Kultursenator und Bürgermeister Klaus Lederer (M, Die Linke) unterzeichnet am 03.08.2020 neben dem Regierende Bürgermeister Michael Müller (l, SPD) und Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (r, Bündnis 90/Die Grünen) im Roten Rathaus einen Vertrag. Der beinhaltet die vorläufige Rettung der Karstadt-Filialen an der Müllerstraße im Wedding, am Tempelhofer Damm in Tempelhof und an der Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Video: Abendschau | 03.08.2020 | Ulli Zelle | Gespräch mit André Erdmann | Bild: dpa/Paul Zinken

Vereinbarung mit dem Senat - Drei weitere Karstadt-Filialen in Berlin werden gerettet

Die Rettung der Filiale von Galeria Karstadt Kaufhof im Lichtenberger Ring-Center war bereits bekannt - jetzt können die Beschäftigten von drei weiteren Berliner Kaufhäusern aufatmen. Das gab der Senat nach Verhandlungen mit dem Eigentümer bekannt.

Die von der Schließung bedrohten Galeria Karstadt Kaufhoffilialen im Ring-Center, am Tempelhofer Damm, in der Wilmersdorfer Straße und in der Müllerstraße bleiben erhalten. Das hat der Berliner Senat am Montag in einem Letter of Intent mit dem Generalbevollmächtigten von Galeria Karstadt Kaufhof beschlossen. Darin ist nach den Worten des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD) auch Verlässlichkeit in Bezug auf Arbeitsplätze enthalten.

Müller kündigte außerdem an, dass der Senat die Pläne zum Karstadt-Neubau am Hermannplatz an sich ziehe. Dort lehnt der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg ein "Monumentalkaufhaus" ab.

Ursprünglich sollten sechs Berliner Filialen schließen

Müller, Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) und Kultursenator Klaus Lederer (Linke) unterzeichneten am Montag im Roten Rathaus einen sogenannten "Letter of Intent" mit Galeria Karstadt Kaufhof. Müller sagte, er sei sehr erleichtert über das Ergebnis. Der Senat wolle im Gegenzug die Weiterentwicklung von Karstadt-Standorten unterstützen.

Ursprünglich sollten sechs der elf Warenhäuser in der Hauptstadt geschlossen werden. Die Abwicklung der Filiale im Lichtenberger Ring-Center konnte bereits im Juli abgewendet werden. Nach Angaben von Pop laufen für die Filiale von Karstadt Sport am Zoo weiter Verhandlungen. Dort sei "die Messe noch nicht gesungen". Der Standort Ring-Center sei für zehn Jahre gesichert, Tempelhofer Damm für fünf Jahre, Wilmersdorfer und Müllerstraße für zunächst drei Jahre. In die Häuser würden 45 Millionen Euro investiert.

Die beiden Häuser, deren Schließung nicht abgewendet werden konnte, sind die Filialen im
Linden-Center in Hohenschönhausen und die in den Neuköllner Gropius-Passagen.

Konzern schwer angeschlagen

Galeria Karstadt Kaufhof hatte im Juni angekündigt, bundesweit 62 von 172 Filialen zu schließen. Der Konzern war nach der pandemiebedingten Schließung aller Filialen bundesweit in eine schwere Krise geraten und hatte im April Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen müssen.

Sendung: Abendschau, 03.08.2020, 19.30 Uhr

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62 Kommentare

  1. 62.

    Klüngelei? Nein, nennt sich Wirtschaftsförderung. Und wenn die kleinen Bezirksfürsten mal über den Tellerrand denken würden, wäre der Schritt des Senats nicht notwendig.

  2. 61.

    Sehe ich ähnlich. Ich bin ehrlich und will mit dem Auto parken können. Ich bin zu faul, meine Einkäufe in der BVG herumzutragen.

  3. 60.

    3 Filialen gerettet für 3 Jahre, dafür werden die Mitarbeiter der 2 Abrissfilialen entlassen. Die Häuser sind größer, also wird es mehr Mitarbeiter treffen.
    Tolles Ergebnis.

