Eine Frau mit Atemschutzmaske vor einer S-Bahn (Quelle: imago images/Jan Huebner)
Audio: Inforadio | 28.09.2020 | Lisa Steger | Bild: imago-images/Jan Huebner

Arbeitsniederlegungen bei BVG und Co. - S-Bahn verstärkt Angebot am Warnstreik-Dienstag

Beschäftigte von BVG und Brandenburger Verkehrsbetrieben treten am Dienstag in einen Warnstreik - dann wird das Fortkommen schwierig. Zumindest in der Hauptstadtregion sorgt die S-Bahn für Entlastung: Sie will ihr Angebot verstärken.

Die Berliner S-Bahn will ihr Zugangebot am Dienstag verstärken, wenn im Öffentlichen Personennahverkehr in Berlin und Brandenburg gestreikt wird. Das hat das Unternehmen auf seiner Internetseite und auf Twitter angekündigt. Einzelheiten zu dieser Verstärkung sollen folgen.

Die Gewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) sowie von mehr als ein Dutzend Verkehrsunternehmen in Brandenburg am Dienstag zum Warnstreik aufgerufen. Sie sollen zwischen 3 und 12 Uhr ihre Arbeit niederlegen.

In Berlin streikt die BVG, in Brandenburg beteiligen sich die Verkehrsbetriebe Potsdam, die Regionale Verkehrsgesellschaft Dahme-Spreewald, die Uckermärkische Verkehrsgesellschaft, die Verkehrsgesellschaft Teltow-Fläming mbH, der Busverkehr Oder-Spree, die Barnimer Busgesellschaft, Cottbusverkehr, die Havelbus Verkehrsgesellschaft, der Regiobus Potsdam Mittelmark, die Stadtverkehrsgesellschaft Frankfurt (Oder) und die Verkehrsbetriebe Brandenburg an der Havel.

"Sparkurs auf dem Rücken der Beschäftigten"

Mit dem Ausstand will die Gewerkschaft den Druck auf die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber (VKA) im Tarifstreit erhöhen. Verdi fordert für die rund 87.000 Beschäftigten im öffentlichen Nahverkehr einen bundesweit einheitlichen Tarifvertrag. Es geht aber auch um die Angleichung der Konditionen für die rund 3.500 Brandenburger Beschäftigen im Vergleich zu ihren 14.500 BVG-Kollegen und -Kolleginnen.

"Der ÖPNV befindet sich bundesweit in einer schwierigen Situation. Nach 20 Jahren Sparkurs auf dem Rücken der Beschäftigten sind die Grenzen der Belastbarkeit erreicht", erklärte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Christine Behle. "Dass die Arbeitgeber nicht einmal zu einer Verhandlung bereit sind, verhöhnt die Beschäftigten und torpediert jede Bemühung, eine Verkehrswende zu erreichen." Deshalb bleibe nur ein Warnstreik, um zu zeigen, wie ernst die Lage sei, so Behle.

Arbeitgeber haben kein Verständnis

Der Kommunale Arbeitgeberverband in Berlin erklärte dagegen, Verdi habe den Tarifvertrag einseitig gekündigt. Erst im letzten Jahr habe es für alle Beschäftigten der BVG Lohnerhöhungen gegeben, sagte Geschäftsführerin Anke Stier: "Wir haben kein Verständnis für diesen Warnstreik." Zudem gefährde ein Streik in der Corona-Pandemie die Gesundheit der Fahrgäste im Berliner ÖPNV.

Sendung: Inforadio, 26.09.2020, 18:30 Uhr

75 Kommentare

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  1. 75.

    Das ist jetzt sehr nett von Ihnen @ Heike, und ehrlich gesagt kann ich ja das auch verstehen, es kann nicht sein das in jeden BL andere Tarife gezahlt werden.
    Schönen Abend für Sie

  2. 74.

    Also ich habe im Süden von Berlin nichts bemerkt von Verstärkerzügen.
    Die S25 in Richtung Henningsdorf wie immer ein Dreiviertelzug (6 Waggons)
    Die S26 in Richtung Waidmanslust ein Viertelzug (4 Waggons)
    Alles so wie immer.
    Wer aber auf die BVG angewiesen ist, der musste vorab anders planen. Leider wird so ein Streik immer auf dem Rücken der Fahrgäste ausgetragen.

  3. 73.

    "Weil wir dich lieben" ? Jo macht das mal. Alle 11 Minuten verliebt sich ein Fahrgast. Ich liebe mein Auto. Weil ich damit besser fahre.

  4. 72.

    Selbstverständlich wird gegen die Fahrgäste gestreikt. Gegen die Chefs jedenfalls nicht. Die bekommen trotz Streik weiter ihr Gehalt, was in anderen Betrieben nicht so ist. Wenn das Käsewerk streikt, verhungern die Kunden nicht, weil es genug Lagerbestände und andere Käsewerke gibt, die den Bedarf decken. Zur Not können die Leute auch Wurst oder anderes essen. Wenn aber Züge und Busse bestreikt werden, gibt es meistens keine Ausweichmöglichkeiten, weil man Reiseerkehrsleistungen nicht auf Vorrat produzieren und lagern kann und Ausweichmöglichkeiten teurer unwirtschaftlicher Parallelverkehr wären, wenn nicht gestreikt wird, was die überwiegende Zeit ist.

  5. 71.

