Eine Erzieherin geht am 20.04.2018 in Berlin in Kreuzberg mit Kindern aus einer Kita auf einem Bürgersteig. (Quelle: dpa/Wolfram Steinberg)
Audio: Inforadio | 11.08.2020 | Marie Asmussen | Bild: dpa/Wolfram Steinberg

Mangelberuf Erzieherin - Ein Kinderlächeln wiegt vielleicht nicht alles auf

Für Kitas und Krippen in der Region wird händeringend pädagogisches Personal gesucht, Bewerbungen aber gibt es kaum. Das ist vielleicht auch kein Wunder, denn im Erzieherberuf ist die Lücke zwischen Anforderug und Bezahlung besonders groß. Von Marie Asmussen

Marie Heimpel sitzt auf einer Parkbank am Lietzensee in Berlin-Charlottenburg. Ihre Ausbildung macht sie nicht weit von hier an der Ruth-Cohn-Schule, einer staatlichen Fachschule für Sozialpädagogik. "Mir macht die Arbeit mit Menschen sehr viel Spaß. Der Erzieherberuf ist sehr vielfältig. Man kann mit Kindern arbeiten oder mit Jugendlichen, mit Erwachsenen, mit Menschen mit Behinderung und Menschen ohne Behinderung", sagt die 23-Jährige.

Erzieherinnen und Erzieher werden in Berlin und Brandenburg dringend gesucht, aber die Voraussetzungen für die Ausbildung sind anspruchsvoll: Man braucht Abitur oder Fachhochschulreife im Bereich Sozialwesen - oder den Mittleren Schulabschluss plus Berufsausbildung.

Gegen den krassen Personalmangel läuft in Berlin gerade ein Versuch für angehende Erzieherinnen und Erzieher mit Berufsbildungsreife (die früher Hauptschulabschluss hieß). Marie Heimpel findet das zwar sinnvoll, allerdings seien die Ansprüche hoch, wenn es darum gehe, was man den Kindern beibringen solle: "Ich weiß nicht, ob das mit einem Hauptschulabschluss gedeckelt ist".

Es reicht nicht aus, das Schulgeld zu streichen

Immerhin ist in Berlin die Erzieherausbildung inzwischen kostenlos. In Brandenburg dagegen ist sie das nur an staatlichen Schulen: Freie Träger können immer noch Schulgeld verlangen. So kriegt man den Personalmangel nicht in den Griff, meint Anette Stein von der Bertelsmann-Stiftung.

Die Stiftung hatte letztes Jahr in einer Studie festgestellt, dass allein in der Region Berlin-Brandenburg für eine kindgerechte Betreuung in Kitas und Krippen viele tausend pädagogische Fachkräfte fehlen. Um halbwegs genügend Nachwuchs zu finden, reiche es nicht, das Schulgeld zu streichen, sagt Annette Stein. Die angehenden Erzieherinnen müssten während der Ausbildung auch bezahlt werden, fordert die Bildungsfachfrau der Bertelsmann-Stiftung. Und auch nach der Ausbildung müsse man ihnen mehr bieten als bisher: "Wir brauchen auch strukturierte Karrierewege, damit die Fachkräfte, die schon etwas länger im System sind, sich auch wirklich weiterentwickeln können, sowohl finanziell als auch von ihren Verantwortungsbereichen her."

Marie Heimpel macht eine Ausbildung zur Erzieherin (Quelle: rbb/Marie Asmussen)
Marie Heimpel | Bild: rbb/Asmussen

Hohe Anforderungen, bescheidenes Gehalt

In der Klasse von Maria Hempel haben nach dem ersten Jahr schon fünf von 27 Leuten aufgegeben. Die Anforderungen für die Ausbildung und später im Beruf sind hoch, das Gehalt ist dagegen eher bescheiden. Das weiß auch die 23-Jährige: "Jeder sagt, dass Erzieherinnen sehr wenig verdienen. Aber letztendlich ändert sich nichts. Man setzt sich nicht dafür ein, dass sich etwas ändert."

Marie Heimpel will trotzdem den Abschluss machen und dann erstmal als Erzieherin arbeiten. Für später kann sie sich vorstellen, noch einmal zu studieren und weiter zu qualifizieren - vielleicht für eine Leitungsposition. Erzieherin sein bis zur Rente ist ihr zu anstrengend - und zu schlecht bezahlt.

