Archivbild: Studierende sitzen in einer Vorlesung. (Quelle: dpa/Jens Kalaene)
Audio: Inforadio | 09.07.2020 | Jule Käppel | Bild: dpa/Jens Kalaene

Anträge auf Zuschüsse gescheitert - Zehntausende Studenten bekommen im Juni keine Nothilfe

Studierende zählten im Corona-Lockdown zu den Ersten, die ihre Jobs verloren haben. Seit drei Wochen können sie einen Zuschuss vom Bildungsministerium beantragen, wenn sie ihre Bedürftigkeit nachweisen. Doch zehntausendfach werden Anträge abgelehnt. Von Jule Käppel

Lehramtsstudent Nick von der Humboldt-Universität Berlin ist ein Fall für Überbrückungshilfe vom Bundesbildungsministerium, denn er hat weniger als 500 Euro auf dem Konto - er liegt sogar weit darunter. Corona hat den 26-Jährigen in die Schulden getrieben. Als die Webseite für die Unterstützung endlich online ist, kümmert er sich sofort um den Antrag.

"Ein bis zwei Schritte vorwärts, aber nicht weiter"

Vier bis fünf Stunden habe es gedauert, um in kleinen Schritten durch das Online-Formular zu kommen, erzählt Nick: "Man musste immer wieder auf Aktualisieren klicken und kam ein bis zwei Schritte vorwärts, aber nicht weiter." Während dieser Zeit habe er Angst gehabt, dass das Geld irgendwann ausgeschöpft sei, so wie bei anderen Nothilfefonds. "Bei dem Notfonds des Berliner Studierendenwerks war es so, dass diejenigen, die zuerst den Antrag gestellt haben, es ausbezahlt bekommen haben und diejenigen, die spät dran waren, nicht mehr."

Abfrage sensibler Daten

Der Bund stellt 100 Millionen Euro für die Monate Juni, Juli und August bereit. Je nach Bedürftigkeit werden zwischen 100 und 500 Euro ausgezahlt. Wer auf das Geld dringend angewiesen ist, muss online zahlreiche Daten abgeben.

Antragsteller Nick sagt: "Ich musste Bilder von mir mit meinem Personalausweis und einer Nummer in den Händen hochladen. Ich musste mir einen Verifikationscode auf mein Handy schicken lassen. Dazu kamen ungeschwärzte Kontoauszüge und meine Immatrikulationsbescheinigung. Die haben so ziemlich alle sensiblen Daten abgefragt, die ich habe."

Nur ein Viertel der Anträge bewilligt

Zehntausende Studierende laden in der Hoffnung auf Hilfe ihre Personalausweise, alle Kontobewegungen seit Februar, Stellungnahmen zu ihrer Notlage und Selfies hoch. Von bundesweit über 82.000 Anträgen für Juni wurden bundesweit allerdings bisher nur rund 17.000 bewilligt.

Damit wurde nur knapp jeder vierte Antrag auf Zuschüsse genehmigt, hat der rbb vom Deutschen Studierendenwerk erfahren. Auch in Berlin wurden viele Anträge abgelehnt; von 17.000 gestellten Anträgen seien bisher circa 1.000 bewilligt worden, teilte Jana Judisch, Sprecherin des Berliner Studierendenwerks, dem rbb mit. Sie verweist auf einen Bearbeitungsstau von rund 5.000 Anträgen.

Studierendenvertretungen: "technisch katastrophal umgesetzt"

Der Ablehnungsbescheid, den auch Nick bekommen hat, ist ein Standardtext: Die Dokumente seien nicht vollständig und/oder nicht lesbar. Dem einmal abgelehnten Antrag können Studierende nichts hinzufügen, es aber im nächsten Monat erneut versuchen. Er wisse aber gar nicht, was er falsch gemacht habe und in den Anträgen für Juli und August ändern müsse, sagt Nick.

Der Dachverband der Studierendenvertretungen kritisiert das Antragsverfahren als "intransparent", "ethisch fragwürdig" und "technisch katastrophal umgesetzt".

