung unterstreiche die Attraktivität des Standorts, so Schubert. "Die Brandenburger Straße ist die stärkste Einkaufsstraße Brandenburgs und das Warenhaus im Stadtpalais ein wichtiger Frequenzbringer."

Keine Informationen zu Berliner Filialen

Bei den sechs Warenhäusern in Berlin, die Galeria Karstadt Kaufhof schließen will, konnte bisher offenbar keine Einigung mit den Vermietern gefunden werden. Folgende Standorte sollen geschlossen werden:

- in der Wilmersdorfer Straße in Berlin-Charlottenburg

- am Tempelhofer Damm in Berlin-Tempelhof

- in der Müllerstraße in Berlin-Wedding

- im Berliner Ringcenter an der Frankfurter Allee

- im Linden Center in Berlin-Hohenschönhausen

- in den Gropius-Passagen in Neukölln

Außerdem ist das Karstadt Sport am Kranzler Eck unweit des Bahnhofs Zoo von der Schließung betroffen.

Die Gewerkschaft Verdi hatte am Freitag zu einer Protestaktion vor der Karstadt-Filiale in Tempelhof aufgerufen, um gegen die Schließung zu demonstrieren. Laut eigenen Angaben haben sich daran 400 Menschen beteiligt. In der kommenden Woche sind weitere Aktionen geplant: am Donnerstag soll vor der Gropiuspassage in Neukölln demonstriert werden, am Freitag vor dem Karstadt Sport in der City West.

Bundesweit werden Dutzende Warenhäuser geschlossen

Erst vor zwei Wochen hatte der Handelsriese die Schließung von insgesamt 62 Filialen in 47 Städten angekündigt. Der GKK-Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz betonte zu diesem Zeitpunkt: "Dieser Schritt ist ohne Alternative, weil diese Filialen den Gesamtbestand des Unternehmens gefährden." Wenig später wurde bekannt, dass der Konzern auch 20 von 30 Niederlassungen der Tochter Karstadt Sports und bis zu 24 Filialen von Karstadt Feinkost schließen will.

In den betroffenen Kommunen lösten die Ankündigungen in vielen Fällen Sorge vor einer Verödung der Innenstädte aus. Der Vizepräsident des Deutschen Städtetages, Markus Lewe, sagte: "Die massenhaften Schließungen von Filialen bei Karstadt Kaufhof sind für die betroffenen Städte ein tiefer Einschnitt. Mit diesen Kaufhäusern geht ein Ort der Versorgung und Begegnung verloren."

Galeria Karstadt Kaufhof war auch durch die pandemiebedingte Schließung aller Filialen in eine schwere Krise geraten und hatte Anfang April Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen müssen. Der Konzern rechnet durch die Pandemie und den durch sie ausgelösten Konjunkturabschwung bis Ende 2022 mit Umsatzeinbußen von bis zu 1,4 Milliarden Euro.

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17 Kommentare

  1. 17.

    Überheblicher Unsinn was Sie da schreiben "offenbar etwas "verklickert" werden müssen -". Inoffiziell wird gesagt wegen der Mega-Fußgängerzone wird die Innenstadt unattraktiver, da der Blödsinn mit der Mega-Fußgängerzone für eine kleine Minderheit der Grünen dennoch kommen soll, wurde eben eine recht großer Mietnachlass gegeben. Sie meinen sicher der Broadway ist eine Alibi-Fußgängerzone weil Radfahrer rücksichtslos entgegen der Gesetzeslage da durchfahren und die Fußgänger schön zur Seite springen müssen? Eine Alibi-Fußgängerzone ist was sie Stadt da plant weil die Minderheit der Radfahrer die laut fordert. Ehrlicher wäre zusagen es wird eine Radfahrer-Zone gebaut und dass die Innenstadt kaputt gemacht wird ist eben egal. Der Alte Markt am Rosa Klotz / Schloss-Attrappe war auch nicht "die Innenstadt" wie sie fälschlich behaupten. Neuer Markt und Brandenburger Straße sind dies genauso. Bonjour Tristess ist am Alten Markt am Rosa Klotz / Schloss-Attrappe entstanden.

  2. 16.

    "Die ironische Anmerkung mit Verkehrsberuhigt auch von Fußgängern haben Sie leider nicht verstanden."

    Ich denke einfach, es handelt sich hier um zwei völlig verschiedene Freiheitsverständnisse. Das eine, was kraft Masse andere an die Wand drückt, das andere, das mit der Straßenbahn, mit dem Auto, mit dem Rad oder zu Fuß seine Ziele aufsucht. Freiheit ist immer die (Gewährung der) Freiheit eines anderen. Das schließt besagtes An-die-Wand-Drücken aus.

