200 Jahre Schuke-Orgeln aus Werder. (Quelle: rbb/L. Steger)
Audio: Inforadio | 12.09.2020 | Lisa Steger | Bild: rbb/L. Steger

200 Jahre Schuke-Orgeln - Orgeln aus Werder für die ganze Welt

Die größte Orgel Russlands steht in Kaliningrad - gebaut wurde sie in Brandenburg. Seit 200 Jahren produziert Schuke in Werder an der Havel schon die "Königin der Instrumente", und in der Familie Schuke ist damit bereits die vierte Generation beschäftigt. Von Lisa Steger

 

In der Werkstatt steht das jüngste Werk aus dem Hause Schuke: eine Orgel für Shanghai. Dort soll sie in einer Universität aufgebaut werden, zur Ausbildung von Musikstudenten, erklärt Orgelbauer Michael Schuke.

200 Jahre Schuke-Orgeln aus Werder. (Quelle: rbb/L. Steger)
Diese Orgel soll nach Shanghai geliefert werden | Bild: rbb/L. Steger

Schuke ist gelernter Orgelbauer. Für ihn ist der Beruf eine Herzensangelegenheit. "Man hat das Handwerkliche, mit Holz und Metall, das ist alles reine Handarbeit. Und man erschafft Kunstwerke. Diese unterschiedlichen Sachen kann man zusammenbringen."

Sein Bruder Johannes ist studierter Wirtschaftsingenieur und hat jahrelang in einem Berliner Ingenieurbüro gearbeitet. Für den Familienbetrieb gab er diese Stelle auf. "Das ist etwas ganz Besonderes hier im Orgelbau", begründet er seine Entscheidung. "Man bearbeitet verschiedene Materialien und erschafft ein Bauwerk, das Klänge abgibt und Menschen begeistert."

In dem Betrieb gibt es eine eigene Zinnpfeifenwerkstatt und eine Intonationswerkstatt, wo die Pfeifen den Klang bekommen, erklärt Geschäftsführer Johannes Schuke. Außerdem: Eine Holzwerkstatt, wo beispielsweise Blasebälge gebaut werden.

Die beiden Schuke-Brüder führen den Betrieb in Werder jetzt bereits in der vierten Generation.

Königin der Instrumente

Die Orgel gilt als die Königin der Instrumente, sagt Michael Schuke. "Man kann unterschiedliche Instrumente nachahmen: Streichinstrumente wie Geige oder Cello, aber auch Blasinstrumente wie Trompete. Also kann man mit der Orgel ein ganzes Orchester nachahmen."

Der Urgroßvater der Juniorchefs ist manchmal zu nahegelegenen Kirchgemeinden gelaufen, um zu arbeiten, berichten die beiden.1972, in der DDR, wurde die Firma verstaatlicht. "Ein schwerer Schlag" sei das für ihren Großvater gewesen, sagen sie. Nach der Wende, im Jahr 1990, bekam die Familie ihren Betrieb zurück.

Aus Werder nach Kaliningrad

Die Familie Schuke hat für dutzende von Kirchen in Berlin und Brandenburg Orgeln gebaut. Aber auch viele weltberühmte Instrumente kommen aus diesem Betrieb. Allein in den letzten Jahrzehnten war Schuke für zahlreiche Großprojekte - Neubauten wie auch Rekonstruktionen - verantwortlich.

In den 80er Jahren baute Schuke die Orgel für das Leipziger Gewandhaus. Der Betrieb rekonstruierte auch die 400 Jahre alte Orgel im Dom zu Brandenburg. Er hinterließ darüber hinaus Spuren in den Domen zu Schwerin, zu Erfurt und zu Magdeburg, wo die Arbeiten sich über vier Jahre erstreckten.

Für einen Konzertsaal in Kaliningrad errichtete die Firma Schuke die größte Orgel Russlands. "Das Gehäuse ist im barocken Stil", erläutert Michael Schuke. "Dahinter befindet sich aber eine sinfonische Orgel, welche für Konzerte und Orchesterbegleitung genutzt werden kann. Das Besondere ist, dass es zwei Orgeln sind, die aber auch zusammen gespielt werden können." Es handle sich um eines der größten Instrumente, das Schuke je gebaut habe – mit 122 Registern und mehr als 8.000 Pfeifen.

200 Jahre Schuke-Orgeln aus Werder. (Quelle: rbb/L. Steger)

Musiker werden gern eingestellt

Viele Mitarbeiter sind Musiker, das ist auch gewünscht, sagen die Brüder; Bedingung für eine Stelle ist es aber nicht.

Seit 2010 kommen weniger Aufträge aus Russland, berichtet Johannes Schuke. Woran es liegt, kann er nicht genau sagen. Auch in Polen, Tschechien und in Australien stehen Schuke-Instrumente.

Corona habe der Firma bislang nichts anhaben können, weil die Aufträge für Orgelbauten oder -rekonstruktionen jahrelang im Voraus erteilt würden. "Die Frage ist aber, ob Kulturprojekte weiter so gefördert werden wie vorher", schränkt Johannes Schuke ein. "Das können wir erst in ein bis zwei Jahren beurteilen." Neben den Kirchen sind vor allem Musikschulen und Konzerthäuser die Auftraggeber.

Sendung: Inforadio, 11.09.2020

Beitrag von Lisa Steger

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2 Kommentare

  1. 2.

    Danke für diesen Tipp! Allerdings steht im Text, dass Corona bisher der Firma nichts anhaben konnte. Ansonsten finde ich es toll, dass Handwerkskunst aus Werder in der ganzen Welt gefragt ist.

  2. 1.

    Corona richtet überall seine Schäden an.
    Auf youtube sehe und vor allem höre ich gerne den Kanal von Fraser Gartshore
    "Der Maskierte Organist! [4K]"
    https://www.youtube.com/c/FraserGartshore/videos?view=0&sort=dd&flow=grid
    Ein herrlich, warm voluminöser Klang. Man hört das treten in die Orgel Pedale.
    Deutsch britische Freundschaft: wichtiger denn je.

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