Sendung: Inforadio, 11.08.2020

Beitrag von Marie Asmussen

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27 Kommentare

  1. 27.

    Bitte bei Aussagen über Gehälter unbedingt beachten : Wieviel Wochenstunden arbeitet jemand, wie lange im Job und beim freien Träger angestellt oder ö. D.? ALLES andere ist Äpfel mit Birnen vergleichen.

  2. 26.

    Warum war die Kita zu während des Lockdowns? Es gab Notbetreuung für systemrelevante Eltern! Ich habe jedenfalls nicht zu Hause gesessen/ Homeoffice gemacht! Bin ü50, verdiene so viel/ wenig, dass ich später mal " aufstocken" muss, um meine Miete und meine wenigen Ansprüche zu finanzieren....

  3. 25.

    Ihre Aussage ist schlicht und einfach falsch! Zumindest was das Gehalt von Erzieherin im ö.D. betrifft. Schlecht recherchiert oder einfach nur Polemik?

  4. 24.

    Liebe Marlies,
    ich bitte Sie sich bewusst zu machen, dass "zwei Erzieher um die 30" nicht repräsentativ für den Durchschnitt aller Menschen die in dem Beruf in Berlin arbeiten sind, und das Durchschnittsgehalt Netto für ErzieherInnen beim freien Träger, als auch beim Öffentlichen Dienst, deutlich unter 2000€ (1300€ bis 1700€)liegt.
    Leider ist es mir nicht möglich Ihre Frage adäquat zu beantworten, aber ich vermute, dass Sie nicht mehr in der Gebärmutter (lat. matrix)leben.

  5. 23.

    Leider stimmt das so nicht, da inzwischen über 80% der Kinder in privatwirtschaftlichen Kitas betreut werden, ist man gezwungen, dort auch zu arbeiten. Ich bin z.Zt. als langjährige Erzieherin mal wieder nach Kitaschließung auf Jobsuche, und es ist gar nicht so einfach, einen fair bezahlten Job zu finden.

  6. 22.

    ...also ich kenne persönlich 2 Erzieher um die 30, die mit deutlich über 2000,- in der Tasche nach Hause gehen. Wer will mir denn hier was vom Pferd erzählen?
    Und während Corona mit vollen Bezügen zuhause gesessen da die Kitas ja zu waren. Und dann noch eine Entschädigung...
    Lebe ich in einem anderen Berlin oder schon in der Matrix?

  7. 21.

    Meine Freundin ist Erzieherin seit Mitte 2007 nach dreijähriger Ausbildung an einer Fachschule. Schon gut, dass diese Ausbildung nichts kostet, aber von drei Jahren sind 1,5 Jahre Vollzeitpraktikum, bei denen man als volle Kraft eingesetzt wird und nichts bekommt. Die drei Jahre der Ausbildung gingen nur, weil ich arbeiten war und die Kosten für Essen und Miete getragen habe. Hier könnte der Staat ansetzen mit einem Extra Erzieher Bafög, wenn mehr Leute mit der Ausbildung beginnen sollen. Jetzt verdient sie knapp 1700 netto. Nach Ende der Ausbildung waren es rund 1500 netto.
    Einem Kommentar will ich mich auch noch anschließen: Erzieher sitzen nicht rum oder spielen (das ist Betreuung, aber nicht Erziehung), sondern schon im Kindergarten einen Bildungsauftrag, nämlich für Förderung von Lernkompetenzen und Sozialkompetenzen. Die deutsche Gesellschaft wertschätzt Erzieher noch viel zu wenig und tut so, als wären die so austauschbar wie billige Hilfsarbeiter.

  8. 20.

    Hallo Peter,

    nach diesem Artikel https://orange.handelsblatt.com/artikel/53749 vier Jahre Ausbildung und erst im vierten (Anerkennungsjahr) eine Vergütung.
    Ich trage als IT-Supporter in Berlin vom ersten Tag an deutlich mehr nach Hause und stehe nicht in einer solchen Verantwortung und letztlich habe ich dafür nur eine dreimonatige Weiterbildung gemacht: der Rest hat sich ergeben. Respekt vor der Selbstlosigkeit Ihrer Freundinnen und Freunde. Andererseits wundert es mich nicht, wenn so viel Fachkräfte in diesem Bereich fehlen. Ich bin heilfroh, dass ich mir so was nicht angetan habe.

