Viele grüne Avocados (Quelle: imago images/Manngold)
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Video: SUPER.MARKT | 17.08.2020 | 20:15 Uhr | Bild: imago images/Manngold

Coating statt Plastikverpackung - Wie sinnvoll die essbare Schutzschicht auf Obst & Gemüse ist

In Plastik verpacktes Obst und Gemüse hält oft länger, produziert jedoch Unmengen an Müll. Eine Alternative, die man jetzt häufiger im Handel findet: Coating. Die Erzeugnisse werden durch eine aufgebrachte Schutzschicht geschützt. Doch ist das die Lösung?

Coating (englisch für Beschichtung, Umhüllung) bedeutet, dass Obst und Gemüse eine Schutzschicht erhalten. Diese Schutzschicht ist essbar – und die Produkte bleiben durch sie doppelt so lange haltbar. Dafür gibt es zwei verschiedene Verfahren.

Einmal werden die Produkte mit einer Mischung aus Pflanzenresten, Öl und Zucker besprüht. Die Produzenten nehmen dafür gerne Abfallprodukte wie Schalen und Kerne der jeweiligen Früchte und Gemüse. Von denen werden Fette, Zuckermoleküle und Zellulose extrahiert und weiterverarbeitet.

Daneben gibt es das Coating mit einfachen Mono- und Diglyceriden von Speisefettsäuren, also dem Lebensmittelzusatzstoff E471. Der Zusatzstoff gilt als ungefährlich, er kann im Körper erzeugt werden – und es gibt noch nicht einmal eine Höchstmenge, die eingesetzt werden darf.

Produkte gibt es häufig, sind aber schwer erkennbar

Benutzt wird Coating derzeit vor allem bei Südfrüchten, die relativ schnell verderben, weil der Transportweg sehr lang ist: Bananen, Avocados, Granatäpfeln, Mangos, Ananas oder Papayas.

Wer als Verbraucher allerdings gezielt im Supermarkt nach gecoateten Produkten sucht, hat es mitunter schwer: "Nach Angaben der Handelsketten gibt es diese Produkte schon in relativ vielen Märkten", erklärt Britta Schautz von der Verbraucherzentrale Berlin (VZB). "Aber es muss nicht immer gekennzeichnet sein, das hängt vom Erzeugnis ab – bei Avocados zum Beispiel nicht, bei Zitronen schon." Bioprodukte dürfen übrigens gar nicht gecoatet werden, denn der Gebrauch des Zusatzstoffes E471 ist für Bioerzeugnisse nicht zugelassen.

Coating ist teuer

"An sich ist das Coaten ein guter Ansatz, um die Lebensmittelverschwendung und das Müllaufkommen zu verringern", sagt Schautz. Die Produkte würden seltener verderben, die Händler weniger Waren wegwerfen. Zudem könnten die Waren mit dem Schiff – und nicht mit dem Flugzeug – transportiert werden. "Auch das ist super, denn so wird CO2 gespart."

Aber Verbraucherinnen und Verbraucher sollten dennoch ganz genau hinschauen. Anstelle von Südfrüchten, bei denen die Händler mit dem Coating auf Nachhaltigkeit setzen wollen, können Kunden gerade im Sommer regionale Produkte wie Erdbeeren oder Heidelbeeren aus Brandenburg kaufen. "Die Auswahl aus der Region ist generell besser und muss nicht gecoatet werden. Sie kommt nämlich frisch in den Supermarkt", so Schautz.

Außerdem kam die VZB in Stichproben zu dem Ergebnis, dass gecoatete Produkte um 50 Prozent teurer sind als herkömmliche: "Wenn ich bedenke, dass der Verbraucher gar nicht gut erkennen kann, ob ein Produkt gecoatet ist, der Händler aber natürlich weniger Lebensmittelverschwendung hat und dadurch mehr Gewinn – dann ist das natürlich unfair.

Sendung: SUPER.MARKT, 17.08.2020, 20:15 Uhr

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16 Kommentare

  1. 15.

    Öko hier, Öko da, nur werden bei sehr vielen Öko-Bauernhöfen fleißig Pestizide gespitzt. Auch Öko-Pestizide können Bienen töten.

  2. 11.

    Hat der Redaktion nicht gefallen wenn sich Leser an frühere rbb-Empfehlungen erinnern ?

  3. 10.

