Abgehangene Schweinebeine auf einem Schlachthof (Quelle: Agrar-Press)
Audio: Inforadio | 12.09.2020 | Daniel Friedrich | Bild: Agrar-Press

Tierseuche in Brandenburg - China verhängt Importverbot für deutsches Schweinefleisch

Am Donnerstag wurde im Landkreis Spree-Neiße der erste Fall von Afrikanischer Schweinepest in Deutschland besätigt. Die wirtschaftlichen Folgen sind bereits jetzt massiv. China hat ein Importverbot verhängt, die Erzeugerpreise sind eingebrochen.

Nach dem ersten Fall der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Deutschland hat China ein Importverbot für deutsches Schweinefleisch verhängt. Das berichtete die chinesische Zollverwaltung am Samstag. China ist nicht nur der größte Konsument von Schweinefleisch, sondern auch der wichtigste Abnehmer für deutsche Schweinefleischproduzenten außerhalb der Europäischen Union.

Das Bundesagrarministerium möchte sich allerdings dafür einsetzen, dass Handelsmöglichkeiten fortbestehen. Man bleibe mit der chinesischen Regierung weiterhin im Gespräch, um eine Regionalisierungs-Vereinbarung zu erreichen, sagte eine Sprecherin am Samstag in Berlin. Dies zielt darauf, Einfuhrstopps für Lieferungen aus Deutschland wegen nur auf Betriebe aus betroffenen deutschen Regionen zu beschränken. So ist es auch innerhalb der EU geregelt.

Das Verbot erfolgte zwei Tage nachdem die für Schweine tödliche, aber für Menschen ungefährliche Tierseuche erstmals bei einem toten Wildschwein in Brandenburg nahe der Grenze zu Polen nachgewiesen worden war.

Preis von Schweinefleisch bereits massiv eingebrochen

Am Freitag war der Preis für Schweinefleisch in Deutschland bereits massiv eingebrochen. laut der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) bekommen die Fleischindustriellen pro Kilogramm 1,27 Euro, ein Einbruch um 14 Prozent. Vor der Bestätigung des ersten Schweinepest-Falls in Deutschland hatte der Preis noch bei etwa 1,47 Euro pro Kilo gelegen.

China wurde in der Vergangenheit immer wieder selbst wegen seines Umgangs mit der Tierseuche kritisiert. So warnte das US-Agrarministerium bereits im Sommer 2018, dass chinesische Behörden nicht alle Fälle der Krankheit melden würden und so das wahre Ausmaß der Verbreitung vertuscht würde [reuters.com].

Wenige Monate darauf wurde deutlich, dass China einen massiven Ausbruch erlebt. Strenge Maßnahmen zur Eindämmung waren die Folge. Allein 2019 verendeten in China weit mehr als 100 Millionen Tiere oder mussten notgeschlachtet werden.

Spree-Neiße und Oder-Spree bauen Wildtierzaun

Mit dem Importverbot bestätigt sich eine der größten Sorgen der Schweinehalter und der Fleischwirtschaft. Ein Wegbrechen des chinesischen Marktes "würde uns sehr, sehr stark treffen", hatte Bauernpräsident Joachim Rukwied am Freitag im ZDF gesagt. Das Bundesagrarministerium spricht nach eigenen früheren Angaben mit mehreren Nicht-EU-Staaten über weitere Handelsmöglichkeiten. Ziel ist, Exportstopps wegen der Tierseuche nur auf Schweinehalter aus betroffenen deutschen Regionen zu begrenzen.

Der Fundort des toten infizierten Wildschweins in Brandenburg wird derzeit eingezäunt. In einer Kernzone von drei Kilometern rund um den Fundort wird seit Freitag ein mobiler Elektrozaun mit einer Länge von zwölf Kilometern errichtet. Der Zaunaufbau sollte noch am Samstag abgeschlossen sein, wie die betroffenen Landkreise Spree-Neiße und Oder-Spree mitteilten.

Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sagte am Samstag nahe dem Fundort des infizierten Kadavers in der Gemeinde Schenkendöbern: "Bei den Maßnahmen, die wir ergreifen, stehen wir in der Verantwortung für ganz Brandenburg, wir stehen in der Verantwortung für ganz Deutschland." Es gehe jetzt darum, dass durch den Zaun keine Wildschweine aus der Kernzone in einem Radius von drei Kilometern herauskommen, möglicherweise andere Tiere infizieren und die Krankheit auf andere Regionen übertragen.

