Die Karstadt-Filiale am Tempelhofer Damm in Berlin. Quelle: imago images
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Absichtserklärung des Senats - Karstadt-Rettungspläne rufen Kritiker auf den Plan

Der Berliner Regierende Müller, Wirtschaftssenatorin Pop und Kultursenator Lederer wollen drei weitere Filialen von Galeria Karstadt Kaufhof retten. Eine Absichtserklärung dafür gibt es schon - doch die führt jetzt zu Diskussionen im Parlament. Von Kirsten Buchmann

In einem sind sich die Parteien im Berliner Abgeordnetenhaus einig: Die rund 800 Arbeitsplätze in drei Warenhäusern des Unternehmens Galeria Karstadt Kaufhof an der Müllerstraße im Wedding, an der Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg und am Tempelhofer Damm müssen erhalten werden. Dafür haben die Chefs der Regierungsparteien sogar eine Absichtserklärung unterzeichnet.

Der Senat will sich im Gegenzug verpflichten die Weiterentwicklung anderer Galeria Karstadt Kaufhof-Standorte zu unterstützen, darunter am Hermannplatz in Neukölln und am Kurfürstendamm. Daniela Billig, die stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, hat schon genaue Vorstellungen, was dabei zu beachten ist: "In der Stadtentwicklung ist am allerwichtigsten, dass wir in dem Bebauungsplanverfahren die Bedürfnisse der Bezirke in den Vordergrund stellen und die Bürgerinnenbeteiligung." Auch Umwelt- und Klimaschutz müssten bei den großen Bauvorhaben dringend berücksichtig werden.

Linke-Politikerin spricht von Erpressung

Deutliche Kritik an den Verabredungen mit der Unternehmenseigentümerin Signa kommt von Katalin Gennburg, der stadtentwicklungspolitischen Sprecherin der Linken. Sie spricht sogar von Erpressung durch Signa. "Signa nutzt die Krise schamlos gegen die Stadt und die Beschäftigten aus. Hier wird ein Warenhauskonzern in eine Immobilienentwicklungsgesellschaft verwandelt, das ist ganz offensichtlich. Benko will sich zum Beispiel in Neukölln ein Stadtschloss bauen, könnte man sagen."

Dem Investor wirft sie vor, mit großen Neubauten am Alexanderplatz, am Kurfürstendamm und am Hermannplatz die Stadtstruktur umkrempeln zu wollen, was die Politikerin ablehnt. Alltagstaugliche Warenhäuser erhalten und Kiezstrukturen sichern, lauten dagegen ihre Schlagworte.

Widerstand gegen großen Karstadt-Neubau am Hermannplatz

Gegen die aus ihrer Sicht kritischen Punkte will sie deshalb angehen. Dabei setzt sie auf ein Vorgehen gemeinsam mit den Grünen. Deren Abgeordnete Karin Schmidberger klingt über die Vereinbarung auch nicht zufrieden: "Ich werde meine Hand nicht heben für die Rendite-Träume von Signa, weil ich das einfach für einen schlechten Deal für unsere Stadt halte. Es werden keine Arbeitsplätze langfristig gesichert. Es wird Baurecht einfach zugesagt oder fest versprochen."

Dagegen ist die in Kreuzberg, also gleich beim Hermannplatz, direkt gewählte Abgeordnete aber ganz entschieden. Denn einen überdimensionierten Neubau dort will sie nicht. Anfang September ist eine Anhörung zu den Plänen im Stadtentwicklungsausschuss des Abgeordnetenhauses geplant. Eine Etappe im politischen Prozess – der sich lange hinziehen dürfte.

Sendung: Inforadio, 06.08.2020, 20 Uhr

Beitrag von Kirsten Buchmann

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24 Kommentare

  1. 24.

    Lassen Sie sich ihre Lebensmittel usw. liefern, dann entgehen Sie dem Gestank und den Belästigungen durch diese Klientel.

  2. 23.

    Willkommen im Südwesten beim Shopping. Ja, ich bin echt froh, dass hier die Welt in Ordnung ist. Beruflich bin ich in der Nähe der Wilmersdorfer unterwegs. Ich kann nachvollziehen, was Sie meinen und bin immer froh, wenn ich wieder im Südwesten bin.

  3. 22.

