Archivbild: Durch die Gitterstäbe eines Teirtransporters blicken junge Kälber in Frankfurt (Oder) (Bild: dpa/Patrick Pleul)
Audio: Inforadio | 04.08.2020 | René Althammer | Bild: dpa/Patrick Pleul

rbb-exklusiv | Rinder-Handel im Fokus - Ermittlungen wegen Beihilfe zur Tierquälerei eingeleitet

Nachdem Recherchen des rbb fragwürdige Rindertransporte in "Hochrisikostaaten" mit ungenügendem Tierschutz aufgedeckt haben, folgen nun Konsequenzen: In vier Bundesländern, darunter Brandenburg, wird in der Sache ermittelt.

In Brandenburg und drei weiteren Bundesländern sind Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Tierwohlgefährdung beim Transport lebender Rinder eingeleitet worden. Das ergaben gemeinsame Recherchen des ARD-Mittagsmagazins und der Redaktion rbb|24 Recherche. Vorangegangen waren Berichte der beiden Redaktionen, wonach Brandenburg neben Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen zu den wichtigsten Umschlagplätzen von Rindertransporten in "Hochrisikoländer" gehört.

Ermittlungen in vier Bundesländern

Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten hatte im Juni bundesweit Anzeigen gegen Verantwortliche in Veterinärämtern, Export- und Transportunternehmen wegen des Verdachts der Beihilfe zur Tierquälerei gestellt. Vier Pfoten wirft den Beteiligten vor, geltende EU-Tierschutzverordnungen für Lebendtiertransporte in Nicht-EU-Staaten umgangen zu haben. Es geht um Transporte nach Algerien, Georgien, Kasachstan, Libyen, Marokko, Turkmenistan, Usbekistan sowie in den Iran und Libanon.

Aufgrund der Anzeigen haben die Staatsanwaltschaften Potsdam, Cottbus, Görlitz, Münster, Osnabrück und Bonn Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt eingeleitet. Aus Neuruppin hieß es, man prüfe noch. Die Verfahrensakten seien zum Teil schon an die zuständigen Polizeibehörden weitergeleitet worden.

Tierschützer: "Systematisch rechtswidrige Transporte durchgewunken"

2015 hatte der Europäische Gerichtshof geurteilt, dass Transporte lebender Tiere in Nicht-EU-Länder nur zulässig sind, wenn die Einhaltung der europäischen Tierschutzstandards gewährleistet ist. Dazu gehören Rast- und Ruhezeiten an dafür geeigneten Orten während des Transports und tiergerechte Haltungs- und Schlachtbedingungen im Zielland.

Rüdiger Jürgensen, Geschäftsführer von Vier Pfoten Deutschland, begrüßte gegenüber dem rbb die Einleitung der Ermittlungsverfahren. "Es werden systematisch rechtswidrige Transporte beantragt und durchgewunken. So darf es nicht weitergehen", sagte Jürgensen. "Alle Vorgänge müssen lückenlos aufgeklärt werden, denn es besteht nicht nur der Verdacht, dass gegen die Tiertransportverordnung verstoßen, sondern auch strafbare Beihilfe zur Tierquälerei geleistet wurde." Jürgensen fordert von der Bundesregierung, die EU-Ratspräsidentschaft zu nutzen, um "EU-weite Lösungen zu finden. Sonst werden die Tiere über andere Mitgliedsstaaten in Länder außerhalb der EU transportiert."

Bund verweist auf Online-Dokumentation der Routen

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) erklärte gegenüber dem ARD-Mittagsmagazin und rbb24 Recherche, ihre Verwaltung setze sich "für die konsequente Einhaltung der Tierschutzvorschriften auf der gesamten Route und die internationale Fortentwicklung des Tierschutzes" ein. Der Transport von Tieren würde "bei der Europäischen Kommission, im Rat für Landwirtschaft und Fischerei, im Bereich der EU-Tierschutzplattform, aber auch bei Verhandlungen über Drittlandzertifikate und in Workshops z.B. bei der Welttiergesundheitsorganisation (OIE) aufgegriffen und diskutiert."

