Die Gropius-Passagen in Berlin-Neukölln (Quelle: imago-images/Schöning)
Audio: rbb 88.8 | 09.07.2020 | David Donschen | Bild: imago-images/Schöning

Sechs Berliner Kaufhäuser vor Schließung - Karstadt-Mitarbeiter demonstrieren in Neukölln für Joberhalt

Dutzende Kaufhäuser von Galeria-Karstadt-Kaufhof sollen schließen - allein sechs davon in Berlin. Mitarbeiter haben deshalb am Donnerstag in den Neuköllner Gropius-Passagen demonstriert. Sie hoffen auf Zugeständnisse der Vermieter.

Vor den Gropius-Passagen in Berlin-Neukölln haben Karstadt-Angestellte am Donnerstag für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze demonstriert. "Heute haben wir das richtige Wetter dazu: Wir stehen im Regen", sagte einer der Mitarbeiter aus der Filiale. Zu der Protestaktion hatte die Gewerkschaft Verdi aufgerufen. Der Konzern Galeria-Karstadt-Kaufhof hatte angekündigt, bundesweit Dutzende Standorte zu schließen.

Hoffnungen setzten die Mitarbeiter auf die Gespräche des Berliner Senats mit den Vermietern. Durch eine Minderung der Miete könnten einzelne Standorte vielleicht noch gerettet werden. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und Wirtschaftssenatorin Ramona Pop hatten sich nach einem Gespräch mit den Vermietern Ende Juni vorsichtig optimistisch geäußert.

Nur wenige Häuser gehören noch dem Konzern

Viele der Kaufhaus-Immobilien waren Anfang der 2000er Jahre verkauft worden. Nur sehr wenige Häuser würden dem Warenhauskonzern noch selbst gehören, kritisierte eine Teilnehmerin der Demonstration. Sie nannte die Immobilien am Alexanderplatz, am Hermannplatz und am Kurfürstendamm - "der Rest ist angemietet".

In Berlin sind sechs der insgesamt elf Karstadt-Kaufhof-Filialen von Schließungen betroffen: neben den Gropius-Passagen die Filialen Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg, Tempelhofer Damm in Tempelhof, Müllerstraße in Wedding sowie das Ringcenter an der Frankfurter Allee (an der Grenze zwischen Friedrichshain und Lichtenberg) und das Linden-Center in Hohenschönhausen. Auch eine Berliner Filiale von Karstadt Sport soll geschlossen werden. Zudem soll die geplante Zweigstelle in Tegel nicht gebaut werden, dafür aber das Kaufhaus im 1920er-Jahre-Stil am Hermannplatz.

Naumann appelliert auch an die Kunden

Auch der Bezirksbürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf, Reinhard Naumann (SPD), äußerte im rbb-Inforadio die Hoffnung, dass noch einige Filialen gerettet werden könnten. Gefordert seien die Eigentümer und die Konzernzentrale, den Mietzins zu senken und die Vertragsdauer nachzujustieren, um so Kompromisse zu finden.

Aber auch die Verbraucher seinen gefordert, so Naumann: "Was gar nicht geht, ist sich bei einer kompetenten Verkäuferin beraten zu lassen, Dankeschön zu sagen und dann für fünf Euro weniger im Internet zu bestellen. Das macht die Struktur kaputt."

Naumann werde am Freitagmittag an einer weiteren Protestaktion vor Karstadt Sport teilnehmen, teilte das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf am Donnerstag mit. Verdi hat zu dem Protest vor dem Kaufhaus in der Joachimstaler Straße aufgerufen.

Bis zu 1,4 Milliarden Euro Verlust durch Corona-Krise

Galeria Karstadt Kaufhof war auch durch die pandemiebedingte Schließung aller Filialen in eine schwere Krise geraten und hatte Anfang April Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen müssen. Der Konzern rechnet durch Corona und den dadurch ausgelösten Konjunkturabschwung bis Ende 2022 mit Umsatzeinbußen von bis zu 1,4 Milliarden Euro. Am 1. Juli wurde das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung angeordnet.

Vor zwei Wochen hatte der Konzern die Schließung von insgesamt 62 Filialen in 47 Städten angekündigt. Wenig später wurde bekannt, dass Galeria Karstadt Kaufhof auch 20 von 30 Niederlassungen der Tochter Karstadt Sports und bis zu 24 Filialen von Karstadt Feinkost schließen will.

Allerdings hat der Warenhauskonzern nach Zugeständnissen der Vermieter am vergangenen Freitag angekündigt, bundesweit sechs Filialen weniger zu schließen als ursprünglich geplant. Unter anderem soll das Karstadt-Kaufhaus in der Potsdamer Innenstadt bestehen bleiben.

Kommentar

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7 Kommentare

  1. 7.

    Ab dem 1.7.2020 wurde beim Amtsgericht Essen das Isolvenzverfahren eröffnet. Beantragt wurde die Insolvenz schon am 1.4.2020. Den Galeria Kaufhof und Karstadt Mitarbeitern wird Post vom Anwalt zugestellt. Somit hat Toska voll recht.

  2. 6.

    Woher haben Sie ihr "Wissen"? Entweder liefern Sie Belege für ihre Behauptungen oder löschen Sie das bzw. wenn nicht sollte rbb das löschen. Und bevor jetzt alle Aufschreien: Lügen zu verbreiten fällt nicht unter Meinungsfreiheit.

  3. 5.

    Bitte benennen Sie etwas konkreter, woher Sie diese Kenntnisse haben. Damit man Ihre Äußerung besser einordnen kann. Danke sehr.

  4. 4.

    Liebe Elke,
    mir geht es da genauso. Ich würde gerne mein Geld in Geschäfte wie Karstadt ausgeben aber macht kein Spass mit Maske und keine Möglichkeit sich hinzusetzen. Bekommt eben Amazon meine Euronen.
    Gruß Toska

  5. 3.

    Schade, daß war dich vorauszusehen. Vielleicht hätten die Menschen vorher zum demonstrieren auf die Straße gehen sollen?
    Wenn es zu spät ist, ist es oft nicht mehr möglich, was zu ändern.
    Nun issit so. Auch wenn einige Häuser offen bleiben, die Kaufkraft und Kauflust scheint nicht mehr da zu sein. Ich würde gerne shoppen gehen, geht aber nicht ohne Maske, ich warte und bestelle, leider, im Internet.

  6. 2.

    Dann könnte doch in den Gropiuspassagen Primark den gesamten Bereich (wie früher Kaufhof) nutzen.

  7. 1.

    Mir tun die Arbeitnehmer echt leid und dagegen jetzt zur Demo zu gehen bringt gar nichts, denn hinter den Kulissen ist schon längst alles in Sack und Tüten. Hier werden so viele Leute von Verdi und den Eigentümer zum Narren gehalten denen juckt es überhaupt das es nun viele Arbeitslose mehr gibt.

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