Seit einigen Jahren tritt die Viruserkrankung in Osteuropa auf. Mehrfach mussten Mastbetriebe ihre gesamten Schweinebestände töten, nachdem die Krankheit in Ställen festgestellt worden war. Die Afrikanische Schweinepest ist nicht ganz so leicht übertragbar wie das mit ihr verwandte Virus der Europäischen Schweinepest - allerdings verläuft die nun erstmals in Deutschland aufgetretene Variante in etwa neun von zehn Fällen tödlich.

Sendung: Inforadio, 12.09.2020, 14 Uhr

36 Kommentare

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  1. 36.

    Meine Frau hat noch ein tolles DDR-Kochbuch. Mit sehr guten Fotos auf Hochglanz. Tolle Rezepte für die Frau im "Sozialismus". Fakt ist, dass früher ein Schnitzel besser schmeckte. Ja, es gab private Schweinezüchter; es waren auch Gastwirte selber. Private Schweinezüchter hatten ihren LADA schnell verdient. Auf den Dörfern war man reicher als in der Stadt.

  2. 35.

    Teil 2: Natürlich wird hier in Deutschland auch das minderwertigste Zeug vom Schwein verarbeitet und gelangt z.B. als Billligsülze in den Handel. Was die da so alles in Teewurst oder Bockwurst reindrehen steht ja nirgends drauf. Wer mal googlt , der findet tolle Chinesische Schweinefleischgerichte; sicher viel teurer als die gebratenen Darmstücke auf dem Markt. nzz schreibt sogar, dass uns China das beste vom Schwein wegschnappt. Schluss mit der Subventionierung der Massenzüchter. Deutschlands Landwirtschaft funktioniert nur mit Gift ( Bayer ) und Tierquälerei mit Eisen ohne Stroh. Für mich sind das KZ-Schweine ! Reduziert die Zucht auf den Bedarf in Deutschland. Gibt es derartige "Betriebe" auch in den Niederlanden oder sind die alle schon hier ?

  3. 34.

    Ich denke, das hat auch etwas mit Kompensationsgeschäften zu tun. Ist ja im Handel üblich, willst du das Eine musst du das Andere auch nehmen , oder gewünschte Waren liefern. Ich frage mich schon lange, warum es bei uns Lammfleisch aus Neuseeland gibt, während unsere Schäfer ums Überleben kämpfen. Das hat nicht das Geringste mit dem Zuzug zu tun.

  4. 33.

    Nu ma sachte! Inne LPG waren nachm Kriech die Schweine zunächst mit viel Fett gezüchtet worden. dann kam es das nur noch Flesch ohne Fett verlangt wurde und dit beste Flesch lieferte der Private Züchter aus seinem Stall hinter der Bäuerlichen Wohnstube mit FamilienAnschluss und Streicheleinheiten . Dit wurde awa exportiert inne Westzone oder für ordentlich Harte Mark an Gastronomen verschoben.

  5. 32.

    Pansen okay: Gut aufgepasst nur ändert das das Problem nicht. Im Gegenteil wir importieren für die neu dieZugereisten Rind Schaf und Ziegenfleisch.

  6. 31.

    Wir können doch keinen Klopapiertransporter überfallen um uns zu versorgen. Das mit dem minderwertigen Schweineteilen stand früher nirgendswo zu lesen. Soll das jetzt eine Rechtfertigung sein ? Euch kann ja niemand mehr glauben.

  7. 30.

    Da kocht die Volksseele wieder einmal empört nach oben, ohne sich wenigstens mal etwas zu informieren, was man überhaupt vom restlich übrig gebliebenen Schwein nach China importiert.
    Dinge vom Schwein, wofür sich der Deutsche zu fein ist, diese überhaupt in Erwägung zu ziehen, dass es bei ihm auf den Teller kommen könnte. In etwa leckere Schweinefüße und andere Delikatessen. Hierzulande werden Schweine ja nur für das Filet und Schnitzel gehalten.
    Zudem hat China selbst immens mit der Schweinepest zu tun. Dort sind die Preise um über 100% angestiegen.
    https://www.agrarheute.com/markt/tiere/china-schweine-produktion-schrumpft-import-boomt-567592

    Dann möchte ich einmal die deutscheKleinkrämerseele sehen, wenn es hierzulande zur Fleischverknappung kommen würde und die Preise um über 100% ansteigen.
    Der Deutsche kann ja nicht einmal für sich selbst sorgen, wenn es ums eigene Klopapier geht.
    Aber Hauptsache, man will nur deutsche Schweine für die eigene Bevölkerung produzieren.