    Ich bin zwar nicht betroffen von dem Streik finde aber das es langsam reicht. Was machen eigentlich die Leute die ebenfalls "schlecht" verdienen, durch keine regelmäßigen Streiks die Gehälter erhöhen können und auch keine Chance haben in den Genuss der erstrittenen Erfolge zu kommen? Und das obwohl man Gewerkschaftsmitglied ist! Ich denke viele Leute wissen gar nicht für wie wenig Geld Menschen regelmäßig arbeiten gehen.

  6. 70.

    Liebe Toska, keinesfalls wollte ich Sie hier als doof hinstellen. Das tut mir leid.
    Lediglich wollte ich klarstellen, dass das was Ihnen die BVG Familie, die Sie kennen, erzählt nicht richtig ist.

  7. 69.

    in der jetzigen Situation verbietet sich jeder Streik.
    Das was Verdi hier macht kann man nicht nachvollziehen. Zumal viel der Berliner Senatsangestellten während Corona schön zu Hause gesessen haben, bei vollen Bezügen.
    Oder das hier: KFZ Zulassungstelle = 8 Wochen bis zur Zulassung - und dafür noch mehr Geld?
    Wenn Verdi mal den Kopf einschalten würde, hätte man die Sache auf das nächste Jahr verschoben, wenn die Pandemie eventuell unter Kontrolle ist. Aber alle Bürger zu knebeln ist eine Frechheit. Wir hatten und haben schon Genug Probleme wegen und mit Corona.

  8. 68.

    @Heike
    Nun lassen Sie es doch langsam gut sein. Wenn Sie der Meinung sind es stimmt nicht.
    na, dann ist es
    Sie haben Recht und ich bin doof.

  9. 67.

    Weiterhin fragt sich wo die S-Bahn die nicht vorhandenen Züge für eine Verdichtung hernehmen soll.

  10. 66.

    Das Beispiel was Sie angeben, ist einfach nur falsch...weil es stimmt nicht was Sie schreiben.

  11. 65.

    Ganz ihrer Meinung
    Es kann nicht sein ,dass die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) den Bürger als Geisel und Druckmittel missbraucht , indem er die Bitte der Gewerkschaften den Tarifstreit aufgrund der Pandemie zu verschieben , ausschlägt aber gleichzeitig Verhandlungen mit den Gewerkschaften verweigert .

  12. 63.

    Der Streik im Nahverkehr während der Pandemie ist extrem rücksichtlos. Busse und Bahnen sind schon jetzt so voll, dass ein zumutbarer Abstand zwischen den Fahrgästen nicht eingehalten werden kann. Durch den Streik werden auf 50 cm Abstand zu Stoßzeiten dann 30cm. Die Ansteckungsgefahr in Bussen ist laut RKI 8 mal so hoch wie im Flugzeit.
    Ich hoffe, dass sich niemand infiziert. Streik zu Lasten und zum finanziellen Schaden Unbeteiligter ist rücksichtslos. Streik unter bewusster Inkaufnahme von Infektionszunahme ist verantwortungslos. Das sollte man sich auch bei den Gewerkschaften nicht schön lügen.

  13. 62.

    Nein, @Heike neidisch bin ich nicht das haben sich die Leute erarbeitet, ich hatte dass als Beispiel angegeben. Sie scheinen ein sehr einfaches Konzept zu haben die Meinungen in eine Neidecke zu stellen.

  14. 61.

    @Berliner
    Ein richtig teurer Spaß für den VBB und Steuerzahler.
    Vor allem weil die Süddeutsche Busunternehmen ihren Fahrer nicht mit einem lausigen TV-N B bzw. TVN- BB abspeisen.

    Und das alles weil man als VKA nicht einsieht ihren Mitarbeitern etwas mehr zu gönnen , kauft man lieber die viel viel teurere Leistung aus Süddeutschland ein. Nur weil man als VKA nicht nachgeben will ..... warum auch, ist ja nur Steuergeld .

  15. 60.

    Warum wird denn nicht am Samstag gestreikt? Feiertagszuschläge sind wahrscheinlich wichtiger als Fahrgäste.

  16. 59.

    Ich finde den Streik grundsätzlich als ein legitimes Mittel - allerdings in zeigen von Corona habe ich kein Verständnis für diesen Streikaufruf von Verdi
    Alle versuchen , die AHA Regeln einzuhalten. Diejenigen, die fit und jung sind und ein Fahrrad haben benutzen es momentan sowieso.
    Die älteren Menschen und die, die eben nicht mehr fit sind, müssen die BVG nutzen - und dürfen sich jetzt morgen in die S-Bahn drängen und setzen sich damit einem noch höheren Risiko aus.
    Nein - Diesen Streikaufruf von VERDI finde ich respektlos.

  17. 58.

    und morgen um 08:30 findet unsere Zwischenprüfung statt ...
    Vielen Dank für Umstände

  18. 57.

    Meine S Bahn, S 2 aus Bernau oder Buch kommend, ist bereits jetzt morgens super voll !! Und morgen dann noch voller. Und das an dem Tag, wo der Senat die " Coronaregeln " verschärfen wird. Wenn es nicht so traurig wäre, könnte ich darüber lachen !!

  19. 56.

    Sehr lustig. Derzeit fahren in Berlin ohnehin schon Linienbusse aus München und Schwaben als Schienenersatzverkehr für die Berliner S-Bahn. Insofern müsste es wohl besser heißen: Süddeutsche Busunternehmen verstärken ihr Angebot an Ersatzbussen für Berlin und werden dafür aus Berliner Steuergeldern bezahlt, damit die Angestellte aus VBB-Unternehmen für mehr Gehalt streiken können.

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