Mehrere Personen steigen am 07.07.2020 aus einem Berliner Bus aus (Bild: imago images/Shan Yuqi)
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Aufruf von Verdi - Mitarbeiter von BVG und Kliniken für Dienstag zum Warnstreik aufgerufen

Die Gewerkschaft Verdi hat für Dienstag zu Warnstreiks bei kommunalen Verkehrsbetrieben aufgerufen. Insbesondere in Brandenburg soll sich für die Beschäftigten einiges ändern. In Berlin soll auch an den Kliniken von Charité und Vivantes gestreikt werden.

Für kommenden Dienstag ruft die Gewerkschaft Verdi zu weiteren Warnstreiks auf. Bundesweit soll es Arbeitsniederlegungen im Personennahverkehr geben. Bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) soll der Ausstand von Betriebsbeginn gegen 3 Uhr bis etwa 12 Uhr mittags andauern, hieß es von Verdi.

In Brandenburg beteiligen sich mehr als ein Dutzend Unternehmen: die Verkehrsbetriebe Potsdam, die Regionale Verkehrsgesellschaft Dahme-Spreewald, die Uckermärkische Verkehrsgesellschaft, die Verkehrsgesellschaft Teltow-Fläming mbH, der Busverkehr Oder-Spree, die Barnimer Busgesellschaft, Cottbusverkehr, die Havelbus Verkehrsgesellschaft, der Regiobus Potsdam Mittelmark, die Stadtverkehrsgesellschaft Frankfurt(Oder), die Verkehrsbetriebe Brandenburg an der Havel sowie DB Regio Nord Ost.

Behle: "Das verhöhnt die Beschäftigten"

Verdi begründete den Aufruf im ÖPNV am Freitag damit, dass die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber (VKA) abgelehnt habe, mit der Gewerkschaft Verhandlungen über einen Rahmentarifvertrag aufzunehmen. "Der ÖPNV befindet sich bundesweit in einer schwierigen Situation. Nach 20 Jahren Sparkurs auf dem Rücken der Beschäftigten sind die Grenzen der Belastbarkeit erreicht", erklärte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Christine Behle. "Dass die Arbeitgeber nicht einmal zu einer Verhandlung bereit sind, verhöhnt die Beschäftigten und torpediert jede Bemühung, eine Verkehrswende zu erreichen." Deshalb bleibe nur ein Warnstreik, um zu zeigen, wie ernst die Lage sei, so Behle.

Arbeitgeber verweisen auf Einigung mit der BVG vom letzten Jahr

Der Arbeitgeberverband in Berlin (KAV) hingegen weist die Kritik zurück. Verdi habe den Tarifvertrag einseitig gekündigt. Von der offiziellen Ankündigung für bundesweite Warnstreiks am Dienstag im ÖPNV sei der Verband überrascht worden.

"Wir haben kein Verständnis für diesen Warnstreik", sagte Anke Stier, Geschäftsführerin des KAV Berlins am Freitagmittag. Erst im letzten Jahr habe es für alle Beschäftigten der BVG Lohnerhöhungen gegeben, laut KAV in einem jährlichen Gesamtvolumen von 102 Millionen Euro. Zudem gefährde ein Streik in der Corona-Pandemie die Gesundheit der Fahrgäste im Berliner ÖPNV.

BVG-Bedingungen für Brandenburg

Neben den bundesweit gültigen Forderungen will Verdi außerdem erreichen, dass die 3.500 Beschäftigten bei den Brandenburger Verkehrsbetrieben künftig zu den gleichen Konditionen angestellt werden wie ihre etwa 14.500 Kollegen bei der BVG. Dafür soll die Arbeitszeit von derzeit 39 Stunden auf 36,5 Stunden sinken - bei vollem Lohnausgleich.

Man bedaure bei Verdi, dass es zu Einschränkungen für die Fahrgästen kommen werde am Dienstag, "ein guter Tarifvertrag käme allerdings sowohl den Beschäftigten als auch den Fahrgästen zugute", hieß es weiter.

