Windenergieanlagen (Quelle: imago images/Gerhard Leber)
Bild: imago images/Gerhard Leber

Debatte um Windenergie - Studie: Körper reagiert nicht auf Infraschall von Windrädern

Infraschall liegt unter der menschlichen Hörschwelle. Dennoch gab es Befürchtungen, dass der "unhörbare Lärm" zu gesundheitlichen Schäden führen könnte. Eine neue Studie zeigt nun, dass der Schall keine körperlichen Auswirkungen hat. Von Efthymis Angeloudis

Schlafstörungen, Schwindel oder Kopfschmerzen: Schuld daran, so die Befürchtung vieler, ist der sogenannte Infraschall - ein für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbarer Ton [mdr.de], der zum Beispiel von Windenergieanlagen ausgehe. Eine Experimentalstudie des Umweltbundesamts zeigt nun, dass an diesen Befürchtungen nichts dran ist. Infraschall, der etwa auch beim Betrieb von Kühlschränken, Wärmepumpen oder Autos entstehe, könne zwar belästigend wirken, führe aber zu keinerlei körperlichen Reaktion, teilte die Behörde am Dienstag in Dessau mit.

Infraschall kann auch natürliche Ursachen haben

In der Studie des Umweltbundesamtes wurden keine Anhaltspunkte für unmittelbaren körperliche Auswirkungen festgestellt. Insgesamt 44 Personen seien innerhalb von acht Stunden mit vier unterschiedlichen Infraschallgeräuschen für je 30 Minuten beschallt worden. Der Schalldruck, also die Lautstärke, war dabei extrem hoch. Die Probanden wurden während der Versuche medizinisch überwacht. Dabei und danach seien Herzfrequenz, Blutdruck, Hirnrinden-Aktivität und Gleichgewichtswahrnehmung gemessen worden. "Dabei konnten keine statistisch signifikanten Veränderungen festgestellt werden, die auf Infraschall zurückzuführen gewesen wären", sagte ein Behördensprecher.

Doch was genau ist Infraschall? Unter einer Frequenz von 20 Hertz werden Töne so tief, dass sie für das menschliche Ohr nicht mehr hörbar sind. Ab dann wird von Infraschall gesprochen. Solche Geräusche haben ganz natürliche Ursachen, wie etwa Meeresrauschen, Erdbeben oder Lawinen. Doch es gibt auch menschengemachte Quellen: Autos, Flugzeuge oder eben Windkraftanlagen. Besonders mit der Errichtung von letzteren setzten sich Bewohner auf dem Land in den vergangenen Jahren immer häufiger auseinander.

Ob hörbar oder nicht – Anwohner in der Nähe von Windenergieanlagen machen Infraschall für zahlreiche gesundheitliche Probleme verantwortlich: Erschöpfung, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Atemnot und Ohrenschmerzen [aerzteblatt.de].

Studie von politischer Brisanz

Auch als Reaktion auf diese Bedenken hat der Bundestag im Juni einen pauschalen Mindestabstand von Windrädern zu Wohnhäusern auf 1.000 Meter festegelegt [zeit.de]. Das von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) vorgeschlagende Gesetz könnte nicht nur die Räume für neue Windräder eng machen, sondern auch einen Teil der rund 30.000 Anlagen bedrohen, die bereits in Deutschland aufgestellt worden sind. Die Energiewende könnte durch eine solche Regelung wohl schwer ins Stocken geraten.

Auch in Brandenburg könnte ein Mindestabstand von Windenergieanlagen zu Siedlungen die Pläne der Landesregierung, Vorreiter in erneuerbarer Energien zu sein, aus der Bahn werfen. Bis 2038 will Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) aus der Braunkohle ausgestiegen sein. Nicht überraschend hat eine Studie über die gesundheitlichen Folgen von Infraschall auch einiges an politischer Brisanz.

Benommenheit, Ohrendruck und Übelkeit nur bei hohen Schalldruckpegel

Bereits 2014 fanden Untersuchungen des Umweltbundesamtes statt, in denen keine gesundheitliche Belastungen "durch Infraschall deutlich unter der Wahrnehmungsschwelle" festgestellt wurden. Aus Laboruntersuchungen hieß es damals, sei bekannt, dass Infraschall mit hoher Lautstärke etwa Benommenheit, Ohrendruck und Übelkeit auslösen könne. Doch solche hohen Schalldruckpegel würden in der Regel nicht durch Windkraftanlagen erzeugt.

