Eine Industrieelektrikerin montiert einen Schaltkreis (Quelle: imago-images/Rupert OberhŠuser)
Audio: Inforadio | 01.09.2020 | Matthias Bartsch | Bild: imago-images/Rupert OberhŠuser

Arbeitslosenzahlen für Berlin und Brandenburg - Arbeitsmarkt entspannt sich im August überraschenderweise

Die Zahl der Arbeitslosen in Berlin und Brandenburg ist im August leicht zurückgegangen - angesichts der Corona-Krise eine unerwartet positive Entwicklung. Verglichen mit August 2019 offenbart sich jedoch ein deutlicher Anstieg.

Die Lage am Arbeitsmarkt hat sich im August in Berlin und Brandenburg inmitten der Corona-Pandemie unerwartet positiv entwickelt. Das teilte die Bundesarbeitsagentur am Dienstag mit. Die Arbeitslosigkeit ging in beiden Ländern zurück. Zuvor waren seit April, mit dem Beginn der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Einschränkungen, im Vergleich zum Vorjahr die Arbeitslosenzahlen deutlich gestiegen.

"Im August hat sich der Arbeitsmarkt in der Region stabilisiert", wird Bernd Becking, Vorsitzender Geschäftsführer der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit, in einer Mitteilung der Behörde zitiert. "Es gab weniger Entlassungen als im Juli, gleichzeitig stellten die Unternehmer wieder stärker Personal ein."

Diese Entwicklung geschehe während einer Jahreszeit, in der Unternehmen in den vergangenen Jahren zurückhaltend agiert hätten. "Nach den pandemiebedingt schlechten Monaten seit März war diese Entwicklung nicht unbedingt zu erwarten", so Becking. "Das nährt die Hoffnung, dass der Arbeitsmarkt auf einen stabilen Pfad zurückfindet."

Rückgang im Vergleich zum Juli, Zuwachs gegenüber dem Vorjahr jedoch deutlich

In Berlin waren im August 214.303 Personen arbeitslos. Das sind 1.002 weniger als im Juli. Im Vergleich zum August 2019 liegt die Arbeitslosenzahl allerdings um 58.055 höher. Weniger Beschäftigte als noch im Juli verloren ihre Arbeit, während gleichzeitig deutlich mehr Arbeitslose eine neue Tätigkeit aufnahmen.

Die Arbeitslosenquote liegt in Berlin nun bei 10,7 Prozent; 0,1 Prozentpunkte niedriger als im Juli, aber 2,7 Prozentpunkte über August 2019. Die niedrigste Arbeitslosenquote hat der Bezirk Steglitz-Zehlendorf (7,7 Prozent); die höchste verzeichnet Neukölln (16,2 Prozent), gefolgt von Mitten mit 14,0 Prozent.

Die jüngsten Zahlen zur sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung sind wiederum positiv. Im Juni 2020 waren in Berlin 1.539.800 Personen in einem enbtsprechenden Arbeitsverhältnis; 11.900 mehr als noch ein Jahr zuvor.

In Brandenburg betrug die Zahl der arbeitslosen Personen im August 86.065, das sind 1.239 weniger als im Juli. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Anstieg um 11.089. Auch in Brandenburg fanden mehr Arbeitslose als im Juli einen neuen Job. Die Zahl der Beschäftigten, die arbeitslos wurden, fiel geringer aus als im vergangenen Monat.

Damit liegt die Arbeitslosenquote im Land bei 6,4 Prozent; 0,1 Prozentpunkt niedriger als noch im Juli, aber 0,8 Prozentpunkte über dem Wert von August 2019. Besonders niedrig war die Arbeitslosenquote in den Landkreisen Potsdam-Mittelmark (4,4 Prozent) und Dahme-Spreewald (4,5 Prozent). Den mit Abstand schlechtesten Wert verzeichnet die Uckermark (10,9 Prozent), gefolgt von Frankfurt an der Oder (8,9 Prozent).