Staatssekretär: Anforderung sollte nicht zu hoch sein

Eine individuelle Einzelbesprechung sei derzeit nicht möglich, sagt Jana Judisch vom Berliner Studierendenwerk. "Wenn wir in die individuelle Einzeldiskussion für die Anträge gehen, dann werden wir nicht fertig und die Studierenden warten bis Dezember auf die Bewilligung. Wir raten jedem: Nehmen Sie sich Zeit bei der Beantragung, lesen Sie alle Hinweise durch - dann kann eigentlich nichts schiefgehen."

Der Staatssekretär im Bundesbildungsministerium, Michael Meister, sieht die Studierendenwerke gut aufgestellt, auch für die Bearbeitung großer Antragszahlen. Er ist der Meinung, dass Studierende in der Lage sein müssten, ein Antragstool mit einfacher Benutzeroberfläche richtig zu nutzen. "Dass man lesbare Kopien von Dokumenten fertigt, das sollte keine zu hohe Anforderung sein. Es ist klar, wenn man seine Unterlagen nicht vollständig einreicht, führt das zur Ablehnung", sagt er im rbb-Inforadio.

Als Verwaltungspauschale bekommen die Studierendenwerke für jeden bearbeiteten Antrag 25 Euro aus der Nothilfe. Nick geht im Juni leer aus.

Beitrag von Jule Käppel

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31 Kommentare

  1. 31.

    Mein Antrag wurde auch wegen Unvollständigkeit abgelehnt. Nach der Antragsstellung wurden fehlende Unterlagen angefordert, die ich teilweise noch online hochladen konnte. Ein weiteres Dokumenten machte mir jedoch Schwierigkeiten, weil ich nicht wusste wo ich dieses nun hochladen kann. Daraufhin rief ich bei meinem zuständigen Studentenwerk an. Die Mitarbeiterin konnte mir nicht helfen und verwies mich nur auf eine anderen Mitarbeiterin, die aber nur zu ganz bestimmten Zeiten erreichbar sei. Sie hat mir empfohlen, eine Mail mit meinem Problem und den fehlenden Unterlagen an das Studentwerk zu schicken. Bislang habe ich drei Mails verschickt und keine Antwort bekommen.Ich habe auch einen Antrag für Juli gestellt, der sicherlich wieder scheitern wird.
    Ich bin wirklich traurig und sauer, dass es uns Studenten immer wieder so schwer gemacht wird. Es ist zum verzweifeln.

  2. 30.

    @Kerstin. Wir haben die gleiche Situation wie Sie auch und ich teile Ihre Meinung zu 100%. BAföG sollte prinzipiell elternunabhängig gezahlt werden. Nach abgeschlossenem Studium ist der/die neue Akademiker/in ein Gewinn für die Gesellschaft. Studienabbrecher müssen ihr BAföG komplett zurückzahlen. Wo ist das Rusiko für den Staat? Mein Mann und ich schränken uns auch extrem ein, um das Studium unserer Tochter finanzieren zu können. Aber fürs Kind tut man ja bekanntlich alles und auch gerne.

  3. 29.

    Mir erging es als Student ebenso.
    Besonders bedenklich, mir wurde mitgeteilt, es hätten notwendige Bilder gefehlt und damit wurde der Antrag abgelehnt. Diese Bilder wurden aber definitiv hochgeladen und auch korrekt in die jweiligen Uploadfehler eingesetzt. Nach der Sichtung des Ablehnungsbescheides waren plötzlich zwei identische Bilder unter zwei verschiedenen Bildanforderungen gesetzt, ein Fehler der mir beim hochladen aufgrund genauer Kontrolle NICHT passiert ist.
    Ich vermute hier sogar evtl. Maßnahmen der Gegenseite die Antragsmasse und so die Auszahlungen gering zu halten. Weiss jemand ob es irgendwelche Rechtsmittel gibt? Als Zuschuss hat die Ablehnung ja vermutlich keine Bescheidsform. Hat jemand evtl auch dieses Erlebnis von vertauschten oder plötzlich fehlenden Dokumenten?