Klöckner wies außerdem auf die Verpflichtung der Bundesländer hin, die Tierschutzrechte durchzusetzen. Zudem gebe es ein Webtool, dass einer Datenbank für Transportrouten gleiche. Das Programm sei bereits online und die Länder sollten darin Informationen über Transportrouten teilen können, so die Ministerin. Dazu gehöre auch die Frage, "ob es entlang einer Route ausreichend Versorgungsstationen gibt".

28 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 28.

    Können Sie nicht selbst googeln? Es gibt seit Jahren sogar in Deutschland welche, und die großen Nahrungsmittelproduzenten sind ebenfalls schon ewig an dem Thema, Angesicht der Bevölkerungszunahme muss man weltweit neue Wege gehen. Ihre lokale Sichtweise ist eher kleinkariert

  2. 27.

    Von diesem Trend sehe ich hier aber nicht viel. Wie viele Insektenfarmen gibt es denn bereits in Deutschland?
    Global gedacht ist der Verzehr von Insekten sinnvoll, hier in Deutschland aber ebenso totaler Luxus und überflüssig. Es gibt ausreichend pflanzliche Proteine

  3. 26.

    Tja, der Trend geht zu Insekten! Das Veggiezeug reicht leider nicht. Was machen Sie nun?

  4. 25.

    Wer wirklich glaubt, dass allein durch eine Maßnahmeergreifung in diesem Fall sich irgendetwas verbessern wird und Fleisch mit gutem Gewissen weiter verzehrt werden kann, der ist nicht nur blind, sondern ziemlich naiv. Wir sind zu viele Menschen auf diesem Planeten, als dass alle Fleisch essen könnten. Fleisch ist eine riesige Energieverschwendung und sollte daher nur dort verzehrt werden, wo es zum überleben benötigt wird. Also ganz gewiss nicht in Deutschland. Go vegan!

  5. 24.

    Frau Klöckner wird wieder ihre Freiwilligskeitskarte aus der Tasche ziehen - so macht sie es doch bei allem, wo eigentlich KONSEQUENZ und DURCHSETZUNG gefragt ist. Sie ist lieber "freiwillig" Weinkönigin und Lobbybotschafterin für die Lebensmittelindustrie als sich für Tiere und deren Schutz einzusetzen.

  6. 23.

    Frau Klöckner, wenn Sie wirklich sich darum kümmern würden, gebe es nicht so viel Tierquälerei und qualvolle Tiertransporte die vielen Jahre. Haben Sie kein schlechtes Gewissen dies alles zu dulden. Bitte kümmern Sie sich.

  7. 22.

    Letzten Samstag in Berlin Demo mit ca. 20.000 Teilnehmern. "Besorgte Bürger" aus der ganzen Republik machen sich vollklimatisiert auf den Weg in die Hauptstadt um gegen MNS, Coronabeschränkungen und gegen Freiheits- und Demokratieverlust zu demonstrieren ... solch Enthusiasmus wünsche ich mir beim Thema Fleischkonsum und Tierwohl. Aber Nutztiere haben leider keine Lobby.

  8. 21.

    Super Recherche! Einfach schrecklich :(
    Deshalb: Veggie for life <3

  9. 20.

    Ob auch gegen die verantwortlichen Politiker ermittelt wird, die mit Blick auf die von ihnen gemachten Gesetze letztverantwortlich sind? Sicher nicht.

  10. 19.

    Es wird sowieso viel zu viel Fleisch produziert. Die Rinder werden in Europa und weiter rumgekarrt. Es ist doch so kein Zustand ! Ekelhaft diese Massenprodution !

  11. 18.

    Wie so Unternehmen das Landwirtschaftsminiterieum nichts gegen diese Tiertransporte und auch die sich so hoch lobende Europäische Union dagegen nichts. Hat man ANGST VOR DER FLEISCHLOBBY? ??????
    Hochachtungsvoll Stoll Karl-Heinz

  12. 17.

