Warnstreik bei der Potsdamer Stadtentsorgung am 1.10.2020. (Quelle: rbb)
Video: Brandenburg Aktuell | 01.10.2020 | A. Meyer | Bild: rbb

Warnstreik in Brandenburg - Viele Kitas geschlossen - Tumulte bei Potsdamer Stadtentsorgung

In Potsdam, Hennigsdorf und Kremmen bleiben am Donnerstag einige Kitas dicht, auch die Müllentsorgung fällt mancherorts aus. Bei der Stadtentsorgung in Potsdam kam es zu Rangeleien zwischen Streikenden und der Geschäftsleitung.

Rund 270 Mitarbeiter aus den Stadtverwaltungen von Potsdam und Hennigsdorf sowie von der Potsdamer Stadtentsorgung haben am Donnerstag ihre Arbeit niedergelegt. Die Gewerkschaft Verdi hatte zum ganztägigen Warnstreik aufgerufen.

Seit 4 Uhr streikten rund 70 Beschäftigte der städtischen Entsorgung. "Es gibt große Beeinträchtigungen bei der Park- und Straßenreinigung und der Müllabholung", sagte Verdi-Gewerkschaftssekretär Stefan Bornost. Da sich nicht alle der rund 300 Beschäftigten der städtischen Entsorgung an dem von Verdi aufgerufenen ganztägigen Warnstreik beteiligten, seien nur einige Fahrzeuge vom Betriebshof gefahren. Der Biomüll sei stehen geblieben. Auch die gelbe Tonne sei größtenteils nicht abgeholt worden, sagte Bornost. Die Resonanz habe die Erwartungen der Gewerkschaft übertroffen, sagte er rbb|24. Seit 2008 sei das Unternehmen nicht mehr bestreikt worden. 51 Prozent der Anteile hält die Stadt Potsdam, 49 Prozent der private Entsorgungskonzern Remondis.

Demonstranten mit Verdi-Flaggen und einem Transparent «Mehr Verantwortung braucht mehr Respekt» haben sich am Morgen vor dem Rathaus versammelt. (Quelle: dpa/S.Stache)
Verdi fordert unter anderem eine Ost-West-Angleichung der Löhne. | Bild: dpa/S. Stache

Rangelei bei der Stadtentsorgung

Bei dem Warnstreik bei der Stadtentsorgung kam es am frühen Donnerstagmorgen zu tätlichen Auseinandersetzungen mit der Geschäftsführung. Gewerkschaftssekretär Bornost bestätigte am Nachmittag auf Anfrage von rbb|24 einen Bericht der "Märkischen Allgemeinen Zeitung" [maz-online.de/€]. Demnach soll sich die komplette Geschäftsführung auf dem Betriebsgelände gegenüber den etwa 25 bis 30 Streikenden aufgestellt haben, die sich außerhalb befanden. "Einer der Geschäftsführer riss ein Verdi-Transparent vom Zaun, was er prinzipiell darf, weil er das auf dem Betriebsgelände getan hat. Er verschwand dann aber damit im Gebäude, was er wiederum nicht darf, weil die Transparente und Plakate Gewerkschaftseigentum sind", sagte Bornost.

Als er kurz darauf doch wieder mit dem Transparent zurückgekehrt sei, sei es zu hitzigen Wortgefechten und Rangeleien mit Streikenden gekommen. Beide Seiten hätten an dem entwendeten Transparent, gezerrt - schließlich habe der Geschäftsführer es freigegeben. "So ein Verhalten habe ich definitiv noch nicht erlebt", sagte Bornost. Die Geschäftsführung rief Bornost zufolge auch die Polizei, weil Streikfahrzeuge die Ein- und Ausfahrt des Geländes versperrt hätten. Nachdem die Streikenden die Einfahrt kurz darauf wieder freigegeben hätten, habe sich die Lage beruhigt.

Stadtbibliothek in Potsdam geschlossen

Statt zur Arbeit zu gehen, trafen sich die Mitarbeiter vom Grünflächenamt, Sozialarbeiter und andere Verwaltungsbeschäftigte nach Angaben von Verdi am Vormittag zu einer Kundgebung vor dem Potsdamer Rathaus. Auch nach dem Mittag sollten noch Einschränkungen unter anderem beim Bürgerservice bestehen, sagte die Verdi-Gewerkschaftssekretärin für Brandenburg, Katja Boll. Die Stadtbibliothek im Bildungsforum blieb demnach ganztägig geschlossen.