    Lebensqualität wächst mit der Möglichkeit der natürlichsten Art der Fortbewegung und sie schwindet, wo dies nicht möglich ist. Das wissen übrigens auch die Einkaufszentren: Im Innern sind die Einkaufsmaschinerien reine Fußgängerzonen. Die werden wissen, warum.

    Wer dann denen "das Wasser reichen" will, muss schon etwas bieten. Da ist in Potsdam Ansehnliches entstanden, nach Jahrzehnten eher der Tristesse. Vor allem aber durch die Wiedergewinnung der historischen Innenstadt. Auch im Café am Alten Markt.

  3. 15.

    Die ironische Anmerkung mit Verkehrsberuhigt auch von Fußgängern haben Sie leider nicht verstanden. Käufer / Fußgänger kommen auch mit dem Auto. Weniger Autos weniger Fußgängern. Wie in der DDR möchten Sie die Leute bevormunden. Sie können gerne die Bürger weiter drangsalieren ohne Rücksicht auf die Tatschen. Einfach in das nächste Einkaufzentrum fahren oder die Entwicklung der Onlinehandel verfolgen. Alles klar eine Alibi-Fußgängerzone ist die Brandenburger Straße für Sie. Wann waren Sie nur das letzte mal da? Wie wenig die Nachtwende Entwicklung funktioniert gerne meine Worte nochmal:
    Wenn aus ideologischen Gründen die Verkehr eingeschränkt wird beschwere sich später nicht wenn die Innenstadt verkommt. Welche Einöde allein der Alte Markt am Rosa Klotz ist. Das letzte Café am Alte Markt hat geschlossen und Besucher rennen in dieser unwirklichen und zugigen Ecke nur so durch.

  4. 14.

    ich sprach von autoverkehrsberuhigt. Da gibt es einen entscheidenden Unterschied zur Verkehrsberuhigung und darin scheint die Differenz zwischen uns zu liegen.

    Verkehr findet immer statt, fragt sich nur mit welchem Verkehrsmittel bzw. auf welche Fortbewegungsart hin. Die Zeit selbstverständlichen Autofahrens unabhängig vorfindbarer Lagen ist endgültig vorbei. Die autoausgerichteten Städte gehören den 1960er und 1970er Jahren an und Menschen sind ihr massenhaft an den Stadtrand und darüberhinaus entflohen. Die Reurbanisierung der Städte ging einher mit der Tatsache, dass zu Fuß Gehende nicht mehr am Rande des Gesamtverkehrsgeschehens sind und die bloße Alibi-Fußgängerzone der Brandenburger Straße durch Ausweitung zu einem wirklichen Fußgängerbereich wird.

    Städte wie Erfurt und Freiburg sind da Musterbeispiele. Erfurt übrigens schon zu DDR-Zeiten.

  5. 13.

    Verkehrsberuhigte auch von Fußgängern. Schon heute meiden viele in die Innenstadt keine Parkplätze und idiotische Straßenführung. Bestehende Systeme zu ändern ist riskant. Wenn aus ideologischen Gründen die Verkehr eingeschränkt wird beschwere sich später nicht wenn die Innenstadt verkommt. Welche Einöde allein der Alte Markt am Rosa Klotz ist. Das letzte Café am Alte Markt hat geschlossen und Besucher rennen in dieser unwirklichen und zugigen Ecke nur so durch.

  6. 12.

    Was Potsdam angeht, so pfeifen es die Spatzen förmlich von den Dächern, da hat dem Galeria-Kaufhof-Karstadt-Management offenbar etwas "verklickert" werden müssen - nämlich dasjenige, das recht Bescheidene, was jetzt noch als Innenstadt begriffen wird, in zwei, drei Jahren grundsätzlich überholt ist. Dann, in zwei, drei Jahren, wird als Innenstadt nicht nur die 600 Meter Alibi-Fußgängerzone begriffen, vielmehr wird die Innenstadt vom Brandenburger Tor und die Brandenburger Str., über eine noch autoverkehrsberuhigtere Friedrich-Ebert-Straße bis hin zur Havel reichen. Das andere Ende ist sichtbar schon da, das Stück dazwischen ist anschaulich im Werden.





  7. 11.

    In der Tat sind Warenhäuser so etwas wie "Anker" in den Innenstädten und in diesem Fall - in anderen Fällen ja wiederum nicht - tun sich die Großen und die Kleinen gegenseitig nichts. Dies ist deshalb so, weil die Sortimentsbreite und -tiefe sehr unterschiedlich ist und beide sich da gegenseitig gut ergänzen.

    Potsdam ist in der Tat jz. lang Mitspieler bei der Kaufkraftpiraterie, sprich: der gnadenlosen Konkurrenz um Kaufkraftpotenziale auch über die Stadtgrenzen hinaus. Das Stern-Center greift bis nach Berlin-Steglitz aus und im Umkehrschluss gibt es die Konkurrenz von Dallgow-Döberitz gegenüber Berlin-Spandau und Potsdam, nur eben vom Norden her. Das Nichtbegreifenwollen der Waren mittels Internet spielt schließlich auch noch eine Rolle.