  4. 28.

    Der Fehler liegt aus meiner Sicht schon im System. Wir finanzieren das Studium unseres Kindes, bekommen „nur“ Kindergeld, obwohl es die „Erstausbildung“ ist. Wir können die anfallenden Kosten (ca. 1000 EUR im Monat für Wohnung, Fahrgeld, Verpflegung, Kleidung, Studienmaterial, Technik etc.) nicht steuerlich absetzten. Hätten wir zwei oder drei Kinder, wäre uns das nicht möglich. Wir verzichten auf Urlaub, neue Möbel, Auto etc., um unserem Kind das zu ermöglichen. Bafög bekommen wir nicht, das die Einkommensgrenze überschritten wird. Aus meiner Sicht fehlt hier die staatliche Unterstützung, wir geben dem Staat doch einen hochqualifizierten Rentenzahler. Ein weiteres Problem sind die Universitäten, hier werden gern vielen Studenten angenommen, da es dafür „Kopfprämien“ vom Land gibt, Forschung und Lehre sind dann aber meist unterschiedlich ausgeprägt, die Dozenten wollen sich lieber ihrer wissenschaftlichen Arbeit hingeben und haben kein großes Interesse an der Lehre. Ursache für lange S

  5. 27.

    @herman. Leider ist das so, dass man ab 50 + auf dem Arbeitsmarkt in vielen Bereichen zum 'alten Eisen' gehört, deswegen ist Weiterbildung im Alter sehr wichtig. Diesen Jugendwahn kann ich nur damit erklären, dass junge Leute niedrigere Gehälter haben, körperlich weniger anfällig für Krankheiten sind und weniger Falten haben. Evtl. ist auch die Digitalisierung daran Schuld, da sich Ältere häufig nicht mehr so gut mit PCs auskennen. Diese Entwicklung ist fatal, weil sich Erfahrung langfristig gesehen immer auszahlt. Ich wähle meinen Anwalt, Arzt, Steuerberater etc meistens nach Alter aus und bevorzuge Leute ab 50. Ich kann nur hoffen, dass sich das Bewusstsein in unserer Gesellschaft auch mal wieder ändert und Alter nicht nur negativ, sondern positiv gesehen wird. Der Respekt vor dem Alter ist kaum noch vorhanden, obwohl man gerade von ihnen so viel lernen kann.

  6. 26.

    Beruf lernen, arbeiten und dann nach Feierabend studieren, dann klappts auch mit dem Geld.

  7. 25.

    Ja, dieses Phänomen ist mir insbesondere in sehr großen Unternehmen schon häufig zu Ohr gekommen. Was denken Sie, ist die Ursache dieses Personalgebarens? Falsche bzw. nicht mehr passende Qualifikationen? Hochbezahlte Langzeitarbeitnehmer gegen günstigere ersetzen? Ich habe oft genug erlebt/gehört, wie in solchen Unternehmen nach der Konsultation einschlägiger Beraterfirmen kurzsichtige Umstrukturierungen umgesetzt wurden, die mit kurzfristigen Einsparungen verlockend sinnvoll erschienen. Mittel- und längerfristig gab es dann oft Nebenwirkungen, die weder kalkuliert, noch gewünscht waren. Knowhow-Verluste, steigende allgemeine Fluktuationen, Qualitätsgefälle in der Arbeitsleistung, Imageverluste im Kampf um neue qualifizierte Arbeitnehmer usw. Immerhin für Beraterfirmen und höheres Management (was dann ebenfalls zügig fluktuiert) ein hübscher Kreislauf, der immer wieder von vorn gestartet werden kann und Geld abwirft :/

  8. 24.

    "in jedem Alter"
    Bei Siemens versucht die Personalabteilung ab Mitte 50 die Leute in den vorzeitigen Ruhestand zu drängen. So erlebt bei Siemens-ÖN, Siemens-Nixdorf und Siemens-Nokia. Egal ob Ingenieur und "qualifiziert".