    Gruß
    Hajakon

  9. 19.

    Guten Abend Peter,

    viel oder wenig ist natürlich relativ und hängt von den Ansprüchen ab. Aber schaun Sie mal hier:
    https://www.gehaltsvergleich.com/gehalt/Erzieher-Erzieherin

    Ich gehe als IT-Supporter in Berlin mit deutlich mehr nach Hause, als die beschriebene Pflegefachkraft, bzw. Erzieher/Heilpädagoge, und das ohne die Verantwortung, die/der Erzieher/in für die Betreuten immer an der Backe hat. Also dafür sind Ihre Freunde wirklich sehr bescheidene Menschen. Respekt.

    Gruß
    Hajakon

  10. 18.

    Viele meiner Freunde sind nach Brandenburg und Mecklenburg, um dort Erzieher zu werden. Nach abgeschlossener Ausbildung waren sie sofort wieder in der Hauptstadt. Habe sie auch ehrlich vermisst und bin froh, dass sie wieder gekommen sind. Die haben hier jetzt aber auch super bezahlte Jobs, für die sie schwärmen und die sie nie wieder verlieren wollen. Im Grunde haben sie alles richtig gemacht. Und da eigentlich jeder zweite meiner Freunde ausgebildeter Erzieher ist, kann ich zum Teil gar nicht glauben, was in diesem Artikel steht, bis auf dass es schwer ist, in Berlin zum Erzieher ausgebildet zu werden. Ansonsten kenne ich hauptsächlich andere Lebensrealitäten.

    "Jeder sagt, dass Erzieherinnen sehr wenig verdienen"

    Also meine Freunde sagen das irgendwie nie. Komisch...

  11. 17.

    P.s. und die Erz. leisten auch gute Arbeit, deshalb bessere Einstufung für beide Berufsgruppen. Das passte nicht mehr in den ersten Kommentar.

  12. 16.

    Hallo Jana, es ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, zumal HEPs für die Arbeit mit Menschen mit Behinderung besser ausgebildet sind als Erz. und die Ausbildung gleich lang und recht anspruchsvoll ist. Alle, die mit Euch zusammenarbeiten, schätzen Eure Arbeit sehr, nur dafür könnt Ihr Euch nichts kaufen. In anderen Bundesländern sind HEP tariflich den Erz. gleichgestellt. In Berlin wird das seit Jahren von Sen Fin abgeschmettert und Sen BJF engagiert sich auch nicht dafür, ebensowenig die Gewerkschaften. Das ist frustrierend und missachtend, zumal keine Veränderung in Sicht ist. Jeder Kneipier oder selbsternannte Künstler stellt momentan Forderungen. Vielleicht mal doch vor sen fin demonstrieren und den rbb berichten lassen, eine andere Idee hab ich auch nicht. Auf jeden Fall leistet Eure Berufsgruppe gute Arbeit!

  13. 15.

    Was ist das Grundproblem? Eine öffentliche Einrichtung wird zu 100% öffentlich finanziert. Privat ist privat und selbst diese Einrichtungen erhalten in erheblichem Maß öffentliche Gelder. An Schulen und öffentlichen Kitas fehlen Erz. Also muss niemand bei Privateinrichtungen weniger verdienen. Das ist falsches Jammern. In der berufsbegleitend. Ausbildung ist festgelegt, was die angehenden Erz. eigenverantwortlich machen und wofür andere die Verantwortung tragen. Wenn sich nicht daran gehalten wird z.B. in manchen privaten Kitas...tja das ist dann so, aber auch dort gehören immer beide Seiten dazu.

  14. 14.

    Ich finde es richtig das Erzieher endlich für ihre Arbeit entlohnt werden sollten.aber , und es ist schlimm dass ich überhaupt ein ABER einsetzen muss, bin ich unheimlich frustriert darüber das ich als Heilerziehungspflegerin in einer Berhinderten Werkstatt noch weniger als eine Erzieherin verdiene. Und das wird nirgends erwähnt. Gerade in der Corona Zeit war es wieder spürbar wie wir die in der beh Arbeit tätig sind unter den Tisch fallen und furchtbar das wir uns anscheinend damit abfinden.

  15. 13.

