Der Unternehmenssitz des Lieferdienstes DELIVERY HERO in der Oranienburger Straße (Bild: imago images/T. Seeliger)
Bild: imago images/T. Seeliger

Nachfolger der insolventen Wirecard - Berliner Start-up Delivery Hero steigt wohl in den Dax auf

Der Essenslieferant Delivery Hero wurde in Berlin als Start-up gegründet und gehörte in den vergangenen Monaten zu den Gewinnern der Corona-Krise. Jetzt steigt das Unternehmen laut "Handelsblatt" in die erste Liga der Börse auf - als Nachfolger der insolventen Wirecard.

Der Berliner Konzern Delivery Hero steigt wohl in den Dax auf, den Aktienindex der 30 größten deutschen Unternehmen. Das geht aus einer Mitteilung der Deutschen Börse vom Mittwochabend hervor, wie das "Handelsblatt" berichtet. Die Berliner erfüllten die für den Dax-Aufstieg nötigen Kriterien - im Vergleich mit dem verbliebenen Konkurrenten, dem Duftstoff- und Aromenhersteller Symrise - am besten, heißt es in dem Artikel. Dazu zählen die Marktkapitalisierung der frei handelbaren Aktien und der durchschnittliche Börsenumsatz.

Delivery Hero soll im Dax das insolvente Skandal-Unternehmen Wirecard ersetzen, das nach Handelsschluss am 21. August aus dem Leitindex ausgeschlossen wird. Turnusgemäß hätte der Wirecard-Rauswurf erst zum 21. September stattfinden sollen, doch die Börse schlug angesichts des Wertverlusts von Wirecard eine kurzfritige Änderung vor, die nun noch im August vollzogen wird. In einer Umfrage der Deutschen Börse stimmte eine Mehrheit der Marktteilnehmer für diese Änderung der Regeln, die zur Verbannung des Ende Juni Pleite gegangenen Konzerns führt, wie die Deutsche Börse mitteilte.

Die Deutsche Börse will erst am kommenden Mittwochabend bekanntgeben, wer Wirecard im Dax folgt. Die Delivery-Hero-Aktien legten am Donnerstag im Frühhandel um mehr als drei Prozent zu.

Deutschland-Geschäft für knapp eine Milliarde verkauft

Das 2011 in Berlin als Start-up gegründete Unternehmen Delivery Hero betreibt heute in mehr als 40 Ländern Bestellplattformen für Essen lokaler Anbieter und beschäftigt 25.000 Mitarbeiter. Zwar profitiert der Konzern in der Corona-Krise von der steigenden Nachfrage nach Essens-Lieferungen, doch wegen der Kosten des Expansionskurses schreibt das Unternehmen im operativen Geschäft noch Verluste.

Im vergangenen Jahr verkauften die Verantwortlichen das gesamte Deutschland-Geschäft an den niederländischen Konkurrenten Takeaway (Lieferando). Delivery Hero verdiente knapp eine Milliarde Euro mit dem Deal und investierte weiter kräftig in Märkte im Nahen Osten sowie in Nordafrika. Im vergangenen Jahr kam mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes in Höhe von 1,2 Milliarden Euro aus diesen Regionen. Auch in Asien ist Delivery Hero stark. In Europa ist der Konzern hingegen fast ausschließlich in nord- und osteuropäischen Ländern aktiv. In Westeuropa sieht Konzernchef Niklas Östberg zu wenig Wachstumspotenzial.

Zweites Berliner Unternehmen im Dax

Delivery Hero wäre nach dem Immobilienkonzern Deutsche Wohnen erst das zweite im Dax notierte Berliner Unternehmen. Neun der 30 aktuellen Dax-Unternehmen haben ihren Firmensitz in Bayern, acht in Nordrhein-Westfalen, vier in Hessen, drei in Baden-Württemberg, zwei in Niedersachsen und jeweils eines in Hamburg und Dublin. Siemens gibt als Sitz der Gesellschaft München und Berlin an, die Konzernzentrale befindet sich jedoch in München.

Sendung: Abendschau, 13.08.2020, 19.30 Uhr

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10 Kommentare

  1. 10.

    Und wieder so ein Krisengewinnler, der nur prekäre Arbeitsplätze schafft, für Beschäftigte, die nichts für Ihre Rente erwirtschaften können, um sich ein Monopol zu schaffen und damit jedes Restaurant mit erpresserischen Bedingungen in Schieflage bringt. Ähnliches findet in der Hotellerie statt und im Einzelhandel. Das ganz große Geld lockt jetzt in der Share-Economy. Mehr Carsharing, damit das Geld der Verbraucher, die jetzt noch selbst die Autos kaufen, in ganz großem Stil abgeschöpft werden kann. Und wieder wird ein US-Bürger superreich. Aber ist ja alles schick und zukunftsweisend. Zerstört nur Märkte und damit Konkurrenz. Und ganz nebenbei erhält man noch den gläsernen Verbraucher durch ungezügelte Datensammelei. Brave new world!

  2. 8.

    Handfest und solide ist Beides nicht.
    Die Ersten boten Zahlungsverkehr in astronomischem Ausmaß an, die Zweiten befördern Verkehr in astronomischem Ausmaß auf den Straßen, weil Kochen & Braten doch gefälligst Sache "der anderen" sein soll.

  3. 7.

    Die einen sind getrieben von Geld und nähren die Abstraktion des Geldes weiter in unendliche Höhen hinein bis sie selbst den Überblick dabei verlieren, die anderen sind Getriebene auf der Straße. Da kann dann schon mal unabsichtlich - weil total in Gedanken - eine Tür aufgeschlagen werden und der auf gleicher Höhe Befindliche hat dann einfach Pech.

  4. 6.

    Lesen Sie die Artikel auch? Lieferando gehört seit einiger Zeit zu Takeaway, einem niederländischen Unternehmen.

  5. 4.

    Der DAX ist scheinbar nur ein Spekulationsindex.

  6. 3.

    Noch nie einen Cent mit dem eigentlichen Geschäft verdient und die Ausbeutung von Mitarbeitern und Restaurants als Geschäftsprinzip, genau sowas hat in der ersten Börsenliga noch gefehlt.

  7. 2.

    Völlig andere Branche. "Auch in Asien ist Delivery Hero stark" - Wahrscheinlich nur.
    Delivery Hero noch nie gehört. Lieferando schon und ist allgegenwärtig. Der DAX muss echt am Boden sein.

  8. 1.

    Irgendwie eigenartig : Wieder steigt ein Unternehmen in den DAX auf, dass nur von Provisionen lebt und keine eigentliche Wertschöpfung hat. Nicht dass dabei am Ende eine Luftnummer wie bei Wirecard rauskommt...

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