Taxi-Demo am 14.10.2020 in Berlin-Mitte (Bild: rbb-Dachkamera)
Video: rbb|24 | 14.10.2020 | Material: Abendschau | Bild: rbb-Dachkamera

Demonstration vor Rotem Rathaus - Berliner Taxi-Branche protestiert gegen BER-Regelungen

Das Berliner Taxi-Gewerbe hat am Mittwoch vor dem Roten Rathaus gegen die Taxi-Regelungen am BER-Flughafen protestiert. Etwa 500 Taxifahrer hatten sich dort mit ihren Autos versammelt.

Wegen der Taxi-Demonstration waren die Spandauer Straße und Karl-Liebknecht-Straße zwischen Molkenmarkt, Marx-Engels-Forum und Memhardstraße für mehrere Stunden gesperrt. Die BVG-Buslinien 100, 200, 245, 248 und 300 wurden umgeleitet oder waren unterbrochen. Wie die Berliner Verkehrsinformationszentrale auf Twitter mitteilte, haben die Taxifahrer gegen 13:30 Uhr den Protestort wieder verlassen, die Sperrungen konnten aufgehoben werden.

Grund für den Protest: Im September hatten sich das Land Berlin und der brandenburgische Standort-Landkreis des BER, Dahme-Spreewald, darauf geeinigt, dass jeweils 300 Taxis aus der Hauptstadt und aus dem Landkreis ab der Inbetriebnahme am 31. Oktober den Airport anfahren. Maximal können je 550 Taxis zugelassen werden, erstmal ausgelost werden je 300. Die Auslosung erfolgt laut Nadolski am Donnerstag in Berlin.

In Berlin sind mehr als 7.000 Taxis gemeldet. Laut Berliner Taxi-Innung haben bislang 1.500 bis 2.000 Berliner Taxen die Reisenden vom City-Airport in Tegel zu ihren Zielen gebracht. Die BER-Regelung sei "vollkommen praxisfern und inakzeptabel", kritisiert die Innung auf ihrer Internetseite [taxiinnung.org].

Nadolski bemängelt "Ungleichbehandlung"

Im Gespräch mit rbb|24 fügte der Vorsitzende der Innung, Leszek Nadolski, hinzu, es gebe an mehreren Stellen Ungleichbehandlungen zwischen den Taxifahrern aus Brandenburg und Berlin: "Bei der Ortskundeprüfung müssen die Kollegen aus dem Landkreis nur 100 Ziele in Berlin beherrschen, wir Berliner müssen bei unseren Prüfungen 3.000 Ziele in der Hauptstadt begreifen können." Zudem herrsche in Berlin Aufzeichnungspflicht, im Landkreis Dahme-Spreewald nicht. "Auch bei den Tarifen liegen wir auseinander", kritisiert Nadolski.

Bislang fehlt ein einheitlicher BER-Tarif

Kritik an den BER-Reglungen übt auch die Berliner FDP-Fraktion. Deren infrastruktureller Sprecher Henner Schmidt sagte am Mittwoch laut einer Mitteilung, die Beschränkung auf 300 ausgeloste Fahrzeuge führe dazu, "dass der weitaus größte Teil Berliner Taxis leer wieder zurückfahren müsste, wenn er Passagiere am BER abgesetzt hat." Es gebe noch nicht einmal einen einheitlichen Taxitarif am Flughafen. Der Senat habe diese Vereinbarung schlecht verhandelt.

Die Einigung zwischen Berlin und dem Landkreis Dahme-Spreewald sieht bislang keinen einheitlichen Taxitarif für den Flughafen vor. Ein solcher solle noch vereinbart werden, hieß es aus der Senatsverwaltung für Verkehr. Bis dahin kann der Fahrpreis unterschiedlich ausfallen, je nachdem, ob Fahrgäste am BER in ein Taxi mit B oder ein LDS auf dem Kennzeichen einsteigen.

"Sperrstunde ist Faustschlag in unser Gesicht"

Innungschef Nadolski sagte im Gespräch mit rbb|24, gerade in Corona-Zeiten seien die Berliner Taxibetriebe auf neue Einnahmechancen wie jetzt beim BER-Flughafen angewiesen. "Die Pandemie ist für unsere Taxifahrerinnen und Taxifahrer eine einzige Katastrophe", so Nadolski. Seit Beginn der Corona-Pandemie beklage die Taxi-Branche enorme Auftragsrückgänge und Einbußen. "Bislang haben 1.000 Taxifahrer ihre Konzessionen aufgegeben, ich rechne bis zum Jahresende mit weiteren 1.000", so der Innungschef.

"Zum einen fehlen die Touristen, zum anderen sorgt die Sperrstunde in Berlin abends für ausbleibende Fahrgäste. Die Sperrstunde ist wie ein Faustschlag in unser Gesicht", erklärt Nadolski, der selbst Taxi fährt. Er konkretisiert: "Zwischen Mitternacht und 6 Uhr liegt der durchschnittliche Umsatz pro Stunde zwischen 8 und 10 Euro, das reicht noch nicht mal für den gesetzlichen Mindestlohn. Tagsüber haben Berliner Taxifahrer vor Corona pro Stunde durchschnittlich 22 bis 25 Euro eingefahren, jetzt sind es 12 Euro. Ich selbst muss mir überlegen, ob es für mich im nächsten Jahr mit dem Taxi weitergehen kann."

Sendung: rbb 88.8, 14.10.2020, 7 Uhr

22 Kommentare

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  1. 22.

    Als würde es hier irgendwem um die Umwelt gehen. Was für ein Geheuchel. Mit dem Flugzeug um die Welt aber sich über nen leeres Taxi echauffieren.

  2. 21.