    Zur Ergänzung: Das Armuts-und Drogenmilieu aus der U7 findet man täglich zwischen S-Bahn und Kantstr ganz massiv- unübersehbar. Deshalb hat die Bankfiliale dort seit einigen Jahren Sichetheitspersonal am Eingang und nach 18 Uhr ist dann dort Schlafplatz. An der Überquerung Pestalozzistr/Wilmersdorfer also direkt neben Karstadt riecht es meist nach Pipi und man wird zu jeder Zeit angebettelt oder muss Betrunkenen bzw. anderen Drogenopfern ausweichen. Das ist -nett ausgedrückt- äußerst unattraktiv. Wer dort in dem Kiez wohnt, muss da leider für die Alltagseinkäufe -wie gesagt: Lebensmittelläden nur im Tiefgeschoss, also Keller, durch. Ansonsten fährt man lieber in die Schlossstr.nach Steglitz. Keine Fusgängermeile, aber 100mal attraktiver.

  4. 21.

    In Charlottenburg. Zwischen Bismarckstr. und S-Bahn gibt es Burgerläden, Imbisse, Drogeriemärkte, Billobäcker, Telefonanbieter, die Arcaden mit Leerstand und Karstadt. Zudem seit Jahren die wegen der Baufahrzeuge aufgerissene Strecke im Fussgängerbereich. Gibt es ein nettes Café? Ein Restaurant mit hübscher Terasse? Attraktive Geschäfte über das 0815 Karstadtangebot oder Ramschläden hinaus? Gibt es etwas Grün mit Bänken? Lebensmittelläden, die nicht im Keller sind? Ganz wenig gibt es noch in den Seitenstraßen und zwischen S-Bahn und AdenauerPlatz und auch das wird weniger. Einen Einkaufsbummel wie z.B. ein Paar Schuhe, was Nettes für die Kinder, noch ein paar Blumen und dann Kaffee und Kuchen(nicht den aufgetauten) und dann evtl. noch die Auswahl an Geschäften zu haben, das ist auf der Wilmersdorfer nicht so. Sich zwischen 3 Burger- und 4 Telefonläden zu entscheiden, ist uninteressant.

  5. 20.

    Sie als Pessimist sollten morgens erst garnicht aus dem Bett steigen. Wozu auch, Sie gehen ja abends eh wieder ins Bett. Also sinnlos, aufzustehen

  6. 19.

    @M. Blöcher. Schon mal überlegt was aus den Mitarbeitern der Abrissfilialen am Hermannplatz und Kudamm wird ?
    Dann werden diese ihre Kündigung erhalten sobald die Bauanträge bewilligt worden sind. Wer glaubt sie werden während derlangen Bauzeit in andere Filialen wechseln der glaubt auch an den Weihnachtsmann.
    Und in drei Jahren werden dann doch die anderen Filialen geschlossen.
    Wer gewinnt ?
    Nicht die Mitarbeiter.

  7. 17.

    Wo leben Sie eigentlich und welche Wahrnehmung haben Sie? Was die Wilmersdorfer Straße angeht stimmt nichts von Ihren Behauptungen. Alle Geschäftstätigen in der Wilmersdorfer sind zudem froh über die Rettung des Standortes.

  8. 16.

    Mecker, mecker, mecker...
    Die städtebaulichen "Expertinnen" haben den Sinn eines Vertrages nicht begriffen, in dem es um Geben und Nehmen geht. Immer noch mehr und noch mehr Forderungen zu stellen führt in die Sackgasse.
    Linke und Grüne werden mit ihrem unqualifizierten Gequatsche noch den letzten Investor aus Berlin vergraulen. Ich erwarte und erhoffe in Kürze ein Machtwort der SPD, namentlich des Regierenden Bürgermeisters.
    Wenn das noch eine Weile so weitergeht, wird am Ende gar nichts gebaut, wir werden drei jahrelang leerstehende Schandflecke haben, MINDESTENS 800 Arbeitsplätze weniger (im Umfeld der leerstehenden Warenhausstandorte werden weitere Geschäfte schließen) und einer immer weiter verkommenden Hermannplatz, dessen jetzige "Kiezstrukur" ja so erhaltenswert erscheint.



  9. 15.

    Hermannplatz, Müllerstr. und Auch Wilmersdorfer sind schäbige, abgewrackte Ecken, die man nicht durch ein Warenhaus aufwerten kann. Drinnen chic und rundherum Armuts- und Suchtmilieu. Das funktioniert doch nicht. Auch nicht für Investoren. Niemand aus anderen Teilen Berlins oder Touristen werden freiwillig dort zum Einkauf hinfahren. Die Politik sollte sich um die Armutsverminderung kümmern, dann entwickelt sich das kommerzielle Leben wieder. Die Angestellten finden schon was , es herrscht Arbeitskräftemangel in so vielen Bereichen. Wenn man stehen bleibt und sich nicht weiterentwickelt, wird es natürlich schwerer.