Selbst in der aktuellen Studie betrug der Schalldruck bei den Versuchen 105 Dezibel (dB), während von Windenergieanlagen auf 50 Meter Entfernung lediglich 60 dB erzeugt werden. "Die Infraschallleistungen moderner Windkraftanlagen liegen tausendfach unterhalb der Werte der Studie", sagte Volker Quaschnig, Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin am Freitag rbb|24.

Im Alltag gebe es zahlreiche andere, viel stärkere Infraschallquellen. "Während einer dreistündigen Autofahrt ist die Infraschallbelastung beispielsweise größer als wenn man sich 20 Jahre im Abstand von 300 Metern vor eine Windkraftanlage stellt", erklärt der Ingenieurwissenschaftler.

Schallpegel bei Versuchen übertrifft mehrfach Windenergieanlagen

Noch sei allerdings ungeklärt, ob Infraschall erst nach einer längeren Zeit den Körper beeinflussen könne, so die Studie. Da die Untersuchung jeweils nur 30 Minuten lang durchgeführt wurde, könnten "signifikante Effekte" auf den psychologischen Zustand der Probanden nicht ausgeschlossen werden. Das Belästigungsempfinden, wurde zum Beispiel von den Probanden als "etwas" bis "mittelmäßig" eingeschätzt. Allerdings halten auch hier Experten dagegen, dass der Schallpegel in den Versuchen, den einer modernen Windenergieanlage um ein mehrfaches übetreffe.

"Wenn Infraschall von Windkraftanlagen ein so großes Problem wäre, wie oft behauptet wird, müsste in anderen Bereichen der medizinische Notstand herrschen", erwiderte Quaschnig. Die Infraschallbelastung durch den Straßenverkehr sei deutlich größer als die der Windkraft. Wenn die Langzeitexposition auf Windenergieanlagen gesundheitliche Auswirkungen haben sollte, müssten diese durch den Straßenverkehr bereits massenhaft aufgetreten sein, so Quaschnig. "Unter dem Gesichtspunkt müssten wir über maximale Pkw-Nutzungszeiten oder gar ein Auto-Nutzungsverbot anstatt über Abstände zu Windkraftanlagen zu diskutieren."

Weitere Studie soll Langzeitfolgen erforschen

Wegen des kurzen Beschallungszeitraums und der geringen Anzahl der Versuchspersonen können die Ergebnisse laut Studie jedoch nicht generalisiert und daraus auch keine möglichen langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen abgeleitet werden. Das Umweltbundesamt beabsichtigt deshalb nach eigenen Angaben im kommenden Jahr ein weiteres Forschungsvorhaben zur Klärung der Langzeitfolgen durchzuführen.

Redaktionshinweis: In einer früheren Version dieses Artikels wurde die Untersuchung als Langzeitstudie bezeichnet. Um Missverständnisse auszuräumen, wurde der Begriff ersetzt und wir verwenden nun die Bezeichnung "Experimentalstudie", so wie es das Umweltbundesamts selbst tut.

Beitrag von Efthymis Angeloudis

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130 Kommentare

  1. 129.

    Die Gasspeicher sind Bestandteil des bestehenden Gasnetzes. Da haben Sie offensichtlich nicht verstanden, dass ein Teil der Infrastruktur für die Energiewende bereits vorhanden ist. Weitere müssen aber folgen. Das ist aber eben nur dann Aufgabe für mehrere Generationen, wenn die jetzigen sich vor allem auf das Nein-Sagen beschränkt.

  2. 128.

    Windräder tragen massiv zu Luftschichtverwirbelungen zur lokalen Klimaerwärmung bei, nach Berlin kommt kein Wind mehr seit in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg alles damit vollgepflastert wurde. Leute wacht endlich auf, die Räder bringen nichts außer Raubbau (Materialschlacht) und furztockene Luft.

  3. 127.

    Ändert alles nichts dass Sie selber die verlinkten Fachpublikationen nicht gelesen haben. Das Verstehen von Texten haben Sie nicht in der Schule gelernt? Warum antworten Sie nicht auf Fachfragen wie diesen? Was haben wir den bislang an Co2 gespart und bei welchem Aufwand? Welche Überschüsse "In dieser Phase wird es zunehmend zu stärkeren Überschüssen in der regenerativen Stromproduktion kommen, die den Einsatz chemischer Langfristspeicher (Power-to-Gas) notwendig machen"?

  4. 126.

    Alles mit DOI ist online zu finden, für Bücher muss man halt man in die Bibliothek seines vertrauens gehen, und für alles andere gibt es das Internet Archive. Haben Sie in der Schule keine Onlinequellenarbeit gelernt?

