Heizpilze im Friedrichshain (Quelle: imago-images)
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Einbußen in der Gastronomie - Gaststättenverband will Heizstrahler gegen Corona-Krise

Der Gaststättenverband Dehoga will mit dem Einsatz von Heizstrahlern die Einbußen der Corona-Krise bekämpfen. Auch im Herbst soll demnach Außengastronomie möglich gemacht werden, damit Gastwirte trotz Abstandsregel mehr Gäste bewirten können. Jene Kommunen, die derzeit ein Verbot von Heizpilzen im öffentlichen Straßenland haben, sollten es aussetzen, sagte Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges dem "Tagesspiegel" in einem am Freitag veröffentlichten Interview.

Kritik und Spott von Umweltschützern

Umweltschützer haben die Forderung scharf kritisiert. Heizstrahler und Heizpilze seien eine "Klimasauerei", sagte BUND-Energieexpertin Irmela Colaço. Ein einziges Gerät könne in einer Saison so viel Kohlendioxid produzieren wie ein Kleinwagen im Jahr. Eine Heizung, die auf der Straße steht und die Luft beheizt, ist der ineffizienteste Einsatz von Energie". Gäste von Restaurants und Kneipen, die draußen sitzen möchten, sollten sich lieber eine Decke umlegen.

Spott erntete der Dehoga von der Umweltschutzorganisation Greenpeace. "Wenn Gastronomen fordern, die Saison durch Heizpilze auszudehnen, klingt das so, als würden die Küstenregionen verlangen, mit Tauchsiedern die Badesaison an Nord- und Ostsee zu verlängern", sagte die Greenpeace-Klimaexpertin Lisa Göldner dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Kritik kam auch von den Grünen. Markus Tressel, Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion für Tourismuspolitik, bezeichnete die Forderung als "nicht zielführend". "Man sollte nicht damit anfangen, die Einhaltung etablierter Umweltstandards quasi an die Kassenlage zu koppeln", sagte Tressel dem RND. Er glaube auch nicht daran, dass es möglich ist, im späten Herbst und Winter signifikante Teile des Gastrogeschäfts in den Außenbereich zu verlagern. Tressel forderte vielmehr stärkere finanzielle Hilfen für die Gastronomie von der Bundesregierung.

Unterstützung aus Union und FDP

Unterstützung erhielt die Forderung der Dehoga hingegen aus Reihen von CSU und FDP. "Anders als in geschlossenen Räumen ist die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung des Virus durch Aerosole an der frischen Luft gering", sagte Paul Lehrieder (CSU), tourismuspolitischer Sprecher der Unionsfraktion, dem RND. Angesichts der dramatischen Umsatzeinbrüche im Gastro-Bereich sei eine temporäre Aussetzung des Heizpilzverbots sinnvoll. "In dieser Ausnahmesituation stehen für mich das Gesundheitsinteresse der Gäste und die Existenzsicherung der Gastronomen im Vordergrund."

Der Tourismusexperte der FDP-Bundestagsfraktion, Marcel Klinge, sagte dem "Tagesspiegel", obwohl Heizstrahler umweltpolitisch problematisch seien, sollte ein verantwortlicher Einsatz in diesem Ausnahmejahr 2020 zugelassen werden.

13 Kommentare

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  1. 13.

    Oh, no, YES, es geht hier nicht (oder nur nebensächlich um Corona) Herr oder Frau Wichtig !!
    Was soll dieser Kommentar, der keiner ist ???

  2. 12.

    Welch absurde Idee. Wer schon unter einem Heizpilz saß, weiß, dass es an einer Stelle zu heiß und daneben zu kalt ist. Ausserdem riechen die Teile leicht unangenehm, was den Genuss eines guten Essens verdirbt. Beim schnellen Imbiss oder ein paar Gläsern Alkohol stört das vielleicht den Kunden nicht. Schon deshalb ist die Aussage des CSU Herrn bezüglich Gesundheitsinteresse auch falsch, zumal immer mehr Co2 die Gesundheit aller nicht fördert. Und auch wenn es mancher nicht hören mag, es gibt viel zu viel Gastronomie- jedenfalls z.Zt. Am Wittenbergplatz z.B.gibt es nur Gastronomie, keine anderen Geschäfte ausser Edeka und Butter L.( auch mit Gastro) und alle sind auf und so gut wie leer. Wie finanzieren die sich alle? Vielleicht wäre die Stadt mit anderen Läden schöner? Was das ganze ungelernte Servivepersonal betrifft, es gibt in relevanten Bereichen 10 000e unbesetzte Stellen, wofür man jedoch eine Ausbildung benötigt. Dann gäbe es weniger Arbeitslose aus der Gastronomie.