  9. 23.

    Tja, der Buchbinder-Wanninger-Effekt ist nicht umsonst ein echt deutsches Phänomen! Abwimmeln will gelernt sein... Habe ich was anderes vermutet? Nein. Dafür rennen jetzt aber etliche Neuköllner Strizzis mit Taschen voll Geld Rum. Fein UNGEPRÜFT Zuschüsse verteilt und Schüler und Studenten wie schon die ganze Pandemiezeit locker "vergessen".

    Fängt bei geschlossenen Spielplätzen an, geht über Kitas und homeschooling weiter bis zum Studi.

    Aber bitte nicht wundern, dass 10 Deutsche natürlich dümmer als 5 Deutsche sind...

    (Ich vermisse Heiner Müller!)

  10. 22.

    Bildung sollte in jedem Alter prinzipiell unterstützt werden. Wir haben einen Fachkräftemangel und könnten durch eine großzügigere Bafögregelung die Leute ausbilden, die unsere Wirtschaft dringend benötigt. Wer im Studium keine Leistung erbracht hat, muss das BAföG sowieso komplett zurückzahlen. Unsere Studenten sind diejenigen, die in unserem Land später das Ruder übernehmen werden, das sollten wir nicht vergessen. Am sinnvollsten finde ich allerdings Duale Studiengänge, wo die Unternehmen 'ihren' Nachwuchs direkt finanzieren, schließlich profitieren sie auch am meisten davon. Ich bin empört, dass man Studenten in der Coronazeit derart vernachlässigt. In unserer Gesellschaft werden definitiv die falschen Prioritäten gesetzt.

  11. 21.

    Ist das so? Interessant. Also ein 36 jähriger Student, der sagen wir mal Energieverfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen studiert und vielleicht in der Forschung 6 Jahre später einen entscheidenden Durchbruch erringt, rentiert sich also zwangsläufig nicht mehr? Das ist eine recht beschränkte Sichtweise und etliche maßgebliche Forschungserfolge - eben auch älterer Menschen - belegen schlicht das Gegenteil. Im Übrigen vermischen Sie in Ihrem Kommentar ein paar Aspekte - natürlich finanziert das Bafög nicht die verschiedenen beispielhaften weniger linearen Lebenswege, die ein Studium verzögern. Bitte lesen Sie meinen Kommentar aufmerksamer. Unabhängig davon denke ich, dass sich im Sinne der Wettbewerbsfähigkeit sämtliche Bildung durchaus auszahlt für unser Land - und da sollte man durchaus mal ein bisschen visionär nach vorn denken.

  12. 20.

    Hallo Dennis. Wenn das die Antwort ist ist das schon hart und etwas daneben für eine Verwaltung. Ich selber der nicht studiert hat und im Freundeskreis natürlich mit anderen so seine Witze macht über die Studirenden die bis mittags schlafen und jede Nacht Party machen weis aber sehr gut aus meiner Zeit bei MC Do.... das das nicht korrekt ist! Ich hatte dort viele Kolleginnen/en die Vollzeit studiert haben in Berlin und dann 16 oder 18 Uhr ins Restaurant kamen und noch bis 24 Uhr gearbeitet haben um morgens wieder zur Uni zu rennen! Ist nicht so das Party Leben wie es viele vermuten! Schade ist nur das viele der Jobs im gastro Bereich sind/waren und da der Lohn fehlt und auch der Wohnungsmarkt Berlin ist nun nicht wirklich Studenten freundlich.

  13. 19.

    Ich habe heute auch meine Ablehnung bekommen. Kontaktaufnahme um herauszufinden was nun falsch war lief ins leere. Der ist nicht zuständig und der Andere verweist auf wine E-Mail-Adresse die dann zügig eine Standardantwort sendet, Wir bedauern, dass wir Ihnen aufgrund der vielen Anträge, die uns erreicht haben, keine ausführlichere Begründung für die Ablehnung geben können. Wir bitten Sie freundlich, von Nachfragen zu Ihrem Antrag abzusehen. Hier finden Sie eine Auflistung der häufigsten Gründe für eine Ablehnung: https://www.stw.berlin/beratung/themen/%C3%BCberbr%C3%BCckungshilfe-des-bundes.html

  14. 18.