  5. 125.

    Hätten Sie die bei Wikipedia verlinkten Fachpublikationen selber gelesen wäre ihnen aufgefallen, dass diese gar nicht mehr online ist. Dass zu dem Thema Faulheit. Was haben wir den bislang an Co2 gespart und bei welchem Aufwand? Welche Überschüsse "In dieser Phase wird es zunehmend zu stärkeren Überschüssen in der regenerativen Stromproduktion kommen, die den Einsatz chemischer Langfristspeicher (Power-to-Gas) notwendig machen"?

  6. 123.

    Wir haben hier 2 Erdgasspeicher. Ein Ing. von dort sagte mir, dass die sich nicht mehr lohnen da der Erdgaspreis nicht mehr die früheren Schwankungen aufweist. Die Baerbock hat es so gemeint wie Alisa es wieder gegeben hat. Baerbock schießt desöfteren derartige Böcke ab. Von Physik kann die nur Null Ahnung haben.

  7. 122.

    Von Erdgasspeichern haben Sie noch nichts gehört? https://de.wikipedia.org/wiki/Erdgasspeicher

  8. 121.

    Vielleicht lesen Sie den Artikel nochmal gründlich, insbesondere Phase 3 "Synthetische Brennstoffe", oder ein bisschen weiter unten "Einsatz von Speicherkraftwerden".

    Sich hier zu weigern die in der Wikipedia verlinkten Fachpublikationen zu lesen und zu fordern man solle doch die Argumente in 1000 Zeichen RBB Kommentar zusammenfassen ist einfach nur Faulheit Ihrerseits. Die Behauptungen die Sie aufstellen widersprechen der Fachliteratur. Es ist an Ihnen ordentliche Argumente vorzubringen. Sie stellen die kontroversen Behauptungen auf, nicht die Befürworter der Energiewende. Einfach nur Panik vor Stromausfällen zu schüren, ohne auf die Argumente ihrer Gegner im geringsten einzugehen ist unsachlich.

  9. 119.

    Das Gasnetz ist auch kein Speicher und auch nicht gemeint. "An Tagen wie diesen, wo es grau ist, da haben wir natürlich viel weniger erneuerbare Energien. Deswegen haben wir Speicher. Deswegen fungiert das Netz als Speicher. Und das ist alles ausgerechnet." (Annalena Baerbock)

    Dieser grünen Inkompetenz verdanken wir Mais-Monkulturen für Biogas welche die Umwelt schädigen und nichts bringen beim CO2.

  10. 118.

    "Alle mir bekannten Pläne für die Energiewende sehen Batterien und Pumpspeicher für wenige Stunden oder wenige Tage"

    Das bedeutet dann dass lamg anhaltende Stromausfälle unvermeidlich sein werden.

    Die Forderung nach Speichern für mehrere Wochen ergibt sich erst, wenn man Stromausfall vermeiden will. Energiewendeline wollen die gar nicht vermeiden, aber sicher die Mehrheit der Bevölkerung. Deswegen rechnen die Kritiker das vor, was Grüne verschweigen. Nochmal wiederholt, Stromausfall droht wegen der Energiewende akut in wenigen Jahren, das ist nicht hypothetisch.

    > Lange Dunkelflauten werden mit andrer Technik überbrückt.

    Nachdem man aus "anderer Technik" vorher ausgestiegen ist, ist das wenig glaubwürdig.

    In Wikipedia steht nichts was mich widerlegt. Ihre Argumente tragen Sie bitte selbst vor, der Hinweis auf "Links im Internet" ist nur Ablenkung vom eigenen Argumentmangel.

  11. 117.

    Wie oft soll man wiederholen, dass niemand vorschlägt 4 Wochen Strom in Batterien zu speichern bevor Sie mit den unsinnigen Argumenten aufhören, die davon ausgehen, dass 4 Wochen Strom in Batterien gespeichert werden? Alle mir bekannten Pläne für die Energiewende sehen Batterien und Pumpspeicher für wenige Stunden oder wenige Tage als Speicher vor. Lange Dunkelflauten werden mit andrer Technik überbrückt. Das Thema ist schon so totgeredet, dass auch die Wikipedia einen ausführlichen Überblick hat: https://de.wikipedia.org/wiki/Energiewende#Phasen_der_Energiewende Probieren Sie doch mal die Quellenangaben da zu lesen und sich konkrete Gegenargumente zu überlegen anstatt wieder und wieder die selben Strohmänner zu bekämpfen.

  12. 116.