In Brandenburg ist sozialversicherungspflichtige Beschäftigung laut der jüngsten Zahlen rückläufig. Im Juni 2020 waren 849.000 Personen entsprechend beschäftigt, 5.200 Personen weniger als noch ein Jahr zuvor.

Entspannung in Ostbrandenburg

Im Bereich der Arbeitsagentur Frankfurt (Oder), die die Landkreise Oder-Spree, Märkisch Oderland und die Stadt Frankfurt umfasst, sind aktuell rund 15.000 Menschen ohne Job. Das entspricht in etwa dem Niveau von 2017. Agentur-Chef Jochem Freyer sieht die Entwicklung positiv. "Die großen Einschnitte aus dem Frühjahr wachsen sich langsam raus und die Stimmung bei den Arbeitgebern steigt wieder", sagte er am Dienstag. Einige Unternehmen und Verwaltungsbehörden suchten sogar wieder nach Mitarbeitern.

Dass die Ostbrandenburger Landkreise recht gut durch die Krise kommen, liegt auch an der dortigen Binnenwirtschaft, das heißt die dortigen kleinen und mittelständischen Unternehmen sind weniger abhängig von großen Industriestandorten oder Firmen. "Deshalb zeigt Corona hier in Brandenburg nicht die großen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt", erklärt Frank Mahlkow, Geschäftsführer des Jobcenters in Frankfurt (Oder).

Lehrstellen bleiben unbesetzt

Die Corona-Krise hat allerdings den ostbrandenburgischen Ausbildungsmarkt stark getroffen. Es gebe zwar Lehrstellen, aber die Jugendlichen seien durch die Schulschließungen und ausgefallene Berufsberatungen unorientiert und inaktiv sind, so Agenturchef Freyer. "Viele Jugendliche haben zu wenig Bewerbungen geschrieben und konnten keine Berufspraktika machen", sagt Freyer. Die Berufsberater seiner Agentur machen jetzt vermehrt Termine mit den Jugendlichen, um sie noch im Herbst diesen Jahres in Ausbildungsplätze zu vermitteln.

Jeder achte Beschäftigte im Mai in Kurzarbeit

Entlastet werde der Arbeitsmarkt in der Region weiterhin durch das Kurzarbeitergeld, teilte die Behörde mit. In den nun vorliegenden Daten für Mai zur sogenannten "realisierten Kurzarbeit" - also der tatsächlich durchgeführten - zeige sich, dass in Berlin 192.308 Beschäftigte kurzgearbeitet haben. In Brandenburg waren 104.165 Menschen in Kurzarbeit.

Damit war in beiden Ländern jeweils jeder achte Beschäftigte betroffen. Gegenüber April sei dies jedoch ein Rückgang gewesen. "Das Kurzarbeitergeld hat sich als eine belastbare Brücke erwiesen", so Becking.

Sendung: Inforadio, 01.09.2020, 10 Uhr

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Das ist die offizielle Statistik. Aus welcher Quelle die Zahl von ca. 400.000 kommt weiß ich nicht. Vormonat? Glaskugel? Wenn Sie diese Zahlen nicht interessieren, brauchen Sie den Artikel doch gar nicht erst zu lesen.

  2. 2.

    Die Zahlen sind ja besser, als ich vermutetet habe, das freut mich. Wenn wir jetzt die Pandemie und somit das Virus weiter im Schach halten, wird es auch weiter aufwärts gehen. Positiv denken und positives tun.

  3. 1.

    Zahlen sind ja dehnbar. Vor ein paar Tagen gab es einen Artikel dass ca 400.000 Menschen in Kurzarbeit sind. Das sind aber nicht jeder 8., sondern fast jeder 3. Wie viele von diesen noch entlassen werden wenn es kein Geld mehr vom Staat gibt ist offen. Das im August weniger entlassen wurden als im July rührt daher das schon fast alle entlassen wurden. Hinzu kommen noch die Harz IV Empfänger, die in dieser Statistik gar nicht auftauchen. Was will uns dieser Artikel sagen?

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