    Also ich möchte dazu gerne mal anmerken das der Abteil an öffentlichen Kitas in Berlin sehr gering ist. Der Großteil an Einrichtungen ist privatisiert und da kommt bei weitem nicht das an, was an öffentlichen Einrichtungen ankommt.
    Das Grundproblem beginnt bereits damit, das öffentliche Einrichtungen zu 100% vom Senat gefördert werden, private Träger bekommen diese nicht vollständig. Daraus resultiert zwangsläufig, das man bei privaten Trägern sowohl als angestellter als auch Azubi weniger verdient. Die Messlatte also immer bei den öffentlichen Trägern fest zu setzten, finde ich in den Medien immer äußerst ungünstig. Von der letzten großen Tarifanpassung nach den Streiks und Angleichung an den Tarif der Länder blieb jedenfalls der große versprochene Geldsegen weitestgehend aus, jedenfalls bei den privaten.

    Ein weiteres Problem bei der Ausbildung ist, insbesondere beim berufsbegleitenden, dass der Auszubildende zu 100% an den Personalschlüssel angerechnet wird. Das ist irgendwie eine Ironie, denn jemand der neu in dem Beruf ist, dem kann man doch auch nicht die Kinder einfach aufbinden und sagen, pass auf das nichts passiert und wenn ja, bist du selber Schuld.

  16. 12.

    Guter Kommentar von Ihnen, ich finde das sich auch die Eltern das alles etwas zu einfach machen. Die Forderungen die Eltern an Erzieher und Lehrer stellen würden sie niemals selbst verwirklichen können. So nach dem Motto: ich gebe meine Kinder mal ab und nun soll der Erzieher/innen oder Lehrer machen.

  17. 11.

    Noch zu 7. Bezüglich der Ausbildung muss sich die Politik entscheiden, das sollte der Bertelsmann Stifftung bekannt sein. Entweder Lehrberuf mit Vergütung, was aber bei den Anforderungen an theoretisches Grundwissen zeitlich kaum machbar sein wird. Oder Ausbildung auf Fachschul- besser natürlich Fachhochschulniveau. Dann ist es wie bei allen Studierenden (BAföG, Eltern, Nebenjob). Beides geht nicht oder für alle Ausbildungen und das ist illusorisch. Wie schon erwähnt: ein gutes Gehalt und etwas geringere Wochenarbeitszeiten bei der hohen Verantwortung, die Erzieher/innen haben, sollten das politische Ziel sein.

  18. 10.

    Ich war 40 Jahre im Schuldienst. Davon 20 als Erzieher und 20 als Lehrer.
    Auch jetzt helfe ich noch manchmal im Hort aus.
    Beides sind tolle Berufe. Jeder sollte aber wissen, es ist nicht nur ein Beruf sondern gleichzeitig Berufung.
    Dass die Bezahlung so unterschiedlich ist verstehe ich auch nicht. Als Lehrer habe ich gut 1000,00 € mehr verdient als der Erzieher.
    Da ich beide Berufe kenne, weiß ich wie anstrengend diese Berufe sind und wie wenig Anerkennung sie doch finden. Und das beim Erzieher nicht nur finanziell. Man sitzt nämlich nicht nur in der Sonne und spielt mit den Kindern. Es gehört eine hohe soziale Kompetenz und viel Empathie, auch für schwierige Kinder, dazu.

  19. 9.

    Natürlich ist es Ironie. Aus purer Frustration eben. Erzieher, Lehrer, Pflege - die ganze Care-Berufe eben. Es passiert kaum etwas oder nur sehr langsam. Das alles Stand schon vor 10 Jahren auf der Agenda...

  20. 8.

    Ich muss hier @ Andrea Nr. 4 recht geben. Die Latte wird sehr hoch gelegt. Meine Enkeltochter hat das Studium zur Erzieherin vor einen Jahr angefangen. Der Staat zahl absolut kein Cent dazu, sie muss notgedrungen zwei Jobs machen um über die Runden zu kommen ( BVG-Karte, Fachbücher, Gitarre) wenn wir als Großeltern nicht die Studiengebühren zahlen würden würde sie es nicht schaffen. Es ist ihr Traumberuf und sie ist mit Herz dabei. Der Staat sollte da mal mehr Geld in die Hand nehmen um diese Berufsgruppen zu fördern.
    Es will keiner mehr in solche Berufe weil es finaziell schwer zu packen ist.

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