    "Es schlägt übrigens niemand vor 4 Wochen Strom in Batterien zu speichern"

    Eine Speicherung des gesamten Stromverbrauchs Deutschlands von mehreren Wochen wäre aber sachlich notwendig, um eine Stromversorgung aus Wind und Sonne zu ermöglichen. Dass Energiewende-Befürwortern das nicht klar ist, weshalb sie es nicht berücksichtigen, macht das Ganze um so schlimmer.

    In Akkus würde es bedeuten: Ein kleines Akku-Gebirge gegen das die Pyramiden von Gizeh niedlich aussähen.

    In Pumpspeichern: 3000 Anlagen in der Größe von Goldisthal, des größten Pumpspeicherwerks das Deutschland derzeit hat.

    Oder : Ein zweiter künstlicher Bodensee einige hundert Meter über dem bestehenden, beide zu einer gigantischen Mega-Anlage verbunden.

  13. 115.

    "was wäre, wenn jeder seinen eigenen Strom selber erzeugt?"

    Dann wäre Steinzeit. Wie soll denn ein Plattenbaubewohner seinen Strom selbst erzeugen, eine S-Bahn auf der Fahrt, ein Industriebetrieb oder ein Hochofen?

    "7,61 Cent kosten Beschaffung, Vertrieb, Marge - 7,22 Netzentgelt.. der Rest, ca. die Hälfte ist Abenteuer."

    Der Rest besteht überwiegend aus staatlichen Abgaben, die die nutzlose Materialschlacht der "Energiewende" überhaupt finanzieren. Gegen diese Abgaben wettern und gleichzeitig die Energiewende wollen widerspricht sich.

    "Viele Häuslebauer belasten das Netz dank eigener Solaranlage + Speicher weniger."

    Die Häuslebauer kämen ohne die EEG-Privilegien nicht auf die Idee, das zu tun. Die sind auch nicht wirklich autark, sondern sind ans öffentliche Stromnetz angeschlossen. Sie "schmarotzen" sozusagen von der stabilisierenden Effekt des Netzes, den die übrigen Stromkunden finanzieren.

  14. 114.

    "Warum müssen die Anlagen bereits jetzt schlüsselfertig stehen"

    Weil die Bundesregierung in 2 Jahren anfängt, Kraftwerke ersatzlos abzuschalten, und Energiewende-Anhänger glauben dass Windräder einen Ersatz darstellen. Um diesen Glauben zu widerlegen, muss man zeigen dass Speicher den nötigen Mengen nicht vorhanden sind.

    "Strom für 0,03 Cent(!)/kWh"

    Missverständnis, es geht um die Startinvestition. Die nötigen Speicher in einer Kapazität von 20.000 GWh würden sowohl mit Pumpspeichern wie mit Akkus 2 Billionen EUR kosten. Das ist inakzeptabel. Interessant wäre eine Speichertechnologie, die 20.000 GWh für max 20 Mrd EUR darstellen könnte, alles andere ist indiskutabel.

    "Entweder kennen Sie den Fahrplan zur Dekarbonisierung nicht oder Sie lehnen die Energiewende ganz banal einfach so kategorisch ab."

    Ich lehne die Energiewende kategorisch ab. Dass die Regierung dafür ein Konzept irgendeiner Art hätte, wäre mir neu. Das ist allerdings nicht der Hauptkritikpunkt.

  15. 113.

    Und wo ist jetzt das Problem? Hat man halt nur einen Wirkungsgrade von 30% um die Speicher für Dunkelflauten zu füllen. Das ist nicht das Ende der Welt, wenn der Strom, den man für vielleicht 5-10% der Stunden im Jahr braucht deutlich teurer ist. Es schlägt übrigens niemand vor 4 Wochen Strom in Batterien zu speichern. Sie sollten sich mal man den Fahrplänen zur Energiewende beschäftigen. Die findet man im Internet.

  16. 112.

    "Warum müssen die Anlagen bereits jetzt schlüsselfertig stehen und Strom für 0,03 Cent(!)/kWh zur Verfügung stellen können? Entweder kennen Sie den Fahrplan zur Dekarbonisierung nicht oder Sie lehnen die Energiewende ganz banal einfach so kategorisch ab."

    Alffed Neumann hat zu folgeden geschrieben. "Es mangelt u.a. an Ökostrom, um diese zu befüllen."

  17. 111.

    Nachfragen zu ihren "Belegen" blieben gerne unbeantwortet. Wie können Sie ihre "Experten" beurteilen wo sie bei einer einfachen Umlage-Berechnung gescheitert sind?

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