  4. 58.

    Hallo Florence. Wenn das lese, kocht innere Wut in mir hoch. Das Karstadt Management agiert hier unter Niveau. Noch harmlos ausgedrückt. Und das schon Jahrelang. Das ist leider auch in anderen Filialen deutlich sichtbar. Man kann gut mitverfolgen wie“Springerkräfte“ für weniger Lohn eingesetzt werden.

  5. 57.

    So lange ihr alle bei Amazon, ebay und co einkauft, werden nach und nach immer mehr Geschäfte aus den Städten verschwinden. Und mit dem RRG Autohass Senat wird es bald einige in der Friedrichstraße treffen, aus der Autofahrende Käufer vergrault werden.
    Ich bin letztens ganz ökologisch lieber den weiten Weg ins A10 Center gefahren (dann Waltersdorf zu Ikea/ Höffner) als irgendwas in der Stadt, in der man mich nicht haben will und zusätzlich am fortkommen hindert wo es nur geht.

  6. 56.

    Der Standort Karstadt in Tempelhof wird erhalten, eigentlich ein Grund zur Freude. Doch ist offensichtlich die Markthalle Lebensmittelabteilung ehemals Perfetto davon ausgenommen. Warum ist noch nicht klar. Gestern die Erleichterung nach wochenlangem Zitterns, ein Tag später der Schock. Tolles erfahrenes Team und langjährige Top- Mitarbeitern! Wochenlang haben sie die Stellung während der Koronakrise gehalten. Von den Kunden haben sie selbstgenähte Masken erhalten, als sie noch keine hatten! Hochgelobt in der Öffentlichkeit. Und vom eigenen Unternehmen? Nichts. Ausser die Kündigung ohne Vorwarnung ein Tag, nachdem das Haus gerettet wurde. Ein miserabler Zeugnis für den Umgang mit den eigenen Mitarbeitern für die Geschäftsführung. Wann wird endlich das Personal als Ressource wahrgenommen und nicht als beliebige Kostenmasse ?

  7. 55.

    Hallo Lothar/Charlottenburg! Nun weiß jeder, der die Wirtschaftsentwicklung seit 2008 (Bankencrash)verfolgt, dass die Wirtschaft nicht nur in Deutschland 2020/21 so eine richtige Bauchlandung hinlegen wird und hatte genügend Zeit gehabt sich aus den Zombiefirmen wie Karstadt zu verabschieden. Ich habe in meinem Umfeld gleich mehrere Bekannte, die Karstadt mittlerweile den Rücken gekehrt haben und in krisenfeste Berufe sich umschulen ließen, nachdem ich sie als echter Freund entsprechend beraten hatte.
    Auch heute gilt daher: Ich kann hier keine allgemeinen Empfehlungen geben sondern nur individuelle. Eins ist jedoch klar: wenn Karstadt in absehbarer Zukunft crasht, dann wird es den verbliebenen Ex-MitarbeiterInnen wie den "Schlecker-Frauen" gehen, nur sehr viel schlechter!

  8. 54.

    Ich war paar mal in der Karstadt Filiale in der Wilmersdorfer und verstehe nicht warum sie erhalten bleiben sollte. Das Ambiente der Filiale ist ehr abschreckend, als einladend zum kaufen. Es ist Jahrzehnte nichts gemacht worden und wirkt wie in den 80er Jahren vergessen worden zu sein. Zu der Ausstattung passt nicht das teure Sortiment und das Sortiment nicht an die Zielgruppe die gebraucht wird um Karstadt zu retten. Ich verstehe da vollkommen das die Kunden zum shoppen in die Arkaden gehen.

    Und was ist dann in drei Jahren?

  9. 52.

    Mit dieser Art von "Klüngelei" kann ich sehr gut leben. Was sich der Stadtrat Schmidt geleistet hat, war ja auch untragbar.
    Der Hermannplatz ist heute derartig verkommen, da ist Karstadt der einzige Lichtblick.
    Schön, dass die Filialen in Tempelhof, Charlottenburg und Wedding erhalten bleiben. Da muss ich den Senat ausnahmsweise mal richtig loben. Für den Erhalt der Kiezstrukturen war es das einzig richtige.