  8. 29.
    Antwort auf [Moin] vom 13.09.2020 um 10:05

    Sie finden das demnach o.k.: Deutschland liefert nach China Schweinefleisch und wir aus China tolle HUAWEI-smartphone ? Früher hatten wir viel mehr intelligente Erfinder; da bleibt uns heute nur der Schweineexport. Bissel übertrieben aber gerade die Schweinemast auf Tierquälerart hat sofort unterbunden zu werden. Wir können uns noch erinnern, dass ein LPG-Braten nicht so einschrumpfte wie heute. War neulich zum grillen eingeladen und erwischte ein sehniges Stück. Widerlich. Zurück zur gesunden Landwirtschaft und zuerst den Brandenburger Boden wieder natürlich fruchtbar machen.

  9. 28.

    Das liegt daran das die Kommentatoren hier immer nur eine klitzekleine Minderheit der Gesamtbevölkerung sind.

  10. 27.

    Die Kommentierer hier spiegeln nicht die Gesellschaft wider. Dem Durchschnittsdeutschen ist es nur wichtig, dass er weiter seine XXL Packung Nackensteaks für unter 4€ bekommt. Man erinnere sich an die Reaktion auf den Vorschlag der Grünen mal einen Tag der Woche in den Kantinen kein Fleisch anzubieten.

  11. 26.

    Schweine haben keinen Pansen, weil sie keine Widerkäuer sind. Ich würde es auch besser finden, wenn weniger Fleisch produziert wird. Aber die Leute im Supermarkt handeln anders, als sie reden. Billig und viel muss es sein.
    Anzumerken wäre noch, dass die Schweinepest ausgerechnet die Freiland- und somit artgerechte Haltung besonders gefährdet. Wer sich hier über die Seuche freut, denkt nicht zu Ende.

  12. 25.

    Finde ich super! #govegan

  13. 24.

    Und, interessiert die Meinung der Kommentierer irgend jemand in der Landes- oder Bundesregierung???????? Hier liegt doch ein Grundsatzproblem, die Meinungen der Bürger gehen doch unseren Regierenden am A vorbei. Und so lange das so bleibt, wird sich leider nichts ändern. Ein Schweinezuchtbetrieb mit 5000 Schweinen in Brandenburg ist doch nicht normal.

  14. 23.

    Ganz meiner Meinung! Zumal es weniger die deutschen Bauern trifft, vielmehr die Niederländer die hier in Brandenburg die meisten der großen Schweinemastanlagen betreiben.

  15. 22.

    Deutsches Schweinefleisch nach China? Da stimmt doch ganz grundsätzlich was nicht!

  16. 21.

    DerEigenbedarf in Mitteleuropa an Produkten vom Schwein umfasst jedoch nicht alles was vom Schwein geliefert wird. So ist nach meiner Kenntnis noch einiges in größeren Mengen übrig (Ringelschwänzchen, Kopf, Ohren Pansen etc.) was in anderen Regionen der Welt guten Absatz findet. Also warum sollen Produkte aus der industriellen Landwirtschaft die sonst entsorgt werden müssten nicht nach Schina oder anders wohin verkauft werden. Produktions- und Absatzschwankungen und dadurch mögliche Überkapazitäten können den Bedarf an anderer Stelle befriedigten.

  17. 20.

    "DEUTSCHLAND importiert fast genauso viel Schweinefleisch wie exportiert wird."

    Welche Quelle haben Sie dafür?

  18. 19.

    Nun, Herr Tönnies, wohin mit der Schweine-Sch...??? China war noch nie ein guter Handelspartner - erst kaufen wir alles billigst dort - Wegwerfgesellschaft - und haben im Ernstfall keine Masken zur Hand, und dann sagen sie sofort ne, wenn hier die Seuche auftaucht, und wir Idioten bleiben auf dem Billigschwein sitzen.
    Bauern, das ist keine Lösung! Alles, was über regionalen Absatz hinausgeht, ist überflüssig für uns und die Umwelt. Die diesjährigen Mensch- und Tierseuchen sind erst der Anfang...

  19. 18.

    Ja, dass muss auch aufhören. Nur noch Fleisch für den deutschen Eigenbedarf zu einem vernünftigen Preis. Das sehen ja wohl die meisten hier genauso!
    Blöde Frage: was haben hier Autos mit Schweinen zu tun? Von Autos ist im Beitrag und der Diskussion überhaupt nicht die Rede!

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