    Ihre Vorstellungen Auslandserfahrung, soziale Engagements, Umorientierung und altersunabhängiger Start, doch noch mal etliche Jahre als Student zu verbringen sind unrealistisch weil nicht finanzierbar.
    Es macht schon unter rein entwicklungsbiologischen Gesichtspunkten Sinn, bei Bafög ein Höchstalter fest zu setzen. Auch volkswirtschaftlich ist es unsinnig, viel Steuergeld auszugeben um anschließend nur noch kurz zu arbeiten und dann wiederum ggf. steuerfinanziert in die passive Altersphase einzutreten.
    Umorientierungen sind beim Bafög möglich bei kurzer Umorientierungsphase.
    Grundsätzlich ist die Finanzierung eines solchen Anspruchsdenkens, wie Sie es aufzählen, nicht Aufgabe der Öffentlichen Daseinsvorsorge.

  15. 17.

    "Studenten die im elterlichen Haushalt wohnen, erhalten neben BaföG auch noch SGB II Leistungen"

    das stimmt nicht

    Und dass die wenigsten Studenten überhaupt zu hause wohnen können, sollte auch bekannt sein. Und über zu wenige Studenwohnheimzimmer wurde genau so oft berichtet wie über die horrenden Mieterhöhungen in dieser Stadt.

    Einfach mal den Bafög Satz und Regelungen anschauen- das reicht vorne und hinten nicht und die Regelungen sind nicht mehr mit denen vor 20 Jahren vergleichbar. Nebenher zu arbeiten ist für die allermeisten keine "Butter aufs Brot", sondern das Brot selber.
    Und Sozialleistungen bekommt man als Student nicht. Grundsicherung und Hartz IV scheidet also aus- mit Bafög verglichen wäre Hartz IV/KdU eine sehr luxuriöse finanzielle Basis. Nicht weil Hartz IV so hoch wäre, sondern das Bafög so niedrig.
    Auch sind viele gar nicht mehr Bafög berechtigt und erarbeiten sich dennoch ein Studium- wie man so was als faul darstellen kann, entzieht sich mir vollkommen

  16. 16.

    Ab 30 Jahren wird in puncto Bafög sehr genau geschaut, ob man berechtigt ist - also ganz so lapidar "großzügig" ist es eben nicht. Zumal man eben auch die Studenten auf dem zweiten Bildungsweg berücksichtigen muss - die Gründe für ein späteres/verzögertes Studium sind natürlich vielfältiger (Auslandserfahrung, soziale Engagements, Schwangerschaften, Umorientierung usw.). Grundsätzlich halte ich es aber auch für nötig und zukunftsweisend, dass Weiterbildung und Studium auch in verschiedenen Lebensabschnitten möglich und unterstützenswert sind. Stichwort Auswirkungen von Digitalisierung und Veränderung ganzer Branchen und Arbeitsplatzbeschreibungen. Eine allein auf das Alter fokussierte Ableitung eines Anspruches macht da wenig Sinn und ist noch weniger zeitgemäß.

  17. 15.

    Ich kann nicht beurteilen, was unsere Studenten aktuell zu bewältigen haben. Ich habe nur eigene Erfahrungen mit meinem Studium in den 90er Jahren: Abi mit 18 gemacht (war damals noch möglich), dann gleich zum Studium und alles diszipliniert durchgezogen, damit ich auch bald von zu Hause ausziehen konnte. Fertig mit 26. Denn: ich wohnte noch zu Hause, was den Vorteil brachte, keine Miete zahlen zu müssen. Für meinen persönlichen Bedarf ging ich auch nebenbei arbeiten - und war da nicht wählerisch. In der heutigen Zeit will wahrscheinlich jeder nach dem Abi erstmal ein soz. Jahr machen o. ein Sabbatical einlegen (wenn es sich die Eltern leisten können) und schnell von zu Hause ausziehen, weil man ja selbstständig sein will. Wer dann noch jobmäßig sehr einseitig unterwegs ist, hat meist, wie in Coronazeit, verloren. Dabei wurde doch im Einzelhandel, bei Lieferdiensten, bei der Ernte viel Unterstützung gesucht. Also einfach mal über den Tellerrand sehen - Arbeit gibt es immer.