  10. 51.

    "Müller kündigte außerdem an, dass der Senat die Pläne zum Karstadt-Neubau am Hermannplatz an sich ziehe." - das riecht nach Klüngelei

  11. 50.

    Also, ich muß schon sagen, Ihre Aussage ist abwertend, unpassend und für mich persönlich sehr befremdlich!

  12. 49.

    Und wo sollen all diese Mitarbeiter*innen ihrer Meinung nach hinflüchten? Da bleibt denen nur noch der Niedriglohnsektor. Selbst dort gibt es genügend Arbeitskräfte. Da muß ich nicht weit schauen. Der Onlinehandel ist da eindeutig der Gewinner. Selbst wenn Karstadt sein Konzept grundlegend ändern würde, holen sie die Kunden damit auch nicht wieder zurück.

  13. 48.

    Unter Wirtschaftsfachleuten bezeichnet man die angeblich geretteten Karstadt-Filialen als "Zombie-Unternehmen". Das sind Unternehmen, die ein Verkaufskonzept haben, das nicht mehr zeitgemäß ist, die eine Dienstleistung anbieten, die kaum noch einer benötigt, so dass es sich wirtschaftlich rechnen würde oder etwas herstellen, was keiner mehr braucht. Durch die Negativ-Zinspolitik der EZB haben diese Firmen zumeist günstige Kredite bekommen von denen man weiß, dass sie NIE WIEDER an die sie auszahlenden Banken zurückgezahlt werden können. Mittlerweile gibt es in Deutschland ca. 12 - 15 Prozent dieser "Zombiefirmen" und die Filialen von Karstadt gehören auch dazu. Der Berliner Senat hat deswegen die Filialen auch keineswegs gerettet, sondern deren endgültige Schließung nur ein wenig nach hinten verschoben. Deswegen mein Rat: Mitarbeiter der Filialen, verlasst das sinkende Schiff solange es noch geht!

  14. 47.

    Da springt der Senat einem Unternehmen zur Seite, das seit der Middelhoff-Affäre Anfang der 200er an die Wand gefahren wurde. Es gab und gibt es hier Management- und systemische Fehler. Der Konzern hat sich nie bemüht das Warenhaus-Konzept ins 21. Jahrhundert zu bringen. Die Kundschaft und das Kaufverhalten hat sich verändert. Die ältere Kundschaft, die ausschließlich mit Kaufhäusern aufgewachsen ist, wird es bald nicht mehr geben.
    Ein viel zu breites Sortiment das nicht auf die Kunden abgestimmt ist, rotzige Verkäufer, eine verfehlte Preis-, Rabatt-, und Aktionspolitik, Eigenmarken und Billigware auf Primark-Niveau, etc. Baustellen gibt es viele.

    Der Senat hat sich hier erpressen lassen. OK, der Drops ist gelutscht. Aber das die Standorte gerettet werden heißt noch lange nicht, das auch alle Arbeitsplätze gerettet sind. Ich hoffe das Karstadt jetzt ein richtig gutes, zukunftsweisendes Konzept vorstellt. Ansonsten stehen wir in 1 Jahr an genau der geichen Stelle.

  15. 45.

    Irgendwie erinnern mich die 3 an die 2 Herren und 1 Dame vom Grill.

  16. 44.

    Ich freue mich sehr, dass auch die Filiale in der Wilmersdorfer Straße gerettet werden könnten, wenn auch zunächst nur für 3 Jahre, aber vielleicht, gibt es dadurch auch bald wieder einen Schub bei allen Mitbürgern, mehr im Einzelhandel zu kaufen, statt online zu kaufen. Ich jedenfalls freue mich sehr, über den Erfolg, vor allen Dingen auch für die Mitarbeit, deren Arbeitsplatz damit ersteinmal gesichert ist.

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