    Produzieren Sie sich doch ihre Lebensmittel selber, dann wissen Sie genau was Sie essen und trinken, alles ohne Chemie.

  4. 9.

    Es gibt ja auch Bio-Avocados, beim örtlichen Rewe oft nicht mal groß teurer. Selbst Lidl hat Bio-Avocados. Wie ich hier gelernt habe, werden die nicht gewachst. Der Wasserverbrauch ist natürlich inzwischen selbst in Brandenburg hoch, wenn wir weiter so machen können wir nur noch von Soylent Green leben! Definitiv meide ich alles aus den spanischen Monokulturen, die eine Bewässerungskatastrophe sind. Was mir neben möglichst regional noch wichtig ist, ist saisonal, also keine Erdbeeren zur Unzeit.

    Hinterfragen ist das Zauberwort. "kann es sein, dass?". Wenn es nicht sein kann, dass Erdbeeren im Dezember in Spanien im Freiland wachsen, dann stimmt was nicht...

  5. 8.

    So gerne ich Avocados auch mag, verzichte ich jetzt darauf. Nur bei Bananen (allerdings nur die von Demeter) esse ich auch weiterhin.

  6. 7.

    Wenn man gleich BIO-Gurken kauft oder zumindest unbehandelte Gurken - gibt es auf dem Wochenmarkt --, ist keine Verpackung erforderlich und die Reste sind auch problemlos zu kompostieren.

  7. 6.

    Wer Avocados konsumiert, soll mir nichts von Umweltschutz erzählen. (Für Unwissende: Informieren Sie sich nur mal über den verheerenden Wasserverbrauch beim Anbau dieser Frucht.)

  8. 5.

    Kartoffeln, Möhren, Zwiebeln, Kohl, Äpfel ...- viel mehr gab's in der DDR nicht. Niemand mußte Hungern. Wenn kein High-Tech- Produkt da ist, geht's auch ohne. Alles Regional. Gut für's Klima! Beutel und Einkaufsnetz hatte man immer dabei. Immer jedes Obst und jedes Gemüse frisch kaufen können ist langweilig. Wir haben uns über Frühkartoffeln gefreut, weil die Einkellerungskartoffeln nicht mehr so lecker waren. Plasteverpackung gab's kaum. Ich finde es gut, wenn man sich Möhren, Kartoffeln, ... aus dem Karton oder aus der Kiste nehmen kann und die gewünschte Menge in seinen Korb legt. Wir haben gekauft, was da war. Jetzt gibt es zuviel
    Wer will die ollen alten Kartoffeln, wenn es schon neue gibt?! Oder Süßkartoffeln, Orangen, Bananen, Paprika, Avocado, Kiwis, ...
    Vieleicht sollte es einen richtigen Obst/Gemüseladen (im Supermarkt?!)geben, mit ausschließlich frischen Früchten aus regionalem Bio-Anbau?!!! : =ohne Beschichtung und ohne Plastikverpackung!

  9. 4.

    schon wieder irgendwelche zusatzstoffe, auch zucker extra für diabetiker. Toll, wann endlich bekommt man natürliche Lebensmittel? Überall Chemieeinsatz

  10. 3.

    Warum sollte ich Obst und Gemüse essen was von jedem angegratscht wird?
    Verpackungen haben sich durchgesetzt, weil sie einen Sinn haben. Und das schon ein Jahrhundert.
    Vertragsbruch durch andere Staaten, indem sie die von uns bezahlte Müllentsorgung fehlleiten, die in den Ozean zu kippen, hat nichts mit dem Westen zu tun sondern mit Dreistigkeit.

  11. 2.

    Wie verhält sich coating auf dem Kompost? Vergeht womöglich nie.. auf Schälprodukten könnte es mir egal sein. Bei den jetzt schnell aufweichenden Gurken ist es fies, weil ich die nicht zwangsweise schäle. Da war Plastik unschlagbar. Da fasse ich jetzt alle Gurken an, nehm die knackigste und packe sie zu Hause in Folie...

  12. 1.

    Leider wird in den Medien zu wenig über die wahren Ursachen des Plastiks in den Meeren berichtet. Letztens ein Beitrag zu Plastik in der Schule. Ein paar Fakten welche unsere Grünen nicht gerne nennen. Der Großteil des Mülls stammt aus Asien. Zudem ist die Schifffahrt auch ein großer Verursacher.

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