    Warum kann es nicht zwei Taxi Halteplätze geben ? Die einen fahren mit günstigerem Tarif nach Berlin, die anderen mit dem teureren Brandenburger Tarif nach Brandenburg. Der mündige Fluggast wird doch wissen, wo er hin möchte.

  3. 20.

    Man stelle sich vor, die Flugzeuge dürfen nur Fluggäste am BER aussteigen lassen, und müssten dann leer zurückfliegen. Damit dann andere Flugzeuge, die leer von irgendwo kommen, die Fluggäste wieder abtransportieren.
    Hoffentlich hat dann jemand eine große Packung Hirn im Gepäckraum .

  4. 19.

    Am besten Den Flughafen nicht eröffnen und stattdessen Pferdeställe einrichten, dann könnten die Leute mit der Kutsche reisen. Mannomann !

  5. 18.

    Wir sind einmal vom Flughafen Schönefeld mit dem Taxi gefahren , aus dem Flughafen raus ,schon wurden wir angesprochen . Die Chaussee zwischen Schönefeld und Wasmannsdorf mit 150 km/h langgeflogen und in Mahlow an der Kreuzung brüllten wir den Fahrer an : „ Ey,Stoppstrasse !!!“
    Nie wieder , wir lassen uns bringen und abholen .

  6. 17.

    Ökologischer Unsinn sind die meines Eachtens zu vielen Taxen auf den Straßen. Gottseidank gibt es keine Fusion zwischen beiden Bundesländern.

  7. 16.

    Ich finde die Regelung fair. Ansonsten würden die Berliner ja hier wie Heuscharen einfallen und die einheimischen Taxifahrer gehen leer aus. Und je 300 Taxen aus Berlin und LDS sind durchaus gerecht geteilt. Wer vom Flughafen weg will, soll den ÖPNV nutzen oder gar nicht erst fliegen. Und wenn man nicht fliegt, sind weniger Flugzeuge in der Luft, weniger Autos unterwegs in einer völlig hoffnungslosen Infrastruktur. die Umeltbelastung wird geringer.

  8. 15.

    Die Leute, die vom Flughafen BER abgeholt werden wollen, rufen ein Taxi aus Berlin und verabreden dabei einen Preis.
    Dann kommt das Taxi nicht mehr als Taxi, sondern als Mietwagen, und als Mietwagen darf der Fahrer Fahrgäste am BER abholen.

  9. 14.

    Wenn der für die Genehmigung zuständige Langkreis nicht mit sich verhandeln will, dann kann Berlin da wenig machen

  10. 13.

    der Flughafen liegt aber nur einmal in Brandenburg, und der Landkreis LDS ist für die farterlaubnis zuständig, niemand vom Berliner Senat.

  11. 12.

    Die Grüne Verkehrssenatorin (Günther) beweist mit diesem Abkommen, dass sie nicht für die Umwelt steht, sondern für die Luftverschmutzung!!!.
    Denn tagtäglich müssen Tausende Taxen leer wieder zurückfahren. Man man man..

    Der Flughafen heißt doch BERLIN !!! und Brandenburg oder nicht?

  12. 10.

    Warum muss man denn überhaupt etwas "regeln"? Eine schlichte Einschränkung durch begrenzte Stellplätze und first come first serve. Wenn es unterschiedliche Tarife gibt, macht man die für Kunden deutlich und verschiedene Einstiegzonen. Dann entscheidet der Fahrgast.
    ODER
    Nur Brandenburger Taxen erlauben, schließlich "wollten" die Berliner keinen eigenen Flughafen mehr :)

  13. 9.

    Sehr richtig, dem ist eigentlich nicht viel hinzuzufügen. Ich will zum BER, nehme ein Taxi. Ich steige aus und ein Ankommender steigt ein und fährt nach hause. Ganz einfach, nur muss in Deutschland irgendwer alles festschreiben, auch wenn es Unsinn ist.

  14. 8.

    Wir diskutieren über den Klimawandel und eine völlig zugestaute Stadt Berlin (insbesondere auf der Autobahn zum neuen Flughafen) und dann lassen wir Taxis zwangsweise leer durch die Gegend fahren. Ich glaube es hackt. Ich - für meinen Teil - werde im Bereich des kleinen zivilen Ungehorsams die leeren Berliner Taxis kapern und auf keinen Fall (!) ein LDS-Taxi nehmen. versprochen... Wenn wir das alle machen, können Sie den Schwachsinn gleich wieder einkassieren...

    Aber erstmal müssen wir ja Corona abwarten...

  15. 7.

    Wo ist er denn baufällig? Ist er nicht gerade erst abgenommen worden?

  16. 6.

    Dieses Papier ist doch ein Witz wir sprechen von Umweltverschmutzung und dann so ein sinnloses Abkommen. Die Leute die sowas aushandeln sind in meinen Augen Weltfremd in Sachen Umwelt Schutz und für die Taxifahrer unwirtschaftlich.

  17. 5.

    Warum macht man nicht zwei halte Buchten, und auch nur dort dürfen die Taxen halten und Fahrgäste auf nehmen,

  18. 4.

    Dann eben Taxen mit B-Kennzeichen nur für Berlin und die anderen nach Brandenburg. Getrennte und gekennzeichnete Einstiege. Punkt

  19. 3.

    Der jetzige Vertrag ist doch ökologischer Unsinn.
    Warum müssen Taxis, welche Fluggäste zum BER bringen aber nicht entsprechend ausgelost wurden, wieder leer in die Stadt zurück fahren?

    Und was ist mit Fluggäste die aufgrund der Limitierung kein Taxi vorfinden weil alle ausgelosten Fahrzeuge unterwegs sind und ankommende Berliner Taxis niemand mitnehmen dürfen.
    Das ist doch ein Stück aus dem Tollhaus.

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