    Nun ist es doch gut geworden. So scheint es. Die Unternehmen wissen die vielfältige und nicht nur einseitige Anbindung der Warenhäuser offenbar zu schätzen. Publikum per Tram, per Auto, per Rad und zu Fuß.

  8. 10.

    Die Kaufhäuser sind doch wohl nicht von irgendeinem Investor gebaut worden, um sie dann an Warenhausbetreiber zu vermieten. Ich nehme mal an, sie sind von den Warenhausbetreibern eigens zu diesem Zweck gebaut worden. Später dann, weil es zunächst finanziell günstig war, an Immobiliengesellschaften verkauft worden und dann wurde Miete gezahlt. Danach stieg die Miete kräftig an und das sprengte die Wirtschaftlichkeit der Kaufhäuser. Zumal deren Geschäftsmodelle heute langfristig im Auslauf sind.
    Noch etwas zur Erinnerung: Kaufhäuser kamen vor etwa 100 Jahren in Mode und sie vernichteten damal die Existenz vieler Geschäftsleute, die dem Konkurrenzdruck der Großen nicht mehr standhalten konnten.

  9. 9.

    Wenn der Vermieter nein sagt oder die Verhandlungen dauern, dann kann der Senat von dem ich sicher keine Freund bin, auch nichts machen. Er kann nur andeuten sollte es Änderungen am Bau geben welche genehmigt werden müssten für Büros oder so, dass das Bauamt leider sehr überlastet ist.

    Für Potsdam sehr gut. Schade das Potsdam sehr autofeindlich geworden ist. Die Attrappen welche da gebaut wie der Rosa Klotz die Schloss-Attrappe zum Beispiel. Erst den Verkehr durch die kleine Yorkstraße mit der Kanal-Attrappe zwangen, dann weil der zu viel Verkehr hat mit 30-Zone die Leute abzocken. Aber wir können ja noch froh sein nicht mit Kutsche und Dreispitz anreisen zu müssen.

  10. 8.

    Vielleicht von Karstadt Kaufhof nur ein Trick um bei einigen Häusern die Miete zu reduzieren.

  11. 7.

    RRG, bieten Hilfe an Ha,Ha,Ha..... das habe ich letztes Jahr auch gehört und nichts passiert. In Neukölln verloren 1200 Mitarbeiter ihren Job, vobei diese Firma Milliarden Gewinne im Jahr machte. RRG sowie sie den Mund aufmachen...... kommen Lügen raus. Das ist Politik.

  12. 6.

    Cleverer Schachzug vom Konzern!
    Erst einmal die Schließung von 62 Filialen ankündigen, obwohl vielleicht "nur" 20 geschlossen werden sollen. So wird Druck auf Politik, Gewerkschaften und Vermieter ausgeübt!! Schlussendlich einigt man sich auf 30 Schließungen und alle können sich gegenseitig auf die Schulter klopfen.... Außer die Beschäftigten der betroffenen Filialen!

  13. 5.

    Herr Müller soll mal schön weiter verhandeln, bis er Ergebnisse verkündet hat sind die Läden längst zu, kein Wunder bei dieser verfehlten RRG Wirtschaftspolitik.

  14. 4.

    Und wie lange?

  15. 3.

    Das Ausatmen nicht vergessen!
    Der Senat verhandelt noch mit dem Immobilienunternehmen. Doof, oder? Wie jetzt weiter rummosern?

  16. 2.

    Direkte Hilfe hat der rote Bürgermeister Müller leider nicht angekündigt... Er wollte aber die Vermieter zu weiteren Zugeständnissen und Mietsenkungen bewegen.
    Die Besitzer der Immobilien können jedoch auch gut mit anderen Mietern, z.B. bei der Umwandlung in Büroflächen, leben und damit wahrscheinlich noch mehr einnehmen.
    Die völlig verfehlte Wirtschaftspolitik des RRG Senats zeigt wieder einmal ihre Auswirkungen. Das sieht man aktuell auch sehr gut bei dem grünen Fantasieprojekt "Sperrung der Friedrichstraße für den Autoverkehr".

  17. 1.

    Und wie steht es mit den zu schließenden Berliner Filialen, Bürgermeister Michael Müller hatte doch großkotzig angekündigt, das er auch Hilfe zugesagt hat, davon ist jetzt aber nichts mehr zu hören, andere Städte haben gehandelt, das kann man vom RRG Senat leider nicht erwarten, erst große Reden schwingen und dann bleibt nur heiße Luft übrig, typisch.

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