Auch Hennigsdorfer Kitas sollen bestreikt werden

Auch Beschäftigte der Stadtverwaltung in Kremmen (Oberhavel) sollen laut Verdi am Donnerstag ganztägig in den Ausstand treten. An dem Warnstreik beteiligen sich demnach auch Beschäftigte der Hennigsdorfer Kitas. Die Einrichtungen bleiben am Donnerstag geschlossen, betroffene Eltern seien informiert worden.

Bereits am Dienstag hatten rund 1.000 Bus- und Bahnfahrer nach Angaben der Gewerkschaft für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Gehalt die Arbeit niedergelegt.

In der laufenden Tarifrunde fordert die Gewerkschaft Gehaltserhöhungen von 4,8 Prozent, mindestens aber 150 Euro monatlich. Außerdem werden die Erhöhung der Ausbildungsvergütung um 100 Euro sowie Regelungen zur Übernahme von Auszubildenden und Angleichung des Erholungsurlaubes an das Niveau der Beschäftigten gefordert. Die Arbeitgeberseite hat nach Gewerkschaftsangaben auch in der zweiten, bundesweiten Tarifrunde kein Angebot vorgelegt.

Sendung: Brandenburg Aktuell, 30.09.2020, 19:30 Uhr

17 Kommentare

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  1. 17.

    Hallo Alexander, ich weiß nicht wo Sie Ihre Erkenntnisse her haben. Aber ich nehme mal an, dass Sie jeden Tag 12 Stunden arbeiten gehen, natürlich auch am Wochenende, an Feiertagen und noch dazu in Wechselschicht. Vielleicht sollten Sie meinen Kommentar noch einmal lesen. Genau Ihre Meinung spaltet die Gesellschaft. Und Ihnen steht es frei zu Ihrem Chef zu gehen und mehr Lohn zu fordern! Aber dazu braucht man auch Mut und eine gute Begründung.

  2. 16.

    Der öffentliche Dienst ist ja faule und deswegen verdient weniger als die Leute die für ihr Geld arbeiten.

  3. 15.

    Es ist schon sehr kritisch zu sehen, wie die Geschäftsführung eines kommunalen Unternehmens mit den Streikenden umgeht. 51% der Anteile hält die Stadt Potsdam, wo bleibt da eine Stellungnahme des Potsdamer OB zu den Vorwürfen? Aber der wird sich hinter der Tarifautonomie verstecken. Die Stadtwerke und kein Ende. Und den Kritikern hier in den Kommentaren sei einfach mal gesagt: Der ÖD übernimmt und führt Arbeiten im öffentlichen Interesse aus. Die Lohnentwicklung im ÖD hinkt der privaten Wirtschaft schon jahrelang hinterher. Und alle Neider hier steht es frei sich sofort im ÖD zu bewerben.

  4. 14.

    ... aber diese Mitarbeiter im ÖD - z.B. die Verwaltungs-und Bürgerämter-Mitarbeiter, sind die, die in der Krise bei vollem Gehalt zu Hause waren. Arbeiten ging nicht, da die Digitalisierung bei uns nur semioptimal läuft. Also warum, sollen diese Mitarbeiter mehr Geld bekommen. Nein sie sind nicht faul nur gierig. Ich würde mich schämen.

  5. 13.

    Im Jahr 30 der so bezeichneten Deutschen Einheit sind gleiche Löhne für gleiche Arbeit mindestens 10 J. überfällig. Die Preise sind die gleichen, der Arbeitsanfall ist der gleiche wie in vergleichbaren Städten, doch die Entlohnung ist immer noch eine geringere.

    In anderen Bereichen gibt es bspw. solche Absurditäten wie dass der aus Hennigsdorf stammende Kollege einen geringeren Lohn erhält wie der direkt neben ihm arbeitende Kollege aus Berlin-Spandau, weil der natürlich zu Recht Besitzstandswahrung erhält. Schon allein diese Durchmischung von Arbeitsstellen sollte Anlass sein, von "Deutschland A" und "Deutschland B" abzurücken, was das Entgelt angeht.