Stellenabbau trotz steigender Fahrgastzahlen

Im Tarifkonflikt mit bundesweit 130 ÖPNV-Unternehmen fordert die Gewerkschaft seit dem Frühjahr die Verhandlung eines bundesweiten Rahmentarifvertrages. Verdi fordert für die bundesweit 87.000 Beschäftigten bei 130 Unternehmen des öffentlichen Nahverkehrs Regelungen zur Nachwuchsförderung und zur Entlastung der Mitarbeiter.

Behle wies darauf hin, dass trotz steigender Fahrgastzahlen in den letzten 20 Jahren bundesweit 15.000 Stellen abgebaut worden seien. Folgen seien hohe Krankheitsquoten in den Betrieben und fehlender Nachwuchs. In den Ballungsräumen seien Busse und Bahnen überfüllt, in ländlichen Regionen fehlten oftmals die Busfahrerinnen und Busfahrer und die Finanzierung, um viel mehr als eine Grundversorgung zu gewährleisten.

Klinik-Warnstreiks am Dienstag, Demo am Mittwoch

In der Hauptstadt soll es zudem Warnstreiks an Krankenhäusern von Charité und Vivantes geben. "Der Warnstreik beginnt am 29. September mit der Frühschicht und endet am Folgetag mit dem Ende der Spätschicht", teilte Gewerkschaftssekretär Marco Pavlik am Freitag mit. Am Dienstag seien lokale Aktionen an einzelnen Klinikstandorten geplant. Einzelheiten dazu stünden noch nicht fest.

Am Mittwochvormittag soll es zudem eine Demonstration unter dem Motto "Klatschen war gestern, heute ist Zahltag" vom Roten Rathaus bis zum Pariser Platz geben. Derzeit werde noch um Notdienstvereinbarungen gerungen.

Sendung: Inforadio, 25.09.2020, 10 Uhr

102 Kommentare

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  1. 102.

    Zur aktuellen Situation ist der Streik unverantwortlich. Umweltverschmutzung auf den Strassen durch mehr Autos und willkommen Corona in den Ölsardinenzügen der S-Bahn.

  2. 100.

    Die Arbeitslast wird auf mehr Personal verteilt . Arbeitsbedingungen werden verbessert .
    Durch die letzte Lohnerhöhung hat man doch Tatsache ,anders als manche erwartet hätten, mehr ausbildungsfähiges und williges Personal gefunden .
    Noch nicht soviel Personal wie man gerne hätte aber immerhin schon ein Beweis dafür ,dass der Mensch doch käuflich ist :)
    Wenn sich die Arbeitsbedingungen noch weiter verbessern ,wird man bestimmt auch noch mehr Personal finden und auch langfristig an die Firma binden können .



  3. 99.

    Vielleicht sollten die BVG Mitarbeiter*innen erstmal eine Leistung erbringen und danach kann über eine höhere Vergütung gesprochen werden. Wie wäre es mit einem Leistungsentgelt, mit Abzug bei Ausfall, Verspätung, Unfreundlichkeit und Verschmutzung.

  4. 98.

    Wer garantiert, dass eine verkürzte Arbeitszeit zu Neueinstellungen führt? Die Arbeitsbelastung wird doch nur geringer, wenn zusätzliches Personal die weggefallenen Stunden übernehmen könnte. Ansonsten wäre der Effekt, bildlich gesprochen, dass die Busfahrer die bestehenden Strecken statt in 39 Minuten in nur 36,5 Minuten bewältigen müssten. Man kläre mich auf, was mit "Entlastung" gemeint ist...

  5. 96.

    Sehr gut fangen wir bei Ihnen gleich an. Zum Glück gibt es in Deutschland Tarifautonomie wo sich die Politik nicht einmischen darf.

  6. 95.

    Und was sind dann die nächsten Gründe um Streiks zu verbieten oder zu befristen? Streikrecht ist ein scher erkämpftes Grundrecht

  7. 94.

    Was nützt eine FFP2 Maske ,wenn beim SEV die Menschen sich fast knutschen.Sehr Intelligent die
    Antwort .Das kann nur jemand sagen der selten oder nie mit der Bahn fahren muß

  8. 93.

    Ich finde ihre einstellung absolut richtig und beführworte es 100% Der ÖPVN ist unter RRG das schlimmste was es in berlin gibt.Auf das Auto kann ich mich verlassen, auf die ÖPVN nicht.
    (z.b.S-Bahn Schienen ersatzverkehr,Pendelverkehr und dann der Spruch "Bitte haben Sie
    verständnis")

  9. 92.