    Unsere Politiker sollen doch nicht so tun als wäre dies was neues, solche Machenschaften wurden doch schon vor Jahren bestätigt, genauso wie jetzt in unseren Schlachtfabriken, die Umstände sind doch bekannt gewesen, nur jetzt mit Corona können die Herrn das nicht mehr verheimlichen und tun so als ob das was völlig neues ist, die EU-Politik macht's möglich. Bin gespannt was rauskommt.

  13. 16.

    Jetzt? werden die Behörden aktiv?

    Wie lange weis man das schon? Ich habe vor 2-3 Jahren da schon ausreichende Dokumentationen gesehen. Ich unterstelle den Behörden hier einfach eine Gleichgültigkeit und auch Mitschuld.

  14. 15.

    Och nee, bitte nicht solch ein sinnfreier Antwortkommentar. Bin ich ein Journalist, oder? Und wenn Sie nun glauben, ich gehöre jetzt zu denen, die hier nun vorbehaltlos ein dickes Lob aussprechen an die jeweiligen Journalisten, dann irren Sie sich. Denn genau das st der gute Job in deren Beruf. Recherchieren, aufspüren und es möglichst schnell publik zu machen, damit solche Fälle aufgeklärt werden. Wie sich ja hier auch beispielhaft gezeigt hat.

  15. 14.

    Lieber RBB, DANKE, BITTE "DRANBLEIBEN"!!!!!!!!!!!!!!

  16. 13.

    >>Aber solange unsere Politiker nicht endlich für artgerechte Haltung und Schlachtung eintreten, wird sich wohl nichts ändern. Warum gibt es den Weideschuss nur in Ausnahmem?<<

    Genau das ist dass Problem! Die Politik ist Industrie-hörig und nicht unbedingt Verbraucher.
    Es geht wie immer ums Geld und Gewinnmaximierung.
    Ginge es bevorzugt um Verbraucherfreundlichkeit, im sinne des Tierwohl, dann sähe es sicherlich schon anders aus.

    Auch beschleicht mich ein IntressensKonflikt "Korruption" zwischen Politik und den Wirtschaftsverbände.

    Eine Änderung ist daher noch lange nicht in siecht, leider!

  17. 12.

    Wovon reden Sie? Es geht um die sog. Hochrisikoländer. Und den Transport dorthin.

  18. 11.

    Es ist bekannt, was mit diesen Tieren in den genannten Ländern passiert. Erst vor zwei Wochen lief in der ARD dazu ein Film. Falls die Verantwortlichen dieses nicht wahrhaben wollen (Stichwort: Webtool, Datenbank), sollten sie diese Transporte mal begleiten und sich von den Gegebenheiten vor Ort überzeugen.

    Und nur eine europaweites Verbot, dessen Einhaltung dann auch strickt überprüft wird, kann die Tiere vor Sehnen durchtrennen und Augen ausstechen, betäubungslosem Schächten bewahren.

    Manche Poliktiker und Entscheider ekeln mich einfach nur noch an.

  19. 10.

    W A R U M sind grenzüberschreitende Tiertransporte inzwischen nicht längst verboten ???????????
    besser noch Tiertransporte im Radius von über 300km .... was eigentlich auch schon zuviel ist...
    Am besten gar keine....

  20. 9.

    Als ob in Deutschland oder auf der Welt noch Gerechtigkeit oder Fairness vorhanden sind ... hahaha
    Solange es auf dieser Welt Menschen und Geld
    gibt... wird es immer LEID und Quälereien geben.
    Erst wenn der Mensch ausgerottet wird ,kehrt Frieden ein
    Und ganz ehrlich ... der Deutsche ist der schlimmste
    Er lügt dir ins Gesicht ohne rot dabei zu werden oder sich schuldig zu fühlen .... Menschheit schäme dich
    Und macht nur weiter eure Umgehungsgesetze für die verbrecher der Welt ....

Das könnte Sie auch interessieren