Internationale Funkausstellung Berlin 2020 (Quelle: imago/VCG)
Audio: Inforadio | 03.09.2020 | Anke Michel | Bild: Imago/VCG

Mit Maske, ohne Publikum - Wie die IFA trotz Corona eine Messe auf die Beine stellt

Kein Gedränge, keine Autogrammstunden - an der auf drei Tage verkürzten Technik-Schau können nur angemeldete Medienvertreter, Händler und Hersteller teilnehmen. Die diesjährige IFA ist ein Erlebnis der besonderen Art. Ein Ortsbesuch von Anke Michel

Fast geisterhaft mutet die IFA in ihrer sehr abgespeckten Form an: Das Publikum muss draußen bleiben. Die "Special edition 2020" der diesjährigen Technik-Messe findet nur mit Fachbesuchern statt.

Doch immerhin: Trotz Corona dürfen in den drei geöffneten Hallen am Berliner Funkturm wenigstens Menschen aus Fleisch und Blut herumlaufen. Weltweit sind andere Technikmessen, etwa der Mobile World Congress in Barcelona oder die Ceatec, die wichtigste Elektronikmesse Japans, komplett abgesagt worden oder finden nur virtuell statt.

Kaum wiederzuerkennen

Doch die Macher der IFA wollten nicht auf eine Messe vor Ort verzichten und haben ein Hygienekonzept auf elf Seiten ausgearbeitet, um grünes Licht von den Behörden zu erhalten. Die Regeln sind nun streng.

Der Zugang ist limitiert, und wer die IFA in den vergangenen Jahren besucht hat, wird sie kaum wiedererkennen. Es gibt keine Gedränge vor Bühnen, keine Menschenansammlungen vor Gerätevorführungen und – mangels Stars und Sternchen – keine Autogrammstunden.

Nicht zur Verfügung steht in diesem Jahr die Messehalle 26: Hier ist das Corona-Spezialkrankenhaus untergebracht, mit 500 Betten für COVID 19 Patienten. Noch werden die Betten nicht gebraucht – daran ändert hoffentlich auch die IFA nichts.

In den drei geöffneten Hallen gilt eine strenge Maskenpflicht. Ein- und Ausgänge sind mit Pfeilen in Laufrichtung versehen, damit sich dort niemand zu nah kommt.

IFA-Halle 2020 (Quelle: rbb/Michels)

750 Besucher dürfen maximal zur gleichen Zeit jeweils in die drei Veranstaltungsbereiche kommen. Mit Hilfe eines Ampelsystems wird ihnen angezeigt, ob sie eine Halle betreten dürfen. Bei rot muss man warten, bis es leerer geworden ist.

Um die genaue Personenzahl jederzeit erfassen zu können, muss man sich auch beim Verlassen der Halle die Eintrittskarte scannen lassen. Gefühlt gibt es mindestens so viele Sicherheitskräfte. die die Einhaltung der Corona-Regeln überwachen, wie Fachbesucher.

Auch die Zahl der Aussteller ist extrem geschrumpft: Waren es im vergangenen Jahr noch knapp 2.000, sind es in diesem Jahr nur noch 100. Viele namhafte Firmen wie die Telekom, Samsung oder Sony fehlen. Mehrere hundert Aussteller sind aber zusätzlich ausschließlich online präsent. So hat die IFA einen Hybrid-Charakter: die Präsentation von neuen Produkten gibt es auch als Video-Live-Stream im Internet.

Schilder weisen auf dem Berliner Messegelände auf die Technik-Messe "IFA 2020" hin (Bild: dpa)

Am normalsten fühlt sich die IFA vor Ort noch im Startup-Bereich an, genannt "IFA next". Hier sind viele Aussteller zum ersten Mal dabei. Sie haben keinen Vergleich zu den vergangenen Jahren, weil sie das erste Mal dabei sind. Das Startup "feeelbelt" aus Potsdam etwa hat dort seinen Stand aufgebaut. Er freue sich vor allem über die Chance, sein Projekt präsentieren zu können, sagt Vertriebsmanager Karsten Kippstein. Da trete die Corona-Angst in den Hintergrund.

Eine Sache ist in diesem Jahr allerdings gleich geblieben: die gesalzenen Preise für Essen und Trinken. Ein Laugenbrötchen und ein kleiner Kaffee kosten zusammen 9 Euro 40.

 

Beitrag von Anke Michel

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 4.

    Wir brauche die Messe nicht mehr als Unterhaltungselektronik-Schlusslicht.

  2. 3.

    Die Beschäftigten der Messe Berlin bemühen sich, die Veranstaltung am Leben zu erhalten, neue Möglichkeiten der Entwicklung zu finden und Ausstellern Gelegenheiten für den Kontakt mit Geschäftspartnern zu bieten. Das mag sinnvoll sein! Viel Erfolg!

  3. 2.

    Das ist keine Messe der besonderen Art sondern eine Zumutung.

  4. 1.

    Völlig verständlich das 95% aller Aussteller eine Messeteilnahme abgesagt haben. Die Kosten zur Durchführung einer solchen Messe sind enorm (Standmiete, Messebau, Personal, Reisekosten, Unterbringung, etc.) und rechnen sich bei einer virtuellen Messe absolut nicht.
    Sofern auch zukünftig eine Messe weitestgehend ohne Besucher stattfinden muss, wird es wahrscheinlich ausschließlich zu Absagen kommen.

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