    Hallo,
    kann man das Streikrecht im Hinblick auf die Corona-Pandemie nicht zeitlich befristet aussetzen...?

  10. 91.

    wer einen Nachbar beim ÖD hat,kann doch gleich sein sauer verdientes Geld oder einen Teil seiner Rente rüber reichen...spart Zeit und Geld.

  11. 90.

    Mitten in einer Pandemie. SCHÄMT EUCH!!!

  12. 89.

    Ich habe an sich nichts gegen streiken.Aber jetzt wärend Corona finde ich es unangebracht.
    Die Streikenden selbst versammeln sich zu größeren Gruppen und in den wenigen noch fahrenden Verkehrsmitteln drängeln sich die Fahrgäste. Trägt alles zur Zunahme der Coronazahlen bei.

  13. 88.

    Naja, so schlecht ist die E5 nicht.
    Allerdings haben Busfahrer auch viel zu ertragen.
    Ich finde eher, dass man die Fahrer eher vor Kriminalität schützen muss.
    Die Busse hätten längst Fahrerkabinen haben können.
    Teilweise sind die Fahrgäste sowas von erbärmlich.
    Schmeißen ihren Müll rum, essen, eher fressen, schreien rum und sorry, stellen teilweise ziemlich dämliche Fragen.

  14. 87.
    Antwort auf [Rene] vom 25.09.2020 um 23:40

    Das geht ja auch gar nicht.
    Es gibt nicht genug Züge, zu wenig Taktdichte und offenbar zu wenig Fahrer.
    Der ÖPNV in Berlin funktioniert nur, wenn es viele Autofahrer gibt.
    Aber dies kapieren die Grünen einfach nicht.

  15. 86.

    Wir machen es nicht wie in Japan, weil:
    1. Bei einem hohen Anteil von Monatskarten haben die meisten sowieso schon vorher bezahlt - stört den Arbeitgeber also überhaupt nicht, da kein Verdienstausfall stattfindet
    2. Wenn ein Streik keine "Außenwirkung" hat, fällt er nicht auf - stört den Arbeitgeber auch nicht, er wird ja von niemand außerhalb seiner Arbeitnehmenden kritisiert.
    3. Bei uns ist das Verhältnis von Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden - leider nicht mehr - von tiefer gegenseitiger Loyalität geprägt, wie in Japan. Dort mochte man seinem Arbeitgeber, der sich - vom Grund her - loyal um seine Arbeitnehmer kümmert, keine "Schande" machen, da man sich damit selber beschämen würde.
    In Deutschland erwarten Arbeitgeber hohe Loyalität, setzen aber bei Bedarf auch langjährige Mitarbeiter einfach vor die Tür...

  16. 85.

    Ich bin für eine 35-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich. So kann der ÖPNV für alle bezahlbar bleiben. Die Angestellten haben mehr Freizeit, aber zugleich weniger Geld für umweltschädlichen Konsum. Es muss sich jeder einmal umstellen.

  17. 84.

    Wegen der erhöhten Asteckungsgefahr: Es gibt FFP2 Masken und Handdesinfektion. Kann man sich besorgen, gibt es zu kaufen.

  18. 83.

    Fahrt Auto. Das streikt viel seltener. Ist darüber hinaus viiiiiel flexibler, trocken, warm, kühl, stinkt nicht nach Bier und Urin, Sitzplatzreservierung, keine nervigen Mitfahrer und Raucher, keine verpassten Anschlüsse, kostenlose immerTransport und Mitnahmefunktion für mehrere Personen und Tiere aller Art und für Zone ABC-DEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ und das zu jeder Tages- und Nachtzeit, 365 Tage im Jahr 24 Stunden am Tag von Tür zu Tür mit dynamischer Linienführung und eingebauter Haltestelle.

    Die Fahrpreise der BVG sind jetzt schon nicht kostendeckend. Die Nutzer sollten endlich den Aufwand bezahlen, den sie verursachen. Inklusive Fahrwege. Und die Dieselbusse sollten nicht mehr in Umweltzonen fahren.

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