  18. 14.

    Liebe Rosine, immerhin Sie fragen nach dem Denkfehler und gestehen sich ein, dass Sie die Lage eventuell nicht überblicken. Tatsächlich ist es so, dass es eben nicht Bafög ja oder nein, gibt - sondern letztlich verschiedene Sätze auszahlbar sind. Das setzt voraus, dass man überhaupt anspruchsberechtigt ist - was häufig genug eben nicht der Fall ist, weil zB die Eltern ein wenig zuviel verdienen. Was nicht heißt, dass wir hier von echten Besserverdienern reden.. Der aktuelle mtl. Bafög Höchstsatz liegt bei theoretisch 850€. Dazu ein paar Infos von Statista: "Im Jahr 2018 bezogen insgesamt 517.675 Studierende eine staatliche Unterstützung in Form des BAföG. Unter den Schülern waren es im selben Jahr 209.057 Geförderte. Im Vergleich zum Vorjahr sank im Jahr 2018 die Anzahl der BAföG-Empfänger um rund 7,1 Prozent. Der durchschnittliche monatliche BAföG-Betrag belief sich bei Schülern auf 454 Euro, bei Studierenden auf 493 Euro im Jahr 2018." (https://de.statista.com/themen/379/bafoeg/) Das sollte ihre Fragen beantworten, wie Sie sehen - vergleichsweise wenig Geld im Monat, um über die Runden zu kommen... U
    und vergleichsweise wenige BAföG-Empfänger bzw. Berechtigte. Das gerade bei unserem für Deutschland so zukunftsrelevantem Kapital "Bildung" so bürokratisch und restriktiv agiert wird, ist schon sehr erschreckend und wenig sinnvoll - wenn man das bzgl. sozialer Fairness nicht schon kritisch betrachtet, dann doch wenigstens aus wirtschaftlichen Aspekten heraus.

  19. 13.

    Typisch. Bei hohen Summen für Gewerbetreibende, wird erst nach Auszahlung der Fördersumme kontrolliert und teilweise Betrug festgestellt. Wenn es um Bildung und die Möglichkeit des Studiums für alle geht muss, bei Vergleichweise niedrigen Summen, im Vorfeld hinterfragt und geprüft werden. Wohin soll diese unrealistische Denkweise der Politik noch führen?

  20. 12.

    Vielleicht hat der 26-Jährige Lehramtsstudent genau das getan, was so gut wie jeder Student tut, um irgendwie finanziell über die Runden zu kommen: Gearbeitet.
    Wer kein Bafög erhält und nicht auf die Unterstützung der Eltern hoffen kann, ist da relativ Mittellos. Wer sich nicht mit mehreren tausend Euro verschulden möchte, wird also mindestens 20h die Woche arbeiten gehen müssen. Das ist ein Teilzeitjob, der während eines Vollzeit-Studiums geleistet wird. Wir haben überhaupt erst so viele "alte" Studenten, weil die meisten mindestens 3 Tage die Woche arbeiten. So kann ein Vollzeit Studium eben nicht in drei Jahren durchgezogen werden - auch, wenn man das gerne hätte.

    Außerdem sagen die Daten, die zur Antragsstellung für die Überbrückungshilfen eingefordert werden nichts über die finanzielle Situation des Elternhauses aus. Und auch Studierende die bereits Bafög beziehen sind dazu berechtigt, diesen Antrag zu stellen, ohne, dass sich eine Auszahlung auf den Bafög-Satz auswirkt.

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