    Da gab es doch vor etlichen Jahren die Klage der Wachleute vor dem Schloss Bellevue, Sitz des Bundespräsidenten. Der dauerhafte Einsatzort liegt im früh. Westteil von Berlin, der Sitz des Arbeitgebers im früh. Ostteil. Der Osttarif wurde verworfen, mit Hinweis auf den Dauereinsatz.

    Wer kann noch etwas beisteuern?

  6. 12.

    Sind das die Bosse eines öffentlichen Unternehmens, die sich so aufführen? Fehlt nur noch, dass sie die Pinkertons rufen. "Die Pinkertons wurden auch selbst des Terrorismus und Vigilantismus beschuldigt, wenn sie sich von Fabrikbesitzern zur Bekämpfung von Gewerkschaftern und Streikenden anheuern ließen, sie gelten als erste Vertreter der Union-Busting-Branche. Ihre Werkschutzeinheiten übertrafen dabei oft die Stärke der regulären Armee. So rekrutierten sie bei den Eisenbahnstreiks von 1877 Streikbrecher eigens für die Demoralisierung der Streikenden. [...] 1999 wurde das Unternehmen von dem schwedischen Konzern Securitas AB übernommen; es bietet – weiter unter dem Namen Pinkerton – Corporate-Risk-Management-Lösungen an." https://de.wikipedia.org/wiki/Pinkerton_(Detektei)

  7. 11.

    Diese Neiddebatte ist ja immer wieder gleichzeitig belustigend wie auch traurig. Da wird den Menschen im öffentlichen Dienst bei jeder Gelegenheit nachgesagt, dass sie faul wären und zu viel verdienen.
    Dazu nur so viel: Der öffentliche Dienst sucht viele viele Mitarbeiter. Es ist keine Monarchie, sondern man darf sich bewerben. Bitte liebe Neidhammel macht das oder schweigt endlich über eure einfältigen Argumente. Ich kann mir gut vorstellen, dass einige von denen, die hier so herum poltern gar keine (ausreichende) Qualifikation für irgendeine Tätigkeit im öffentlichen Dienst haben und sich nun beschweren, dass sie als unqualifizierte Außenstehende benachteiligt werden. Aber auch das stimmt nicht - der öD bildet auch aus. Die wenigsten im öD sind unqualifizierte Hilfsarbeiter - das sollte man auch mal Bedenken, wenn man Reallohnsenkungen fordert und sich über scheinbares Unrecht beschwert.

  8. 10.

    @David Weber
    Das wäre im Normalfall auch so.
    Aber im Öffentlichen Dienst bzw. Anstalten des öffentlichen Rechts funktionieren diese Markt-Mechanismen nicht.
    Hier hat die Politik das sagen und wenn der Staat /Senat kein Interesse daran hat die freien Stellen mit besseren Löhnen und Arbeitsbedingen attraktiver zu machen . Fallen ,am Bsp. des Busfahrers, Busse aus bzw. häufen sich Verspätungen aufgrund von Personalmangel.
    Jetzt ist es so ,dass der Staat/Politiker es geschafft hat den ÖD/AöR Mitarbeiter in der Öffentlichkeit ,allgemeinen als gut bezahlt und eher "um es nett zu umschreiben " arbeitsmüde hinzustellen .
    Diese Jahrzehnte lange Gehirnwäsche hat bei einigen so gut funktioniert , das am Bsp. des Busfahrers , nicht etwa der Betrieb bzw. Politik für die Ausfälle zur Verantwortung gezogen wird sondern der "faule" Busfahrer höchstpersönlich .

  9. 9.

    ich sehe das ganz genauso. Es gibt Berufsgruppen in diesem Streik, die sind für Ihre Leistung unterbezahlt. Das sehe ich vollkommen ein. Gerade in Coronazeiten werden von diesen hohe Leistungen erwartet und gebracht. Es gibt aber eben welche, die verdienen jetzt bereits ein ordentliches Geld. Wenn man das alles in einen Tiopf wirft, ist der Ruf nach Erhöhung nicht nachzuvollziehen. Es sind da also viele Trittbrettfahrer unterwegs und das kann einfach nicht sein. Wer soll das denn alles bezahlen? Manchen Leuten kann man im Monat 5.000 zahlen, sobald sich die Gelegenheit ergibt gehen die wieder auf die Straße und wollen 6.000. Das ist doch nicht normal! Dieses "Alle über einen Kamm scheeren" macht uns auf Dauer kaputt!