  10. 14.

    Die Ära Karstadt ist vorbei, da es so gut wie kein besseres Angebot ggü dem Internet gibt und keine zahlungskräftige Klientel ein und aus geht. Ich finde diese Rettungsversuche für die Mitarbeiter wichtig aber nicht für den Konzern, denn der hat die Zeit verschlafen. Und somit bringt das auch alles nichts. Man sollte versuchen jede Filiale in ein eigenes Unternehmen zuschlagen und weiter sehen.

  11. 13.

    @Kai: Sie sprechen mir aus der Seele, besser hätte man es nicht schreiben können!

  12. 12.

    Das mit dem Wandel ist so eine Sache. Z.B wurde das auch beim Bau des Schultheißquartiers in Moabit gesagt. Inzwischen sind dort soviel Läden wieder zu, dass die obere Etage zu Büros umgebaut wird.

  13. 11.

    Der Bezirk ist schon ewig im Wandel. Es ändert sich nicht wirklich etwas, wie Sie ja selbst beschrieben haben. Schon garnicht, wenn die Gentrifizierung gestoppt wird.

  14. 10.

    Wo würden Sie denn investieren? Berlin oder München? Steglitz oder Kreuzberg? Es gibt immer Standorte, die besser laufen. Auch bei einer Investition stirbt die Hoffnung zuletzt. Ich wurde nicht länger auf Berlin hoffen, wenn dieser Deal platzt.

  15. 9.

    Zitat:Alltagstaugliche Warenhäuser erhalten und Kiezstrukturen sichern. Zitat Ende
    Wohlfeile Worte, aber letztlich leere Worthülsen, da sie nicht mit Ideen oder Vorschlägen unterfüttert sind. Von welchem Kiezstrukturen am Herrmanplatz spricht sie denn? Ich arbeite an der Boddinstr und trainiere am Herrmanplatz. Der Kiez besteht hier aus zweikassigen Restaurants, Touristen-Saufkneipen, Fast-Food Restaurants, Spielhallen und Wettbüros, BilligRamschläden, Handyshops und einem Open Air Drogen Verkaufspark. Zudem gibt es einen räudig anmutenden Markt auf dem Herrmannplatz.

    Die Architektur des Kaufhauses wäre endlich mal eine Aufwertung dieses verwahrlosten Platzes. Zwar ist die Kaufkraft aufgrund der extrem hohen Zahl an SGB II Beziehern sehr gering, aber der Bezirk ist im Wandel.

  16. 8.

    Liebe(r) Kap, als erfahrener Investor wissen Sie natürlich, dass zukünftige Erwartungen und der Blick über den Tellerrand bei Investitionsentscheidungen keine Rolle spielen sollten.

  17. 7.

    Linke und Grüne sind gegen alles - außer, dass sie von ihren eigenen Hirngespinnsten träumen. So bringt man die Stadt nicht weiter!

  18. 6.

    Als Investor würde ich Berlin einfach verlassen. Soll die Stadt doch den Menschen Arbeit geben. Dieses politische Hickhack wäre mir zu anstrengend, zumal die Kaufkraft an den in Rede stehenden Standorten eh gering ist. Berlin ist eben nicht wie London oder Paris. Nichtmal wie Wien. Man muss nicht in Berlin investieren. Man kann, aber man muss nicht.

  19. 5.

    Die Linken wussten schon immer was sie nicht wollen, z.B. Investitionen in der Stadt unterstützen. Jeder der investieren will soll abgeschreckt werden. Hat ja schon die abgetretene Bausenatorin geschafft. Was spricht dagegen z.B. den Hermannplatz aufzuwerten? Schön ist das ganze Areal zurzeit nicht und Investoren kann Kreuzberg uns Neukölln wohl gut gebrauchen. Aber die Linken und Teile der Berliner Grünen sehen Investoren immer nur als böse Kapitalisten und Verbrecher. Aber sind nicht in der Lage wirklich etwas zu bewegen, siehe Wohnungsbau Radwegenetzt, Verkehrskonzept in dem alle Verkehrsteilnehmer berücksichtigt werden oder vernünftigen Ausbau des ÖPNV, bsp. U-Bahn

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