Apotheke in Berlin (Quelle: imago images/STPP)
Video: rbb|24 | 03.10.2020 | Material: zibb | Bild: www.imago-images.de/STPP

Techniker Krankenkasse bietet Hilfe an - 180 Apotheken in der Region von Pleite bedroht

Seit Anfang September warten Apotheken in Berlin und Brandenburg auf Geld von den Krankenkassen. Die Zahlungen bleiben aus, weil ein Abrechnungs-Dienstleister Pleite gegangen ist. Das bringt auch die Apotheken in eine gefährliche Lage.

In Berlin und Brandenburg sind zahlreiche Apotheken von der Insolvenz bedroht. Betroffen sind nach rbb-Informationen rund 80 Apotheken in Berlin und 100 in Brandenburg. Grund ist die Pleite des privaten Dienstleisters AvP, der die Abrechnung mit den Krankenkassen erledigt und das Geld dann weiterleiten soll. Durch die Pleite steckt der Monatsumsatz der Apotheken nun in der Insolvenzmasse des Dienstleisters, 300 Millionen Euro sollen auf AvP-Konten eingefroren sein. Schätzungsweise jede sechste Apotheke in Deutschland hat ihre Abrechnungen über den Dienstleister abgewickelt. Deshalb sind nach Angaben der Landes-Apothekerverbände nun bundesweit mehr als 3.000 Apotheken in ihrer Existenz gefährdet.

Hilfe für die betroffenen Apotheken hat am Freitag die Techniker Krankenkasse angekündigt. Sie werde ihre reguläre Abschlagszahlung von Anfang November auf Mitte Oktober vorziehen. Außerdem will sie eine Sonderzahlung an die neuen Abrechnungs-Dienstleister der Apotheken entrichten.

Jede fünfte Apotheke in Brandenburg betroffen

Die betroffenen Apotheken warten seit Anfang September vergeblich auf Geld von den Krankenkassen. In Berlin sind etwa zehn Prozent der Apotheken betroffen, in Brandenburg sind es rund 20 Prozent. Der Apothekerverband spricht von einer "sehr ernsten Situation". Zwar habe es bereits ein Spitzengespräch mit Banken und Arzneimittel-Großhändlern gegeben, um eine unverschuldete Pleitewelle abzuwenden. Die Zahlungen fehlten jedoch weiterhin. Deshalb müssten betroffene Apotheker hohe Kredite aufnehmen, um die ausstehenden Summen voraussichtlich über mehrere Jahre zu überbrücken.

Apotheken müssen Medikamente auf eigenes Risiko vorfinanzieren, die Krankenkassen zahlen erst Wochen später. Doch ehe Geld aus der Insolvenzmasse fließt, kann es lange dauern. Für viele ältere Apotheker ist die Lage besonders dramatisch - in Brandenburg geht etwa jeder dritte Apotheker in den nächsten zehn Jahren in den Ruhestand. Den hohen Zahlungsausfall bis dahin auszugleichen, werde äußerst schwierig.

Sendung: Inforadio, 02.10.2020, 06:00 Uhr

12 Kommentare

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  1. 12.

    Mit welchen Fakten stützen Sie Ihre Aussage, es gäbe zu viele Apotheken? - Apothekendichte im Vergleich zu den europäischen Nachbarländern, - Anzahl Apotheken im Vergleich zu Optikern/Bäckereien/Reisebüros/Ärzten, - zu viele unnütze Dienstleistungen aufgrund hoher Konkurrenz, - wenn so viele schließen können, müsse es ja erstmal genug geben?...ihre These aus Sätzen wie "um mich rum gibt es drei" abzuleiten ist dürftig.

  2. 11.

    Sehr gut bemerkt. Apotheker wurden lange geschützt. Und es gibt wirklich immer noch mehr als genug

  3. 10.

    Glaube ich nicht, dass die pleite gehen.
    Außerdem geht es doch gerade wieder aufwärts.

  4. 8.

    Treuhänderisch verwaltetes Geld würde voraussetzen, dass es Treuhandkonten gibt, auf denen das Geld der Krankenkassen und Apotheken getrennt von den übrigen Ein- und Ausgaben des Rechenzentrums verwaltet wird. War offenbar nicht so, wenn ich die bisherigen Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters nach Medienberichten richtig verstanden habe.
    Wenn ich auch das richtig verstanden habe, unterliegen diese Rechenzentren der - Sie ahnen es - Aufsicht der Bundesanstalt BaFin. Möglicherweise ist Ihnen der Name dieser Bundesanstalt kürzlich schon einmal aufgefallen. Richtig: da ging es um offenbar nicht vorhandene Treuhandkonten mit Milliardenbeträgen beim Pleite-Zahlungsdienstleister Wirecard.
    Nun ist die BaFin wahrscheinlich eher nicht die Ursache der konkreten Probleme. Zweifellos smart wäre es jedoch gewesen, wenn sie bei ihrer Aufsicht von sich aus auf diese Probleme aufmerksam geworden wäre. Ist sie aber nicht. Hättiche sind keine Habichte.

  5. 7.

    Die Gesetzgebung ist hier völlig ausreichend, solange das Geschäftsmodell des Dienstleisters das Geld wirklich treuhändisch verwaltet, ist es auch geschützt und wird nach Prüfung ausbezahlt werden.
    Wenn das Geschäftsmodell jedoch anders implementiert ist, ist dies auch nicht der Fall.
    Hier muss es die Verantwortung des wirtschaftlich tätigen Kunden sein zu prüfen wie das Geld gesichert ist (wie auch bei einem Konto, einem Aktiendepot etc. - gehören die Aktien der Bank oder verwaltet die Bank die Aktien für mich etc.)

  6. 6.

    Ist schon merkwürdig unser Insolvenzrecht, dass treuhändisch verwaltestes Geld als Unternehmenskapital in die Insolvenzmasse geht.

  7. 5.

    Sie sollten aber dabei bedenken, dass Apotheken Spätdiemste, Nachtdienste und auch durchgehend am WE Medikamente zur Verfügung stellen müssen. Da dies nicht von eine Apotheke alleine bewältigt werden kann, müssen eben mehrere Apotheken vorhanden sein. Lassen Sie sich einfach mal beim nächsten Besuch in Ihrer Apotheke eine Karte mit den entsprechenden Diensten aushändigen. Dann werden Sie festellen, dass die drei Apotheken in Ihrem 300m-Radius nicht ausreichen, um diese Dienste vollumfänglich anzubieten.

  8. 4.

    Da ist wohl etwas schief gelaufen. Wie kann das Geld der Apotheken Insolvenzmasse sein? Merkwürdige Gesetzgebung.

  9. 3.

    Das ist ein Beispiel dafür, dass der Hype der Digitalisierung von Arbeitsabläufen eben nicht nur Vorteile bringt. Mitunter dauert Handarbeit eben, dafür minimiere ich genau solche Risikoreichen Abhängigkeiten.

  10. 2.

    Leider gehören die Apotheken nicht zur Lufthansa, oder einem anderen Dax- Konzern, nein Apotheken gehören zu dem Volk, wie der Einzelhandel, Dienstleister und Gaststätten.

  11. 1.

    Ich denke mal, das wird es nicht allein sein was im Bericht steht. Es gibt einfach zu viele Apotheken. Da wo ich wohne im Umkreis von 300m allein drei. Und ehrlich, man sieht kaum Kunden.

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