  10. 8.

    #brauhna, rein marktwirtschaftlich betrachtet bekommt jeder Arbeitnehmer den Lohn den seine Arbeitskraft am (Arbeits-)Markt wert = nachgefragt ist. Je größer der Bedarf dieser Arbeitkraft ist und so weniger AN sich bewerben desto höher wird der Lohn sein. Ganz einfach. Also wenn sich weniger Leute als Busfahrer bewerben und der Bedarf aber sehr groß ist, wird tendenziell der Lohn soweit gesteigert bis sich genügend Busfahrer finden lassen. Trifft prinzipiell auch bei den Pflegeberufen zu. Wenn nicht genug bezahlt wird, dann wollen weniger in diesen Berufen arbeiten, es herrscht Mangel an Arbeitskräften. Wenn die Arbeitgeber also nicht mehr Lohn/Gehalt zahlen, wird ein Mangel an Arbeitskräften zur Befriedigung der Nachfrage dieser Arbeitsleistungen am Markt auftreten.

  11. 7.

    Hallo, ich glaube 150€ sind keine „mehr als 10%„. Der Mindestlohn liegt bei 9,35€ (?), dann wäre dies ein Gehalt von ca. 1600€ Bei 40h/Woche. Also sind 150€ keine mind. 10% für den ein oder anderen. Sondern maximal 9,3%.
    Rein „marktwirtschaftlich“ würde eine Kürzung bei anderen Berufsgruppen nicht zu einer besseren Verteilung führen.

  12. 6.

    was sind Sie den für ein Typ mit diesen Kommentar. Warum sollen Arbeitswillige ausgesperrt werden. Bitte die Verhältnismäßigkeit bewahren. Vielen Dank.

  13. 5.

    Jedoch gibt es auch einige bei denen man sparen könnte! Bei Verwaltung und Justiz zb, dann könnten auch mehr eingestellt werden. Nur mal so rein marktwirtschaftlich gedacht!"
    Und es zeigt sich mal wieder, wenn es darum geht den abhängig Beschäftigten die Margarine vom Brot zu nehmen, sind alle ganz schnell dabei.
    Allerdings liest man eigentlich nirgendwo, daß in diesen Zeiten die Klattens, Schwarzens, Albrechts und wie sie alle heissen mögen, sich mal so rein marktwirtschaftlich an den Seuchenkosten beteiligen sollten.
    Nein, denen bläst man die Milliarden noch zusätzlich rein. Es geht ja schließlich um Awwwweitsplätze.

  14. 4.

    Bloß nicht! Bei der Justiz kenne ich mich nicht aus. Aber in der Verwaltung sind jetzt schon 20% der Stellen unbesetzt und werden auf andere Bereiche aufgeteilt. Jede Entscheidung dauert bereits heute um ein vielfaches länger als noch vor 10 Jahren...

  15. 3.

    1x pleite gehen lassen (wäre der Laden ohne Zuschüsse und Subventionen eh schon lange) und alle Linien neu ausschreiben. Kann sich die BVG ja dann drauf bewerben. Wär doch spannend, wenn die S-Bahn dann z.B. die U5 übernimmt oder Flixbus den 100er.
    Ich habe Kurzarbeit und die sonnen sich in der öffentlichen Hängematte und kriegen den Hals nicht voll. Ein Busfahrer ist nun mal kein Ingenieur sondern "nur" Busfahrer. Man könnte ja auch Zementsäcke auf dem Bau schleppen statt bequem ein paar Stunden "Auto" zu fahren.

  16. 2.

    Liebe Arbeitgeber-Jetzt auch Ganztägig aussperren.

  17. 1.

    So sehr ich Arbeitskampf auch unterstütze, verständlich sind die Forderungen z. Z. für mich nicht! Für viele ´Andere´sind die ´mindestens 150 €´, mehr als zehn Prozent ihres Lohns. Also sind 4,8% noch sehr viel mehr!
    Das die Gehälter bei bestimmten Berufsgruppen beim ÖD erhöht werden sollten, Krankenhauspersonal, Altenpfege, ERzieherinnen, keine Frage. Jedoch gibt es auch einige bei denen man sparen könnte! Bei Verwaltung und Justiz zb, dann könnten auch mehr eingestellt werden. Nur mal so rein marktwirtschaftlich gedacht!

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