  3. 11.

    „ Abseits von Corona...“ Sehr sinnvoll so etwas zu schreiben, wenn es gerade um Corona geht.... Was soll der Kommentar?

  4. 10.

    Abseits von Corona sind Heizpilze doch wohl der Gipfel des Schwachsinns. Wem zu kalt ist, der muß sich warm anziehen oder in geheizte Räume begeben.
    Wer auch noch die Außenwelt beheizen will, dem kann es ja wohl wirtschaftlich nicht so schlecht gehen. Aber wirtschaftliche Interessenverbände sind ja meistens die Lautsprecher derjenigen, die eh genug Geld haben und davon nie genug bekommen können !

  5. 9.

    Dem kann ich mich nur vollumfänglich anschließen.
    Wäre die einfachste, beste und sicherste Lösung, auch für die Zukunft und selbstverständliche natürlich auch für viele andere Dinge wie Schulen, Diskotheken und so weiter.
    Verstehe nicht warum da nicht vielmehr der Fokus drauf gelegt wird.
    In Zusammenhang mit den Schnelltests könnte das dann die Lösung für die Zukunft werden, weil an einen funktionierenden Impfstoff in den nächsten Jahren glaube ich nicht.

  6. 8.

    Die sind aber keine Lösung für die vielen Gastronomen,die gar keinen Außenbereich für ihre Gäste anbieten können.

  7. 7.

    Insgesamt bedarf es aber doch einer Lösung für alle Gastronomen im Herbst/,Winter/Frühjahr,also in kälteren oder kalten Jahreszeiten. Nicht alle haben Außenbereiche und die ,die welche haben bewirtschaften sie nicht ausschließlich.
    Man muss also auch über andere Lösungswege nach-denken,wie Gastronomen ihre Gäste in Innenräumen möglichst mit Frischluft zu versorgen. Das wäre dann ein Konzept für die Zukunft,denn COVID19 ist ja erstmal da.
    Lt. bayerischem Dehoga-Verband registriert man dort vermehrt Nachfragen zu Lüftungsanlagen, die Aerosole und damit die Verbreitung des Coronavirus im Innenraum reduzieren sollen.
    Wäre ja wohl auch für Berlin ein Thema/ zu prüfender Lösungsansatz.

  8. 6.

    Durch Home-Office und ausgefallene ÖPNV-Fahrten wurde so viel CO2 eingespart, dass die paar Heizpilze nun wirklich vernachlässigenswert sind.

  9. 5.

    Richtig.
    Die Heizpilze wären sowohl fürs Geschäft gut als auch gegen Corona.
    Grüne verzichten doch im Winter auch nicht auf das Heizen ihrer Wohnungen, die ja auch sicherlich nicht die kleinsten sein dürften.
    Wir haben wohl im Winter noch ganz andere Probleme.
    Vielleicht können wir ein Jahr mal ohne diese ganze Klimahysterie auskommen.

  10. 4.

    Die Häme von "Umweltfunktionären", von denen offenbar niemand Existenzsorgen haben muß, sind weder produktiv noch weiterführend, ebenso manche Kommentare, die nur sinnlose Panik signalisieren "bis das Wasser vor den Toren steht..." Der wirtschaftliche Einbruch durch die Seuche ist bislang beispiellos. Kann das grüne Wohlstandsbewußtsein das nicht begreifen?

  11. 3.

    Spielen wir Corona gegen die Klimakrise aus. Geile Idee.

  12. 2.

    Ob diese Menschen sich darüber bewusst sind, wie stark ihr Umsatz einbricht, wenn das Wasser bis vor den Toren der Stadt steht?

  13. 1.

    Da es viele Restaurants ohne Außenbereich gibt,die auch einen Weg finden müssen,wie sie überleben können,braucht es m.E. wohl eher keine Heizpilze sondern coronasichere Lüftungskonzepte für ALLE.
    Wenn es die gibt,ich habe keine Ahnung.
    Dafür gibts ja Fachleute.

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